Interview mit den Politikwissenschaftlerinnen Svenja Ahlhaus und Iman Al Nassre
Streit um Symbole wie Kreuz oder Kopftuch, den Schutz religiöser Minderheiten oder sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung: Konflikte um Religion landen nicht nur in Deutschland oft vor Gericht. Die Politikwissenschaftlerinnen Svenja Ahlhaus und Iman Al Nassre untersuchen am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ sogenannte strategische Klagen – Gerichtsverfahren, die über den Einzelfall hinaus politische oder gesellschaftliche Veränderungen anstoßen sollen. Im Interview erläutern die Projektleiterin Ahlhaus und die Doktorandin Al Nassre, ob solche Klagen im Feld der Religionspolitik aus Sicht der Politischen Theorie demokratisch legitim sind.
Zum Open-Air-Hörsaal „Religionen, Frieden und Gewalt“ lädt der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ auf dem NRW-Tag 2026 ein. Forschende der Uni Münster beleuchten am 29.8.2026 von 17.30 bis 19.45 Uhr auf der Themenmeile „Dialog und Vielfalt“ Fallbeispiele aus Geschichte und Gegenwart: vom ältesten Friedensvertrag der Welt über interreligiöse Auseinandersetzungen im Mittelalter bis zu Religionspolitik, Islamismus und Ukraine-Krieg – Beiträge aus der Ägyptologie, der katholischen, evangelischen und islamischen Theologie sowie der Religions- und Geschichtswissenschaft.
Die Universität Münster gibt auf dem NRW-Tag vom 28. bis 30. August Einblick in die Einrichtungen, die der Campus der Theologien und der Religionswissenschaft 2027 vereint: evangelische, katholische, islamische Theologie, Religionswissenschaft, Jüdische Studien, Exzellenzcluster und weitere Institutionen der Religionsforschung. Die Multimediaschau mit Quiz zeigt die vielfältigen Studiengänge und Befunde der fächerübergreifenden Religionsforschung: von antiken Heiligtümern und religiösen Parodien über die Zukunft des Religionsunterrichts bis zu spirituellen Online Communities.
Die reformatorische Bewegung des 16. Jahrhunderts etablierte mit dem Prinzip „Sola Scriptura“ (Allein die Schrift) einen radikalen Anspruch: Die Bibel sollte die alleinige und eindeutige Quelle für das sein, was im Christentum verbindlich ist. Doch trägt dieser Anspruch tatsächlich? Wie klar ist die Bibel? Über diese Frage und die daraus entstandenen reformatorischen Konflikte spricht der Historiker Volker Leppin von der Yale University kommende Woche am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Der öffentliche Abendvortrag trägt den Titel „Wie klar ist die Bibel? Autorität und Argument im reformatorischen Streit um die Wahrheit“.
Alfred Bodenheimer, Leiter des Zentrums für Jüdische Studien an der Universität Basel, ist Hans-Blumenberg-Professor 2026 am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Der Professor für Jüdische Literatur- und Religionsgeschichte spricht am Dienstag, 16. Juni 2026, am Forschungsverbund über die Rechtfertigung heutigen jüdischen Handelns durch historische und zum Teil biblische Ereignisse oder Verhaltensmodelle.
Religion und sozialer Wandel in mittelalterlichen Gesellschaften stehen im Mittelpunkt eines Festkolloquiums zum 60. Geburtstag des Historikers Prof. Dr. Wolfram Drews, Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“. Die Tagung mit Beiträgen von Wissenschaftler*innen der mittelalterlichen Geschichte, Islamwissenschaft, Judaistik und Byzantinistik betrachtet das Religiöse in seiner Dynamik und setzt es in Beziehung zu umfassenderen Wandlungsprozessen in mittelalterlichen Gesellschaften. Das Kolloquium „Dynamiken des Religiösen. Zum Verhältnis von Religion und gesellschaftlichem Wandel im Mittelalter“ findet vom 23. bis 24. April 2026 statt. Weiterlesen
Interview mit den Sinologinnen Kerstin Storm und Lisa Kerl
Das Forschungsprojekt „Neues aus China? – Wissensquellen, Wissensaneignung und Wissenstransfer von Missionaren in China im 19./20. Jahrhundert“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ widmet sich der zentralen Fragestellung, zu welchem Zweck und in welchem Kontext christliche Missionare im genannten Zeitraum vor Ort ein sogenanntes „Chinawissen“ gewannen. Sinologin und Projektleiterin Kerstin Storm sowie die Promovierende Lisa Kerl berichten von ihrer Arbeit mit den Quellen und den Erkenntnissen, wie Wissen an Einzelne, Gruppen oder Institutionen transnational transferiert wurde.
Die Ägyptologin Angelika Lohwasser erforscht am Exzellenzcluster die Beziehung von Kult und Königtum im antiken Königreich von Kusch, Ägyptens südlichem Nachbarn. Da Kusch im 2. Jt. v. Chr. als Kolonie an das pharaonische Ägypten angegliedert war, finden sich dort auch in späteren Zeiten viele ägyptische Einflüsse. In der Forschung hat sich daher ein stark ägyptischer bzw. ägyptologisch geprägter Blickwinkel auf die kuschitische Kultur und Religion etabliert. Im Interview berichtet Angelika Lohwasser darüber, wie sie das Königreich von Kusch und insbesondere die Beziehung zwischen dem aus Ägypten stammenden Königsgott Amun und dem kuschitischen Gott Apedemak aus einer neuen, nicht nur ägyptischen Perspektive betrachtet.
Interview mit Islamwissenschaftler Philip Bockholt
Mit einer der wichtigsten religiösen Textgattungen in der islamischen Kultur, den arabisch-osmanischen Übersetzungen von Werken der Koranexegese (arab. tafsīr), befasst sich Islamwissenschaftler Philip Bockholt in seinem Forschungsprojekt „Arabisch-osmanische Übersetzungen von Werken der Koranexegese (Tafsīr) als Ausdruck des innerislamischen Wissenstransfers im östlichen Mittelmeerraum zwischen 1400–1750“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Warum die Übersetzungen vom Arabischen ins Türkische so wichtig waren, welche Anpassungen während der Übersetzungen am Text festzustellen sind und welche Rolle die Übersetzungen bei der Vermittlung religiösen Wissens spielten, darüber spricht er im Interview.
Indonesien zählt zu den vielfältigsten Ländern der Welt – in geografischer, gesellschaftlicher und auch religiöser Hinsicht. Mit über 17.000 Inseln und mehr als 270 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern steht der Inselstaat vor besonderen Herausforderungen, gleichzeitig spielt das Archipel eine immer wichtigere Rolle in regionalen und globalen Zusammenhängen. Im Interview über ihre Indonesien-Forschung spricht die Religionswissenschaftlerin und evangelische Theologin Simone Sinn vom Exzellenzcluster über vergangene und gegenwärtige Konflikte, die Kolonialvergangenheit des Landes und die Rolle von Religion in der indonesischen Verfassung.
Wie entstanden Formen der Zugehörigkeit im antiken Griechenland und welche Rolle spielte dabei das Amyklaion Heiligtum als zentraler Knotenpunkt in Lakonien? Dieser Frage geht das Forschungsprojekt von Historiker Hans Beck, „Belonging in/to Lakonia. An archaeohistorical study on the Sanctuary of Apollo at Amyklai and its surroundings“, am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ nach. Untersuchungsgegenstand ist der Hügel Agia Kyriaki, 5 km südlich von Sparta, der seit langem mit dem antiken Kultzentrum des Apollon Amyklaios in Verbindung gebracht wird. Die Forschungen ergänzen die bereits seit mehr als 20 Jahren vor Ort stattfindenden Ausgrabungen.