Kirsten Henkel
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© Gerd Neuhold, Graz

Gössmann-Preis-2019 am Tag der Menschenrechte an Privatdozentin Plonz vom FB 1 an der WWU überreicht

In einer Feierstunde in der Aula der Karl-Franzens-Universität Graz überreichte der Dekan der katholisch-theologischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Heil, am 10.12. den diesjährigen „Elisabeth-Gössmann-Preis für hervorragende Arbeiten zur Frauen- und Geschlechterforschung“ an die evangelische Theologin Dr. habil. Sabine Plonz (Coesfeld/Westf.). Sie ist Privatdozentin für Ethik im FB 1 der WWU Münster.

Ausgezeichnet wurde ihre Untersuchung „Wirklichkeit der Familie und protestantischer Diskurs. Ethik im Kontext von Re-Produktionsverhältnissen, Geschlechterkultur und Moralregime“ (2018).

Die Laudatio hielt die Religionswissenschaftlerin und Juryvorsitzende Professorin Dr. Ulrike Bechmann. Plonz habe mit ihrer Untersuchung zur „Dekonstruktion patriarchalischer und restaurativer Politik“ beigetragen.

Sie setze sich kritisch mit den normativen Auffassungen zu Ehe, Familie und Geschlecht im deutschen Protestantismus auseinander. Darin sei es seit Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem um die männliche Selbstbehauptung gegangen. Diese Vorstellungen hätten auch das Profil des Wohlfahrtsstaats beeinflusst, der seinerseits die Familien und ihre Lebensbedingungen lange vernachlässigt oder für patriarchalische und nationale Zwecke instrumentalisiert habe.

Die Analysen zur Wirklichkeit der Familie in Geschichte und Gegenwart der jetzt ausgezeichneten Ethikerin sprächen zudem heute kontrovers diskutierte sozialpolitische Fragen an.

In ihrem Festvortrag unterstrich Sabine Plonz den Bezug ihrer Forschungsarbeit zur UN-Menschenrechtserklärung vom 10.12.1948, zu ihren Vorläufern und Weiterentwicklungen.

Die historische Frauenbewegung habe in Deutschland gegen die Menschenrechtsdistanz der Protestanten angehen müssen.

Verwirklichung und Überzeugungskraft der allgemeinen Menschenrechte hingen auch heute daran, dass sie konkret ausgegrenzte oder vernachlässigte Gruppen stärken. So gehe es z.B. um menschenwürdige Arbeitsverhältnisse in der häuslichen Pflege, um die Menschenrechte von Kindern, die in Armut aufwachsen oder unter familialer Gewalt leiden und um das Recht auf Familie der bei uns lebenden Geflüchteten.

Tischlein, deck' dich! (7.6.2018)
© István Oláh
Tischlein, deck' dich! (7.6.2018)
© István Oláh