

Susanne Talabardon (Bamberg) hält die Franz-Delitzsch-Vorlesung am 16. November
Prof. Dr. Susanne Talabardon (Bamberg) hält die Franz-Delitzsch-Vorlesung am 16. November um 18 Uhr c.t. Zuvor, um 16:00 Uhr (s.t), wird wieder ein Workshop stattfinden. Das Thema zu beiden Veranstaltungen ist: „Zwischen David und Goliath oder: Von den paradoxalen Verquickungen von Macht und Ohnmacht in der jüdischen Tradition“.
Für die jüdischen Gemeinschaften in islamisch oder christlich dominierten Territorien erwies sich eine marginale Existenz nicht als die Ausnahme, sondern als Regel. Mehr noch: der jüdischen Erfahrung von Bedrückung und Fremdherrschaft gingen Jahrhunderte währende ähnliche Machtkonstellationen im Alten Israel voraus. Die jüdischen Eliten konnten also bei der Bewältigung von Diaspora und Unsicherheit auf einen reichen Schatz an Denkmodellen zurückgreifen. Was sie auch taten.
Die Vorlesung geht der Frage nach, welche Überlegungen und Strategien den jüdischen Gemeinschaften dabei halfen, Ohnmacht zu sublimieren und Randexistenz zu bewältigen. Der Weg führt dabei von biblischen Konzepten bis zum mittelosteuropäischen Chassidismus des 19. Jahrhunderts.
Wer noch tiefer in das Thema der Vorlesung einsteigen möchte, ist herzlich zum Workshop eingeladen, den Prof. Talabardon vor der Vorlesung gibt. Bei diesem lesen wir gemeinsam die wichtigsten Quellentexte und diskutieren das Thema miteinander. Studierende können sich die Vorlesung und den Workshop als Lehrveranstaltung anrechnen lassen. Der Workshop findet um 16:00 Uhr s.t. im Raum ETh 102 (Ev.-theol. Fakultät) statt. Interessierte melden sich bitte bis zum 09.11. per email an ijd@uni-muenster.de an.
Einladung zum Studientag der Fachschaft
Am Buß- und Bettag, dem 18.11., lädt die Fachschaft Evangelische Theologie zu ihrem traditionellen Studientag ein. In diesem Jahr steht er unter der Frage:
„Gerechter Friede – aber wie?“
Wir wollen gemeinsam danach fragen, wie eine verantwortliche Friedensethik für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts aussehen kann.
Zwei Boni von Seiten der Fakultät: Reguläre Lehrveranstaltungen entfallen an diesem Tag. Wer teilnimmt und zusätzlich einen Essay schreibt, kann einen CP verdienen.
Worum es geht
Spätestens seit der Zeitenwende-Rede des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz lässt sich das Gefühl, dass die Welt in Unordnung ist, nicht mehr nur von der Seitenlinie aus beobachten. Der Krieg gegen die Ukraine hat eine Debatte zurückgebracht, die in Deutschland über Jahrzehnte als überwunden galt: Was heißt eine akute Kriegsbedrohung für uns?
Die letzten vier Jahre haben gezeigt, wie sehr sich das Maß des Möglichen verschoben hat. Anfangs wurde noch darüber gestritten, ob man der Ukraine 5000 Helme liefern soll, heute geht es um halbautomatische Marschflugkörper. Vor dem Krieg erschien die Aussetzung der Wehrpflicht plausibel, inzwischen wird über ihre Wiedereinsetzung gesprochen und darüber, welche Verantwortung junge Menschen für diese Gesellschaft übernehmen sollen.
Deshalb wollen wir uns aus christlich-theologischer Perspektive mit der neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Welt in Unordnung“ beschäftigen, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten der Friedensethik haben wir dazu einen Studientag konzipiert. Er richtet sich an alle, die Interesse daran haben, ihre eigene Position zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu klären und zu stärken.
Was Euch erwartet
Am Vormittag gibt es Impulse zur Denkschrift.
In drei Vertiefungswerkstätten könnt Ihr Euch dann einem Thema widmen, nämlich
- der Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung,
- der rechtserhaltenden Gewalt oder
- der Friedensspiritualität im Krieg.
Zum Schluss gibt es ein Fishbowl-Podium, in dem Expertinnen und Experten mit Studierenden ins Gespräch kommen.
Wer mag, kann den Tag mit einem geistlichen Abschluss beenden.
Dabei soll es kurzweilig und interaktiv zugehen. Es darf auch kontrovers diskutiert werden, in einer respektvollen und offenen Atmosphäre.
Für Getränke und Snacks ist gesorgt. Es wird außerdem eine größere Mittagspause geben.
Datum: 18.11.2026 (Buß- und Bettag), von 10 bis 18:30 Uhr
Ort: Universität Münster, Evangelisch-Theologische Fakultät
Anmeldung: nicht notwendig, aber gern gesehen unter fsevtheo@uni-muenster.de
Im Namen der Fachschaft
Nico Schötz
nschoetz@uni-muenster.de
Gewissen, Verantwortung und Reichspolitik
Irene Dingel hielt den diesjährigen Reformationsfestvortrag
Auf Einladung der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster hielt die Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Irene Dingel (Mainz) am 28. Oktober 2026 den diesjährigen Reformationsfestvortrag. Unter dem Titel „Gewissen, Verantwortung und Reichspolitik. Die Reichstage zu Worms 1521 und Speyer 1526/1529“ ging sie der Frage nach, worauf sich die Akteure der frühen Reformationszeit beriefen, wenn sie politische Entscheidungen trugen – oder sich ihnen widersetzten.
Dingel zeigte, dass beide Seiten dieselben Argumentationsfiguren nutzten: Wer verbindliche Beschlüsse mittrug, berief sich ebenso auf das individuelle Gewissen oder die kollektive Verantwortung wie diejenigen, die Widerspruch einlegten. Begründet wurde dies jeweils mit der Bindung an das Wort Gottes. Gewissen und Verantwortung fanden damit in der Heiligen Schrift zugleich ihren Grund und ihre Grenze. Da über deren Auslegung jedoch keine Einigkeit bestand, blieb ein Konsens aus.
Begrüßt hatte Prof. Dr. Ingo Klitzsch (Seminar für Kirchengeschichte II). Die Eröffnung und Vorstellung der Referentin übernahm Dekanin Prof. Dr. Eve-Marie Becker. An den Vortrag schloss sich eine anregende Diskussion mit dem Publikum an.
Zur Person: Irene Dingel war von 1998 bis 2022 Professorin für Kirchen- und Dogmengeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und von 2005 bis 2022 Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte (IEG). Seit 2022 ist sie Senior-Forschungsprofessorin an der JGU Mainz sowie an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz, der sie seit 2000 als ordentliches Mitglied angehört. Die Universitäten Straßburg (2020) und Kopenhagen (2025) verliehen ihr die Ehrendoktorwürde. Sie ist u. a. Vizepräsidentin der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften sowie Vorsitzende von deren Wissenschaftlicher Kommission.
Die japanische Neureligion Aum Shinrikyo – Religiöser Terror und/oder religiöse Erneuerungsbewegung?
Vortrag von Dr. habil. Martin Repp
Dieser Vortrag gab eine Einführung zu einer japanischen neuen Religion, die 1987 gegründet und dann wenige Jahre später beschuldigt wurde, 1995 einen Giftgasanschlag in U-Bahnen Tokyos und zuvor etliche Morde verübt zu haben. In den meisten religionswissenschaftlichen Arbeiten dazu wird diese Gruppe hauptsächlich anachronistisch aus der Perspektive dieser späteren Entwicklungen dargestellt. Daher wird der wichtige Sachverhalt übersehen, dass es sich zu Beginn um eine religiöse Erneuerungsbewegung junger japanischer Menschen handelte, die angesichts des Ungenügens traditioneller Religionen – wie der etablierten buddhistischen Schulen und Neureligionen älteren Ursprungs – zustande gekommen ist. Der Vortragende meint zeigen zu können, dass die Charakteristika von religiösen Erneuerungsbewegungen, die er in einer früheren religionsvergleichenden Untersuchung (zum mittelalterlichen Buddhismus und Luther) herausgearbeitet hatte, auch für Aum Shinrikyo zutreffen. Die Frage religiöser Innovation stellt sich etwa auch angesichts der religiösen Situation in Europa heute. Darüber hinaus wird gezeigt, wo und wie die Weichen dieser Neureligion falsch gestellt wurden.
Zur Person: Studium der Theologie und Religionsphilosophie in Marburg, Münster und Jerusalem. 1991–2004 Stellvertretender Direktor des NCC Center for the Study of Japanese Religions (Kyoto), Forschung und Publikationen zu japanischem Buddhismus, Neureligionen und Missionsgeschichte. 2004–2009 Professor für Vergleichende Religionswissenschaft an der Ryukoku Universität. 2009–2015 Privatdozent an der Universität Heidelberg. 2009–2019 Referent für Dialog mit asiatischen Religionen am Zentrum Oekumene der EKHN in Frankfurt/Main.

Studienabschlussfeier 2026
Am 25. Oktober 2026 fand in der Observentenkirche im direkten Anschluss an den Universitätsgottesdienst die feierliche Studienabschlussfeier für unsere Absolvent:innen statt. Die Predigt hielt Studiendekan Prof. Dr. Christophe Nihan, die Liturgie gestaltete Dekanin Prof. Dr. Eve-Marie Becker und für die musikalische Begleitung sogte Kantorin Prof. Ellen Beinert; Claudia Deimann unterstützte bei der Durchführung.
Nach der feierlichen Übergabe der Urkunden, begleitet von viel Applaus und strahlenden Gesichtern, klang die Feier bei einem Sektempfang in fröhlicher Atmosphäre aus – ein schöner und würdiger Abschluss des Studiums.
Allen Mitwirkenden sei herzlich gedankt!

Rektorin Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl zu Gast an der Evangelisch-Theologischen Fakultät
Am Freitag, dem 23. Oktober 2026, besuchte die Rektorin der Universität Münster, Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl, die Evangelisch-Theologische Fakultät. Nahezu das gesamte Professorium sowie Vertreterinnen und Vertreter des Mittelbaus und der Fachschaft kamen zusammen, um sich mit der Rektorin über die Fakultät, ihre Arbeit und ihre Zukunftsperspektiven auszutauschen.
Zu Beginn stellte die Dekanin, Prof. Dr. Eve-Marie Becker, die Fakultät und ihre besonderen Stärken in Studium, Lehre und Forschung vor. Dabei wurden unter anderem die persönliche Betreuung der Studierenden, die internationale Ausrichtung und die Vielfalt der theologischen Forschungsfelder deutlich.
Im anschließenden Gespräch standen die zukünftige Entwicklung der Fakultät, die Weiterentwicklung ihrer Forschungsprofile und Möglichkeiten für neue Kooperationen innerhalb der Universität im Mittelpunkt. Auch die Bedeutung der Evangelischen Theologie für den universitären Austausch und den gesellschaftlichen Dialog wurde thematisiert. Die Vertreterinnen und Vertreter des Mittelbaus und der Fachschaft bereicherten die Diskussion durch eigene Perspektiven und Anliegen.
Der Besuch bot Gelegenheit, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen, die Arbeit der Fakultät sichtbar zu machen und gemeinsam über ihre zukünftige Rolle innerhalb der Universität Münster nachzudenken. Der Austausch war geprägt von Offenheit und gegenseitigem Interesse.

Gruß zum Wintersemester 2026/2027
Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen,
liebe Homepage-Leserschaft,
zum neuen Semester grüße ich Sie herzlich mit Gedanken aus meiner Predigt zum Semesteranfang (18.10.2026) in der Universitätskirche – Predigttext war Mk 2,23-28:
„… ‚Es ist nicht erlaubt‘ – liebe Universitätsgemeinde: vom Getreidefeld in Galiläa, wo diese Worte fallen und umgangen werden, blicken wir zur Universität Münster im Oktober 2026. Auch in ihren Straßen und Gebäuden hängen Ordnungen um Ordnungen. Rauchverbote sowie Schutz- und Sicherheitsregelungen, wie die Räume auszustatten seien und sich die Menschen darin zu verhalten hätten, sind allerorten zu finden. Auch hier werden es schier mehr und mehr. Wie passt Jesu scheinbarer Freibrief zum Ährenraufen, den er seinen Jüngern ausstellte, da in unsere Zeit, in unsere Stadt, an unsere Universität? Zwar sollte diese ein Hort unbegrenzter Freiheit im Denken, ein Ort unbedingter Selbstverwirklichung von Forschung sein. Doch: Was haben wir daraus gemacht, was machen wir daraus? Dazu fünf Blitzlichtgedanken am Schluss meiner Predigt: Dass wir Schutz- und Sicherheitskonzepte benötigen – für Räume wie Menschen –, liegt erstens daran, dass wir zu oft nicht sorgsam genug mit dem Leib und Leben des und der Anderen umgehen. Sexuelle Übergriffe etwa in Wort oder post und Tat verspielen die Freiheit, mit der Gott seine Schöpfungswerke – so auch den Menschen – ausgestattet hatte. So gesehen sind Schutzkonzepte, Ordnungen, Gesetze zweitens nicht um ihrer selbst willen gemacht, sondern um des Menschen willen: um den Einen vor der Anderen oder die Eine vor dem Anderen zu schützen – wie auch am Ende alle vor sich selbst. Schutzvorschriften, Ordnungen, Gesetze sind also differenziert zu bewerten und helfen uns im Zweifel im Miteinander, sofern sie nicht um ihrer selbst willen gemacht sind und neue Formen von Macht und Herrschaft etablieren.
Zugleich aber gilt drittens: Je mehr wir als Menschen – auch als an der Universität Tätige – in der uns eigenen, selbstverschuldeten Unmündigkeit, nämlich in der Verstrickung von Sünde und Schuld, bleiben, anstatt von der Liebe des Schöpfergottes, die in Jesus wirksam wurde, eingenommen zu sein, je schwerer wird es sein und bleiben, nach dem Licht der Freiheit, dem sapere aude, mutig und froh zu streben. Und das wäre doch so grundlegend für das, wir im akademischen Setting – in Forschung und Lehre – tun! Denn ein vom Evangelium Gottes beflügeltes Streben nach dem Licht der Freiheit, wie es im Getreidefeld in Galiläa einst aufblitzte, könnte uns viertens auch aus dem Wirrwarr des politischen Alltags, der Unklarheit unserer Gedanken und Zielvorstellungen, der Selbstbezogenheit unseres Tuns in einen hellen Tag hinein führen, an dem zugleich deutlicher werden kann, wer im Großen wie im Kleinen jeden Tags Henne und Ei sind und worauf die Freiheit unserer wissenschaftlichen Arbeit und Existenz bezogen ist: auf den Dienst für einander, der – wie Paulus sagen würde – ganz in der Liebe Christi gründet. So sind fünftens die ährenraufenden Jünger (wie auch ihr Vorbild David) womöglich ein Beispiel dafür, was eine christlich verantwortete akademische Existenz erlaubt und ermöglicht: keinen Bruch von Recht und Gesetz, wohl aber ein Leben mit einem Lehrer an der Seite, der selbst diente und aller Gewalt wehrte. In der Freiheit, die er für seine Jünger in Anspruch nahm, unterminierte er nicht den Willen Gottes, sondern führte diesen aus. Das Doppelgebot der Liebe – zusammen mit der Feindesliebe – bleibt dabei der Maßstab, und zwar nicht als bloße Parole von ‚Love‘, wie es zuletzt in Berlin zu hören war, während sich zeitgleich jüdische Männer und Frauen bedroht fühlen. Das Copyright der Liebe, die verbindet, Freiheit schafft und die Schwächsten schützt, liegt nicht in Parolen, sondern bei der Person Jesu. Die Liebe ist dabei nicht nur eine emotionale, sondern auch eine intellektuelle Kraft, wie Paulus – an Jesus anknüpfend – erläutern wird.
Das Doppelgebot der Liebe – zusammen mit der Feindesliebe – bleibt im Kleinen wie im Großen der anspruchsvollste und teuerste Maßstab, glasklar im Übrigen, wie Jesus von Nazareth selbst lehrte und lebte. Dieser Maßstab bemisst auch die ‚bessere Gerechtigkeit‘, die von Jesu Jüngerschaft in der Bergpredigt gefordert ist – die Grenzen sexuellen Begehrens und Übergriffs sind dabei übrigens unzweideutig mitbedacht. Einfacher und billiger, als Jesus lehrte und lebte, wird die christliche Freiheit nicht zu haben und nicht zu bewahren sein. In all ihrer Freiheit, die Jesus ihnen gewährte, waren die ährenraufenden Jünger – das ergibt ein vertiefter Blick auf die Szene, die Markus uns erzählt – einer Liebesethik verpflichtet, die dringlich, konkret, unzweideutig und umfassend war. Billiger ist das: ‚es ist erlaubt‘ auch für Christinnen und Christen in unserer Zeit nicht zu haben. Die Liebe Christi verpflichtet, und: sie kostet. Doch es lohnt sich, dieses Investment auch in die Universität zu tragen.“
Ich wünsche Ihnen ein anregendes, frohes und erfolgreiches neues Semester in Münster.
Ihre Eve-Marie Becker
Prof. Dr. Eve-Marie Becker (Dekanin)
DFG Projekt Ethik in der Seelsorge: Ethische und pastorale Herausforderungen im seelsorglichen Gespräch mit alten und hochaltrigen Menschen
Projektleitung
Projektmitarbeitende
Nico Schötz (SHK)
Im Projekt "Ethik in der Seelsorge: Ethische und pastorale Herausforderungen im seelsorglichen Gespräch mit alten und hochaltrigen Menschen" soll der aus ethischer Perspektive bisher weniger erschlossene Bereich des seelsorglichen Gesprächs mit alten und hochaltrigen Menschen in Kirchengemeinden und in territorial strukturierter Seelsorge in Pastoralräumen fokussiert werden. Untersucht werden wird, welchen schwierigen Situationen Seelsorger:innen im seelsorglichen Gespräch mit alten und hochaltrigen Menschen begegnen, welche inneren Spannungen sie dabei erleben und wie sie mit den schwierigen Situationen aus ethischer und seelsorglicher Sicht reflektiert umgehen können.
Dazu werden auf Grundlage leitfadengestützter Expert:inneninterviews Problemkonstellationen, denen Seelsorgende in der Begleitung, Beratung und Betreuung von Menschen im dritten und vierten Lebensalter begegnen, mit Hilfe der Dokumentarischen Methode analysiert und anschließend aus praktisch-theologischer und theologisch-ethischer Perspektive reflektiert. Dabei werden die katholische und evangelische Perspektive miteianander verbunden, indem das seelsorgliche Gespräch mit alten und hochaltrigen Menschen konfessionsübergreifend und zugleich konfessionssensibel untersucht wird. Erste Pilotinterviews haben bereits Probleme und Herausforderungen zutage treten lassen, die zunächst nicht vermutet worden waren:
- das häusliche Eingesperrt- und Vernachlässigtsein einer pflegebedürftigen Seniorin;
- Konflikte mit Angehörigen angesichts einer neuen Liebesbeziehung;
- Gerechtigkeitsfragen, was das Verteilen begrenzter Zeit bei Besuchen anbelangt.
Das Forschungsprojekt ist angesichts der demografischen Entwicklung von besonderer Bedeutung. Denn es zielt auf eine diesbezügliche Weiterentwicklung einer Ethik in der Seelsorge und dient der Vorbereitung praxisbezogener Lösungsansätze für Seelsorgende in der Territorialseelsorge. Das Projekt trägt auch zur Identifikation von ethischem und poimenischem Bildungsbedarf zukünftiger Seelsorger:innen und der Konzipierung spezifischer Curricula in der theologischen Aus- und Weiterbildung von haupt- und ehrenamtlichem Seelsorgepersonal bei, das in kirchlichem Auftrag in unterschiedlichen Versorgungskontexten für alte und hochaltrige Menschen tätig ist.
Projektlaufzeit: Oktober 2026 bis September 2029.
Einladung zum Reformationsfestvortrag
Die Evangelisch-Theologische Fakultät lädt herzlich zum diesjährigen Reformationsfestvortrag
mit Prof. Dr. Irene Dingel (Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz) ein.
Der Vortrag trägt den Titel „Gewissen, Verantwortung und Reichspolitik. Die Reichstage zu Worms 1521 und Speyer 1526/1529“.
Der Reformationsfestvortrag findet am 28. Oktober 2026 um 18 Uhr c.t. im Hörsaal H2 (Schlossplatz 46, 48143 Münster) statt.

Einladung zur Antrittsvorlesung von PD Dr. Christoph Hammann
Die Evangelisch-Theologische Fakultät lädt herzlich zur Antrittsvorlesung von PD Dr. Christoph Hammann unter dem Titel „Theophilus und der Jünger, den er liebte. Freundschaft und Liebe als Formen lukanischer und johanneischer Werkpolitik“ ein.
Die Antrittsvorlesung findet am 11. November 2026 um 16 Uhr c.t. im Hörsaal F2 im Fürstenberghaus (Domplatz 20-22, 48143 Münster) statt. Bitte melden Sie sich bis zum 21.10.2026 persönlich bei Frau Forstmann an.
Die Evangelisch-Theologische Fakultät auf dem NRW-Tag: Ein Rückblick
Der diesjährige NRW-Tag bot eine hervorragende Plattform, um die Vielfalt und Zukunftsfähigkeit der theologischen Forschung und Lehre in Münster zu präsentieren. Die Evangelisch-Theologische Fakultät war dabei gemeinsam mit der Katholisch-Theologischen Fakultät, der Islamisch-Theologischen Fakultät sowie dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ auf der Meile „Dialog und Vielfalt“ vertreten.
Ein zentraler Bestandteil des gemeinsamen Auftritts war die Vorstellung der Vision für den neuen Campus der Theologien und der Religionswissenschaft. In einer Podiumsdiskussion mit dem Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Arnulf von Scheliha, dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Oliver Dyma, dem Dekan der Islamisch-Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, sowie dem Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“, Prof. Dr. Wolfram Drews, wurden die Potenziale aufgezeigt, die die gemeinsame Forschung und Lehre ab 2027 für den interreligiösen Dialog und die Stadtgesellschaft bietet.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät steuerte zudem eine Reihe von Fachvorträgen bei, welche die Breite des aktuellen Forschungsspektrums abbildeten:
Digitalisierung: Prof. Dr. Hans-Peter Großhans erläuterte die europäische Forschungsinfrastruktur RESILIENCE und den Übergang von der analogen zur digitalen Theologieforschung.
Kulturgeschichte: Dr. Jan Graefe beleuchtete die Anfänge der deutschen Bibel anhand von Exponaten aus dem Bibelmuseum.
Alltagskultur: Gereon Terhorst analysierte aktuelle Kinofilme aus theologischer Perspektive und zeigte auf, welche tieferen Dimensionen hinter dem Unterhaltungsprogramm stehen.
Spiritualität: Prof. Dr. Traugott Roser verband die theoretische Auseinandersetzung mit „milder Religiosität“ mit den praktischen Erfahrungen des Pilgerns auf den Jakobswegen.
Ergänzend zum Bühnenprogramm bildete die gemeinsame Pagode einen zentralen Anlaufpunkt für den Austausch. Durch interaktive Formate wie Quizfragen und Zauberwürfel wurde ein niederschwelliger Zugang zu komplexen Themen geschaffen, was zu zahlreichen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie politischen Vertretern führte. Die durchweg positiven Rückmeldungen bestätigen den Erfolg dieses gemeinsamen Auftritts, der Forschung, Studium und Transfer in einem kohärenten Profil sichtbar gemacht hat.


