Dossier

Epidemien. Kulturwissenschaftliche Ansichten

Epidemien von der Antike bis zur Gegenwart: Welche Darstellung sie in Medien und Künsten aller Art fanden, beleuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters im neuen Dossier „Epidemien. Kulturwissenschaftliche Ansichten“. Die kurzen Text- und Bildbeiträge bieten in Corona-Zeiten unterschiedliche Zugänge aus Sicht verschiedener Fächer.

Den Anfang machen die Kapitel „Zeit“, oder: „Nach der Krise ist vor der Krise“ und ",RAUM’ oder: Abstand und Ausbreitung". Weitere Kapitel werden folgen.

Zu den  Autorinnen und Autoren des Exzellenzclusters gehören Literaturwissenschaftlerin Pia Doering (Romanistik), Kunsthistorikerin Eva Krems, Kunsthistoriker Jens Niebaum, Historiker Matthias Sandberg, Ethnologin Dorothea Schulz, Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf (Germanistik) und Historikerin Katharina Wolff.

© Amsterdam, Rijksmuseum (Public Domain CC0 1.0), Martina Wagner-Egelhaaf, Oto Godfrey und Justin Morton (CC BY-SA 4.0), Ulrich Thon, Bibliothèque nationale de France, Paris, Roger Howard (CC BY-SA 2.5)

,ZEIT‘ oder: Nach der Krise ist vor der Krise

Covid-19 hat unser Verhältnis zur Zeit durcheinander gebracht. Vorher lief alles wie am Schnürchen, nur vielleicht ein bisschen zu schnell, so dass wir das Gefühl hatten, ständig hinterher rennen zu müssen. Der Lockdown hat zwar den Terminkalender entlastet, uns aber nicht unbedingt mehr Zeit geschenkt. Digitale Lehre, das Unterrichten der Kinder, das Einhalten von Schutzmaßnahmen – das alles ‚kostet’ Zeit. Die Pandemie habe die Zeit „grell verlangsamt und beschleunigt zugleich“, hat Marie Schmidt am 16. April 2020 in der Süddeutschen Zeitung geschrieben. Nichts werde so sein wie es war, sagen manche, alles wird genau gleich bleiben, nur schlimmer werden, hat uns der immer pessimistische Schriftsteller Michel Houellebecq am 10. Mai 2020 in der Allgemeinen Frankfurter Sonntagszeitung wissen lassen. Weitere Gedanken zum Verhältnis von Epidemie und Zeit finden sich in den folgenden kulturwissenschaftlichen Beiträgen.

© Wikimedia Commons, Public Domain CC0 1.0, imago-images, jwwaterhouse.com, MA 8 – Wiener Stadt- und Landesarchiv; Lizenz CC BY-NC-ND 4.0, Souleymane Diallo, Bayerische Staatsbibliothek München

,RAUM’ oder: Abstand und Ausbreitung

Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Ausbreitung von Covid-19 zur Pandemie. Als Reaktion auf ein Virus, das sich über Länder- und Kontinentgrenzen ausbreitete und dabei die globale Vernetzung unserer Welt vor Augen führte, wurden Grenzen geschlossen und Einreiseverbote verhängt. Viele Städter – insbesondere in Metropolen wie Paris, London oder Mailand – ergriffen die Flucht aufs Land, weil hier wegen geringerer Bevölkerungsdichte und größerer Naturnähe das Ansteckungsrisiko geringer erschien. Auch waren die Folgen des Lockdowns – geschlossene Geschäfte, Cafés, Museen, Theater und Kinos, leergefegte Fußgängerzonen, verlassene öffentliche Plätze – in der Stadt spürbarer als auf dem Land. Seit der schrittweisen Öffnung sind 1,5 Meter die Maßeinheit, in der wir öffentliche Räume durchmessen, Markierungen am Boden und rot-weißes Absperrband erinnern uns allerorts an die Einhaltung des Abstandsgebots. Weitere Gedanken zum Verhältnis von Epidemie und Raum finden sich in den folgenden kulturwissenschaftlichen Beiträgen.