Theologisch-Ethische Genderforschung

Vor dem Hintergrund des weltweiten Ringens um Anerkennung und Durchsetzung der Menschenrechte von Frauen und Mädchen ist eine christliche Sozialethik herausgefordert, ein Konzept der Geschlechtergerechtigkeit zu entwickeln und sowohl im Hinblick auf gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse als auch im Kontext der Kirche kritisch geltend zu machen. In diesem Forschungsschwerpunkt wurden in den letzten Jahren kritische Analysen zur Geschlechteranthropologie und -ethik sowie insbesondere zur Auseinandersetzung um Gendertheorien im Kontext der katholischen Tradition und der aktuellen innerkirchlichen Debatte erarbeitet.

Untenstehend finden Sie nährere Informationen zu den Themenschwerpunkten Gender - Religion - Nation und Geschlecht, Anerkennung und Recht.

Projektleitung: Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, Dr. Maren Behrensen

Mitarbeiter:  Josef Becker, Mag.Theol.

Finanzierung: Eigenmittel; Landesprogramm für geschlechtergerechte Hochschulen des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF) NRW (seit 2016), Excellenzcluster Religion und Politik

Laufzeit: seit 2009 (anknüpfend an frühere Untersuchungen von Marianne Heimbach-Steins)

  • Gender - Religion - Nation

    Auf der Grundlage der im Juni 2017 durchgeführten Tagung der Arbeitsplattform „Religion, Politik und Geschlechterordnung" im Exzellenzcluster Religion und Politik zum Thema „Gender - Religion - Nation" wurde ein Buchprojekt unter dem gleichen Titel entwickelt, das von Maren Behrensen gemeinsam mit Marianne Heimbach-Steins und der Soziologin Linda Hennig (CRM - Centrum für Religion und Moderne) herausgegeben wird. Der Band fokussiert in international vergleichender Perspektive (mit Beispielen aus Deutschland, Russland, Südosteuropa und den USA) gesellschaftliche Debatten über den Wert von Ehe und Familie, die Frage der Abtreibung, rechte sexueller Minderheiten, Sexualkundeunterricht oder Gleichstellungspolitiken, die insbesondere aus (rechts-)populistischen und religiös-fundamentalistischen Quellen gespeist werden und so nationalistische Motive mit der Ablehnung der sogenannten „Gender-Ideologie" verknüpfen. Die Publikation erscheint voraussichtlich im Dezember 2018 in der Reihe „Religion und Moderne" im Campus-Verlag, Frankfurt.

    Zwischen diesem Vorhaben und der Analyse der Programmatik der Partei „Alternative für Deutschland" (familien- und geschlechterpolitische Aspekte), die wir im Frühsommer 2017 vorlegten, bestehen thematische breite Schnittstellen. Die beide Projekte verbindende Auseinandersetzung mit Genderfragen im Horizont rechtspopulistischer Anti-Gender-Diskurse führte im akademischen Jahr 2017/18 zu einer Reihe von Einladungen und Veranstaltungensbeteiligungen verschiedener gesellschaftlicher und kirchlicher Institutionen.

  • Geschlecht, Anerkennung und Recht

    Ausgehend von der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes von Oktober 2017 zum sogenannten „dritten Geschlecht" erarbeiten Maren Behrensen und Marianne Heimbach-Steins derzeit ein Forschungsprogramm, dass die aktuellen Entwicklungen unter dem Aspekt der Anerkennung beleuchten soll. Leitend sind hierbei die Fragen, was Geschlechtskategorien im Recht überhaupt leisten können und dürfen und inwiefern sich eine Änderung oder Erweiterung dieser Kategorien auf Anerkennungskämpfe im Sozialen widerspiegelt und damit letztlich auch neue Herausforderungen an religiöse Akteure, insbesondere auch an die katholische Kirche, stellt.

  • Veröffentlichungen

    Monografien / Sammelbände

    Riedl, Anna Maria / Kroll, Anna / Krause, Felix / Hartlieb Michael (Hg.) (2015): Gender – Autonomie – Identität: Beobachtungen, Konzepte und sozialethische Reflexionen (Forum Sozialethik 15). Münster: Aschendorff.

    Heimbach-Steins, Marianne (2009): „… nicht mehr Mann und Frau“ (Gal 3,28): sozialethische Studien zu Geschlechterverhältnis und Geschlechtergerechtigkeit. Regensburg: Pustet.

    Heimbach-Steins, Marianne / Enxing, Julia / Goertz, Vanessa / Krause, Felix / Riedl, Anna Maria (2015): Voraussetzungen, Ansätze und Schwierigkeiten der Vermittlung von kirchlicher Lehre und christlicher Praxis: eine theologische Stellungnahme zur Außerordentlichen Bischofssynode zur Familie (2014) (Sozialethische Arbeitspapiere/ICS AP 1). Münster 2015. Hier herunterladen

    Riedl, Anna Maria (2015): „...es gehört zur Moral, nicht bei sich selber zu Haus zu sein“ – Handlungsmacht und Verantwortung an den Grenzen der Autonomie. In: Badawia, Tarek / Schmid, Hansjörg (Hg.): Zwischen Gewissen und Norm. Autonomie als Leitkategorie religiöser Bildung im Islam und Christentum. Berlin : Lit (im Druck).

    Heimbach-Steins, Marianne (2014):  „… nicht mehr Mann und Frau“ (Gal 3,28): Geschlecht und Geschlechterverhältnisse – Provokation für Kirche und Theologie. In: Stollberg-Rilinger, Barbara (Hg.): “Als Mann und Frau schuf er sie”: Religion und Geschlecht“ (Religion und Politik 7). Würzburg: Ergon, 279–294.

    Heimbach-Steins, Marianne (2011):  Zwischen Würdegleichheit und Gleichberechtigung der Geschlechter – Positionen der Katholischen Kirche. In: Deutsche Botschaft Ankara (Hg.): Religion und Migration heute und vor 50 Jahren: Geschlechtergleichheit in Deutschland und in der Türkei (Dokumentation der Tarabya-Konferenz 28./29.5.2011 “Islam und Europa als Thema der deutsch-türkischen Zusammenarbeit IX”). Ankara, 38–54 (in deutscher und türkischer Sprache).

    Heimbach-Steins, Marianne (2010): „Mann und Frau besitzen dieselbe Würde und sind gleichwertig“: Gottesbildlichkeit und Geschlechterverhältnis in christlicher Sicht. In: Brauch, Annegret (Hg.): Mode, Körper, Geschlecht: wie kulturelle und religiöse Traditionen Frauenbilder formen (Herrenalber Protokolle 126). Karlsruhe: Evang. Akad. Baden, 57–68.

    Aufsätze / Broschüren

    Heimbach-Steins, Marianne (2015): Die Gender-Debatte – Herausforderungen für Theologie und Kirche (Kirche und Gesellschaft, 422), hg. von der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach, Köln: Bachem 2015.