März 2025 | Zwölf Monate, zwölf Menschen | Porträt über Caroline von Lengerke
März 2025 | Zwölf Monate, zwölf Menschen | Porträt über Caroline von Lengerke

Kleine Brände löschen und Feuer entfachen

Caroline von Lengerke hat während ihres Lehramtsstudiums ihr Herz für die Kulturszene entdeckt. Beim Festival NEUE WÄNDE wirkt sie seit 2018 als Assistentin der Festivalleitung mit. Im März entscheidet die Universitätsgesellschaft Münster, das Event als Leuchtturmprojekt zu fördern.
Arbeitsplatz zwischen neuen und alten Wänden: Caroline von Lengerke im Innenhof des Theaters, das die Ruine eines Adelspalais’ in seine Architektur integrierte.
© Nike Gais

Als Jugendliche, erinnert sich Caroline von Lengerke, hörten sie und ihre drei älteren Geschwister immer wieder den gleichen Spruch von ihren Eltern: „Ihr könnt eine Ausbildung machen, zur Uni gehen oder sonst etwas machen – aber bitte südlich der Elbe.“ Die Familie lebte auf dem Land in der Nähe von Bad Segeberg in Schleswig-Holstein, und den Eltern war es wichtig, dass ihre Kinder eine andere Lebenswelt kennenlernen.

Diesen Rat nahm sich Caroline von Lengerke zu Herzen. Nach dem Abitur ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Münster. Bei der Arbeit für die gemeinnützige Stiftung „Bürger für Münster“ lernte sie über Umwege Cornelia Kupferschmid kennen. Die Schauspielerin verantwortet das Stadtensemble Münster und ist künstlerische Leiterin des Festivals „Neue Wände“. Für die 26-Jährige war dieser Kontakt die Eintrittskarte in die Welt der Künste. Mittlerweile kümmert sie sich beim Stadtensemble um die Social-Media-Kanäle, fungiert bei „Neue Wände“ als Assistentin der Festivalleitung und arbeitet als studentische Hilfskraft im Kulturbüro der Uni Münster.

Dass sie Studentin ist, mittlerweile im 4. Mastersemester für die Lehramtsfächer Musik und Latein, fällt fast hintenüber. „Ich wollte immer Musik und eine Sprache studieren. Die Leidenschaft für den Kulturbetrieb kam unerwartet“, erklärt sie. Vor allem die Mitarbeit am Festival begeistert Caroline von Lengerke sichtlich. Das Event bietet rund 600 Kulturschaffenden alle drei Jahre eine Bühne. Mitmachen darf, wer einen Bezug zu den münsterschen Hochschulen hat. Die Universitätsgesellschaft Münster fördert Deutschlands größtes Festival für Hochschulkultur seit März 2025 als Leuchtturmprojekt.

Caroline von Lengerke stieg 2018 ins Orga-Team ein. Ihre Arbeit umfasst alles, was hinter den Kulissen des Theaters Münster, der Heimat des Festivals, stattfindet: Beiträge aus Musik, Theater und Tanz in ein dreitägiges Programm fügen; immer wieder „kleine Brände löschen“, zum Beispiel Garderobenpläne schreiben oder Wegweiser für die Künstlerinnen und Künstler aufhängen, weil man sich hinter der Bühne leicht verläuft. „Viele von ihnen standen vorher noch nie auf einer Bühne oder waren noch nie in einem Theater hinter der Bühne.“ Das Leuchten in den Augen zu sehen, zeige ihr, dass Kultur Feuer entfachen kann. „Wenn sich dann noch die verschiedenen Künste gegenseitig kennen- und schätzen lernen, bin ich glücklich“, ergänzt sie. Spontan erinnert sie sich an eine passende Situation. „2023 hatten wir vier Einzelkünstlerinnen – Klavier, Gesang, Percussion und Gitarre. Alle wollten mitmachen, wussten aber nicht, in welcher Form.“ Am Ende schlossen sie sich zusammen und kooperierten mit einer Tanzgruppe. „Der Kontakt besteht bis heute, sie wollen beim nächsten Festival wieder gemeinsam auftreten.“

Seit sie beim Festival arbeitet, sei sie in schwierigen Situationen ruhiger. Ihr Motto lautet: „Wir finden eine Lösung.“ Manchmal eben anders als gedacht. Diese Stressresistenz braucht sie, um Studium, Kultur und Ehrenamt erfolgreich zu vereinbaren. „Es tut mir gut, in mehreren Töpfen gleichzeitig zu rühren.“ Die Frage, ob sie nach ihrem Studium tatsächlich Lehrerin wird oder doch im Kulturbetrieb bleibt, wischt sie nicht weg. „Wenn ich sagen würde, dass ich nicht mit der Kulturszene liebäugle, wäre das unglaubwürdig“, weiß sie. Aber sie kenne auch die Schattenseiten des Betriebs. Während der Pandemie habe sie Kontakt zur freien Szene gehabt. „Zu sehen, mit wie viel Herzblut an Lösungen gearbeitet wurde, hat mich beeindruckt. Aber fühle ich das in diesem Ausmaß?“ Vielleicht sei das Jonglieren der vielen Tätigkeiten genau die richtige Vorbereitung auf die Schule mit verschiedenen Klassen, Projekten und Bedürfnissen.

Noch tanzt Caroline von Lengerke auf vielen Hochzeiten. Kürzlich nahm sie eine Tätigkeit aus ihrem FSJ wieder auf. Einmal im Monat musiziert sie in einem Seniorenheim. „Meine Eltern haben uns ehrenamtliches Engagement vorgelebt. Es ist so schön, mit den alten Menschen zu singen.“ Vor dem Ende des Studiums hat die Norddeutsche keine Angst. „Das Praxissemester hat mir gezeigt, dass ich ein Bedürfnis nach Regelmäßigkeit habe.“ Und wer weiß: Der Lehrberuf muss nicht das Ende der Kulturleidenschaft bedeuten. „Was an der Uni funktioniert, kann auch an der Schule klappen.“

Autorin: Hanna Dieckmann


Dieser Beitrag stammt aus der Broschüre „Zwölf Monate, zwölf Menschen“, erschienen im März 2026.

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