Vielfalt sichtbar machen, Perspektiven öffnen, Macht reflektieren: Die Diversity-Woche vom 18. bis 22. Mai an der Universität Münster rückt Perspektivenvielfalt und den Umgang mit Macht an der Hochschule in den Mittelpunkt. Sie nimmt unterschiedliche Perspektiven auf Diversitätsfragen in den Blick, greift zielgruppenspezifische Bedarfe auf und setzt Impulse für eine diskriminierungssensible und chancengerechte Hochschulkultur.
Zum Auftakt der Diversity-Woche zeigt die Universität Münster am Montag, 18.05., um 15 Uhr den Film „Fassaden“ im Schlosstheater Münster (Eintritt frei); um Anmeldung wird gebeten. Zu Gast ist die Regisseurin Alina Cyranek. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Arbeitskreis Gewaltschutzgesetz Münster und mit finanazieller Unterstützung der Sparkasse Münsterland Ost statt.
Am Dienstag, 19.05., um 18 Uhr spricht Lisa Niendorf, Autorin des SPIEGEL-Bestsellers „UNIversal gescheitert?“, online über „Macht und Machtmissbrauch in der Wissenschaft“. Im Mittelpunkt stehen Machtmissbrauch als strukturelles Problem sowie die Frage, wie Abhängigkeiten, institutionelle Regeln und eine Kultur des Schweigens Machtmissbrauch an Hochschulen begünstigen. Um Anmeldung wird gebeten.
Die Universität Münster vergibt in diesem Jahr erneut den Diversity-Preis. Mit dem Preis werden innovative Projekte und Maßnahmen ausgezeichnet, die zu einer chancengerechten, diskriminierungsfreien und vielfältigen Campus- und Organisationskultur beitragen und diese nachhaltig stärken.
Der Diversity-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre von der Rektorin bzw. dem Rektor verliehen. Die Auszeichnung richtet sich an einzelne Mitglieder, Gruppen von Mitgliedern, Arbeitsbereiche, Einrichtungen, Fachbereiche oder Fakultäten der Universität Münster. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen des Neujahrsempfangs.
Universitätsmitglieder sind herzlich eingeladen, sich mit geeigneten Projekten und Maßnahmen zu bewerben.
Diversität beschreibt das Vorhandensein von Unterschieden innerhalb einer Gruppe von Menschen. In Diskussionen über soziale Gerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe geht es bei Diversity um Unterschiede in der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen, z. B. in Bezug auf Geschlecht, Geschlechtsidentität, Alter, ethnische Herkunft, kulturelle Hintergründe, sexuelle Orientierung, körperliche und geistige Fähigkeiten und Religion. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Themen erfordert Wissen und Verständnis für historische und aktuelle Erfahrungen von Benachteiligung und Ausgrenzung.
Es ist wichtig, Diversity als etwas zu sehen, das verbindet und nicht trennt. Vielfalt bedeutet, unsere Unterschiede ebenso anzuerkennen und wertzuschätzen wie unsere Gemeinsamkeiten. Die (selbst-)kritische Beschäftigung mit systemischer und institutionalisierter Diskriminierung sowie bestehenden Machtstrukturen und Privilegien sind ebenso wichtig wie der gemeinsame Austausch um Diversität als Chance für gemeinsames Lernen und Wachstum zu nutzen.
Diversity Dimensionen
Das von Lee Gardenswartz und Anita Rowe 1993 entwickelte „Diversity-Wheel“ ermöglicht ein breites Verständnis von Diversität, dass über die allgemein bekannten und im AGG genannten Diskriminierungskategorien hinaus weitere Dimensionen berücksichtigt, die im Kontext von Organisationen und Hochschulen relevant sein und zu Benachteiligung führen können. Des Weiteren können anhand des "Diversity Wheels" Mehrfachdiskriminierungen aufgrund von gleichzeitiger Zugehörigkeit zu mehreren Vielfaltsdimensionen sichtbar gemacht werden, d.h. es beugt einer Etikettierung und Stereotypisierung, die bei vereinfachten Zuschreibungen entstehen könnten, vor. Es differenziert in vier Ebenen:
Persönlichkeit: alle diejenigen Merkmale, die als persönlicher Stil oder persönliche Präferenzen einer Person bezeichnet werden können
Die innere Dimension beinhaltet die primären sozialen Kategorien, die im AGG explizit genannt sind: Geschlecht, Sexuelle Orientierung, Race, Herkunft/Nationalität und Ethnizität, physische und psychische Fähigkeiten und Alter.
Zur äußeren Dimension zählt das Modell die Merkmale soziale Herkunft, sozioökonomische Lebensbedingungen, Religion und Weltanschauung, Migration und Migrationserfahrung, Berufserfahrung, Familienstand und -situation.
Darüber hinaus ist die organisationale Dimension ebenfalls wichtig. In einer universitären Struktur beinhaltet sie die Merkmale Arbeitsort, Arbeits- oder Studienfeld, Einrichtung, Managementposition, Studienstatus und verwandte Merkmale.
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem von Gardenswatz und Rowe entwickelten Modell des Diversity Wheels ist jedoch unabkömmlich. Die explizite Benennung von Identitätsmerkmalen und sozialen Kategorien und die Unterscheidung zwischen inneren und äußeren Dimensionen erzeugt auch Probleme. Eine derartige Kategorisierung kann zu einer Naturalisierung oder Essentialisierung von Unterschieden und damit (unbewusst) verknüpften Werturteilen und daraus resultierenden Diskriminierungen beitragen und damit dem Ziel der Etablierung einer diskriminierungsfreien und chancengerechten Organisationskultur entgegenstehen. Andererseits ist das Ziel der Dekonstruktion von Differenz, der Förderung von Chancengerechtigkeit und der Abbau von Diskriminierung nur über die Anerkennung von Differenz zu erreichen, wozu diese zunächst auch explizit benannt werden muss.