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Professor Dr. Eugen Hellmann

Eugen Hellmann ist Professor für Theoretische Mathematik. Sein Forschungsgebiet ist die arithmetische Geometrie, im Speziellen das Langlands-Programm. Konkret beschäftigt er sich mit p-adischen Grenzwerten von automorphen Formen und von Galoisdarstellungen sowie mit dem Zusammenhang zwischen diesen geometrischen Objekten.

„Mathematik hat mich schon immer begeistert“, sagt Eugen Hellmann. Bereits als Schüler besuchte er in seiner Heimatstadt Wuppertal erste Mathe-Vorlesungen, die Weichen für seine Studienwahl waren damit früh gestellt. Im Laufe des Diplomstudiums und der Promotion an der Universität Bonn entdeckte er die arithmetische Geometrie für sich, ein Spezialgebiet der Zahlentheorie. Sie führte ihn auf eine erfolgreiche mathematische Reise, die bis heute andauert. Nach einem Jahr als Postdoc in Paris ging er nach Bonn, habilitierte dort und kam 2016 als Professor für Theoretische Mathematik an die WWU.


Mit Jakob Scholbach im Common Room des Exzellenzclusters.
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Und womit beschäftigt sich der 34-Jährige nun genau? Das ist nicht so leicht zu erklären, denn von p-adischen Galoisdarstellungen, dem Langlands-Programm und dem Satz von Kazhdan und Lusztig werden selbst diejenigen, die im Mathe-Unterricht gut aufgepasst haben, noch nie etwas gehört haben. „Ich betreibe reine Grundlagenforschung, die wiederum andere mathematische Richtungen befruchten kann“, sagt Eugen Hellmann. Vereinfacht gesagt, geht es um Lösungsmengen von Polynomgleichungssystemen in rationalen oder ganzen Zahlen. „Ziel ist nicht, eine konkrete, gegebene Gleichung zu lösen, sondern Strukturen und konzeptionelle Zusammenhänge zu erkennen“, betont er.

Einige seiner Ideen und Ergebnisse erwiesen sich als bahnbrechend für die arithmetische Geometrie und wurden in wissenschaftlichen Top-Journalen veröffentlicht. Deshalb zählt der junge Forscher inzwischen zu den international führenden Wissenschaftlern in seinem Gebiet. „Dass mit Eugen Hellmann ein mathematisches Ausnahmetalent heranwächst, war mir bereits während seiner Promotionszeit klar“, berichtet der langjährige Wegbegleiter Prof. Dr. Peter Schneider. Prof. Dr. Christopher Deninger, ebenfalls Professor am Mathematischen Institut, ergänzt: „Seine besondere Stärke liegt darin, dass er viele verschiedene Techniken aus unterschiedlichen mathematischen Gebieten nicht nur kennt, sondern auch kreativ anzuwenden und zu kombinieren weiß.“

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Diese Fähigkeit führt dazu, dass er – „manchmal mit jugendlichem Leichtsinn“, wie Eugen Hellmann selbst im Rückblick sagt – immer wieder neue für sein Fach relevante Fragen identifiziert und bearbeitet. Gute Ideen für seine Forschung kommen ihm übrigens oft an der frischen Luft, zum Beispiel in den Bergen oder auf dem Tennisplatz. Häufig arbeitet er mit anderen bekannten Forschern zusammen, seit kurzem etwa mit seinem Studienfreund Peter Scholze von der Universität Bonn, der 2018 mit der Fields-Medaille, dem „Nobelpreis“ der Mathematik, ausgezeichnet wurde.

Egal, ob man mit seinen Kolleginnen und Kollegen, Promovierenden oder Studierenden spricht: Er wird nicht nur für seine fachliche Brillanz geschätzt. Mit seinem sonnigen Gemüt, seinem ansteckenden Lachen und seiner Begeisterung für Mathematik, berichten sie, sei er in jedem Arbeitsgruppentreffen, in jeder Vorlesung und in jeder noch so zähen Zoom-Konferenz ein Gewinn.

Dieser Text erschien in ähnlicher Form in der Unizeitung "wissen I leben" 02/03 2021 (S. 3).

Stand: März 2021