August 2023 | Zwölf Monate, zwölf Menschen | Porträt über Prof. Dr. Harald Strauß
August 2023 | Zwölf Monate, zwölf Menschen | Porträt über Prof. Dr. Harald Strauß

Humorvoller Wissensvermittler

Seit August ist das Geomuseum der Universität geöffnet. Museumsdirektor Prof. Dr. Harald Strauß ist hin und weg von den Exponaten und den hohen Besucherzahlen – in den ersten vier Monaten schauten sich über 25.000 Gäste die Ausstellung an.
Harald Strauß vor dem neu eröffneten Geomuseum, dessen Hauptattraktion, das 1910 in einer Tongrube in Ahlen gefundene Wollhaarmammut, durch ein großes Fenster auf den Domplatz blickt.
© Uni MS - Nike Gais

Wenn es Zeitmaschinen gäbe“, sagt Harald Strauß, „würde ich glatt einsteigen, um einen Blick auf lebende Mammute zu werfen.“ Immerhin ist es dem Professor für historische und regionale Geologie vergönnt, an einem seiner Arbeitsplätze an der Universität Münster regelmäßig ein fossiles Exemplar zu sehen: das Ahlener Mammut. Im überdimensionalen Fenster des Geomuseums von weitem sichtbar, schmückt es als Wappentier auch das Logo und die Broschüren des Museums.

Bevor das Rektorat und Harald Strauß am 10. August erstmals Gäste zur Eröffnung willkommen hießen, war das Geomuseum lange 16 Jahre eine Baustelle. „Freunde fragten mich manchmal, ob ich den Spaß daran verloren hätte“, berichtet der Museumsdirektor. Das Gegenteil war der Fall. „Meine Begeisterung ist mit der Zeit sogar gewachsen.“ Der Erdgeschichte-Raum war als einer der ersten Räume fertig. „Er ist noch viel besser geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Wir kannten ja bis dahin nur die Pläne.“ Beim Aufbau des rund 43.000 Jahre alten, frisch restaurierten Mammuts vor anderthalb Jahren sei es ihm ähnlich ergangen.

Die Begeisterung für sein Fach setzte früh ein: Dass er in Clausthal-Zellerfeld Geologie studieren würde, stand für Harald Strauß, der im nahegelegenen Bad Sachsa im Harz aufwuchs, schon während der Schulzeit fest. „1983 bin ich gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte, in Göttingen zu promovieren.“ Als Postdoktorand forschte er für drei Jahre in den USA: in Bloomington im Bundesstaat Indiana und an der University of California in Los Angeles. „Dort waren wir 55 Wissenschaftler aus zehn Ländern und verschiedenen Disziplinen. Das war eine tolle Zeit.“ Seine Frau und sein neugeborener Sohn begleiteten ihn. „Weil das Telefonieren sehr teuer war, hielten wir den Kontakt nach Deutschland über einen ungewöhnlichen Weg: Einmal pro Monat haben wir Kassetten besprochen und sie per Briefpost an unsere Eltern verschickt.“ 1988 bekam er das Angebot, an der Universität Bochum das Isotopen-Labor mit aufzubauen, und die junge Familie kehrte nach Deutschland zurück. Seit 1999 lehrt und forscht der Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder in Münster.

„Mit der Isotopenmessung lassen sich uralte Stoffwechselpfade ermitteln“, erläutert Harald Strauß. „Es ist erstaunlich, wie viele Fragestellungen man damit bearbeiten kann. Wir haben damit schon alles Mögliche analysiert, natürlich Gesteine, aber auch Kuhhaare, griechische Statuen oder Vogelfedern.“ Auf der Suche nach Vergleichsproben für Prozesse in der frühen Erdgeschichte stach er 2005 das erste Mal mit einem Forschungsschiff in See – mit der „Meteor“. Mittlerweile hat Harald Strauß mehrere Expeditionen absolviert und erwarb sich einen Ruf als fleißiger, genügsamer und humorvoller Mensch. So habe ihn ein neues Crewmitglied auf dem Schiff im vergangenen Sommer mit den Worten begrüßt: „Ach, du bist der, der nur vier Stunden Schlaf braucht.“

Die Leidenschaft für sein Fach gibt Harald Strauß regelmäßig auch in der Kinder-Uni weiter. Der 63-Jährige bedauert, dass Abiturienten die Geologie anders als Mathe, Deutsch oder Geschichte nicht als eigenes Fach auf dem Stundenplan kennen. „Dabei sind unter den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen viele Geo-Themen wie der Klimawandel oder die Ressourcenknappheit“, unterstreicht der Wissenschaftler. Auch deshalb liegen ihm Vermittlungsformate am Herzen. Die Arbeit für das Geomuseum fällt ihm leicht, obwohl sie wie ein zusätzlicher Vollzeitjob zu seiner Forschung und Lehre hinzukomme.

Vor zwölf Jahren übernahm er die Leitung des Museums, bei dem es sich in erster Linie um eine wissenschaftliche Sammlung handelt. 2.300 originale Exponate wurden für die Dauerausstellung ausgewählt, in der die Kältesteppe der einzige Bereich mit traditionellen „Bitte nicht berühren“-Schildern ist. „Nach Möglichkeit wollen wir keine Plexiglasscheibe zwischen das Mammut und die Besucher setzen, und bisher klappt das auch hervorragend.“ Den Museumsaufsichten biete sich an dieser Stelle der Ausstellung ein oft interessanter Anblick, wenn die Gäste versuchen, sich selbst und das über drei Meter hohe Mammut zusammen auf ein Selfie zu bekommen …

Brigitte Heeke


Dieser Beitrag stammt aus der Broschüre „Zwölf Monate, zwölf Menschen“, erschienen im Februar 2024.

Download der gesamten Broschüre als pdf-Datei

Zu den anderen Artikeln der Broschüre „Zwölf Monate, zwölf Menschen“.