Arbeitskreis: Erlanger Konstruktivismus

Dirk Hartmann schreibt in seinem Vorwort zu einem mehrbändigen System der philosophischen Wissenschaft, dass „nichts, oder jedenfalls nichts, was philosophisch von Bedeutung ist, einfachhin als ‚gegeben‘ hingenommen werden darf“. Jener ausgeprägte Skeptizismus ist die Haltung eines „enttäuschten Kenners“, der den wissenschaftlichen und philosophischen Betrieb kennt und die Erfahrung von „unverständlich gegeneinander aufgefahrenen Standpunkten“ (Lorenzen & Kamlah) gemacht hat. Wenn man diesen Skeptizismus nicht dogmatisch hinnehmen will, so erscheint gerade er als Möglichkeit, zu wissenschaftlichen Sätzen zu gelangen, die nicht privat bleiben, sondern für jedermann nachvollziehbar und dadurch überhaupt erst überprüfbar werden. Die Situation verlangt also nach der Disziplinierung gemeinsamen wissenschaftlichen Treibens. Der „enttäuschte Kenner“ ist nun kein Ausdruck von Hoffnungslosigkeit mehr, sondern ein methodisches Prinzip, das jegliches Aufkommen von Hoffnungslosigkeit vereitelt, wenn man jeden Schritt, der im Vollzug wissenschaftlichen Argumentierens gemacht wird, daraufhin überprüft, ob er prinzipiell jedem zugänglich bleibt.

Die sogenannte „Erlanger Schule“ hat sich die Haltung des enttäuschten Kenners als methodisches Prinzip zu eigen gemacht und entfaltet in verschiedenen Texten, die Logik, Ethik und Wissenschaftstheorie betreffen, wie zentrale Termini so eingeführt werden, dass ihre Verwendung und Zweckmäßigkeit jedem zirkelfrei begreiflich gemacht werden können. Dieser Arbeitskreis wird sich vor allem mit den frühen bis mittleren Texten (1960–1999) der Schule auseinandersetzen. Dabei wird das Ausgangsproblem, das zur Entstehung jener Ausprägung methodischen Philosophierens geführt hat, ernst genommen. Das bedeutet, wir nehmen selbst die Haltung des enttäuschten Kenners ein und messen die Texte stets an ihrem Anspruch, Termini zirkelfrei und für jedermann verständlich zu etablieren.

Der Arbeitskreis setzt keine Vorkenntnisse oder Vorbereitung voraus; alle Inhalte werden gemeinsam in den Sitzungen erarbeitet. Die Treffen finden wöchentlich während der Vorlesungszeit statt. Bei Interesse meldet euch gerne bei Joshua Neumann unter: j.neumann6@uni-muenster.de