Affektkulturen. Kulturtheorie von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800

Vortrag mit Prof. Dr. Claudia Benthien (Universität Hamburg)

Do 09.06.2016, 09 Uhr - 10 Uhr I Festsaal, Schlossplatz 5

Die GS PoL freut sich, Prof. Dr. Benthien zum Vortrag „Affektkulturen. Kulturtheorie von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800“ begrüßen zu dürfen. Gegenstand der anschließenden Masterclass werden Heinrich von Kleists Penthesilea und der Film Paradies. Liebe unter der Perspektive von Scham, Schuld und Ekel sein.


Affektkulturen. Kulturtheorie von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800

Während die christliche Kultur Techniken zur Befreiung von Schuld bereitstellt, finden sich keine solchen Mechanismen, um Scham zu überwinden. Scham betrifft die ganze Person und stellt diese in Frage. Schuld liegt oft das Ziel zugrunde, die als passiv erlebte Scham, insbesondere durch Aggression, abzuwehren. Derartige Differenzierungen dienen als Grundlage einer Neuinterpretation kanonischer Tragödien von Friedrich Schiller und Heinrich von Kleist. In der Tragödientheorie fehlt bislang eine Auseinandersetzung mit der Kategorie der Scham; Schuld gilt als der edlere und ethisch wertvollere Affekt. Um 1800 entstand überdies eine Auffassung der menschlichen Existenz, die das der (antiken) Tragödie entnommene Schuldkonzept universalisiert und doch ist es die Scham, die in aktuellen Kulturtheorien so eng mit dem für die Tragödie leitenden Konzept autonomer Subjektivität und deren existenzieller Beschädigung verbunden wird.

Benthien Vortrag 20160609
© Elisabeth Zimmermann