Professorin Dr. Angela Stevens

© privat/Markus Schmidtchen

Angela Stevens ist Professorin für Angewandte Analysis. Sie arbeitet zur Theorie von nichtlinearen partiellen Differentialgleichungen (PDGL) und dem qualitativen Verhalten ihrer Lösungen. Dabei interessieren sie besonders parabolische PDGL und Transportgleichungen, aber auch hyperbolische PDGL und das Limesverhalten von interagierenden stochastischen Vielteilchensystemen.

Zentral in ihrer Forschung ist die mathematische Modellierung in Biologie und Medizin. Hier analysiert sie insbesondere entwicklungsbiologische Prozesse und Zellbewegung. Viele ihrer Arbeiten verbinden rigorose mathematische Analysen mit aktuellen Fragestellungen aus den Lebenswissenschaften.


Angela Stevens studierte Mathematik an der Universität zu Köln, mit Nebenfach Biologie. Ihre Diplomarbeit schrieb sie in der analytischen Zahlentheorie über verallgemeinerte Zetafunktionen. Mit ihrer Doktorarbeit (Universität Heidelberg, 1992) lieferte sie die erste rigorose Herleitung von Kreuz-Diffusionssystemen aus interagierenden stochastischen Vielteilchensystemen. Diese spielen eine wichtige Rolle für Chemotaxis und die Selbstorganisation von Mikroorganismen.

Mit einem DFG-Stipendium forschte sie an der Stanford University (1997-1998). Ihre erste permanente Stelle erhielt sie 1999 am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig (MPI MIS). Nach einem Ruf an das Georgia Institute of Technology, Atlanta, USA wurde sie auf eine C3-Stelle am MPI MIS befördert. Sie ist Honorarprofessorin der Universität Leipzig (2006) und übernahm 2007 einen Lehrstuhl an der Universität Heidelberg. Nach Rufen der Universität zu Köln und aus Münster, ist sie seit 2011 Professorin an der Universität Münster.

Interagierende stochastische Vielteilchensysteme und partielle Differentialgleichungen für Chemotaxis.
© MM

Was ist für Sie das Wichtigste daran Mathematikerin zu sein?

Mathematik ist "die" Sprache der Abstraktion.
Sie erlaubt wichtige Fragestellungen strukturiert zu formulieren und zu analysieren.

Mathematisch zu denken und zu "sprechen" beeinflusst entscheidend und sehr fruchtbar die Art der Argumentation. Mathematik weiterzuentwickeln und sie für ein besseres Verständnis von Problemen einsetzen zu können – auch für solche mit Anwendungsbezug – ist eine äußerst befriedigende Tätigkeit; ein Beispiel ist das Verständnis hochkomplexer nichtlinearer Dynamiken, wie sie in allen Naturwissenschaften vorkommen.

Ich schätze das freie Denken und die flachen Hierarchien unter Mathematikerinnen und Mathematikern.
Ich mag mathematische Forschung, die aus reiner Neugier entsteht.
Mathematik ist unbestechlich, inspirierend und ein mächtiges Werkzeug.

Mathematikerin zu werden, war sicher nicht die einzige mögliche Berufswahl für mich.
Aber ich merke immer wieder, dass es eine richtige Wahl war.

Was waren rückblickend die wichtigsten Momente in Ihrer Karriere?

Zu promovieren (in Heidelberg) und die erste feste Stelle (am MPI MIS, Leipzig) antreten zu können, gehört meist zu den entscheidenden Schritten in einer wissenschaftlichen Karriere. Dies waren für mich auch mathematisch entscheidende und prägende Phasen, genauso wie die längeren Forschungsaufenthalte in Salt Lake City, in Stanford und am RIMS in Kyoto und die langjährige Zusammenarbeit mit Kollegen aus Südkorea, Spanien und vielen anderen.

Während meiner Promotion hatte ich das Glück, in einer mathematisch sehr aktiven und sehr breit aufgestellten Arbeitsgruppe forschen zu können. “The Californian way” Mathematik zu machen – falls existent – und mehrere Jahre an einer reinen Forschungsinstitution arbeiten zu können, all das hatte entscheidenden Einfluss auf meine heutige mathematische Tätigkeit und Persönlichkeit.

Für mich selbst sind allerdings die zumeist stillen Augenblicke die wichtigsten, wenn ich etwas in der Mathematik oder es wegen der Mathematik besser verstehe.


Angela Stevens organisiert regelmäßig Oberwolfach-Workshops zur Mathematik in den Lebenswissenschaften zusammen mit Kollegen. Sie war PI des Exzellenzclusters: Cells in Motion (2012-2019) und ist Mitglied des Cells in Motion Interfaculty Centres. Sie ist PI im Exzellenzcluster Mathematik Münster und war bis 2019 Mitglied des Executive Boards. Sie interessiert sich insbesondere für die Verbindung von partiellen Differentialgleichungen mit Stochastik und Geometrie. 2018 war sie Mitglied des Expert Panels für ERC Starting Grants.

Ausgewählte Publikationen: