Vita

Benjamin Seebröker ist Historiker für die Geschichte der europäischen Frühen Neuzeit und seit 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Käte Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht" der Universität Münster tätig.

Nach dem Abschluss seines Masterstudiums der Geschichte an der TU Dresden (2016) arbeitete er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit im DFG-Projekt „Zivilisierung der Gewalt? Eine kritische Sekundäranalyse vormoderner Quellengrundlagen" sowie im SFB 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung". Von 2018 bis 2022 promovierte er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes an der TU Dresden und verbrachte im Rahmen der Promotion 2019/20 einen Forschungsaufenthalt als Visiting Researcher an der University of Warwick. Seine Dissertation erschien 2023 unter dem Titel „Interpersonelle Gewalt und gesellschaftlicher Wandel. Lancashire 1728–1830“.

Neben der englischen Geschichte des 18. Jahrhunderts umfassen seine thematischen Schwerpunkte die Herrschafts- und Grundherrschaftsgeschichte im Alten Reich, die Geschichte der Gewalt sowie die Strafrechts- und Kriminalitätsgeschichte. Im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses stehen umfassende gesellschaftliche Transformationsprozesse und die wechselseitigen Dynamiken von Stabilität und Wandel.

Forschungsprojekt

Herrschaft und Grundherrschaft im Alten Reich (ca. 1550–1800)

Für ein eingehenderes Verständnis von frühneuzeitlicher Herrschaft und ihrer Funktionsweise ist ein Blick auf Grundherrschaften unerlässlich. Sie waren als unterste Herrschaftsebene in weiten Teilen Europas essenziell für das gesamte Herrschaftssystem und wiesen als Herrschaftsformation ein hohes Maß an struktureller Stabilität während der gesamten Frühen Neuzeit auf. Im Alten Reich lebten zudem über 90% der Bevölkerung auf dem Land oder in kleinen Städten. Für diese Menschen war die Grundherrschaft die zentrale Herrschaftsinstanz in nahezu allen Belangen und für somit ihren Alltag und ihre Erfahrungen mit Herrschaftsverhältnissen prägend.

In den aktuell diskutierten und vornehmlich die Territorialherrschaft fokussierenden Beschreibungsmodellen finden Grundherrschaften jedoch kaum Beachtung. Auch deshalb lassen sich die Herrschaftsbeziehungen in Grundherrschaften mit diesen, die Handlungsmacht der Beherrschten betonenden Modelle (z.B. akzeptanzorientierte Herrschaft, Herrschaft durch Aushandeln) nicht überzeugend beschreiben. Denn innerhalb von Grundherrschaften kam das Macht- und Ressourcenungleichgewicht mitunter stärker zum Tragen als in anderen Herrschaftskontexten und für die wachsende, sog. ‚unterbäuerliche‘ Schicht war eine Partizipation am Kommunikationsprozess Herrschaft ohnehin nur sehr begrenzt möglich.

Anhand einer vergleichenden Analyse von vier Grundherrschaften, möchte das Projekt deshalb das Spannungsfeld zwischen Aushandeln und Zwang in frühneuzeitlichen Herrschaftsbeziehungen neu vermessen. Es folgt dabei der jüngeren Forschung, in dem es Herrschaft als Kommunikationsprozess fasst, möchte diese Kommunikationsprozesse aber stärker an die sozialen, ökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen rückbinden, die deren Grundlage bildeten. Dadurch verspricht sich das Projekt zugleich eine neue Perspektive auf frühneuzeitliche Herrschaft insgesamt.

Veröffentlichungen

Monographie

Interpersonelle Gewalt und gesellschaftlicher Wandel. Lancashire 1728–1830 (Konflikte und Kultur 42), München 2023.
open access: http://dx.doi.org/10.24053/9783739882253

Die Forschungsrohdaten zu dieser Publikation werden via Zenodo zur Verfügung gestellt: https://zenodo.org/doi/10.5281/zenodo.8288686

Rezensionen zur Monografie:

Thomas Sokoll, in: German Historical Institute London Bulletin, 47/2 (2025), 68–72.
open access: https://doi.org/10.25360/01-2025-00054

Joachim Eibach, in:  Zeitschrift für Historische Forschung, 52/1 (2025), 190–191. https://doi.org/10.3790/zhf.2025.408148

Herausgeberschaft

Konzeptforum Justiznutzung, (EViR Working Papers 18), Münster 2025.
open access: https://doi.org/10.17879/20998610381

Zeitschriftenartikel und Beiträge in Sammelbänden

Justiznutzung als Form der sozialen Kontrolle, in: Konzeptforum Justiznutzung, hrsg. v. Benjamin Seebröker, (EViR Working Papers 18), Münster 2025, 85–92.
open access: https://doi.org/10.17879/20998610381

Vom Tatort vors Gericht. Mündlichkeit und Verwaltungsschrifttum in englischen Gerichtsakten des 18. Jahrhunderts, in: Die Sprachen der Frühen Neuzeit. Europäische und globale Perspektiven, hrsg. v. Mark Häberlein/Andreas Flurschütz da Cruz (Frühneuzeit-Impulse 6), Köln 2024, 419–429.

Zur Abwesenheit konfessioneller Marker in den Strafverfolgungsakten Lancashires im langen 18. Jahrhundert, in: Gesellschaftliche Diversität und Phänomene rechtlicher Einheit und Vielfalt in der vormodernen Stadt. Effekte konfessioneller und religiöser Diversität, hrsg. v. Ulrike Ludwig (EViR Working Papers 7), Münster 2024, 77–93.
open access: https://doi.org/10.17879/88978695995

[Art.] Norm-Praxis-Konflikt, in: Münsteraner Glossar zu Einheit und Vielfalt im Recht, 3. Ausgabe (EViR Working Papers 11), Münster 2024, 119–122, zus. m. Clara Harder.
open Access: https://doi.org/10.17879/46918569748

[Art.] Centre and Periphery, geographical, in: Münsteraner Glossar zu Einheit und Vielfalt im Recht, 4. Ausgabe (EViR Working Papers 11), Münster 2024, 17–19.
open access: https://doi.org/10.17879/46918569748

Arbeitsmigration in der süddeutschen NS-Kriegswirtschaft. Computergestützte Datenexploration mittels historischer Geoinformation und Netzwerkanalyse, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 74, 9/10 (2023), 550-570, zus. m. Alina Ostrowski, Jorrit Hopp, Lukas Bartl, Markus Gerstmeier, Heiko Brendel, Simon Donig, Malte Rehbein

Lethal Violence in Decline? A Critical Review of Historical Homicide Rates in England, in: Crime, Histoire & Sociétés 25, 2 (2021), 33–57.
open access: https://doi.org/10.4000/chs.3050

Hard Numbers? The Long-Term Decline in Violence Reassessed. Empirical Objections and Fresh Perspectives, in: Continuity and Change 36, 1 (2021), 1–32, zus. m. Gerd Schwerhoff, Alexander Kästner, Wiebke Voigt
open access: https://doi.org/10.1017/S0268416021000096

„Alles kommt vom Bergwerk her“? Städtische Identität und Bergbau in Chroniken erzgebirgischer Städte in der Frühen Neuzeit, in: Neues Archiv für Sächsische Geschichte 90 (2019), 109–128.

Beschaffen, verwalten, begraben. Die Dresdner Anatomie und ihre Leichen, 1748-1817, in: Tiefe Einblicke. Das anatomische Theater im Zeitalter der Aufklärung, hrsg. v. Johanna Bleker/Petra Lennig/Thomas Schnalke (Kaleidogramme 167), Berlin 2018, 205–221, zus. m. Alexander Kästner

Rezensionen für Zeitschrift für Historische Forschung und Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte.