Rückblick auf die Diversity-Woche 2026 an der Universität Münster
Unter dem Motto „Vielfalt sichtbar machen, Perspektiven öffnen, Macht reflektieren“ hat die Universität Münster vom 18. bis 22. Mai 2026 Mitarbeitende, Lehrende und Studierende zur Diversity-Woche 2026 eingeladen. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr unterschiedliche Perspektiven auf Vielfalt an der Universität sowie der Umgang mit Macht im Hochschulkontext. Die Veranstaltungen nahmen in den Blick, wie Machtverhältnisse das universitäre Miteinander prägen, wo strukturelle Ungleichheiten und Machtmissbrauch wirksam werden können und welche Bedeutung dies für eine diskriminierungssensible und chancengerechte Hochschulkultur hat. Mit vielfältigen Formaten eröffnete die Diversity-Woche Raum für Information, Reflexion und Austausch.

Den Auftakt der Diversity-Woche bildete die Vorführung des Dokumentarfilms „Fassaden“ im Schlosstheater Münster am 18. Mai. Gemeinsam mit der Regisseurin Alina Cyranek setzte sich die Universität Münster mit dem Thema häusliche Gewalt auseinander und eröffnete damit bewusst einen Raum für die Auseinandersetzung mit Macht, Abhängigkeit und struktureller Unsichtbarkeit von Gewalt. In ihrer Begrüßung betonten Tanja Beck, Koordinatorin Diversity, und Ludger Hiepel, Vorsitzender der Senatskommission für Diversity, die Verbindung zwischen dem diesjährigen Schwerpunktthema „Macht und Machtmissbrauch im Hochschulkontext“ und den im Film dargestellten Dynamiken häuslicher Gewalt.
Gewalt, so Beck, sei kein rein privates Problem, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse, die von Kontrolle, Abhängigkeit und Schweigen geprägt seien. Diese Mechanismen könnten auch in Institutionen wie Hochschulen wirksam werden und sich auf Studium, Arbeit und wissenschaftliche Karrieren auswirken.

Der Film machte eindrücklich sichtbar, wie Gewalt hinter einer scheinbar intakten Oberfläche verborgen bleiben kann, und lud dazu ein, genauer hinzusehen – auf das Unsichtbare, das Ungesagte und auf gesellschaftliche Strukturen, die Machtmissbrauch begünstigen. Im anschließenden Gespräch mit der Regisseurin diskutierten die Teilnehmenden über gesellschaftliche Verantwortung, Schutzräume und die Bedeutung einer diskriminierungssensiblen Universitätskultur. Die Veranstaltung fand in Kooperation der Senatskommission für Diversity und der Senatskommission für Gleichstellung stattt und in Zusammenarbeit mit dem sowie den Arbeitskreis Gewaltschutzgesetz Münster. Finanziell wurde sie unterstützt durch die Sparkasse Münsterland Ost unterstützt.
Mit historischen Perspektiven auf Diversität beschäftigten sich die „Diversity Dialogues in Classical Studies“ im Archäologischen Museum der Universität. Unter dem Titel „Was bedeutet Fremdsein in der Antike?“ diskutierten Patrick Sänger und Sabine Huy darüber, wie Fremdheit in antiken Gesellschaften definiert wurde und welche kulturellen Folgen sich daraus ergaben.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie gegenwärtige Debatten um Zugehörigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftliche Teilhabe auch aus historischer Perspektive betrachtet werden können.
Großes Interesse fand zudem der Online-Vortrag „Macht und Machtmissbrauch im Wissenschaftssystem“ mit Lisa Niendorf. Die Bildungswissenschaftlerin und Autorin setzte in ihrem Online-Vortrag am 19. Mai einen pointierten Impuls zu Macht und Machtmissbrauch im Wissenschaftssystem. Mit großer Klarheit benannte sie strukturelle Problemlagen auch dort, wo sie unbequem sind, und machte deutlich, dass Machtmissbrauch die gesamte Hochschulgemeinschaft betrifft. Zugleich ermutigte sie dazu, die Kultur des Schweigens zu durchbrechen: hinzuschauen, Grenzen zu setzen, Verantwortung zu übernehmen und die eigene Position solidarisch zu nutzen, um Machtmissbrauch zu benennen und Veränderung anzustoßen. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Münster Centre for Emerging Researchers (CERes) und dem Center for International Gender Studies (CIGS).
Darüber hinaus bot die Diversity-Woche weitere Austausch- und Vernetzungsformate. Der Workshop „Macht und Mikropolitik souverän umgehen“ richtete den Blick erstmals gezielt auf Mitarbeitende in Technik und Verwaltung und eröffnete einen wichtigen Reflexionsraum dafür, wie Machtverhältnisse, informelle Einflussstrukturen und Handlungsspielräume auch jenseits wissenschaftlicher Karrierewege wirksam werden.
Im Format „Diversity dezentral“, zu dem Tanja Beck und Ludger Hiepel eingeladen hatten, diskutierten Vertreter:innen aus Fachbereichen, Dekanaten und Diversity-Strukturen über nachhaltige Diversity-Arbeit auf Fachbereichsebene. Sie bot Raum für Diskussion, Vernetzung und gemeinsame Reflexion – und setzte wichtige Impulse für eine diversitätssensible und verantwortungsvolle Universitätskultur.
Ein weiterer Workshop zum Thema „Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz“ mit Dr.in Sandra Schwark sensibilisierte für die Bedeutung aktiven Hinsehens und Eingreifens bei Sexismus, sexueller Belästigung und grenzverletzendem Verhalten und zeigte konkrete Handlungsmöglichkeiten auf, um Verantwortung nicht allein den Betroffenen zu überlassen.

