DFG-Projekt: Digitale Edition des literarischen Gesamtwerkes von Ibn Nubātah al-Misri (seit 2020)


Handschrift Ibn Nubata
© Syrinx von Hees

Projektleitung: Professor Dr. Thomas Bauer, Prof. Dr. Syrinx von Hees

Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Andreas Herdt, Dr. Alev Masarwa, Dr. Anke Osigus, PD Dr. Hakan Özkan, Samir Mubayd, M.A., Stephan Tölke, M.A., PD Dr. Nefeli Papoutsakis, Dr. Kristina Richardson, Dr. Ines Weinrich

Obwohl Ibn Nubātah bereits zu seinen Lebzeiten zu den größten Dichtern und Schriftstellern zählte, ist sein Werk bis heute nicht umfassend erforscht und ediert. Doch es scheint Licht am Ende des langen Tunnels der Unwissenheit zu geben. Ende 2019 genehmigte die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) einen Antrag, den der Leiter des Instituts für Arabistik und Islamwissenschaft der Universität Münster, Prof. Thomas Bauer, in Zusammenarbeit mit Prof. Syrinx von Hees gestellt hatte. Damit machte die DFG den Weg frei für die erste kritische und digitale Edition des Gesamtwerks von Ibn Nubata al-Misri. In diesem Artikel finden Sie Antworten auf die Fragen, wer Ibn Nubata al-Misri war und wie das Forschungsteam um Thomas Bauer und Syrinx von Hees versucht, sein Gesamtwerk zu erfassen.

EXC 2060 C3-13 - Schiitisch-sunnitische Religionskonflikte im 12. Jh. zwischen Religion und Politik (seit 2019)


Beteiligte Personen: Professor Dr. Thomas Bauer, Jens Fischer, M.A.

Im Jahr 1171 setzte Saladin als sunnitischer Heerführer die Fatimiden in Kairo ab und beendete damit ein über zweihundertjähriges schiitisches Kalifat. Anhand der wichtigsten Herrschaftsdiskurse der Zeit dieses Umbruchs (ca. 1150-1200), realisiert in Kanzleischreiben und im Herrscherlob, soll untersucht werden, inwiefern in diesen Medien einerseits Religionskritik gegen den Gegner eingesetzt, andererseits mit Religion der eigene Anspruch propagiert, oder aber ein vorwiegend weltlicher politischer Diskurs formuliert wurde. Im Vergleich verschiedener Prosaautoren und Dichter soll herausgearbeitet werden, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten, welche gegenseitigen Reaktionen und Veränderungen in ihren Texten im Hinblick auf die Darstellung von Herrschaft und ihrer Legitimation zu finden sind. Vor diesem Hintergrund sollen Fragen zur Legitimität von Herrschaft, zu konfessionellen Unterschieden und zu der Wechselwirkung von Religion und Politik beantwortet werden.

EXC 2060 B3-19 - Islamisches Wirtschafts- und Vertragsrecht zwischen Religion und Ökonomie (seit 2019)


Projektleitung: Prof. Dr. Norbert Oberauer

Eine zentrale These der Differenzierungstheorie besagt, dass die Säkularisierung des Rechts eine Vorausbedingung für die Entwicklung einer kapitalistischen Wirtschaft war. Säkularisiertes Recht ist nicht durch ethische Postulate bestimmt und ist dadurch freier, den Gesetzen des Marktes gerecht zu werden. Zudem ist säkulares Recht nicht heteronom und dadurch gestaltbar und flexibel, während religiöses Recht an Offenbarungen oder Traditionen gebunden ist. Als Gegenbeispiel für ein säkulares Recht wird oft das islamische Recht herangezogen. Bereits Weber hat es als „stereotypes Gelehrtenrecht" charakterisier, das sich durch Starrheit und Praxisferne auszeichne. Zudem stelle es „materiale" (i.e. ethische) Erwägungen in den Vordergrund, oft auf Kosten der formalen Stringenz. Durch diese Eigenschaften, so Weber, habe es der Entwicklung kapitalistischer Wirtschaft entgegengewirkt. Diese Sichtweise wurde auch von vielen Islamwissenschaftlern aufgegriffen und prägt das Bild vom islamischen Recht bis heute. Ziel des Projekts ist es, diese differenzierungstheoretischen Annahmen über das islamische Recht empirisch zu überprüfen. Es soll untersucht werden, wie sich die religiöse Verfasstheit dieses Rechts konkret manifestiert, wie sie sich auf seine historische Entwicklung auswirkte, welche Rolle der Scharia bei der Verrechtlichung ökonomischen Handelns zukam und welche ökonomischen Entwicklungen sie gegebenenfalls begünstigte oder obstruierte.

Sonderforschungsbereich 1385 "Recht und Literatur", Teilprojekt B03: Kanonisierung und Diversifizierung im islamischen Recht und in der arabischen Rhetorik im Vergleich


© Institut für Arabistik und Islamwissenschaft WWU Münster

Teilprojektleitung: Prof. Dr. Norbert Oberauer, Prof. Dr. Syrinx von Hees

Wissenschaftliche Mitarbeit: Dr. Hakki Arslan, Dr. Luca Rizzo, Dr. Tarek Sabraa

Ziel des Teilprojekts ist ein Vergleich von Diversifizierungsprozessen in der Wissensproduktion, die im islamischen Recht (fiqh) und der arabischen Rhetorik (balāġa, im Sinne einer Literaturwissenschaft) in der sog. „nachklassischen“ Zeit (ab ca. dem 14. Jahrhundert) stattfanden. Im 13.Jahrhundert vollendeten sich Kanonisierungsprozesse auf verschiedenen Gebieten der arabischsprachigen Wissensproduktion, wodurch bestimmte Personen und ihre Texte eine überragende Autorität gewannen und viele Wissenschaften fortan ganz maßgeblich durch eine Bezugnahme auf diese Texte bestimmt waren. Im islamischen Recht vollzieht sich diese Kanonisierung durch die Herausbildung von „Schulen“ (maḏāhib). Bei der arabischen Rhetorik fließen verschiedene Ansätze im 13. Jahrhundert in einer „Standardtheorie“ zusammen, deren kanonischer Text, der Talḫīṣ al-miftāḥ, zum meistkommentieren Text (nach dem Koran) in der arabisch-islamischen Welt wird. Am Beispiel zweier konkreter Wissenschaftstraditionen – Recht und Rhetorik im Sinne einer Literaturwissenschaft – wollen wir die Folgen der Kanonisierungsprozesse erstmalig empirisch untersuchen und miteinander in Bezug setzen.

Sonderforschungsbereich 1385 "Recht und Literatur", Teilprojekt B04: Rhetorische Strategien in jüdischen und islamischen Rechtstexten


© Josef Kriehuber (1800 -1876)

Teilprojektleitung: Prof. Dr. Regina Grundmann, Prof. Dr. Norbert Oberauer

Wissenschaftliche Mitarbeit: Sehra El-Khodary, Dr. Nicola Kramp-Seidel

Das Teilprojekt zielt auf einen Vergleich von islamischer Fatwa- und jüdischer Responsa-Literatur. Diese beiden literarischen Genres stellen bis zu einem gewissen Grade funktionale Pendants dar: In beiden Fällen handelt es sich um Stellungnahmen von Gelehrten zu primär rechtlichen und ritualgesetzlichen Problemen, die von Laien, Gerichten oder anderen Gelehrten an sie herangetragen werden. Das Erteilen von Fatwas geht bis in die Frühzeit des Islam zurück und die jüdische Responsa-Literatur weist eine Geschichte von mehr als 1300 Jahren auf. In beiden religiösen Traditionen entstanden mit der Zeit Sammlungen von Fatwas bzw. Responsa und es wurden in unterschiedlichem Umfang auch Empfehlungen für das Verfassen solcher Rechtsgutachten gegeben. Der geplante Vergleich bezieht sich nicht auf die juristische, sondern primär auf die literarische Dimension dieser Rechtstexte. Wir fragen nach den rhetorischen Strategien, welche die Verfasser von Fatwas und Responsa entwickelt haben, um Autorität zu generieren.

DFG-Projekt: mawlid-Texte aus dem 13. bis 18. Jahrhundert: Prophetenfrömmigkeit als rituelles Ereignis?


Projektleiterin: Dr. Ines Weinrich

Prosimetrische Narrative mit der Geburt des Propheten Muhammad im Zentrum (mawlid) entstehen ab dem späten 12. Jahrhundert. In den darauf folgenden Jahrhunderten schreiben fast alle namhaften Gelehrten mawlid-Texte. Wissenschaftlich erfasst sind bisher jedoch lediglich einige der älteren Texte im Hinblick auf ihre inhaltlichen Motive und Erzählstränge. Das Projekt analysiert mawlid-Texte nicht allein inhaltlich, sondern als literarische Texte mit ihren formalen und performativen Elementen und schließt zum ersten Mal die in ihnen enthaltenen Gedichte mit ein. Im Zentrum steht die Frage, wie weit Inhalt und Form Aufschluss über die Funktionen der Texte geben.

Beendete Forschungsprojekte

  • Maximenliteratur im Islamischen Recht

    © http://www.alukah.net/library/0/56982

    Im Rahmen der Filmreihe "Religion und Politik im Fokus" sprach Prof. Oberauer über seine Forschung zu Maximen im Islamischen Recht und deren Bedeutung, Schwierigkeiten und bisherige Ergebnisse. Das Video finden Sie hier.

  • Bauer
    © Julia Holtkötter

    Kultur der Ambiguität

    Prof. Dr. Thomas Bauer war im Studienjahr 2006/2007 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (Institute for Advanced Study) und begann dort sein Forschungsprojekt zum Thema der  "kulturellen Ambiguität", das nun im Rahmen des Exzellenzclusters "Religion und Politik" fortgeführt wird.

    Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2013

    Prof. Dr. Thomas Bauer wurde 2013 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis ausgezeichnet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnete ihn für seine "vielleicht weltweit einmalige Weise" aus, "die philologische Interpretation und Edition von Texten mit einem ebenso breiten wie innovativen kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Ansatz" zu verbinden.

  • Leibnizpreis-Forschungsstelle ALEA


    Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Bauer

    Am Institut für Arabistik und Islamwissenschaft ist mit den Mitteln des Leibnizpreises, der Professor Thomas Bauer im Jahr 2013 verliehen wurde, die Forschungsstelle Arabische Literatur und Rhetorik Elfhundert bis Achtzehnhundert (ALEA) entstanden. Nähre Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie im Projektflyer.

  • Islamische Dschihâd-Konzeptionen in Vergangenheit und Gegenwart


    Bearbeiter: Prof. Dr. Marco Schöller

    Geplant ist im Rahmen dieses Projekts die systematische Aufarbeitung der islamischen Diskursfelder, die in einem mehr oder weniger engem Zusammenhang mit der Thematik des Dschihâds stehen. Die Aufarbeitung dieser einzelnen Stränge soll jeweils in Monographienform geschehen. Die Bedeutung dieser Aufarbeitung ergibt sich aus dem Thema selbst, das sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart eine große Aktualität in der islamischen Welt besitzt und ja bereits auch in einzelne Diskurse der westlichen (nicht-islamischen) Welt eingedrungen ist.

    Zwar liegt bereits eine umfangreiche Sekundärliteratur zum Dschihâd in westlichen Sprachen vor, doch gibt es bislang keine systematische Aufarbeitung der Grundlagen islamischer Dschihâd-Konzepte. Diese Grundlagen finden sich einerseits in der seit dem 8. Jh. sich ausbildenden Hadîth-Literatur, andererseits in der ebenfalls seit frühislamischer Zeit sich entwickelnden Rechtsliteratur. Die ersten Phasen des Projekts befassen sich deshalb mit diesen beiden Bereichen. Es handelt sich um Grundlagenforschung, die bisher im Rahmen der westlichen Islamwissenschaft, trotz dem allgemeinen Interesse für die Thematik, nicht geleistet worden ist.

  • mimar_titel

    DFG-Projekt: Dīwān des Ibrāhīm al-Miʿmār


    Bearbeiterin: Dr. Anke Osigus

    Ziel war die Erstellung einer kritischen Edition des Dīwān des volkstümlichen Kairener Dichters Ibrāhīm al-Miʿmār (gest. 749/1348). Die Edition, versehen mit einer Einleitung in deutscher und arabischer Sprache, einem Personenregister sowie Indizes der Gedichte nach Reim und Metrum, umfasst den vierten Band der ALEA-Reihe. Ergänzt wird der Editionsteil zudem durch einen Kommentar der Herausgeber, der den Zugang zu dieser Hinterlassenschaft einer noch immer kaum erschlossenen literarischen Epoche erleichtert. Sechs der sieben Handschriften des Dīwān sind alphabetisch nach dem Reimkonsonanten geordnet. In einer Handschrift dagegen sind die Gedichte nach behandelten Themen sortiert.