Leidener Erklärung zu KI und Mathematik

Wie kann künstliche Intelligenz die mathematische Forschung unterstützen, ohne Nachvollziehbarkeit, Anerkennung menschlicher Arbeit und wissenschaftliche Verantwortung zu schwächen? Mit dieser Frage befasst sich die am 2. Juni 2026 veröffentlichte Leiden Declaration on Artificial Intelligence and Mathematics. Eine internationale Arbeitsgruppe entwickelte sie nach einer Tagung am Lorentz Center in Leiden. Die Internationale Mathematische Union (IMU) unterstützt die Erklärung.
Die Erklärung erkennt Chancen für neue Entdeckungen an, warnt aber vor überzeugend wirkenden, fehlerhaften Beweisen, unzureichender Quellenangabe und vorschnellen öffentlichen Erfolgsmeldungen. Sie empfiehlt unter anderem, den Einsatz von KI und anderen Werkzeugen offenzulegen, Ergebnisse unabhängig überprüfbar zu halten und die Verantwortung für Korrektheit und Zuschreibung bei den menschlichen Autorinnen und Autoren zu belassen. Die Empfehlungen richten sich auch an Fachgesellschaften, Förderorganisationen, Politik und KI-Unternehmen.
Unterzeichnende aus Münster: Die Liste umfasst folgende Forschende von Mathematics Münster: Arthur Bartels, Christopher Deninger, Siegfried Echterhoff, Konstantinos Kartas, Thomas Nikolaus, Peter Schneider, Eduardo Silva, Sam Shepherd, Edoardo Giovanni Tolotti, Alexander Van Werde, Floris Vermeulen und Yifei Zhao. Ihre Unterschriften sind persönliche Stellungnahmen; die Angabe einer Hochschulzugehörigkeit bedeutet keine institutionelle Unterstützung.
Eine weitere Debatte aus Münster: Thomas Nikolaus hat gemeinsam mit Claudia Alfes aus Bielefeld und Andreas Thom aus Dresden die eigenständige AI.MATH-Initiative gestartet. Sie stellt Entwürfe zur Zukunft mathematischer Forschung und des Mathematikstudiums im Zeitalter der KI zur Diskussion und lädt zu Fragen und Widerspruch ein. So bietet sie einen weiteren Raum, um die Themen der Leidener Erklärung in der mathematischen Gemeinschaft zu erörtern.