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Der staufische Kaiser Friedrich II. (1194-1250) wurde schon zu Lebzeiten kontrovers diskutiert. Die Urteile über ihn reichen vom „Staunen der Welt” bis zum „Tyrannen” und „Antichrist”. Sein Leben war von vielen Konflikten geprägt: mit den lombardischen Städten, mit dem Papsttum und mit dem eigenen Sohn Heinrich (VII.), der schließlich abgesetzt und eingekerkert wurde. Den größten Teil seines Lebens verbrachte Friedrich II. in Italien. Er förderte Kunst und Wissenschaft und gründete 1224 die Universität von Neapel. Zu seinen Hobbies gehörte die Falkenjagd, über die er ein bekanntes Buch verfasste. 1245 wurde er vom Papst Innozenz IV. auf dem Konzil von Lyon abgesetzt und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens im Krieg.

In der Lektüreübung werden wir historiographische Quellen lesen, die das Leben Friedrichs aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Dazu gehören z.B. die Chronik des Richard von San Germano, die „Vita Innocentii IV.” des Nikolaus von Calvi, die Chronik des Salimbene von Adam und die Chronik des Matthew Paris. Da wir die Quellen im Original lesen werden, sind Lateinkenntnisse wünschenswert.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2020

Die Alexandreis Walters von Châtillon zählt nicht nur in der Retrospektive zu den bekanntesten mittellateinischen Dichtungen überhaupt, sondern galt bereits den Zeitgenossen des 12. Jahrhunderts als herausragendes Epos, das den Vergleich mit den römischen „Klassikern“ des Genres nicht zu scheuen brauchte. In formaler, stilistischer und motivischer Anlehnung an Vorgänger wie Vergil erzählt der Text in zehn Büchern die Geschichte des Makedonenkönigs Alexanders des Großen (4. Jh. v. Chr.) und seiner Feldzüge, die ihn bis nach Indien führten. Der Stoff war im gesamten Mittelalter durch die volkssprachigen Alexanderromane ausgesprochen beliebt, wurde aber erst durch Walter in einem lateinischen Epos verarbeitet. Damit ist er auch ein herausragendes Beispiel für die Blüte lateinische Dichtung im Frankreich des 12. Jh.

In der Übung werden wir die Alexandreis in ausgewählten Passagen gemeinsam lesen. Schwerpunkte der Textarbeit sind dabei die Einübung von Übersetzungstechniken und die Spezifika metrischer Dichtung. Je nach Interesse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer besteht auch die Möglichkeit, die Alexandreis in der mittelalterlichen Tradition des Alexanderstoffes zu kontextualisieren oder die Spezifika der Dichtung Walters durch Vergleich mit den Zeitgenossen wie Matthaeus von Vendôme oder Alain von Lille herauszuarbeiten.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2020

Im christlichen Europa des Mittelalters sind Vorstellungen vom Ende in zweierlei Hinsicht allgegenwärtig. Einerseits betrifft das den Tod des Einzelnen, das folgende Gericht und schließlich Himmel oder Hölle als ständigen Aufenthaltsort der Seelen. Andererseits beziehen sich apokalyptische Endzeiterwartungen in der Tradition der Offenbarung des Johannes auf das Ende der gesamten Welt. In der Lehrveranstaltung wollen wir in den Blick nehmen, wie Lateinische Texte verschiedener Gattungen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit Vorstellungen dieser „letzten Dinge“ modellieren. Dazu gehört etwa das mittelalterliche Genre der Visionsliteratur mit ihren anschaulichen Höllenbeschreibungen, aber auch Dichtungen über die dies irae, den Tag des Jüngsten Gerichts. Eine besonders im frühneuzeitlichen christlichen Epos beliebte Episode ist der descensus Christi ad inferos, der Abstieg Christi in das Reich der Toten nach seiner Kreuzigung.

In der Lehrveranstaltung werden wir exemplarische Texte zu diesen Themen lesen und übersetzen. Ein wichtiges Ziel ist die Vertiefung der Kenntnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur sprachlichen Erschließung der Texte. Je nach Interessenlage besteht auch die Möglichkeit, z.B. Höllendarstellungen aus der bildenden Kunst oder eschatologische Vorstellungen jenseits der christlichen Tradition in den Blick zu nehmen.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2020

 

In der Lehrveranstaltung wird gezeigt, auf welche Weise die heidnische, griechisch-römische Mythologie im lateinischen Schrifttum des Mittelalters und der frühen Neuzeit verhandelt wurde. Während die Gültigkeit der christlichen Religion an sich im lateinischen Europa des Mittelalters keineswegs in Frage gestellt wurde, lebten die heidnischen Götter in der Literatur, bildenden Kunst sowie im gelehrten, theoretischen und enzyklopädischen Schrifttum munter weiter. Im Humanismus der Renaissance (14.-16. Jh.) entwickelte sich für das pagane Pantheon ein verstärktes Interesse, sogar im Sinn einer grundlegenden, Identität stiftenden Figuration des kulturellen und geistigen Lebens. Zudem wurde die Mythographie ab der zweiten Hälfte des 15., jedoch v.a. im 16. Jahrhundert, durch antiquarisch-protoarchäologische Studien auf eine neue wissenschaftliche Grundlage gestellt.

In der Lehrveranstaltung sollen die wichtigsten mythologischen bzw. mythographischen Traktate vorgestellt und analysiert werden: u.a. Fulgentius‘ Mitologiae, die vatikanischen Mythographen, Albricus’ Allegoriae poeticae, Boccaccios Genealogiae deorum gentilium (14. Jh.), Ludovico Lazzarelli’s De gentilium deorum imaginibus, Georgius Pictorius’ Theologia Mythologica (1532 und 1558), Julien d’Havrés De cognominibus deorum gentilium (1541) und Lilio Gregorio Giraldis De deis gentium historia (1548).

Textbeispiele werden in der VL gestellt. Die zentralen lateinischen Textbeispiele werden übersetzt bzw. paraphrasiert.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2019

„Welche Inhalte wurden in den Fächern der septem artes vermittelt?: Martianus Capellas De nuptiis Philologiae et Mercurii und deren mittelalterliche Kommentare.“

Man stelle sich eine Art humboldtsches Bildungsideal europäischen Ausmaßes vor, und man kommt der Bedeutung des Martianus Capella für das spätantike und mittelalterliche Bildungssystem sehr nahe. Wer erfahren möchte, was an grundständigen Bildungsinhalten über Jahrhunderte hinweg vermittelt wurde, sollte daher Martianus‘ Prosimetrum De nuptiis Philologiae et Mercurii in die Hand nehmen. Eingebettet in eine allegorisch-mythologische Brautwerbungsgeschichte lässt der Dichter in den Büchern drei bis neun die sieben personifizierten artes, Brautgeschenke Merkurs für Philologia, auftreten. Der Lektürekurs wird sich diesen sieben Büchern widmen. Anhand der Dichtung sollen die Lehrinhalte des Triviums (Grammatik, Dialektik, Rhetorik) sowie des Quadriviums (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik) teilweise kursorisch, stellenweise vertieft erarbeitet werden. Die mittelalterlichen Kommentare dienen dabei als ernstzunehmende Erschließungshilfen und werden zugleich als historische Zeugnisse einer lebendigen Kommentartradition gelesen.

Für Teilnehmende, deren Hauptfach nicht Latein ist, werden bei Bedarf Übersetzungen, soweit vorhanden, zur Verfügung gestellt.

Begleitend zum Lektürekurs ist im Januar 2017 eine Exkursion nach Wolfenbüttel und Quedlinburg geplant, um zum einen Handschriften von De nuptiis und Kommentarhandschriften einzusehen, zum anderen die beeindruckenden Fragmente des De nuptiis-Teppichs aus dem 12. Jahrhundert kennenzulernen (mit Fachführung).

 

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Semester: WiSe 2016/2017

Inhalt und Ziel: Die sich immer wieder – teils tragisch – aktualisierende Tucholsky’sche Frage, was Satire dürfe, gewinnt besondere Dringlichkeit in oder in Konfrontation mit Gesellschaften, in denen sich der ‘politische’ Wille zur weltanschaulichen Einheitlichkeit autoritär verwirklicht: Das europäische Mittelalter wird in der allgemeinen Wahrnehmung vielfach als Paradebeispiel einer solchen Gesellschaftsordnung verstanden, in der eine kleine klerikale und adlige Elite die Geschicke und das Denken einer weitgehend illiteraten und unmündigen Bevölkerung kontrolliert. Doch erfreuten sich in kaum einer anderen Epoche der lateinischen Literatur die Satire und das satirisch-kritische Epigramm einer solchen Beliebtheit wie im Mittelalter. Intellektuelle, zumeist aus dem geistlichen Bereich, schufen sich in der spezifischen Medienlandschaft der Epoche literarische Freiräume, um mit kunstvollen lateinischen Texten die Missstände der Zeit zu geißeln: Lotterleben, Korruption, Willkürherrschaft, Doppelmoral von Herrschern und Kirchenfürsten wurden zur bevorzugten Zielscheibe. Dabei nutzte man neben dem Epigramm nicht bloß die antike Verssatire, sondern griff auch auf (menippeische) Prosasatire und Prosimetrum zurück.

 

 

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Semester: WiSe 2016/2017

Wohl in keiner anderen Gattung der neulateinischen Literatur ist die Strahlkraft antiker Modelle so deutlich wahrzunehmen wie in der Epik. Insbesondere Vergil, aber auch Lucan, Statius und Claudian prägten für mehr als anderthalb Jahrtausende die Art und Weise, wie Geschichte und Geschichten in hexametrischer Großdichtung eine poetische Form gegeben wurde. Mit dem italienischen Humanismus, ab ca. 1430, nahm die Produktion dieser Texte exponentiell zu. Sowohl gelungene als auch fehlgeschlagene epische Großprojekte geben einen faszinierenden Eindruck davon, wie der Umgang frühneuzeitlicher lateinischer Dichter mit der antiken Epik sich durch imitatio, aemulatio, Ergänzung, Konfrontation und Überbietung vollzog. Ein längsschnittartiger, textzentrierter Durchgang durch die lateinische Epik des 15. bis 18. Jahrhunderts soll dieses Spannungsfeld von Traditionsbindung und Innovationsbestrebungen aufzeigen. Wir werden unter anderem 13. Bücher der Aeneis, Bibelepen, in denen ein christlicher Hades gegen den Messias intrigiert, Columbus-Dichtungen, die die spanische Landnahme in der Neuen Welt sowie die Landung der Trojaner in Italien schildern und Texte über die heroischen Kriegstaten von Sultan Mehmed II., Gustav Adolf und Napoleon lesen.

 

 

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Semester: WiSe 2016/2017