Arbeitskreis: Was ist Phänomenologie?

Als Begründer der Phänomenologie wird der Mathematiker und Philosoph Edmund Husserl angesehen. Dieser erlangte im Jahre 1900 Bekanntheit durch die Logischen Untersuchungen. In diesem Text möchte er das zu dieser Zeit geltende Paradigma, den Psychologismus, der zum Beispiel von Wilhelm Wundt oder Benno Erdmann vertreten wird, widerlegen. Kurz gesagt kritisiert Husserl vor allem die Auffassung der Psychologisten, dass die Logik eine Wissenschaft wäre, die von psychischen Phänomenen des Subjekts handelt und diese deskriptiv erfasst. Er weist auf, dass die Logik eine normative Wissenschaft ist, die Gesetze formuliert, die angeben, wie man denken soll. Für diese Argumentation nutzt Husserl mitunter erstmals die phänomenologische Methode. Für diesen methodischen Zugang wurde er kritisiert. Einige meinten, dass die Phänomenologie selbst eine psychologistische Methode wäre, da sie auf das reine Bewusstsein rekurriert, was zumindest wie ein psychologischer Begriff aussieht. Als Antwort auf die Kritiker veröffentlichte Husserl 1913 Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie (Ideen 1). Dort erklärt er, dass die Phänomenologie eine Transzendentalphilosophie ist und damit auf die Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis und nicht auf die Psychologie rekurriert.
Bereits hier zeigt sich, dass schon zur Anfangszeit der Phänomenologie Verwirrung über ihre Methode und ihren Gegenstand bestand.

Von Husserl ausgehend wurden in den letzten 100 Jahren diverse Werke publiziert, deren Autoren von sich selbst oder von anderen als Phänomenologen bezeichnet werden. In diesem Arbeitskreis wollen wir herausfinden, ob, und wenn ja, wie diese teils doch recht verschiedlichen Werke unter dem Sammelbegriff „Phänomenologie“ zusammenpassen. Im close reading werden in der AG verschiedene Texte gemeinsam erarbeitet, d.h., dass wir die Texte gemeinsam bei den Treffen lesen und Vorkenntnisse nicht nötig sein sollen.

Meldet euch bei Interesse gerne direkt bei mir, Torben Steinmeyer: tsteinme@uni-muenster.de