Studentische Tagung „Herrschaftswechsel im Mittelalter. Dynamiken, Hintergründe, Folgen“

Antragstellerin: Hannah-Marie von Legat, Katharina Reuther
Fachbereich, Studienrichtung: FB 08 Geschichte/Philosophie, FB 09 - Philologie, Master Geschichte, Interdisziplinäre Mittelalterstudien
Projekttitel: Herrschaftswechsel im Mittelalter. Dynamiken, Hintergründe und Folgen
Fördersumme: 633,45 Euro
Kontakt: hannah.von.legat@uni-muenster.de

Projektbeschreibung:

Vom 6.-7- Oktober 2023 fand in Münster unsere studentische Tagung unter dem Titel „Herrschaftswechsel im Mittelalter. Dynamiken, Hintergründe, Folgen“ statt. Hauptanliegen der Tagung war es, Studierende mit Interesse für das Mittelalter an der Universität Münster zusammenzubringen und zum in der Forschung aktuell viel diskutierten Thema von Herrschaftswechseln im Mittelalter einen eigenen Beitrag zu leisten.

Anhand einer im Vorfeld von den Veranstalterinnen erarbeiteten Definition von „Herrschaft“ respektive „Herrschaftswechsel“ war es unser Ziel, die Rolle der unterschiedlichen Akteur*innen rund um diesen zu beleuchten. Im Anschluss an die Forschung der letzten Jahre haben wir uns bemüht, eine möglichst breite Perspektivierung auf die agency unterschiedlicher beteiligter Gruppen sowie auf die vielschichtigen Dynamiken auch jenseits ‚klassischer‘ und bekannter Herrschaftswechsel vorzunehmen und diese durch möglichst breit gestreute Beispiele zu illustrieren. Es freut uns sehr, dass die Tagung durch Vorträge aus zahlreichen Disziplinen (Geschichtswissenschaft, Theologie, Linguistik), verschiedenen Epochen des Mittelalters sowie breit gefächerten geografischen Räumen von der Iberischen Halbinsel bis zum normannischen England bereichert wurde. Besonders freut es uns, dass vor dem Hintergrund der Akteur*innengruppen die Rolle und agency von Frauen im Mittelalter in mehreren Vorträgen und Diskussionsbeiträgen fokussiert wurde.

Durch die Einteilung in die Sektionen „Herrschende“, „Beherrschte“ und „Weitere Akteur*innen“ sollten die Perspektiven und Handlungsspielräume aller am Herrschaftswechsel Beteiligten in den Blick genommen werden, wobei gleichzeitig der Konstruktionscharakter einer solchen statischen Einteilung kritisch hinterfragt wurde. Nichtsdestoweniger erwies sich unsere Sektionseinteilung als grundsätzlich sinnvoll, wenngleich im Laufe der Tagung und der Diskussionen die Schwierigkeit der festen Zuordnung – ganz in unserem Sinne – deutlich herauskristallisierte. So erwiesen sich nicht nur einzelne Vorträge aus der Retrospektive als besser in einer anderen Sektion aufgehoben, da die fokussierten Akteur*innen sich doch (im betrachteten Zeitraum) als einer anderen Gruppe zugehörig erwiesen, als es auf den ersten Blick schien. Viele der behandelten Akteur*innen wiesen hingegen Merkmale verschiedener Gruppen auf oder wechselten im Verlauf des Herrschaftswechsels von einer zur anderen. Die von uns bereits antizipierte Fluidität der Gruppen wurde also durch die Fallbeispiele bestätigt und auch in der Abschlussdiskussion noch einmal ausführlich thematisiert und kritisch diskutiert.


Des Weiteren war es uns ein Anliegen, durch die bewusst offene Auslegung von Herrschaftswechseln eine möglichst hohe Anschlussfähigkeit für Studierende nicht nur unterschiedlicher Fächer, sondern auch verschiedener Niveaus zu garantieren. Durch eine Spannweite von einer Vortragenden im zweiten Bachelorsemester bis hin zu einem Kommilitonen, der aus seiner fast abgeschlossenen Masterarbeit vortrug, konnten wir einen besonders breiten und damit fruchtbaren Austausch ermöglichen, sowie Studierende in unterschiedlichen Stadien vernetzen. Zudem haben wir die Rückmeldung bekommen, dass viele der Teilnehmenden bei uns ihre erste Tagungserfahrung gemacht haben. Dies freut uns als Veranstalterinnen ganz besonders und wir hoffen, damit auch Lust auf weitere Tagungen und die aktive studentische Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs gemacht zu haben.

In diesem Zusammenhang stand auch das Ziel der Tagung, die Vernetzung und offene Diskussion von Studierenden und Dozierenden zu fördern. Wir sind sehr dankbar für die beiden Beiträge aus der Dozierendenschaft der Universität Münster (keynote durch Dr. Julia Bühner und Abendvortrag durch Dr. Christian Scholl), die unsere Tagung sowohl inhaltlich bereichert als auch ihre Anknüpfung an die aktuelle Forschungsdebatte unterstrichen haben. Durch die Einordnung der titelgebenden keywords „Dynamiken, Hintergründe, Folgen“ in ihre eigene sowie die weitere mediävistische Forschung rund um Herrschaftswechsel der letzten Jahre, bot uns Dr. Julia Bühner einen idealen Einstieg in unsere eigenen, studentisch erforschten Fallbeispiele. Dr. Christian Scholl griff in seinem Abendvortrag ein Beispiel seiner eigenen Forschung heraus und führte die Zuhörenden – ganz im Sinne der von uns angestrebten Interdisziplinarität – in den Grenzbereich zwischen Antike und Mittelalter, Geschichtswissenschaft und Archäologie. Zudem bereicherten sowohl die beiden Vortragenden als auch weitere teilnehmende Dozierende der Universität Münster unsere Tagung durch ihre Diskussionsbeiträge.

Der Hauptfokus unserer Veranstaltung lag freilich auf dem deutschlandweiten/internationalen Austausch mediävistisch interessierter Studierender untereinander. Neben der bereits erwähnten erfreulichen Bandbreite von Niveaus ist es uns zudem geglückt, nicht nur Vortragende, sondern auch Teilnehmende weit über Münster hinaus zu erreichen. Neben einzelnen Teilnehmenden aus Bielefeld und Göttingen besuchte uns eine ganze Gruppe Studierender aus Bochum, die an der dortigen Universität den Master „Mittelalter- und Renaissancestudien“ (das Äquivalent zum Münsteraner Master „Interdisziplinäre Mittelalterstudien“) studieren. Zwischen dieser Gruppe und der Hochschulgruppe „æævum heu medium“ ist eine weiterführende Zusammenarbeit geplant. Darüber hinaus ging von allen Teilnehmenden der Wunsch aus, auch in Zukunft Kontakt zu halten und eventuell weitere Veranstaltungen gemeinsam zu planen.

Zudem ist eine Veröffentlichung der Tagungsergebnisse auf der Plattform „Mittelalter Digital“ in Arbeit, um unsere Tagungsergebnisse festzuhalten und über Münster hinaus zugänglich zu machen. Die Beiträge eines Großteils der Vortragenden erscheinen voraussichtlich im Februar.

Insgesamt hat die Veranstaltung gezeigt, dass Tagungen auch von studentischen Träger*innen wie einer Hochschulgruppe mit entsprechender finanzieller Unterstützung gut umgesetzt werden können. Wir Veranstalterinnen haben überwältigendes positives Feedback sowohl von Studierenden wie von Dozierenden bekommen und fühlen uns bestärkt und motiviert, auch in Zukunft aktiv an Forschungsdebatten teilzunehmen und sie aus studentischer Perspektive heraus mitzugestalten. Die auf der Tagung gewonnen Erfahrungen und Erkenntnisse sowie die neu geknüpften Kontakte bilden dafür die Grundlage.