Forschungskolloquien

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Ringvorlesung: Geschichtskulturelle Transformationen: Kontroversen, Akteure, Zeitpraktiken

Geschichte ist omnipräsent und zugleich oft heftig umstritten. Geschichtskultur ist daher keine monolithische Einheit, sondern als „praktisch wirksame Artikulation von Geschichtsbewußtsein im Leben einer Gesellschaft” (Rüsen) Ausdruck heterogener gesellschaftlicher Orientierungs- und Identitätsbedürfnisse. Fortwährend konfrontieren uns verschiedene geschichtskulturelle Akteurinnen und Akteure mit Historischem, stellen konkurrierende historische Deutungen zur Diskussion und tragen so dazu bei, dass unsere Geschichtsvorstellungen sich mehr oder weniger stark verändern. Dieser Transformationsprozess betrifft nicht nur bestimmte historische Themen (z.B. den Umgang mit NS- und Kolonialvergangenheiten), Konzepte und Kategorien (z.B. Nation), sondern nicht zuletzt das Selbstverständnis der Geschichte als akademischer Disziplin im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Geschichtskultur kann man einerseits verstehen als ein Ensemble kultureller Praktiken des individuellen und gesellschaftlichen Umgangs mit Vergangenheit. Andererseits spielen Gegenwart und Zukunft eine zentrale Rolle, denn Geschichtskultur ist zugleich ein diskursives soziales Feld, in dem unterschiedliche Akteur:innen gegenwartsrelevante historische Identitätsangebote machen, Zukunftsentwürfe aushandeln und Geschichte als Bedeutung so immer wieder neu erzeugen. Das zeigt sich nicht zuletzt in geschichtskulturellen Kontroversen, in denen verschiedene historische Orientierungsbedürfnisse und Deutungsmuster diskutiert sowie hinsichtlich ihrer historischen Plausibilität reflektiert werden. In der Ringvorlesung werden Vortragende aus dem In- und Ausland ausgewählte Kontroversen thematisieren, die das geschichtskulturelle Feld in unserer von vielfältigen Transformationsprozessen geprägten Gegenwart bestimmen.

Di 18-20 Uhr (s.t.). Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, Hörsaal F2

Organisation: Prof. Dr. Holger Thünemann, Dr. Manuel Köster

Programm

  • Sommersemester 2022

    Di 18-20 Uhr (s.t.). Fürstenberghaus, Domplatz 20-22, Hörsaal F2

    26.04.2022

    • Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann (Konstanz): Der Umbau des nationalen Wir

    03.05.2022

    • Prof. Dr. Habbo Knoch (Köln): Polemik, Perspektive, Paradigma? Postkoloniale Debatten und die      Erinnerung an den Holocaust

    10.05.2022

    • Prof. Dr. Moshe Zimmermann (Jerusalem): Wie viel Israel gehört zum Antisemitismus?

    17.05.2022

    • Prof. Dr. Hans Beck (Münster): Noch einmal zu Decolonizing Classics

    24.05.2022

    • Prof. Dr. Thomas Sandkühler (Berlin): Restitution von kolonialzeitlicher Kunst: eine nationale Debatte?

    31.05.2022

    • Prof. Dr. Robert Traba (Warschau): Nation: das neue Paradigma gegenwärtiger Erinnerungs- und Geschichtskultur?

    14.06.2022

    • Prof. Dr. Christoph Dartmann (Hamburg): Politisches Engagement, konservative Identitätspolitik und ‚Wissenschaftsfreiheit‘

    21.06.2022

    • Prof. Dr. Gabriele Metzler (Berlin): Kaiserreich revisited. Anmerkungen zu einer Kontroverse

    28.06.2022

    • Prof. Dr. Christina Brüning (Marburg): Wie politisch darf die Geschichtsdidaktik sein?

    05.07.2022

    • Prof. Dr. Peter Geiss (Bonn): Wie „sinnstiftend“ soll Geschichte sein? Historisches Lernen und Geschichtskultur zwischen Kritik und Affirmation

    12.07.2022

    • Prof. Dr. Sabine Hübner (Basel): Klimageschichte und Geschichtswissenschaft – eine überfällige Kontroverse?

     

    Die Ringvorlesung wird im Wintersemester 2022/23 fortgesetzt.

Institutskolloquium

Das Institutskolloquium richtet sich an die Angehörigen und Doktorand*innen des Instituts sowie an die Studierendenschaft der Geschichtsdidaktik. Im Zentrum des Kolloquiums steht der fachliche Diskurs zu aktuellen Themen der Geschichtsdidaktik. Zum einen werden Dissertations- und Forschungsprojekte von Mitarbeiter*innen des Instituts präsentiert. Zum anderen werden geschichtsdidaktische und historische Neuerscheinungen diskutiert.

  • Wintersemester 2021/2022

    Im Fokus des Wintersemesters 2021/20222 stehen ausgewählte Beiträge zum Thema "Zeitpraktiken":

    25.11.2021

    • Rüsen, Jörn: Die Kultur der Zeit. Versuch einer Typologie temporaler Sinnbildungen. In: Ders. (Hg.): Zeit deuten. Perspektiven – Epochen – Paradigmen. Bielefeld 2003, S. 23-53.

    02.12.2021

    • Landwehr, Achim: Diesseits der Geschichte. Für eine andere Historiographie. Göttingen 2020.

    09.12.2021

    • Geppert, Alexander C. T./Kössler, Till: Zeit-Geschichte als Aufgabe. In: Dies. (Hg.): Obsession der Gegenwart. Zeit im 20. Jahrhundert. Göttingen 2015, S. 7-36.

    16.12.2021

    • Nitsche, Martin/Gollin, Kristine: Zeitlichkeit und narrative Kompetenz – zur kategorialen Erfassung des Umgangs mit Zeit. In: Thomas Sandkühler/Markus Bernhardt (Hg.): Sprache(n) des Geschichtsunterrichts. Sprachliche Vielfalt und Historisches Lernen. Göttingen 2020, S. 310-327.

    13.01.2022

    • Koselleck, Reinhart: Geschichte, Geschichten und formale Zeitstrukturen [1973]. In: Ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. 8. Aufl. Frankfurt a. M. 2013, S. 130-143, sowie Koselleck, Reinhart: ,Erfahrungsraum‘ und ‚Erwartungshorizont‘ – zwei historische Kategorien [1976]. In: Ders.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. 8. Aufl. Frankfurt a. M. 2013, S. 349-375.

    27.01.2022

    • Lorenz, Chris: Der letzte Fetisch des Stamms der Historiker: Zeit, Raum und Periodisierung in der Geschichtswissenschaft. In: Fernando Esposito (Hg.): Zeitenwandel. Transformationen geschichtlicher Zeitlichkeit nach dem Boom. Göttingen 2017, S. 63-92.

    Organisation: Johannes Jansen

  • Sommersemester 2021

    Im Fokus des Sommersemester 2021 stehen Vorträge zum Thema "Partizipation und Geschichtskultur". Das Programm sowie Anmeldemöglichkeiten finden Sie hier

    Dr. Björn Onken (Essen/Münster):

    Internetkommentare als Quelle zu Partizipation und Geschichtskultur

    22.04.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Dr. Oliver Näpel (Münster):

    Wikis und Co.: Demokratisierung der Geschichtskultur durch partizipative Zugänge?

    06.05.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Dr. Martin Schlutow (Münster/Wuppertal):

    Vom 'öffentlichen Ärgernis' zur Outreach-Strategie? Formen und Funktionen partizipativer Museumsarbeit von den 1970er Jahren bis heute

    20.05.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Dr. des. René Smolarski (Erfurt/Jena):

    Citizen Science in der Geschichtswissenschaft? Potentiale und Herausforderungen am Beispiel der Philatelie

    10.06.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Helen Wagner (Erlangen):

    „Geschichte braucht eine Lobby!“ – Zur Vernetzung geschichtskultureller Akteur*innen im Ruhrgebiet zwischen Aktivierung, Kooperation und Parallelstruktur

    24.06.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Dr. Manuel Köster (Münster):

    Die gemeinsame Verfertigung der Geschichte beim Spielen: Live-Action-Rollenspiele als Ko-Konstruktion historischer Erzählungen

    08.07.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Dr. Christian Winklhöfer (Münster):

    Computerspielgeschichte als Partizipationsgeschichte

    15.07.2021, 18.00-19.30 Uhr

     

    Organisation:  Dr. Björn Onken (Lehstuhlvertretung SoSe20; WiSe20/21; SoSe21)

  • Wintersemester 2020/2021

    Im Fokus des Wintersemesters 2020/21 stehen die Debatte über die digitale Hochschullehre und die Diskussion über die aktuelle Publikation von Jörn Rüsen:

    • Ausgewählte Essays aus: Marko Demantowsky, Gerhard Lauer, Robin Schmidt und Bert te Wildt (Hrsg.): Was macht die Digitalisierung mit den Hochschulen? Berlin 2020.
    • Jörn Rüsen: Geschichtskultur, Bildung und Identität. Berlin u.a. 2020.

    Organisation:  Ute Langer

  • Sommersemester 2020

    Im Sommersemester 2020 fand im Rahmen eines Workshops zu laufenden Dissertationsprojekten am Institut der diskursive Austausch zu Theorie und Forschungsmethodik innerhalb der Schwerpunkte des Sprachsensiblen Geschichtsunterrichts und des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten statt.

    23. September 2020

    Themenblock „Geschichtswettbewerb"

    09.00 – 12.00 Uhr Workshop I

    Moritz Heitmann
    Historische Orientierung in der „Vereinigungsgesellschaft“ am Beispiel des Geschichtswettbewerbs.

    13.00 – 16.00 Uhr Workshop II

    Johanna Glandorf
    Individuelle Begleitung und Förderung historischer Lern- und Sinnbildungsprozesse. Eine empirische Studie zum Handeln von Lehrkräften am Beispiel des Geschichtswettbewerbs.

    24. September 2020

    Themenblock „Lesen im Geschichtsunterricht“

    09.00 – 12.00 Uhr Workshop I

    Ute Langer
    Förderung von historischem Textverstehen mithilfe von Elaborations-Lesestrategien.

    13.00 – 16. 00 Uhr Workshop II

    Vanessa Kilimann
    Überzeugungen zur Leseförderung im Geschichtsunterricht. Eine empirische Studie zur Professionalisierung angehender Geschichtslehrkräfte.

    Organisation:  Johanna Glandorf

Historisch-didaktisches Kolloquium

Das Historisch-Didaktische Kolloquium richtet sich nicht nur an eine interessierte Universitätsöffentlichkeit, sondern auch an Studierende, Referendare, Geschichtslehrer*innen sowie Fachleiter*innen. Mit der Vortragsreihe „Sprachsensibler Geschichtsunterricht. Theorie-Empirie-Pragmatik“ wurden im Sommersemester 2019 sowie im Wintersemester 2019/2020 Potentiale und Grenzen Sprachsensiblen Geschichtsunterrichts im Rahmen des Kolloquiums diskutiert. Im Zentrum standen die theoretische Fundierung des Verhältnisses von Sprache und historischem Lernen, die Vorstellung aktueller Forschungsprojekte zur Diagnostik sprachlich-fachlicher Kompetenzen sowie die Diskussion methodischer Fördermöglichkeiten für die Unterrichtspraxis. Anknüpfend an die Vortragsreihe ist eine Publikation mit deren Beiträgen geplant.

Die Programmflyer des Kolloquiums im Sommersemester 2019 und Wintersemester 2019/2020  finden Sie hier.

Organisation:  Moritz Heitmann

  • Wintersemester 2019/2020

    Prof. Dr. Christoph Kühberger (Salzburg)

    Geschichtsschulbuchnutzung. Empirische Einsichten unter besonderer Berücksichtigung des Lesens

    10.10.2019, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Viola Schrader (Münster)

    Triftigkeitskonzepte in Schülertexten. Eine Studie zum Zusammenhang von Sprache und historischem Denken

    24.10.2019, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Prof. Dr. Markus Bernhardt (Duisburg-Essen)

    Pragmatische Lücken in der Geschichtsdidaktischen Narrativitätsdebatte

    07.11.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Dr. Josef Memminger/Anna-Maria Ruck (Regensburg)

    Historische Kausalitäten. Eine Studie zur Wahrnehmung von Erklärungen im Geschichtsunterricht

    21.11.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Kerstin Lochon-Wagner (Bochum)

    Sprachsensibler Geschichtsunterricht in der Lehrer*innen-Ausbildung. Herausforderung - Herangehensweisen - Handeln (für historisches Lernen)

    05.12.2019, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Prof. Dr. Michele Barricelli (München)

    Eine Erzählung von Macht und Partizipation. Kritische Sprachbildung im Fach Geschichte unter den Bedingungen von Diversität und kultureller Vielfalt

    12.12.2019, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Prof. Dr. Holger Thünemann (Köln)

    Werturteilsbildung als Herausforderung sprachsensiblen Geschichtsunterrichts

    09.01.2020, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Prof. Dr. Bernd Schönemann (Münster)

    Geschichtsdidaktische Grundbegriffe

    16.01.2020, 18:00-19:30 Uhr, F 073

    Prof. Dr. Monika Waldis (Basel)

    Narrative Kompetenz im gymnasialen Geschichtsunterricht fördern.

    Herangehensweisen und empirische Befunde der Interventionsstudie "Schülerinnen und Schüler schreiben Geschichte"

    23.01.2020, 18:00-19:30 Uhr, F 073

  • Sommersemester 2019

    Dr. Martin Schlutow (Münster)

    Historisches Lernen durch Schreiben. Vertraute Zugänge und neue Perspektiven

    09.05.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Prof. Dr. Sebastian Barsch (Kiel)

    Empowerment durch Leichte Sprache? Inklusives Historisches Lernen und Forschen

    16.05.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Prof. Dr. Nicola Brauch (Bochum)

    Vom (un-)erklärlichen Tod eines Kamels namens Alphonse. Überlegungen zu Merkmalen fachspezifischer Versprachlichung narrativ plausibler Erklärungen im Fach Geschichte

    23.05.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Dr. Georg Marschnig (Graz)

    Alles Ansichtssache? Multiperspektivität als sprachliche Herausforderung im historischen Lernen

    06.06.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Dr. Manuel Köster (Köln)

    Geschichtsunterricht als sozial-kommunikatives System: Prämissen und Konsequenzen einer „kontingenzgewärtigen“ Perspektive auf Unterricht

    27.06.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Inga Kahlcke (Göttingen)

    Bewertungskriterien bei Geschichtsklassenarbeiten. Ergebnisse einer qualitativ-empirischen Studie

    04.07.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073

    Mareike Wickner (Duisburg-Essen)

    Bildungssprache und Fachsprache. Voraussetzung und Gegenstand historischer Lernprozesse

    11.07.2019, 18:00-19:30 Uhr, F073