Religionsfreiheit und Religionspolitik

In der weltanschaulich pluralen und heterogenen Gesellschaft, verstärkt durch die Dynamiken der Zuwanderung aus mehrheitlich muslimisch geprägten Weltregionen und durch die sich verschärfenden ideologischen Auseinandersetzungen in Deutschland, Europa und weltweit, bildet die sozialethische Auseinandersetzung mit Fragen um Religionsfreiheit und Religionspolitik einen dauerhaften Forschungsschwerpunkt am Institut. Schnittstellen zu unseren anderen Forschungsschwerpunkten Sozialethische Genderforschung, Migrations- und Integrationsethik, (Rechts-)Populismus und Sozialethische Ekklesiologie liegen auf der Hand.

Im Projekt werden Provokationen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit für Gesellschaft, Staat und Religionsgemeinschaften in sozialethischer Hinsicht untersucht und Konturen eines Ethos der Religionsfreiheit für den Kontext weltanschaulich und religiös pluraler (europäischer) Gesellschaften erarbeitet. In einer ersten Phase wurde die rechtliche Rahmensetzung freiheitlicher Religionsausübung in religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaften anhand einschlägiger Urteile des BVerfG untersucht. Gefragt wurde, mit welchen Vorverständnissen im Recht als institutionellem Regulativ freier Religionsausübung auf Religion rekurriert wird, welche Eigenschaften und Dynamiken dabei religiösen Akteuren zugeschrieben werden und wie sich dies mit einem christlich-theologischen Verständnis von Religion verträgt. Dieses Vorhaben wurde von Dr. Daniel Bogner im Rahmen des 2012 abgeschlossenen Exzellenzcluster-Projekts „Das Recht auf Religionsfreiheit und das Ethos der Religionsfreiheit. Rechtsethische und theologisch-sozialethische Annäherungen“ bearbeitet. Darüber hinaus wird der Zusammenhang von Religionsfreiheit als Recht und als sozialethische Herausforderung bezogen auf die „Innenseite“ der (verfassten) Religion erforscht. Schwerpunktmäßig am Beispiel der katholischen Kirche untersucht Marianne Heimbach-Steins, wie sich die Anerkennung des Rechtes auf Religionsfreiheit als Provokation an Kohärenz und Konsistenz von religiöser Lehre und (institutioneller) Praxis auswirkt und welche Anforderungen an das Ethos individueller und kollektiver Religionsausübung daraus im Kontext religiös und weltanschaulich pluraler moderner Gesellschaften erwachsen. Entsprechende Fragen werden u.a. in Bezug auf den Zusammenhang von Religionsfreiheit und Mission sowie Religionsfreiheit und Gender bearbeitet.

Die Vorträge der Institutsdirektorin Prof´in Dr.  Marianne Heimbach-Steins bei den Salzburger Hochschulwochen 2017 unter dem Oberthema „Religion zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Eine christlich-ethische Perspektive“ wurden im Dokumentationsband der SHW 2017 veröffentlicht. Zu dieser und weiteren thematisch einschlägigen Publikationen siehe weiter unten.

Verantwortlich: Prof´in. Dr. Marianne Heimbach-Steins; Dr. Daniel Bogner (bis 2012)

Finanzierung: Eigenmittel; DFG – Projektmittel im Rahmen des Exzellenzclusters “Religion und Politik”, (2009-2012)

Laufzeit: seit 2009

Schwerpunkt- bzw. projektbezogene Publikationen (Auswahl):

Heimbach-Steins, Marianne, Hilpert, Konrad (2018): Anerkennung der Religions- und Gewissensfreiheit. Konsequenzen und neue Fragen." In: Menschenrechte in der katholischen Kirche. Historische, systematische und praktische Perspektiven, herausgegeben von Baumeister, Martin, S. 175-194. Paderborn: Schönigh.

Heimbach-Steins, Marianne (2018): Gleiche Religionsfreiheit. Status und Stellenwert eines komplexen menschenrechtlichen Anspruchs. In: Gerster, Daniel / van Melis, Viola / Willems, Ulrich (Hgg.): Religionspolitik heute: Problemfelder und Perspektiven in Deutschland, Freiburg i. Br.: Herder, 141-161.

Heimbach-Steins, Marianne (2017): Religion zwischen Privatheit und Öffentlichkeit. Eine christlich-ethische Perspektive, in: Dürnberger, Martin(Hg.): Öffentlichkeiten, Innsbruck: Tyrolia, 23-75.

Heimbach-Steins, Marianne (2015): Religionsfreiheit – Kriterium gerechter Religionspolitik. In: Schwarz, Gerhard / Sitter-Liver, Beat / Holderegger, Adrian / Tag, Brigitte (Hg.): Religion, Liberalität und Rechtsstaat: ein offenes Spannungsverhältnis. Zürich: NZZ-Verlag, 87–91.

Heimbach-Steins, Marianne (2014): Menschenrechte, Religion(en), Religionspolitik. In: Theologische Revue 110, Sp. 355–374.

Heimbach-Steins, Marianne (2014): Anerkennung der Religionsfreiheit: ein Prüfstein der kirchlichen Menschenrechtsrezeption. Acta Universitatis Carolinae Theologica 3, Nr.2.

Heimbach-Steins, Marianne (2013): Religionsfreiheit oder: die Gretchenfrage des Umgangs mit den Menschenrechten (Kirche und Gesellschaft 394). Köln: Bachem 2013.

Heimbach-Steins, Marianne (2013): Religionsfreiheit in der Bestreitung: katholisch-fundamentalistische Versuchungen. In: Goertz, Stephan / Hein, Rudolf B. / Klöcker, Katharina (Hgg.): Fluchtpunkt Fundamentalismus?: Gegenwartsdiagnosen katholischer Moral (FS Antonio Autiero). Freiburg i. Br.: Herder, 257–282.

Heimbach-Steins, Marianne (2013): Anerkennung der Religionsfreiheit: ein Prüfstein der kirchlichen Menschenrechtsrezeption. In: Acta Universitatis Carolinae Theologica 3, H.2, 49–66.

Heimbach-Steins, Marianne (2012): Religionsfreiheit: ein Menschenrecht unter Druck. Paderborn: Schöningh.

Heimbach-Steins, Marianne / Bogner, Daniel (Hg.) (2012): Freiheit, Gleichheit, Religion: Orientierungen moderner Religionspolitik. Würzburg: Ergon.

Heimbach-Steins, Marianne (2011): Religionsfreiheit und Mission: christliche Perspektiven auf ein theologisches Spannungsfeld. In: Schmid, Hansjörg / Middelbeck-Varwick, Anja / Ucar, Bülent / Basol-Gürdal, Ayse (Hgg.): Zeugnis, Einladung, Bekehrung: Mission in Christentum und Islam (Theologisches Forum Christentum – Islam). Regensburg: Pustet, 191–204.

Heimbach-Steins, Marianne / Bielefeldt, Heiner (Hg.) (2010): Religionen und Religionsfreiheit: Menschenrechtliche Perspektiven im Spannungsfeld von Mission und Konversion (Judentum – Christentum – Islam. Bamberger Interreligiöse Studien 7). Würzburg: Ergon.

Heimbach-Steins, Marianne (2009): Religionsfreiheit – mehr als Toleranz: sozialethische Reflexionen zu Status und Bedeutung von Religion(en) in Gesellschaft und Staat. In: Ethica 17, 117–150.