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Antisemitische Vorfälle an NRW-Hochschulen bleiben auf hohem Niveau

Bericht dokumentiert 85 Fälle im Jahr 2025
© ZeBA NRW

Düsseldorf, 22. Mai 2026 – Die Zentrale Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in NRW (ZeBA NRW) hat heute ihren ersten umfassenden Bericht zu antisemitischen Vorfällen an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Die Zahlen zeigen eine weiterhin besorgniserregende Entwicklung: Im Jahr 2025 wurden 85 antisemitische Vorfälle an NRW-Hochschulen dokumentiert – ein Anstieg um 7,6 Prozent gegenüber 2024 (79 Fälle) und um 240 Prozent gegenüber 2023 (25 Fälle). Damit bleibt Antisemitismus an Hochschulen auf einem konstant hohen Niveau.

Mit 74 Prozent stellte israelbezogener Antisemitismus die mit Abstand häufigste Erscheinungsform dar. Zuordenbare Vorfälle stammten insbesondere aus dem antiisraelischen Aktivismus (26 Prozent), dem linken Spektrum (16 Prozent) sowie dem islamischen bzw. islamistischen Milieu (12 Prozent). Regional verzeichnete insbesondere der Regierungsbezirk Detmold einen deutlichen Anstieg von vier auf 19 Fälle.

Statements

© ZeBA NRW
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Ludger Hiepel, Beauftragter gegen Antisemitismus der Universität Münster, betonte die Bedeutung der neuen Datengrundlage: „Die hohe Anzahl zeigt, wie notwendig die gemeinsame Arbeit gegen Antisemitismus ist.“ Ziel sei es, Erscheinungsformen besser zu identifizieren, das Dunkelfeld auszuleuchten und wirksame Maßnahmen zu entwickeln.

Jörg Rensmann, Leiter von RIAS NRW, verwies darauf, dass Antisemitismus weit über die Hochschulen hinaus ein drängendes gesellschaftliches Problem bleibe: „In NRW vergeht statistisch gesehen kein Tag, an dem es nicht zu drei antisemitischen Vorfällen kommt.“ Antisemitismus gefährde die gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen und Juden und erfordere konsequente Gegenmaßnahmen. 

NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes erklärte: „Hochschulen müssen Orte sein, an denen sich Jüdinnen und Juden ohne Sorge vor Diskriminierung und Angriffen aufhalten, studieren und arbeiten können.“ Antisemitische Vorfälle seien „Mahnung und Auftrag“, den Einsatz gegen Antisemitismus weiter zu verstärken.

Die Vertreter der drei Landesrektorenkonferenzen – Johannes Wessels, Frank Dellmann und Thomas Grosse – unterstrichen gemeinsam ihre Verantwortung für sichere und diskriminierungsfreie Hochschulen. Ausgrenzung, Hetze und Gewalt hätten weder in Hörsälen noch auf dem Campus oder in digitalen Räumen Platz.

Andreas Stahl, Leiter von ZeBA NRW, erklärte: „Unsere Auswertung zeigt klar, dass Antisemitismus an Hochschulen in NRW ein großes Problem ist.“ Neben einer besseren Dokumentation von Vorfällen brauche es vertrauensvolle Anlaufstellen, Aufklärung über (israelbezogenen) Antisemitismus sowie langfristige Präventions- und Unterstützungsangebote.

Evelyn Deller, Co-Vorsitzende des Jüdischen Studierendenverbandes NRW, machte deutlich, dass sich nicht jüdische Studierende an antisemitische Stimmungen anpassen müssten, sondern Hochschulen die Verantwortung trügen, sichere Studienbedingungen zu gewährleisten. Die Arbeit von ZeBA NRW und Antisemitismusbeauftragten sei deshalb zentral. Gleichzeitig brauche es mehr Qualifizierung und Sensibilisierung an Hochschulen sowie einen stärkeren Fokus auf Prävention: „Lippenbekenntnisse reichen nicht.“

ZeBA NRW betont die elementare Bedeutung von mehr Fortbildungsangeboten, stärkeren Beratungsstrukturen, besseren Meldewegen sowie nachhaltigen, auch gesetzgeberischen, Maßnahmen im Kampf gegen Antisemitismus. Grundlage müsse ein gemeinsames und dauerhaftes Engagement gegen Antisemitismus bleiben.

Präsentation von Andreas Stahl 
Presseecho (Instagram-Account von ZeBA NRW)

Zentrale Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (ZeBA NRW)
E-Mail: info@zeba-nrw.de