Sammlung des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft
Kashmir-Koran
Kashmir-Koran aus der Schenkung von Dr. Norbert Heinrich Holl
© Dr. Monika Springberg

Das Institut für Arabistik und Islamwissenschaft beherbergt eine wachsende Sammlung von Objekten aus der islamisch geprägten Welt. Sie umfasst unter anderem Koranfragmente und vollständige Korane aus einem Zeitraum von 1000 Jahren, einige Handschriften zu Theologie, Philosophie und Rhetorik, ägyptische Grabsteine aus dem neunten und zehnten Jahrhundert sowie einige Metallobjekte, die auf unterschiedlichen Wegen in das Institut gelangt sind.
Einige Handschriften wurden vermutlich 1905 von Professor Hubert Grimme (1864-1942) in Marokko erworben, der 1910 das Orientalische Seminar in Münster gründete und bis 1929 hier tätig war. Den Hauptbestandteil der Sammlung bildet derzeit eine großzügige Stiftung aus der Privatsammlung von Dr. Norbert Heinrich Holl, ehemals deutscher Botschafter in Malaysia und Leiter der UN-Sondermission in Afghanistan. Im Laufe seiner langjährigen Diplomatenkarriere, in der er sich intensiv dem Studium der arabischen Sprache und Schrift widmete, erwarb Holl u.a. in Kairo, Paris, Indien und Pakistan einen umfangreichen Bestand an Koranblättern und Korankodizes. Durch eine Schenkung des emeritierten Münsteraner Historikers Prof. Dieter Metzler kamen weitere Handschriften aus Indien, Zentralasien und Äthiopien hinzu. Fünf verzinnte und aufwändig dekorierte Kupferteller, die um 1500 im mamlukischen Syrien oder Ägypten hergestellt wurden, erhielt das Institut jüngst als Zuwendung eines Münsteraner Sammlers.
Die Exponate decken zahlreiche Regionen der islamisch geprägten Welt vom Maghreb über Ägypten und Zentralasien bis nach Indien und eine beachtliche Zeitspanne ab: Zwei Fragmente eines Korans im kūfī-Stil wurden vermutlich im neunten Jahrhundert angefertigt, einige Handschriften lassen sich anhand ihres Kolophons ins neunzehnte Jahrhundert datieren.
Ein Team von studentischen Hilfskräften widmet sich unter der Leitung von Dr. Monika Springberg der wissenschaftlichen Erschließung der Sammlung. In Seminaren, die in jedem Sommersemester angeboten werden, haben alle interessierten Studierenden die Möglichkeit, an den Originalobjekten durch learning by doing erste Forschungserfahrungen zu machen.
Sobald die Corona-Situation es möglich macht, sollen wieder Führungen durch die Sammlung angeboten werden. Für interessierte Einzelpersonen ist ein Besuch nach Absprache möglich.

Johannes Jakob Ruhstorfer
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Objekt des Monats Oktober 2021

Tuḥfat al-muḥtāǧ bi-šarḥ al-minhāǧ

© Bonnie Plitzkat

Umfang / Format: 212 Folios / 31,2 cm x 21,3 cm x 5,8 cm
Material: Papier, Leder
Stil: nasḫī
Illumination: keine
Datierung: ca. 11. - 12. Jahrhundert n. H./ 17.-18. Jahrhundert n. Chr.
Provenienz: gekauft in Äthiopien von Prof. Dr. Dieter Metzler, Schenkung 2019, ursprünglich vermutlich im Nahen Osten (mašriq) hergestellt


Das vorliegende Buch ist ein Kommentar zu „Minhāǧ aṭ-ṭālibīn“ (Die Methode für die Lernenden) von an-Nawawī (1233-1277), der vom ägyptischen Rechtsgelehrten und Mufti Ibn Ḥaǧar al-Haytamī (1504-1567) verfasst wurde. Die „Tuḥfat al-muḥtāǧ“ (Das Geschenk für den Bedürftigen) gilt als sein Hauptwerk und zählt zu den wichtigsten Texten der schafiitischen Rechtsschule, die im Nahen Osten verbreitet ist, aber besonders in Ostafrika und Indonesien dominiert. Das Manuskript enthält den ersten von vier Bänden.

Es trägt die Spuren häufigen Gebrauchs: Die Bindung der abgewetzten und in einer an den nasḫī-Duktus angelehnten Gebrauchsschrift beschriebenen Seiten ist nicht im Original erhalten. Die alten Blätter wurden auf Streifen aus neuem Papier geklebt, um sie neu zu binden. Darüber hinaus enthält die Handschrift neu hinzugefügte Textpassagen... weiterlesen

Johannes Ruhstorfer
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Objekt des Monats September 2021

Kommentar zu Ibn Mālik's "Alfiyya"

© Bonnie Plitzkat

Umfang/ Format: 145 Seiten / 20,5 cm x 18 cm x 3 cm
Material: Papier, Einband aus Leder
Schrift: maġribī
Illumination: rote, schmale Umrandung; rote und blaue Hervorhebungen im Text
Kalligraph: Yūsuf b. ʿAbd al-Maǧīd al-Fihrī ṯumma al-Fāsī
Datierung: 26. 9. 1198 n. H. / 13. 8. 1784 n. Chr.
Provenienz: vermutlich ca. 1905 in Fes von Prof. Hubert Grimme erworben, Schenkungsdatum unbekannt


„Awḍaḥ al-masālik fī Alfiyyat Ibn Mālik“ des Ibn Hišām (708 - 761/1308 oder 1310 - 1360) ist ein Kommentar zu einem der berühmtesten Bücher über arabische Sprache, das als die „Alfiyya“ des Ibn Mālik (600-672 n. H./1203/5-1274 n. Chr.) bekannt ist. Beim Exemplar der Institutssammlung handelt es sich um eine Gebrauchshandschrift in schlichtem, aber gut lesbarem mabsūṭ-Duktus und maghrebinischer Orthographie. Der Einband besteht aus Leder, der Textblock aus geripptem sogenanntem Vergé-Papier. Das Textfeld ist durch zwei rote Linien eingerahmt, die den Text des Werks von knappen, erläuternden Kommentaren am Rand trennen. Diese Randbemerkungen hat ein unbekannter Autor verfasst und deren Beginn und Ende mit dem Buchstaben ṣād ,bzw. hāʾ markiert. Sie zeugen von der intensiven Auseinandersetzung mit und der stetigen Weitervermittlung des Inhalts dieser Handschrift. Den Text strukturieren farbige Hervorhebungen, zum Beispiel ist das Wort "faṣl" (Kapitel) teils in Rot, teils in Blau geschrieben, Zitate und Vokalisierungen in Rot. Die Unterkapitel (bāb) und die Wendung „qawlihī“ (was er sagte), die die Zitate aus der Alfiyya Ibn Māliks einleitet, fallen durch ... Weiterlesen

Jennifer Hasselbusch, Bonnie Plitzkat, Jens Fischer, Johannes Ruhstorfer, Monika Springberg
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Objekt des Monats August 2021

Koran im Maġribī-Stil

© Bonnie Plitzkat

Umfang / Format: 820 Seiten / 16 cm x 11,5 cm x 4,5 cm
Material: Papier, Leder
Stil: Mabsūṭ (Maġribī)
Illumination: Floral in Grün, Rot, Gold; Surentitel in goldenem Kūfī, rote Vokalisation und Diakritika, grünes Hamzat al-waṣl, gelbes Hamzat al-qaṭʿ
Datierung: 11. bis 13. Jahrhundert n. H./ 17. bis 19. Jahrhundert n. Chr.
Provenienz: In Marokko von Dr. Norbert Heinrich Holl erworben, Schenkung an das Institut für Arabistik im Jahr 2018


Im vorliegenden Manuskript ist der Korantext im Schriftduktus Mabsūṭ zu sehen, eine Unterart der im Maghreb üblichen Schriftstile. In den Surenüberschriften wurde allerdings Kūfī verwendet. Der Text wurde in brauner Tinte geschrieben, die Überschriften jedoch mit goldener Farbe ausgemalt. Die Vokalisationszeichen sind in den für den Maghreb üblichen Farben Blau, Grün, Gelb und Rot gehalten.
Der Einband ist aus Leder und mit Illuminationen sowie einer Ṭuġra verziert. Ṭuġrāwāt waren ursprünglich besonders kunstvoll gestaltete kalligraphische Embleme mit dem Namen des osmanischen Sultans, die auf Urkunden und anderen offiziellen Dokumenten als eine Art Siegel verwendet wurden. Vor allem ab dem 18. Jahrhundert wurden auch Ṭuġrāwāt, die nicht mehr den Herrschernamen, sondern z.B. Gebetsformeln enthielten, als Ornament verwendet. An der Seite des Koraneinbandes ist zu lesen lā yamassuhū illā al-muṭahharūn - “Nur rituell reine Personen mögen es (das Koranexemplar) berühren.” Der Schriftzug ist in der maghrebinischen Variante des Stils Ṯuluṯ (ar. Drittel) geschrieben, einem Duktus, bei dem die Schrift auf drei Ebenen angeordnet ist. Zudem sind die Worte ineinander verwoben, was das Lesen erschwert. Dieser Schriftstil wurde in der islamisch geprägten Welt vor allem in der Baudekoration, aber auch in Handschriften für Titel und Kapitelüberschriften verwendet. weiterlesen

Johannes Ruhstorfer
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Objekt des Monats Juli 2021

Koran aus Skardu

© Johannes Jakob Ruhstorfer

Umfang / Format: 820 Seiten; ca. 17,5 cm x 11,5 cm x 5 cm
Material: Papier, Leder
Stil: nasḫī
Illumination: keine
Datierung: 9.–11. Jahrhundert n. H. /15.–16. Jahrhundert n. Chr.
Provenienz: gefunden in einer Moschee des 16. Jahrhunderts in Skardu, Pakistan, Geschenk des Archäologen Professor Ahmad Hassan Dani (1920-2009), Schenkung von Dr. Norbert Holl 2018
Textstelle: Sure 4, 11 – Sure 93, 9

Diese Koranhandschrift im nasḫī-Stil wurde vom weltberühmten pakistanischen Archäologen Professor Ahmad Hassan Dani (1920-2009) bei Grabungen in der nordostpakistanischen Stadt Skardu in der Säule einer Moschee entdeckt. Dani schenkte sie vermutlich in den 70er Jahren dem deutschen Diplomaten Norbert Heinrich Holl, der sie 2018 dem Institut überließ.
Dadurch, dass sie über lange Jahre eingemauert war, hat ihre Bindung schwere Schäden genommen, insbesondere auf den letzten Seiten. Da die Blätter durch Abnutzung eine abgerundete Form angenommen haben, während die Buchdeckel noch eckig sind, ist die vorliegende Bindung jüngeren Datums als die Seiten. Wenn das der Fall ist, müssen einige der ersten und der letzten Seiten schon gefehlt haben, als die Bindung erneuert wurde. Dennoch wurden sie nicht ersetzt, sodass der heilige Text unvollständig geblieben ist. Er beginnt mit der zweiten Sure an-Nisāʾ, „Die Frauen“, Vers 11 und endet mit Vers 9 der 93. Sure aḍ-Ḍuḥā, „Der Vormittag“. Weiterlesen 

Selma Durakovic und Mona Simon
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Objekt des Monats Juni 2021

Koran-Manuskript aus Kashmir

© Dr. Monika Springberg

Umfang / Format: 540 Seiten / 18,5 cm x 12 cm x 3,5 cm
Material: Papier, Leder
Stil: nasḫī
Illumination: Floral um die Suren 1 und 2, 17, sowie 113 und 114
Datierung: vermutlich 12. Jahrhundert n. H. / ca. 18. Jahrhundert n. Chr.
Provenienz: 1986 in Delhi mit Hilfe von Annemarie Schimmel durch Dr. Norbert Holl erworben, Schenkung 2018

Bei diesem Koran handelt es sich um ein Exemplar aus der Region Kaschmir, die sich im 17. und 18. Jahrhundert als neues Zentrum für die Produktion von Manuskripten etablierte. Kaschmirische Korane sind in westlichen Museen selten zu finden und bisher wenig erforscht. Umhüllt wird das 530-seitige vollständige Koranexemplar von einem dunkelbraunen, verzierten Lederumschlag, und ist im Nasḫī-Stil geschrieben. Für die Seitenzahlen wurden Urdu-Ziffern verwendet. Die Seiten sind nach einem bestimmten und kontinuierlich eingehaltenem Schema aufgebaut. Charakteristisch hierbei ist, dass der Text von einem Rahmen umrandet wird und jede Seite jeweils 15 Zeilen Text beinhaltet. Die Einrahmung des Textes führt wiederum dazu, dass ein breiter Rand an allen vier Seiten entsteht. Dieser Rand dient dem Schreiben von Kommentaren und dem Hinzufügen von Seitenzahlen und einiger Ornamente. Außerdem befinden sich in der unteren linken Ecke der rechten Seite sogenannte Kustoden, welche das erste Wort der darauffolgenden Seite darstellen. Sie dienen dazu, die einzelnen Blätter vor der Bindung in der richtigen Reihenfolge zu behalten und wurden deshalb bei diesem Koranexemplar im Laufe der Bindung teilweise abgeschnitten. Es ist zu vermuten, dass das vorliegende Exemplar neu gebunden wurde, da einige Blätter regelmäßige Lochungen aufweisen, welche auf der linken und rechten Seite einer Doppelseite identisch sind. Dies würde bedeuten, dass der vorhandene Lederumschlag nachträglich hinzugefügt worden ist. weiterlesen

Philipp Weisenburger
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Objekt des Monats Mai 2021

Lehrtafel mit apotropäischen Symbolen und Sprüchen

© Institut für Arabistik

Umfang/Maße: 40 x 25 x 1cm
Material: Holz, bemalt und beschrieben
Datierung: 20. Jahrhundert
Entstehungsort: Marokko
Symbolik: Hand der Fāṭima, Repetitive Dreieck-/Diamantstruktur, apotropäische Formeln (?)
Provenienz: Schenkung von Prof. Dr. em. Dieter Metzler

Beschreibung
Es handelt sich bei dem Objekt mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Schreibtafel, wie sie im Kontext des islamischen Schulsystems in Marokko zum Erlernen des Schreibens und der Qur’ān-Memorisation verwendet werden. Auf der einen Seite umschließt ein Rahmen aus sich wiederholenden Mustern fünf symmetrisch zueinander angebrachte Symbole sowie vier, ebenfalls symmetrisch angeordnete Schriftfelder. Die andere Seite ist mit den ersten 13 Buchstaben des arabischen Alphabets beschrieben. Auf beiden Seiten finden sich Abnutzungsspuren in Form von Abschürfungen und Eindellungen am Holz, sowie eine rote Markierung auf der Rückseite, die nicht in den Kontext des Alphabets passt. Das Holzbrett ist gebogen und die Rückseite weist Verschmutzungen auf.
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Charlotte Holtmann
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Objekt des Monats April 2021

Koranblätter im kufischen Stil

© Johannes Jakob Ruhstorfer

Umfang/Maße: zwei Seiten, 14 x 37,5 cm und 13 x 34 cm
Material: Tinte auf Pergament
Datierung: vermutlich 2. oder 3. Jahrhundert n. H. / 9. oder 10. Jahrhundert n. Chr.
Stil: Kūfī
Illuminationen: keine
Provenienz: 1973 von Dr. Norbert Heinrich Holl in Kairo erworben, seit 2018 als Schenkung in der Institutssammlung

Koranmanuskripte aus frühislamischer Zeit stellen die aktuelle Forschung hinsichtlich einer präzisen Datierung und Lokalisierung vor große Schwierigkeiten. Wenngleich Kolophone vermutlich bereits in früher Zeit in Koranhandschriften verwendet wurden, stammen die ältesten in Koranen erhaltenen Beispiele dieser Notierungen von Entstehungsdatum und Urheber der Kopie aus dem zehnten Jahrhundert. Eines der wenigen Hilfsmittel zur Datierung sind waqfiyyāt, juristische Urkunden, die etwa dann ausgestellt wurden, wenn ein Koran in den Besitz einer Moscheegemeinschaft überging. Zeugnisse dieser Art tauchen jedoch frühestens im neunten Jahrhundert auf und bilden kein zuverlässiges Beweismittel, da die Manuskripte bereits einige Zeit vor Ausstellung der Urkunde entstanden sein können. In Fragmente zersplittert, befinden sich heutzutage außerdem die meisten der vor 1000 n. Chr. entstandenen Kodices in Sammlungen und Galerien über die gesamte Welt verstreut. Eines der berühmtesten und prachtvollsten Beispiele hierfür ist der sogenannte Blaue Koran aus dem neunten oder zehnten Jahrhundert (Beispiel: Folio aus dem Blauen Koran). weiterlesen

Johannes Jakob Ruhstorfer
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Objekt der Monate Februar/März 2021

"Šarḥ Talḫīṣ al-Miftāḥ"

© Bonnie Plitzkat

Umfang / Format: 373 Seiten / 23,5 cm x 19,5 cm x 2,7 cm
Material: Papier, Leder
Stil: andalusī
Illumination: keine
Kalligraph:
ʿAlī Ibn Muḥammad Ibn Muḥammad
Datierung: 1277 n. H. / 1860-61 n. Chr.
Provenienz: vermutlich ca. 1905 in Fes von Prof. Hubert Grimme erworben, Schenkung

Voller Titel:
Šarḥ al-muḫtaṣar ʿalā talḫīṣ al-miftāḥ li-Ǧalāl ad-Dīn al-Qazwīni Kompakte / Erläuterung der “Zusammenfassung des “Schlüssels” von Ǧalāl ad-Dīn al-Qazwīnī, auch: Muḫtaṣar al-maʿānī


Das Buch ist eine Abschrift des „Muḫtaṣar al-maʿānī“ des persischen Autors Saʿd ad-Dīn at-Taftāzānī (722-792 n. H. /1322-1390 n. Chr.). Das Kolophon verrät uns, dass sie 1277 n. H./1860 n. Chr. in der marokkanischen Stadt Fes von einem Schreiber namens ʿAlī Ibn Muḥammad angefertigt wurde, genauer gesagt in der Madrasa der Kupferschmiede. Deren Räume gehören inzwischen zur Qarawiyyīn-Universität. Vermutlich erwarb der Gründer des Orientalischen Seminars in Münster, Professor Hubert Grimme das Buch ca. 1905 auf einer Forschungsreise. Beim „Muḫtaṣar al-maʿānī“ handelt es sich um eines der wichtigsten Werke zur arabischen Rhetorik, das in den Madrasas als Lehrbuch für den Unterricht verwendet wurde. weiterlesen

Ruth Schmedes
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Objekt des Monats Januar 2021

Zwei Osmanische Koranblätter

© Bonnie Plitzkat

 Maße: 19 cm x 13 cm
Material: Gold, Tinte, Papier
Schriftstil: nasḫī
Datierung: 17. bis 18. Jahrhundert n. Chr.
Provenienz: von Dr. Norbert Holl erworben, Schenkung

Das erste Koranblatt zeigt die Sure 43 (Az-zuḫruf), Vers 32-44, während auf dem zweiten Koranblatt die Sure 11 (Hūd), Vers 54-62 abgebildet ist. Seitens des unbekannten Kalligrafen wurde der Nasḫī-Schriftstil angewandt und eine tiefschwarze Tinte verwendet. Aufgrund ihrer äußeren Übereinstimmung kann angenommen werden, dass beide Seiten einst demselben Koran angehörten. Die abgebildeten Koranverse werden vollständig von drei sehr filigranen, schwarzen Linien umschlossen, welche die Funktion eines Rahmens erfüllen. Hierbei grenzen die äußeren Linien mit nur geringem Abstand aneinander. Der gesamte Hohlraum ist mit goldener Tinte ausgemalt. Neben der äußersten Linie befindet sich eine weitere Gerade, die deutlich breiter gezeichnet und Dunkelblau gehalten ist. Was Illuminationen betrifft, sind beide Blätter sehr schlicht gehalten. Sie weisen jedoch kleinformatige, kreisrunde Verstrenner auf, die präzise mit goldener Tinte ausgefüllt sind und deren schwarze Umrandung äußerst fein gezeichnet ist. Ferner wurde das Zeichnen der Kreise von der Mitte aus begonnen und im Uhrzeigersinn fortgeführt.  weiterlesen

Jens Fischer
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Objekt des Monats Dezember 2020

Rechtsdokument aus dem osmanischen Algerien

© Bonnie Plitzkat


Format:
               23,6 cm x 136,2 cm
Material:              Papier
Stil:                      andalusī
Illumination:      keine
Datierung:          1142 – 1246 n. H.
                              1730 – 1830 n. Chr.
Provenienz:        vermutlich ca. 1905 in Algerien von Prof. Hubert Grimme erworben, Schenkung


Am 14. Juni 1830 landet in Sidi-Fredj, westlich von Algier, eine französische Flotte, deren mehr als 500 Schiffe über 37.000 Soldaten transportieren, die am 5. Juli siegreich in der Hauptstadt einziehen. Schon in den ersten Monaten nach der Eroberung beginnen die Franzosen mit einer tiefgreifenden Umgestaltung der Stadt: Weite Teile des alten Stadtzentrums werden abgerissen und der umfassende Grundbesitz des osmanischen Militärs wird enteignet. Innerhalb von Wochen verschwindet eine über Jahrhunderte gewachsene Topographie.
Ein Zeuge dieser erzwungenen, abrupten Veränderungen ist das vorliegende Dokument, das den Besitz eines vor den Toren von Algier gelegenen Gartens (hocharab. ǧanna, alg.-arab. ǧnīna) im Verlauf eines ganzen Jahrhunderts dokumentiert. Wo dieser Garten genau lag, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Laut dem Dokument befand er sich außerhalb von Bāb ʿAzzūn, dem Südtor der Stadt in der Osmanenzeit, an einem „Wād al-Qalʿī“ genannten Wasserlauf. Bei letzterem handelt es sich möglicherweise um den Oued Kniss, der auf französischen Karten von 1838 als Oued el Kleiy bezeichnet wird.
Der älteste der insgesamt 14 Texte, die das Dokument umfasst, ist auf Mitte Šaʿbān 1156 (Anfang Oktober 1743) datiert. weiterlesen

Natalie Kraneiß
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Objekt des Monats November 2020

Ein mamlukisches Tellerset

© Natalie Kraneiß

Maße: Durchmesser zwischen ca. 7 und 49 cm, Tiefe zwischen 2 und 7 cm
Material: (vermutlich) verzinntes Kupfer
Datierung: zwischen 1468 und 1517 (großer Teller)
Entstehungsort: Syrien oder Ägypten
Provenienz: in den 1960er Jahren auf dem Markt Ḫān al-Ḫalīlī in Kairo von Dr. Manfred Roscheck erworben


Das Set umfasst fünf Teller, die augenscheinlich aus verzinntem Kupfer bestehen. Auf mehreren Tellern (Nr. 1-4) ist Schrift in die Dekoration integriert, auf einigen Tellern befinden sich auf der Unterseite mehrere Signaturen (Nr. 1, 3). Einige davon erinnern an die osmanische Tuğra und lassen vermuten, dass diese von späteren Besitzerinnen oder Besitzern angebracht wurden.
Im Zentrum des größten Tellers (Nr. 1) befindet sich ein dreiteiliges wappenartiges Emblem (arab. rank, Pl. runūk) mit einer Serviette, einer Stiftebox und Puderhörnern sowie einem Kelch, welches von einer auffälligen Inschrift umschlossen wird, deren Entzifferung noch aussteht. Diese Embleme wurden vorwiegend unter den Ayyubiden und den Mamluken als eine Art Amtsabzeichen verwendet. Sie wurden auf Gebrauchsgegenständen, Textilien, Waffen und Rüstungen oder Gebäuden angebracht, beispielsweise um auf den Stifter eines Gebäudes hinzuweisen. Zum einen verwendeten Sultane eigene Embleme; auf der anderen Seite verliehen sie Prinzen oder höheren Beamten an ihrem Hof derartige Rangabzeichen, die diese ein Leben lang trugen. Das zentrale dreiteilige Emblem auf dem größten Teller ist charakteristisch für Prinzen und hohe Beamte, die zur Zeit des mamlukischen Sultans Qāʾit Bāy (reg. 1468–1496) ernannt wurden. Daher könnte es auch nach dem Tod des Sultans noch einige Zeit verwendet worden sein. Die Herstellungszeit dieses Tellers ist deshalb höchstwahrscheinlich auf einen Zeitraum zwischen  weiterlesen

Bonnie Plitzkat
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Objekt des Monats Oktober 2020

Koran aus dem subsaharischen Afrika

© Bonnie Plitzkat

Maße: erste Seite: 27 cm x 16,5 cm x 27cm x 17,5 cm;
           restliche Seiten: 29,5 cm x 20cm x 29 cm x 21 cm
Umfang:  ursprünglich 187 Folios , 180 - 184 fehlen
Material: Papier, Leder
Datierung:  vermutlich 18. oder frühes 19. Jahrhundert n.Chr.
Stil: Maġribī
Provenienz:  Zentralafrika/ Sahelregion; vermutlich von Prof. Grimme Anfang des 20. Jahrhunderts in Nordafrika erworben

Bei dem Koranmanuskript aus dem subsaharischen Afrika handelt es sich um ein ganz besonderes Objekt unserer Institussammlung. Nur wenige Museen besitzen Manuskripte dieser Art in ihrer Sammlung, weshalb sich die Erforschung der charakteristischen Illuminationen und anderer regionaler Merkmale noch in ihren Anfängen befindet. Die sogenannte Ajami-Forschung, die sich mit Sprachen des subsaharischen Afrika in arabischer Schrift widmet, trägt glücklicherweise massiv zu einem umfangreicheren Forschungstand bei.
Das Manuskript ist nicht gebunden und umgeben von jeweils einem groben losen Lederumschlag auf der Vorder- und Rückseite. Für die Aufbewahrung des Manuskriptes ist eine Ledertasche mit Träger vorgesehen. Diese Aufbewahrungsart ist typisch für Korane im weiterlesen

Yasmin Tina Kalkhorani
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Objekt des Monats September 2020

Fragment eines Korans im Bihari- Stil

Bihari1
© Monika Springberg

Maße: ca. 52 x ca. 29 cm (Außenränder beschädigt)
Material: Papier, Tinte, Blattgold, Pigmente
Datierung: 1405-1525
Stil: Bihari
Provenienz: Sammlung Holl; erworben in Patna 1987

Das Blatt zeigt die Suren 77, Vers 42-50 und 78, Vers 1-7 auf der Vorderseite und Sure 77, Vers 25-41 auf der Rückseite, von einem unbekannten Kalligrafen im Bihari-Stil in schwarzer Tinte niedergeschrieben. Die Verse werden durch kleine Rosetten, die über Blattgoldquadrate gezeichnet wurden, getrennt und die Vorderseite ziert ein für die indische Illuminationskunst und insbesondere den Bihari-Stil typisches tropfenförmiges Element. Das Blatt hat den für Bihari-Korane typischen Aufbau von mehreren ineinander liegenden Rahmen. Der koranische Text befindet sich im innersten Rahmen, im mittleren stehen in roter Tinte alternative Lesarten (qirāʾāt) einzelner Wörter und im äußeren Rahmen befinden sich Kommentare zum Text auf Persisch, geschrieben im Nasḫ-Stil. Das Wort Allāh wird im Korantext durch rote Tinte hervorgehoben.  weiterlesen