Skulptur Projekte 2017 - Eine Bilanz

Bevor an einem warmen Herbstsonntag die Skulptur Projekte 2017 ein letztes Mal zahlreiche Besucher anlockten, wurde für diese große Münster‘sche Kunstschau am Abend des 30.09.2017 im LWL-Museum für Kunst und Kultur Bilanz gezogen. Vertreter aller Initiatoren und Veranstalter – LWL, Stadt Münster, Westfälische Provinzial, die Sparkassen-Finanzgruppe und die Kulturstiftung des Bundes – sowie das Kuratorenteam um Kasper König waren gekommen, um mit weiteren Kunstexperten der Frage nachzugehen, wem die Skulptur Projekte eigentlich gehören. Diese Frage wirkt auf den ersten Blick ebenso banal wie die Frage, wem die Stadt, das Land oder die Welt gehören – sie scheint aber ebenso wenig eindeutig beantwortet zu sein wie letztere. Darum lohnt es sich, hinzuschauen und hinzuhören. Bei allem Lob für die fünfte Ausgabe der Skulptur Projekte, für die über 8 Mio. Euro in die Hand genommen und über 600 000 Besucher angelockt worden waren, scheint auch an diesem Abend immer wieder die aus der Presse zitierte Kritik auf, die Skulptur Projekte seien – insbesondere auch im Vergleich zur dokumenta – zu unpolitisch, geradezu beschaulich, irgendwie nett, gefällig und sehr selbstreferenziell. Insbesondere letzteres liegt vor allem im Ursprungskonzept der Skulptur Projekte begründet, Kunst in Münster sowie Kunst für Münter(aner) zu schaffen und hier öffentliche Räume mit modernen Akzenten zu versehen, um sich künstlerisch mit dem Stadtraum auseinanderzusetzen. Zum ersten Mal wurde nun der Blick auch nach außen geöffnet und ein „heißer Draht“ nach Marl gespannt, wodurch das Thema des Strukturwandels in dieser Region offengelegt und eine interessante Vergleichsperspektive zwischen ‚blühender Universitätsstadt‘ und ‚im Niedergang begriffener Industriestadt‘ ermöglicht wird. Doch nicht das Nebeneinander, sondern das Miteinander habe hier – laut Marianne Wagner – im Mittelpunkt gestanden.

Dass die Einschätzung der Skulptur Projekte als Abbild einer spießbürgerlichen Beschaulichkeit den Werken wie dem Publikum nur oberflächlich betrachtet gerecht wird, konnte in den vergangenen Wochen jedem Besucher deutlich werden – gesetzt den Fall er brachte ein wertvolles Gut mit, nämlich Zeit. Schon lange gilt die Lessing‘sche Einteilung von Kunst in Raumkünste (Malerei, Plastik, Grafik etc.) und Zeitkünste (Theater, Musik, Literatur) nicht mehr. Die Grenzen haben sich verschoben. Und sicherlich greift eine Reduktion von plastischen Werken auf den Raum, den diese benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten, während es den performativen Künsten vorbehalten sei Zeit zu beanspruchen, um ihren wahren Gehalt erfahren zu können, nicht erst seit dem Aufkommen von Happenings zu kurz. Kunst bedarf eines Publikums, das sich einlässt, das den Dialog nicht scheut und neugierig ist, Unbekanntes zu erfahren. Kunst ist Spiegel der Gesellschaft und sie gehört jedem, der in diesen Spiegel schaut. Auf den ersten Blick ist alles ebenso beschaulich wie die Stadt Münster, die nach nahezu vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Zitat ihrer selbst wiederaufgebaut worden ist; während Marl in den Fünfzigerjahren ein modernes Antlitz erhielt. Bei genauerem Hinsehen scheinen jedoch andere, weit über Münster und Marl hinausweisende Themen immer wieder durch, nämlich die Veränderungen der Lebenswirklichkeit in einer zunehmend globalisierten, digitalisierten und rasant beschleunigten Welt. So lässt sich zu fast jeder der Skulpturen auf die Frage: „Was soll das?“ eine besänftigende Antwort finden und ebenso immer auch mindestens eine Antwort, die Wunden offenlegt – Wunden einer Stadt wie auch Wunden einer im Aufbruch befindlichen Gesellschaft.

So ist Lara Favarettos Werk „Momentary Monument“ auf den ersten Blick ein hübsch in der Sonne funkelnder Monolith an Münsters Promenade; bei genauerem Hinsehen ist es eine gehaltvolle Plastik, eine gigantische Spardose, deren Erlös dem Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren“ zugutekommt. Kunst wirft neue Fragen auf: Was geschieht mit Menschen in „Abschiebehaft“? Was tut dieser Verein? Warum in Büren?

Die „Matrix“ von Camp am Theater: Ist es eine hübsche Inszenierung von Alt und Neu mit witzigem Überraschungseffekt auf Knopfdruck oder Verweis auf den Wahnsinn des Nationalsozialismus – Zitat des in Auschwitz ermordeten Kabarettisten Leo Straus „Die Stadt als ob“ – gepaart mit Motiven einer fortlaufenden Entwicklung zur totalen Überwachung?

Ayşe Erkmen’s „On Water“: Kunst als Event einer gesättigten Spaßgesellschaft oder gekonnte Inszenierung getrennter und sich unterschiedlich entwickelnder Stadträume, die sich übertragen lassen durch das Bild des Wassers als Grenze zwischen „uns“ und „den anderen“, die im Mittelmeer ihr Leben lassen, während wir uns den Luxus der Kunst leisten können.

„Hell Yeah We Fuck Die“ von Hito Steyerl in der LBS: ästhetisch wirkungsvolle Bilder einer fragilen künstlichen Intelligenz, die mehr und mehr unseren Alltag bestimmt oder Blick auf Schauplätze aktueller Konflikte in der Welt, nämlich auf die kurdische Stadt Cizre, die von der türkischen Armee zerstört worden ist.

Nicole Eisenmanns „Sketch for a Fountain“: Publikumsmagnet als idyllische Raumkunst, die scheinbar ausschließlich Zeit zur Entspannung kostet oder „Work in Progress“, um über Veränderungen im Allgemeinen und Wandel der Gesellschaft in Richtung einer tatsächlich offenen und pluralen – auch im Hinblick auf Definition von Geschlechtern und den ihnen zugewiesenen Rollen – im Besonderen nachzudenken.

Pierre Huyghe „After ALife Ahead“ in der ehemaligen Eissporthalle: Letzte Chance, einen früheren münsteraner Ort des Vergnügens zu besichtigen, bevor er dem Erdboden gleichgemacht wird oder Inszenierung einer dystopischen Zukunftsvision, die mancherorts nach Naturkatastrophen schon Wirklichkeit ist oder noch werden kann, wenn eine ökologische Wende nur Illusion bleibt.

Koki Tanaka „How to live together and sharing the Unknown“: Ein „Das ist mir zu hoch!“ für alle, die wie die Besucherin, von der dieses Zitat stammt, in weniger als zwei Minuten durch die Räume laufen und sich wundern ohne sich zu wundern. Oder ist es eine interessante Erfahrung für alle, die diesen Ort nicht nur als Ruhe-Oase in einer ruhelosen Zeit nutzen, sondern sich auf ein spannendes Sozialexperiment und tiefgründige Gespräche einlassen: Wege des Zusammenlebens, „Gleichheit“ und Privilegien, Emanzipation, Was ist Würde? Was ist Stolz? Existiert die Würde des Menschen – die laut Grundgesetz unantastbar ist – auch dann, wenn sie aufgrund von Ungerechtigkeiten nicht offen zutage treten kann oder untergraben wird?

Die Comicfiguren von Sany („Marginal Frieze: Fallende ting“) oder das Bier „Quiet Storm“ von Emeka Ogboh – sind sie Träger einer (von den Initiatoren nicht ursprünglich intendierten) Kunst-Vermarktungs-Strategie? – Ja, vermutlich. Aber auch das gehört zum Spiel dazu. Ohne Betrachter, der angelockt werden muss, verliert die Kunst ihren Sinn, weil ohne Publikum keine Kommunikation stattfinden kann! Eine Kommunikation, die vor allem auch durch die „lebenden Skulpturen“ von Xavier Le Roy und Scarlet Yu angeregt wurde und den Stadtraum füllte.

Und schließlich das Werk von Gregor Schneider im LWL-Museum. Wer sich dafür Zeit genommen hat – ca. 2 bis 3 Stunden Wartezeit, da immer nur zwei Personen die Wohnung von N. Schmidt betreten durften – konnte eine befremdliche Raumerfahrung machen. Wer auf Details geachtet hat, konnte erkennen, dass das, was auf einen flüchtigen Blick gleich zu sein scheint, nicht gleich ist. Ebenso wie der Spiegel namens Kunst, in den wir 116 Tage in Münsters Stadtraum schauen konnten, niemals die „Realität“ eins zu eins abbildet, sondern immer das, was der Betrachter auf dieser Reflexionsfläche sehen möchte. Geht es nach Kasper König, so sollte letztere bestenfalls ein „Rückspiegel“ sein, durch den die Kunstwerke betrachtet werden. Erst in der Rückschau – nach 10, wenn nicht gar zukünftig nach 11 Jahren – sind die Skulpturen tatsächlich zu erfassen, die an die Fassaden einer beschaulichen Stadt denkwürdige Themen ihrer eigenen Geschichte, gesamtgesellschaftliche Fragen und düstere ebenso wie heiter hoffnungsfrohe Zukunftsvisionen herangetragen hat – zum ersten Mal auch für die Kunstpartnerstadt Marl und einen interessanten Skulpturentausch.

(Ria Hänisch)

Tag der Deutschen Einheit und Brückentag

Am 2. und 3. Oktober 2017 bleibt die Bibliothek des IStG geschlossen. Am Montag können Sie sich mit dringenden Anliegen direkt im Institut melden.
Ab Mittwoch steht Ihnen unsere Bibliothek dann während der erweiterten Semester-Öffnungszeiten zur Verfügung.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Freitagskolloquium am 21.07.2017

Im Rahmen des letzten Freitags-Kolloquiums in diesem Sommer-Semester spricht André Stappert, M.A., am 21.07.2017 ab 15 Uhr c.t. im Sitzungszimmer des IStG zum Thema:

'Alle Ambition, Praevision, Collusion, Freßen, Sauffen und Bundtniße gantzlich amputirt und vermitten' – Zur Rolle und Funktion des Losens im Rahmen der städtischen Ratswahlen in Unna um 1600

Im Jahr 1593 erließ der Rat der Stadt Unna unter Aufsicht und Mitwirkung des landesherrlichen Drosten ein Ordnungsstatut, das für die jährliche Erneuerung des Rates ein komplexes mehrstufiges Wahlverfahren vorsah, in dessen Programm mehrere, verschiedenförmige Losmodi eingebettet waren. Dieser „Beßerung“ der „bißanhero gehaltenen Ordnung“ waren zahlreiche Beschwerden und Konflikte anlässlich der Umstände zurückliegender Wahlen vorausgegangen, die durch eine konfessionelle wie ökonomische Fragmentierung führender Teile der Bürgerschaft begleitet wurden. Im Rahmen des Vortrages soll, ausgehend von kommunikations- und verfahrenstheoretischen Prämissen, das Unnaer Ratswahlverfahren mikroskopisch in den Blick genommen und seine spezifische Funktionslogik unter besonderer Berücksichtigung der Loselemente analysiert werden.

Alle Interessierten sind zu diesem Vortrag herzlich eingeladen.

Freitagskolloquium am 7.7.2017

Den nächsten Vortrag im Freitags-Kolloquium hält am 7.7.2017 Ina Serif (Freiburg) zum Thema Städtische Chronistik und ihre Reichweite am Beispiel der Straßburger Chronik Jakob Twingers von Königshofen. Das Kolloquium beginnt um 15 Uhr c.t. im Sitzungszimmer des IStG. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.



Präsentation der Stadtgeschichte Geseke – Band 1

Stadtgeschichte Geseke 22juni2017
© IStG

v.l.n.r.: Prof. Dr. W. Reininghaus, Dr. R. van der Velden, E. Richter, M.A., Dr. D. Grothmann

Pünktlich zum Stadtjubiläum „800 Jahre Geseke“ wurde am Abend des 22. Juni 2017 der erste Band der Stadtgeschichte Geseke feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. In diesem 800-seitigen, von Dr. Detlef Grothmann und Evelyn Richter herausgegebenen Werk mit dem Titel „Geseke. Geschichte einer westfälischen Stadt“ werden durch namhafte Vertreter der Städteforschung die „großen Linien“ der Ortsentwicklung nachgezeichnet:

I. Naturräumliche, vor- und frühgeschichtliche Grundlagen
II. Epochen der Stadtgeschichte (8. Jh.–Anf. 21. Jh.)
III. Die historische Entwicklung der Ortsteile

In einem zweiten, im kommenden Jahr erscheinenden Band werden unter den Kategorien

IV. Kirche und Religion sowie
V. Kultur und Gesellschaft

weitere kultur-, religions- sowie wirtschafts- und sozialgeschichtlich relevante, aber auch bildungspolitische und rechtliche Einzelaspekte der Stadtentwicklung in den Blick genommen.

Zur feierlichen Präsentation waren Vertreter der Stadt Geseke und des Aschendorff-Verlages, zahlreiche Autoren und Gäste aus Geseke und Umgebung in das Alte Rathaus gekommen, um Bürgermeister Dr. Remco van der Velden, Dr. Dirk F. Paßmann (Verlagsleitung, Aschendorff) und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen) zum Werdegang des Publikationsprojektes sowie zur Tradition stadtgeschichtlicher Forschung in Geseke sprechen zu hören. Ein besonderer Dank galt dabei wiederholt den beiden Herausgebern für ihr großes Engagement sowie dem Aschendorff Verlag für einen reibungslosen Ablauf auf dem Weg zur Publikation, die in diesen Wochen des Stadtjubiläums einen gelungenen Akzent setzt.

Bibliographische Angaben

Geseke. Geschichte einer westfälischen Stadt, Bd. 1, hg. v. Detlef Grothmann und Evelyn Richter, Aschendorff Verlag Münster 2017.

Freitagskolloquium am 23.6.2017

Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen in Westfalen am Beispiel Lengerichs

Den letzten Vortrag im Freitagskolloquium hielten Sebastian Schröder, M.A. und Dr. Christof Spannhoff am 23.6.2017 zum Thema: Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen in Westfalen am Beispiel Lengerichs.


Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhob der preußische König in seinen westfälischen Provinzen mehrere Dörfer, Flecken und Weichbilder zu Städten. Diese Städte wurden unter dem Titel "Akzisestädte" bekannt, denn die Orte erhielten nicht nur die Stadtgerechtigkeit, sondern in ihnen wurde auch die Akzise - eine indirekte Steuer - eingeführt. Die Referenten gaben einen Überblick über die Akzisereformen, um anschließend die aufgeworfenen Fragen am Beispiel des tecklenburgischen Lengerich näher zu erläutern.

Mapping Townscapes Seminar. Comparative Perspectives through the Irish and British Historic Towns Atlases

Htagroupshot 2017
© IStG

Am 18./19. Mai 2017 fand in der Royal Irish Academy, Dublin, als Teil einer an Forscher und die Öffentlichkeit gerichteten Reihe eine Tagung unter dem Titel "Mapping Townscapes Seminar. Comparative Perspectives through the Irish and British Historic Towns Atlases" statt. Dabei stand in diesem Jahr die historische Kartenüberlieferung als Geschichtsquelle und die Kartenedition der Städteatlanten für die vergleichende Städteforschung im Mittelpunkt. Die Veranstaltung wurde von einem öffentlichen Abendvortrag zur Kartografiegeschichte von Prof. Roger Kain, London, eröffnet. In der ersten Sektion wurden zunächst die sich anhand historischer Karten ergebenden Forschungsperspektiven erläutert, wobei die Städteatlaspublikationen auf den Prüfstand gestellt wurden. Es folgten Vorträge zur Stadtgestalt von Galway und Oxford im Kartenbild, anschließend wurden die Konzepte und Methoden des Britischen und des Irischen Städteatlas vorgestellt und, mit einem Ausblick auf die digitalen Arbeiten, miteinander verglichen. In der abschließenden Sektion diskutierten Prof. Keith Lilley, Queen's (University Belfast), Colin Bray (Ordnance Survey Ireland), Eamonn Doyle (ESRI Ireland), Prof. Anngret Simms (University College Dublin) und Dr. Daniel Stracke (Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster) als Panel zum Thema noch einmal die vergleichenden Perspektiven historischer Kartografie, vor allem im Digitalen Zeitalter.

Freitagskolloquium am 2. Juni 2017

Den nächsten Vortrag im Freitagskolloquium hält am 2. Juni 2017 Dr. Andrea Pühringer (Grünberg) zum Thema Vom „fürstlichen Drecksnest“ zum „great spa of Europe“. Die Auswirkungen des Kurwesens auf die Stadtentwicklung von Bad Homburg vor der Höhe.

Die Entwicklung Bad Homburgs kann als prototypisch für eine Kurstadt des 19. Jahrhunderts gelten. Anhand der Stadtgestalt bzw. der Stadterweiterungen lässt sich eine geradezu idealtypische Zweiteilung in mittelalterliche Altstadt und modernes klassizistisches Kurviertel mit den entsprechenden Einrichtungen festmachen, die nicht nur Auswirkungen auf die weitere Expansion, sondern auch auf das Sozialgefüge und die Kommunikationsstrukturen im städtischen Raum zeitigte.

Der Vortrag beginnt um 15 Uhr c.t. im Sitzungszimmer des IStG. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Nachruf auf Helmut Jäger

Das Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte hat sein ältestes Mitglied und mit ihm einen wichtigen und tatkräftigen Helfer der frühen Jahre verloren. Nicht lange vor seinem 94. Geburtstag ist Helmut Jäger am 16. April 2017 in Würzburg gestorben.
In Biedenkopf am 26. Juni 1923 geboren, begann er 1945 nach Kriegsdienst und Verwundung als Zweiundzwanzigjähriger ein Studium der Geographie und Geschichte sowie der Germanistik und Ethnologie in Göttingen. Nach Promotion und Staatsexamen (1950/51) wurde er Assistent in Göttingen, dann in Würzburg bei Julius Büdel, wo er sich 1956 habilitierte. In diese Zeit fällt auch ein längerer Aufenthalt in London am University College bei H.C. Darby (1955/56), der eine lebenslange Affinität zur insularen Welt, zu den britischen Inseln und Irland begründete und seine wissenschaftliche Arbeit nachhaltig beeinflusste. Im Jahr 1958 kehrte er nach Göttingen zurück, wo er als Geschäftsführer und außerplanmäßiger Professor die Leitung des neugegründeten Instituts für historische Landesforschung übernahm, bis er 1963 auf den neugegründeten Lehrstuhl für Kultur- und Wirtschaftsgeographie in Würzburg berufen wurde. Hier in Würzburg blieb er fortan bis zu seiner Emeritierung 1991; einen Ruf auf den Lehrstuhl für Historische Geographie in Bonn hat er 1971 abgelehnt. Auch im Ruhestand blieb er noch lange Zeit rastlos wissenschaftlich tätig.
Die Dissertation des jungen Geographen hatte der Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreis Hofgeismar gegolten, und 1958 war seine umfassende Arbeit zu den Entwicklungsperioden agrarischer Siedlungsgebiete im mittleren Westdeutschland seit dem 13. Jahrhundert erschienen. Bereits in diesen frühen Publikationen werden die Prinzipien sichtbar, die die Leitlinien seiner wissenschaftlichen Arbeit bestimmt haben: die genetische Betrachtung, d.h. die Herausarbeitung historischer Elemente und Prozesse in der Kulturlandschaftsentwicklung. Nur so – so lautete seine Grundüberzeugung – war ein Verständnis der gegenwärtigen Zustände möglich, das einen erfolgreichen Weiterbau in die Zukunft erlaubte. Auch die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit, insbesondere mit Geschichtswissenschaft und Archäologie, aber auch mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, hat er früh erkannt und bereits in Göttingen, dann aber besonders stark in Würzburg gepflegt. Hierher gehört die von ihm besonders stark betriebene Wüstungsforschung, die Waldgeschichte und die Umweltgeschichte, der er nach seiner Emeritierung ein grundlegendes Einführungswerk widmete (1994). Sein Untersuchungsgebiet war dabei vor allem Mainfranken, wo er grundlegende Befunde erarbeitete. Seine Interessen aber reichten weit darüber hinaus, das belegen seine Länderkunden von Großbritannien (1976) und Irland (1990) sowie sein Grundlagenwerk "Historische Geographie“ (1969). Bereits seit den ausgehenden Sechzigerjahren konnte er als einer der führenden Vertreter der Historischen Geographie in Deutschland gelten.
Es blieb nicht aus, dass Helmut Jäger in interdisziplinäre Forschungsverbünde hineingezogen wurde, die breite Forschungsfelder innovativ zu erschließen suchten. Dazu gehörten die "Kommission für Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas" an der Göttinger Akademie der Wissenschaften und ebenfalls das "Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte" sowie das von ihm getragene Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster. Blickt man auf das Oeuvre Helmut Jägers, so wird man zunächst versucht sein, ihn als Erforscher der Agrarlandschaft anzusehen. Doch stand die Stadtentwicklung, insbesondere mit ihrer Überschneidung urbaner und agrarischer Phänomene bereits früh im Blickfeld seiner Interessen. So stieß er bereits während der Gründungsphase zum Umkreis des Instituts. Er wurde bald Mitglied des Kuratoriums, gehörte lange Jahre dem Beirat des Instituts an, war ein regelmäßiger Besucher seiner Frühjahrstagungen und hat in der Reihe "Städteforschung" drei Bände als Herausgeber betreut. Er gehörte stets zu den verlässlichsten und gern gehörten Beratern des Instituts.
Um die Jahrhundertwende wurden seine Besuche seltener, dann auch die Telefonate. Das hohe Alter forderte seinen Zoll. Sein Tod erfüllt mit Trauer. Im Gedächtnis wird er bleiben, auch für diejenigen, die ihn nicht mehr in seiner aktiven Zeit erlebt haben, als glänzender Vertreter einer Forschungsperiode, die das ausgehende 20. Jahrhundert stark geprägt hat. Das Institut für vergleichende Städtegeschichte wird dieses Gedächtnis bewahren.

Peter Johanek

Von Helmut Jäger herausgegebene Bände in der Reihe Städteforschung:

Probleme des Städtewesens im industriellen Zeitalter, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 5), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1978.
Stadtkernforschung, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 27), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1987.
[als Mitherausgeber]:
Civitatum Communitas. Studien zum europäischen Städtewesen. Festschrift Heinz Stoob zum 65. Geburtstag. In Verbindung mit Friedrich Bernward Fahlbusch und Bernd-Ulrich Hergemöller, hg. von Helmut Jäger, Franz Petri, Heinz Quirin (Städteforschung A 21), 2 Bde., Köln –Weimar – Wien: Böhlau 1984.

Freitagskolloquium

Am Freitag, 19. Mai 2017 spricht Frau Dr. Evelien Timpener (Hannover) im Rahmen des Freitagskolloquiums zum Thema: Zwischen Recht und Ritual. Augsburger Strategien und Maßnahmen zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert.

Reichsstädte wie Augsburg beherrschten die diplomatische Kunst bestens und wandten sich bei regionalen Konflikten gerne an den König und/oder wichtige Handlungsträger am Hof. Im Vortrag analysiert Evelien Timpener anhand von drei größeren Konflikten die politischen und diplomatischen Maßnahmen im Spielraum zwischen Recht und Ritual.

Das vollständige Programm für das Freitagskolloquium im Sommersemester 2017 finden Sie hier.

Stellenausschreibung - Stockholm

An der Universität in Stockholm ist die Stelle für eine Professur im Bereich "Geschichte Stockholms" ausgeschrieben.

Job offer from Stockholm university: a professor in Stockholm’s history.

Professor i historia med inriktning på Stockholms historia.


... zur Ausschreibung

Freitagskolloquium

Den ersten Vortrag im Freitagskolloquium des Sommersemesters 2017 hält am 28.4.2017 Frau Dr. Constanze Sieger (Münster) zum Thema: 'Hände weg von Buer-Scholven!' Gelsenkirchener Eingemeindungen im Kaiserreich und der Weimarer Republik.

Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Eingemeindungsentscheidungen im Raum Gelsenkirchen um 1900 und in den 1920er Jahren. Die Handlungs- und Ermessensspielräume der beteiligten Städte und Gemeinden im Prozess des Entscheidens über die kommunalen Grenzänderungen werden dabei besonders berücksichtigt. Anhand der herausgearbeiteten unterschiedlichen Verfahrensweisen wird exemplarisch die Frage diskutiert, welchen Einfluss der Wechsel des politischen Systems auf die Kulturen des Entscheidens hatte.


Das vollständige Programm für das Freitagskolloquium im Sommersemster 2017 finden Sie hier.

Stellenausschreibung der Universität Regensburg

Zum 1.8.2017 sind am Graduiertenkolleg 2337/1 "Metropolität in der Vormoderne" an der Universität Regensburg vier Stellen als wissenschaftliche(r) Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen mit dem Ziel der Promotion (Teilzeit; Höchstdauer: 3 Jahre) zu besetzen.

Anforderungsprofil
• ein qualifizierter Abschluss eines Hochschulstudiums (Master oder Äquivalent) mit überdurch-schnittlichem Ergebnis, vorzugsweise in einem der am Graduiertenkolleg beteiligten Fächer
• hohe Motivation und Befähigung, in einem Team von Nachwuchswissenschaftler/-innen und Hochschullehrer/-innen innovative Methoden des historischen Arbeitens zu entwickeln, die so-wohl der jeweiligen Fachdisziplin neue Impulse vermitteln als auch Offenheit für transdisziplinä-re und epochenübergreifende Ansätze aufweisen
• für die Bewerbung ein 3-4 Seiten umfassendes Exposé zu einem einschlägigen und innovativen Dissertationsprojekt, das eine intensive Auseinandersetzung mit dem Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs erkennen lässt, ein auf 3 Jahre ausgelegter Zeitplan und eine kurze Arbeits-bibliographie (jew. max. 1 Seite)
• Lebenslauf und Hochschulzeugnisse

Aussagekräftige Bewerbungen sind bis zum 15. Juni 2017 in einer PDF-Datei (max. 10 MB) per E-Mail zu richten an den Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Jörg Oberste
(joerg.oberste@geschichte.uni-regensburg.de).

Die vollständige Ausschreibung kann  hier abgerufen werden.

Neuerscheinung - Reihe Städteforschung Bd. A 95

A 95 Timpener
© Böhlau

Die Dissertation von Evelien Timpener zum Thema "Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert" ist als Band A 95 der Reihe Städteforschung erschienen.

Nachdem die Bischofsstadt Augsburg im späten Mittelalter zur Reichsstadt aufgestiegen war, entstanden im Zuge des Ausbaus der städtischen Herrschaft regionale Konflikte mit den Herzögen von Bayern sowie dem Augsburger Hochstift. Die mächtige Reichsstadt suchte diese mittels einer geschickten Diplomatie zu bewältigen. In diesem Band geht Evelien Timpener den verschiedenen diplomatischen Strategien des Augsburger Stadtrates anhand von sechs Konfliktfällen des 15. Jahrhunderts nach. Bei der Analyse dieser Konflikte und deren Beilegung werden verschiedene Forschungsansätze miteinander verknüpft. Politische Freunde und Förderer, Interventionsformen sowie juristische Einflusssphären werden nachgezeichnet und mit der Relevanz der symbolischen Kommunikation abgeglichen.

Bibliographische Angaben
Evelien Timpener, Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert, Köln u.a. 2017.
(245 S.; 1 s-w Abb.)

Schließung der Institutsbibliothek

Aufgrund der aktuell stattfindenden Frühjahrstagung wird die Bibliothek des IStG am 27.3.2017 ab 12.30 Uhr geschlossen sein.

International Workshop 22-25 March: GIS-based cartography

Workshop 22-25maerz2017
© IStG

Der Workshop GIS-based cartography – A change of media or a change of paradigms for Historic Towns Atlases? wird vom Institut für vergleichende Städtegeschichte – IStG in Kooperation mit der Abteilung für Westfälische Landesgeschichte der WWU von Dr. Daniel Stracke organisiert.

Zu Gast im Städteinstitut sind Wissenschaftler aus zehn Ländern: Großbritannien, Finnland, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Slowakei, Ungarn und Deutschland. Vertreten sind die Fachdisziplinen Geschichte, Kartographie, Geographie, Kunstgeschichte, Informatik und Geoinformatik und Denkmalpflege.

Thema des Workshops ist die „Digitale Wende“ in der Kartenproduktion im Gefolge der jüngsten Medienrevolution und die Auswirkungen dieser Wende auf das Projekt Europäische Städteatlanten. Die Bedeutung dieser Entwicklung, besonders die Verwendung neuer Software, der Geoinformationsysteme (GIS), und ihre Auswirkungen auf die Grundlagenforschung der Projekte werden erörtert. Dabei geht es auch um die Erarbeitung gemeinsamer Zielvorstellungen, optimierter Arbeitsabläufe und kompatibler Datenstandards unserer Projekte. So wird gewährleistet, dass die Atlasarbeit auch in Zukunft vergleichbare Daten erzeugt, die von der Forschung, aber auch von Denkmalpflegern und Stadtplanern in den Kommunen genutzt werden können.

Das seit 1970 bestehende Institut erarbeitet Grundlagen zur Erforschung des deutschen Städtewesens, vor allem in Form der Städteatlanten, die der Forschung historische Karten zu je einzelnen Städten bereitstellen. Zu den am Institut seit über 40 Jahren laufenden und vom Institutsgründer Prof. Heinz Stoob initiierten Städteatlasprojekten kommen Partnerprojekte in mittlerweile 19 weiteren europäischen Ländern, die nach denselben Grundsätzen arbeiten. Bisher gibt es Städteatlanten für über 520 Städte in ganz Europa, anhand deren sich die Entwicklung des europäischen Städtewesens erforschen lässt. Als Teil der Reihe Westfälischer Städteatlas wurde 1993 auch die Stadt Münster bearbeitet.

Bibliothek des IStG geschlossen

Aufgrund des internationalen Workshops "GIS-based cartography" wird die Bibliothek des IStG vom 22. bis 24. März 2017 geschlossen sein.

Ausschreibung des Wiener Preises für Stadtgeschichtsforschung

Die Stadt Wien hat am 31. Mai 2010 aus Anlass der Pensionierung von Herrn Archivdirektor Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll im Wege des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung den „Wiener Preis für Stadtgeschichtsforschung“ (WPS) eingerichtet, der in den Jahren 2011, 2013 und 2015 vergeben wurde und für 2017 von neuem zur Ausschreibung gelangt. Der Preis ist auf der Grundlage einer Förderung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien mit € 5.000,- dotiert.

Bis zum 31. März 2017 können von den jeweiligen Autor/innen Veröffentlichungen bzw. Dissertationen sowie Habilitationsschriften auf dem Gebiet der vergleichenden Stadtgeschichtsforschung des europäischen Raumes in deutscher Sprache eingereicht werden, die in den Jahren 2014 bis 2016, gegebenenfalls auch noch 2017, erschienen sind. Die eingereichten Arbeiten sind nach Möglichkeit (auch) in elektronischer Form zu übermitteln. Beizufügen sind ein Lebenslauf sowie ein Verzeichnis der bisher publizierten Arbeiten der Autorin/des Autors. Arbeiten, die jeweils im Jahr vor der Preisvergabe des WPS für den Preis der Stiftung „Pro civitate Austriae“ eingereicht wurden, können bei der Preisvergabe des WPS nicht berücksichtigt werden.

Die Einreichungen sind zu richten an: Institut für österreichische Geschichtsforschung (Universität Wien, Universitätsring 1, A-1010 Wien), z. H. von Archivdirektor i. R. ao. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll; PDFs bitte per Email an: ferdinand.opll@hotmail.com.
Die Entscheidung über die Zuerkennung des Preises erfolgt durch eine Jury und wird den Einreicher/innen im Sommer 2017 bekannt gegeben. Nach der Entscheidung der Jury werden sämtliche eingereichten Arbeiten der Bibliothek des Instituts für österreichische Geschichtsforschung übergeben, um damit für die Forschung zur Verfügung zu stehen.

Feierliche Präsentation des Deutschen Historischen Städteatlas 5: DORTMUND

Atlaspraesentation Dortmund 2017
v.l.n.r.: Landesrätin Judith Pirscher (LWL), Prof. Dr. Werner Freitag (IStG), Prof. Dr. Thomas Schilp (Dortmund), Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv Dortmund), Dr. Thomas Tippach (WWU), Dr. Daniel Stracke (IStG), Dr. Angelika Lampen (IStG), Benjamin Hamann (Kartographie d. IStG/Weluga)
© IStG

Nach einer Projektlaufzeit von insgesamt dreieinhalb Jahren ist aktuell mit dem fünften Band über die Stadt Dortmund die bislang umfangreichste Publikation der Reihe Deutscher Historischer Städteatlas erschienen. Der Atlas wurde am Dienstagabend, dem 14. Februar 2017, in der gut besuchten Dortmunder St. Reinoldi-Kirche feierlich der Öffentlichkeit präsentiert.

Prof. Dr. Werner Freitag, der wissenschaftliche Vorstand des IStG, sprach die Gruß- und Dankesworten  an alle beteiligten Institutionen und Kollegen. Anschließend führten die Autoren des Bandes in das Werk ein. Dr. Daniel Stracke (IStG) stellte das Gesamtwerk vor, das als Teil eines traditionsreichen europäischen Projektes fundierte Einblicke in die Geschichte der Stadt Dortmund auf Basis historischer Karten, Bilder und schriftlicher Quellen bietet. Prof. Dr. Thomas Schilp (Dortmund) beleuchtete anhand archäologischer Befunde die frühe „polyzentrische Stadtentstehung“ ebenso wie Fragen nach der Lage der ehemaligen Königspfalz oder Aspekte frühneuzeitlicher Sakraltopographie. Der Fokus auf die Moderne mit Industrialisierung bzw. Deindustrialisierung, NS-Topographie sowie den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges war Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv Dortmund) vorbehalten. Diese und zahlreiche weitere historischen Entwicklungen können in dem jüngst erschienenen Atlas bis in die Gegenwart nachvollzogen werden, um die Stadt und ihr Umland neu zu entdecken.

Das Forschungsvorhaben „Europäische Städteatlanten“

Die Aufnahme in den Deutschen Historischen Städteatlas stellt Dortmund in den Kontext eines internationalen Forschungsvorhabens, das im historisch-geographischen Bereich einmalig ist: Gemeint ist der in den 1950er Jahren begründete Verbund „Europäische Städteatlanten“. Diesem Netzwerk, das sich von Island bis Italien und Irland bis Rumänien erstreckt, gehören mittlerweile 20 nationale und 3 regionale Teilprojekte an, die alle anhand gemeinsamer Richtlinien arbeiten. Ziel dieser Projekte ist es, mit den Städteatlanten der interdisziplinären Städteforschung vergleichbare Grundlagen und belastbare Informationen zur Geschichte von Städten zur Verfügung zu stellen. Diese Publikationen sind Puzzleteile, aus denen ein Bild des europäischen Städtewesens in seiner Gesamtheit entsteht, das typische Entwicklungen, regionale Ausprägungen und überregionale Verbindungslinien zeigt. Mit Dortmund, der mittelalterlichen Königspfalz, einzigen westfälischen Reichsstadt und industriellen Großstadt, wird dieses Bild um wichtige Aspekte bereichert.

Mittlerweile sind europaweit über 520 Städteatlanten erschienen. Da sie in fundierten Texten, Bildern und Karten über die Geschichte und räumliche Entwicklung der jeweiligen Stadt informieren, ist jede einzelne dieser Dokumentationen nicht nur für die vergleichende Forschung, sondern auch für interessierte Bürger, Bildungseinrichtungen, die städtische Verwaltung und die ortsgeschichtliche Spezialforschung eine lohnende Lektüre.

Der Dortmund-Atlas

Auf Grundlage der Richtlinien für die „Europäischen Städteatlanten“ ist nun der neue Dortmund-Atlas entstanden. Der Inhalt der Atlasmappe umfasst ein 52-seitiges Textheft und 18 großformatige Tafeln mit historischen Stadtansichten, Landkarten und Stadtplänen des 15. bis 21. Jahrhunderts sowie thematischen Karten einschließlich Kommentartexten.

Das Textheft enthält einen mit über 80 Abbildungen illustrierten, facettenreichen Überblick über die „Grundzüge der historisch-topographischen Entwicklung“, der die Linien der Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute chronologisch und sachthematisch gegliedert darlegt. Dabei gehen die Autoren sowohl auf das Werden und Wachsen der Stadt als auch auf die Faktoren und Akteure ein, die darauf Einfluss nahmen. Auch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Dimension des Stadtraumes wird thematisiert, ebenso wie die Umstände, die das Leben in Dortmund zu unterschiedlichen Zeiten prägten. Der Städteatlas stellt den stadtgeschichtlichen Stand der Forschung dar, bietet aber, indem die bisherigen Forschungsergebnisse gebündelt und hinterfragt werden, auch neue Erkenntnisse und neue Interpretationen im Hinblick auf bekannte Fragestellungen. Die Lage der im 10. Jahrhundert erstmals in Schriftquellen erwähnten Dortmunder Burg und die Frage nach der Lokalisierung der mittelalterlichen Königspfalz werden z. B. ebenso erörtert, wie nach den Dortmunder Aktivitäten zur Zeit der Hanse und die enge Verzahnung der Dortmunder Stadt- und Wirtschaftsgeschichte im Industriezeitalter, als sich die Konjunkturen der Montanindustrie unmittelbar in den Lebensverhältnissen der Bewohner spiegelten.

Die Aussagen des Textes beruhen auf der Interpretation historischer, archäologischer, bildlicher und kartographischer Quellen. Die wichtigsten Bildzeugnisse, Karten und Pläne werden der Forschung an die Hand gegeben. Das Herz des Dortmund-Atlas bilden dabei zwei neu gezeichnete parzellengenaue Pläne, die den Stadtgrundriss in der ersten bzw. der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen, und ein detaillierter Innenstadtplan von 2016. Sie wurden von den Geoinformatikerinnen und -informatikern des IStG in mühevoller Kleinarbeit anhand von historischen Katasterplänen und aktuellen Geodaten eigens hergestellt.

Zum Material gehören weiterhin:

  • der Vogelschauplan des Detmar Mulher (1610) und der Brandhoff’sche Stadtbauplan (1857/58), die in großem Format und in hervorragender Qualität abgedruckt werden;
  • die bedeutende Überlieferung von Stadtansichten auf spätmittelalterlichen Altarbildern in der Propsteikirche sowie ihre Fortführung in der frühneuzeitlichen und neuzeitlichen Druckgraphik;
  • ein historisches und ein modernes Luftbild sowie
  • Karten aus der Preußischen Topographischen Landesaufnahme seit der ersten Vermessung. Während die übrigen Materialien historische Schlaglichter auf die Innenstadt werfen, zeigen die Karten aus der topographischen Landesaufnahme das Dortmunder Umland in Zeitschnitten zu 1839/40, 1892, 1927/35 und 2016.

Dieses reiche, quellenkritisch kommentierte Material regt die wissenschaftliche Forschung zur Stadtentwicklung und Urbanisierung an und lädt den Laien zum Neuentdecken seiner Heimatstadt mit einer historisch gewordenen Siedlungsstruktur ein.

Kooperation

Gemäß der Aufgabenstellung eines historischen Atlas werden die Aussagen, die im Atlastext gemacht werden, dem Leser durch Bilder, Diagramme und vor allem thematische Karten visuell vermittelt. Das gilt nicht nur für die Kartenreihe zum Stadtwachstum, die – angeregt von den neuesten Erkenntnissen der archäologischen Forschung – eine Neuinterpretation der mittelalterlichen Frühentwicklung bieten. Auch die Ausdehnung der alten Grafschaft Dortmund, die Umgestaltung des Innenstadtbereiches in der Urbanisierung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und die raumprägende Wirkung der Schwerindustrie werden in ganz neuer Form kartographisch erfasst und anschaulich gemacht. Das Werk entstand in Kooperation zwischen dem Institut für vergleichende Städtegeschichte – IStG in Münster, das die Reihe herausgibt, und dem Stadtarchiv Dortmund, unterstützt von der Dortmunder Stadtarchäologie und dem städtischen Vermessungsamt. Autoren sind die renommierten Kenner der Dortmunder Stadtgeschichte Prof. Dr. Thomas Schilp und Dr. Stefan Mühlhofer sowie Dr. Daniel Stracke vom Institut für vergleichende Städtegeschichte. Zur Realisierung des hochwertigen Druckes leistete die Stadtsparkasse Dortmund einen Druckkostenzuschuss.

Aufbauend auf einer Auswahl der für den gedruckten Atlas angefertigten Karten entstehen im IStG derzeit zusätzlich interaktive Onlinemodule, die im Rahmen des Informationsportals www.staedtegeschichte.de veröffentlicht werden.

Stefan Mühlhofer, Thomas Schilp & Daniel Stracke: Dortmund – Deutscher Historischer Städteatlas Nr. 5, hg. v. Peter  Johanek, Jürgen  Lafrenz & Thomas Tippach am Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster (Ardey-Verlag) 2017. ISBN 978-3-87023-277-1. Preis € 39,90

Nachruf auf Prof. Dr. Volker Honemann

Das Kuratorium und das Institut für vergleichende Städtegeschichte trauern um Volker Honemann, der am 28. Januar 2017 ganz plötzlich und unerwartet gestorben ist.
Im unterfränkischen Stadelschwarzach 1943 geboren, studierte er in Würzburg, Heidelberg und Paris Germanistik, Geschichte und Geographie und wurde 1972 bei Kurt Ruh zum Dr. phil. promoviert. Dessen Assistent war er von 1971 bis 1978, unterbrochen durch eine zweijährige Tätigkeit als Lektor am King's College, London. Von 1979 an folgte eine zweite Assistentenzeit an der Freien Universität Berlin, wo er sich 1983 habilitierte. Bereits 1984 folgte er einem Ruf an die Universität Göttingen, wo er über die deutsche Literatur des Spätmittelalters und des Humanismus lehrte, bis er schließlich 1992 auf den Lehrstuhl für deutsche Literatur des Mittelalters unter Einbeziehung der mediävistischen Komparatistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster berufen wurde. Gastprofessuren führten ihn nach Urbana Champaign (Illinois) und Wien. Im Jahr 2008 trat er in den Ruhestand und lebte und forschte fortan in Berlin. Der Tod traf ihn, der voller Pläne war, auf einem Höhepunkt seiner Schaffenskraft.
Volker Honemann war von Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auch ein Grenzgänger zwischen Literaturgeschichte und Geschichtswissenschaft. Sehr früh begann er sich Phänomenen der Literatur in der mittelalterlichen Stadt zuzuwenden, beginnend mit seinem grundlegenden Aufsatz zur literarischen Tätigkeit der Stadtschreiber (1981). Zahlreiche Arbeiten betrafen die Tätigkeit der städtischen Kanzleien, das Wallfahrtswesen der Städte, besonders die Pilgerschaft nach Santiago de Compostella, die Literatur und ganz allgemein die Tätigkeit der Franziskaner, das geistliche Schauspiel in der Stadt und vor allem auch die städtische Geschichtsschreibung.
Das alles war der Grund, ihn 1997 als Mitglied in das Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte zu berufen. Zu einem schwierigen Zeitpunkt übernahm er 2007/08 das Amt des Schatzmeisters im Kuratorium, und von 1999 bis 2013 war er Mitglied des Beirats des Instituts.
Kuratorium und Institut haben ihm für vieles zu danken und werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.
(P. Johanek)

Freitagskolloquium am 10.2.2017

Zum Abschluss des Wintersemesters 2016/17 hält im Freitagskolloquium zu Problemen vergleichender Städtegeschichte am 10.2.2017 Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel) einen Vortrag zum Thema: Hansegeschichte als Regionalgeschichte? Vorteile und Probleme eines neuen alten Forschungsansatzes.
Alle Interessierten sind ab 16 Uhr c.t. in das Sitzungszimmer des IStG eingeladen.

Seit 2009 macht sich die Kieler Abteilung für Regionalgeschichte für eine regionalhistorische Annäherung an das Thema Hanse stark. Die Betrachtung der Hanse in ihrer regionalen Verankerung, so lautet die These, muss komplementär zur Untersuchung der globalhistorischen Aspekte der Hansegeschichte erfolgen. Erst so kann man überhaupt den Schlüssel zu ihrem Verständnis finden. Der Vortrag führt anhand neuer Forschungsergebnisse die Vorteile einer regionalgeschichtlichen Beschäftigung mit der Hansethematik vor Augen, benennt aber auch die Probleme und Nachteile derselben.

Pressetermin und Präsentation des Deutschen Historischen Atlas Dortmund

Cover Staedteatlas Dortmund Hp
© IStG

Im Februar 2017 erscheint mit Dortmund der fünfte Band des Deutschen Historischen Städteatlas. In einem 50-seitigen Textheft mit zahlreichen Abbildung und Karten sowie 8 Tafeln mit topographischen und thematischen Karten wird die Geschichte Dortmunds von den ersten Siedlungsspuren bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Das Werk ist basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Forschungen in Kooperation des IStG mit dem Stadtarchiv Dortmund entstanden und wurde durch die Stadtarchäologie und das Vermessungsamt unterstützt.
Um den Atlas und somit die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Reichsstadt der Öffentlichkeit vorzustellen, lädt die Stadt Dortmund zu folgenden Terminen ein:

Pressetermin zu Dortmunds Aufnahme in den Städteatlas
8. Februar 2017
11.30 Uhr
Rathaus, Friedensplatz 1, Saal Rote Erde (1. Etage)

Präsentation des Städteatlas Dortmund
14. Februar 2017
19.30 Uhr
Reinoldikirche

Graduiertenkolleg "Metropolität in der Vormoderne" (Regensburg) verlängert die Bewerbungsfrist

Für das von der DFG geförderte interdisziplinäre Graduiertenkolleg "Metropolität in der Vormoderne" in Regensburg sind zum 1. April 2017 10 Stellen für wissenschaftliche MitarbeiterInnen und 1 Postdoc-Stelle ausgeschrieben.
Hierfür ist nun die BERWERBUNGSFRIST auf den 09. FEBRUAR 2017 VERLÄNGERT worden.

Weitere Informationen:

... zum Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs unter www.metropolitaet.ur.de

... und zur Ausschreibung.

Aussagefähige Bewerbungen sind bis zum 9. Februar 2017 per Mail an den Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Jörg Oberste (Joerg.Oberste@geschichte.uni-regensburg.de), zu richten.

Freitagskolloquium am 27. Januar 2017

Rathaus Von Wolfsburg
© High Contrast, 2006, Wikimedia Commons

Den nächsten Vortrag im Freitagskolloquium hält Dr. Alexander Kraus (Wolfsburg) am 27. Januar ab 16 Uhr ct. im Sitzungszimmer des IStG. Das Thema lautet:

Gebaute Demokratie aus dem Geist des Totalitarismus? Das Wolfsburger Rathaus und der braune Schatten seines Architekten Titus Taeschner (1905–1997)

Der 1958 eingeweihte Wolfsburger Rathausneubau galt für rund zwei Jahrzehnte des bundesrepublikanischen Rathausbaus, der in den 1960er und 1970er Jahren einen regelrechten Boom erfuhr, als „stilbildend“. Gemeinsam mit dem zeitgleich geplanten städtischen Verwaltungsbau in Lünen gilt er, so Till Schraven in seiner bautypologischen Kulturgeschichte 'Demokratie als Bauherr', als „Inbegriff“ des demokratischen Rathausbaus schlechthin. Aus zeitgenössischer städtischer Perspektive bildete das Rathaus einen markanten Schlussstein des Stadt-Aufbaus, der mit dem im gleichen Jahr begrüßten 50.000. Einwohner und dem zwanzigjährigen Stadtjubiläum einen harmonischen Dreiklang formte. Doch fügt sich das Rathaus auch aus einer anderen Perspektive in die Stadtgeschichte ein, zeichnet doch mit Titus Taeschner ein Architekt für den gefeierten Entwurf verantwortlich, der bereits im Nationalsozialismus und insbesondere in der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ Karriere machte. Im Vortrag wird daher auch der Frage nachgegangen, wie Taeschner mit einem Mal zum Repräsentanten demokratischen Bauens par excellence aufsteigen konnte.

Alle Interessierten sind zu diesem Vortrag herzlich eingeladen.

Relaunch des Portals Städtegeschichte.de

Relaunch Portal Staedtegeschichte De
© IStG

Nachdem im Jahr 2015 bereits die Homepage des IStG auf "responsive design" umgestellt worden war, ist nun der Relaunch des Portals Städtegeschichte.de abgeschlossen, um die Seiten flexibel mit Tablet oder Smartphone abrufen zu können. Hierfür wurde das Layout vollständig überarbeitet und mit weiteren Modulen, wie Slideshows aber auch neuen Seiten für die Bildergalerien, versehen. Zudem wurden Stichworte der Texte mit den entsprechenden Abbildungen verlinkt.
Insbesondere im Bereich der "News" zu aktuellen Veranstaltungen, Publikationen oder Ausstellungen sowie im Tutorial "Einführung in die Städtegeschichte" bietet der Relaunch die Möglichkeit, sich auch unterwegs schnell und unkompliziert informieren zu können. Ebenso lassen sich die interaktiven Stadtkarten und die Verbreitungskarten sehr gut über mobile Endgeräte abrufen. Für die Arbeit mit diesen Karten und das Eintauchen in eine konkrete Stadttopographie sowie deren Entwicklung wird jedoch auch weiterhin der PC ein sinnvolles Medium bleiben.

Freitagskolloquium am 13.1.2017

Weilburg 1900
© Wikimedia Commons

Den nächsten Vortrag im Freitagskolloquium hält Univ.-Prof. Dr. Matthias MÜLLER (Mainz) am 13.1.2017 zum Thema: Die Verflechtung sozialer Räume in der barocken Residenzstadt am Beispiel des Schlosskirchen-Rathaus-Komplexes im nassauischen Weilburg.
Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr c.t. im Sitzungszimmer des IStG. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Für kleine Residenzstädte konnte die fürstliche Standeserhebung des Stadtherrn in der Frühen Neuzeit zu weitreichenden und einschneidenden Umbaumaßnahmen führen. Hierfür ist Weilburg an der Lahn, nicht weit von Limburg gelegen, ein bemerkenswertes und aufschlussreiches Beispiel. Im Zuge der Erhebung der Grafschaft Nassau-Weilburg zum Fürstentum ließ Graf Johann Ernst von Nassau nicht nur das alte Schloss zum modernen barocken Residenzschloss ausbauen, sondern ab 1707 die mittelalterliche Stadtkirche abreißen und durch den Neubau einer Stadtpfarr- und Schlosskirche ersetzen. Auffälligerweise wurde sie unmittelbar mit dem ebenfalls neuen Rathaus verbunden. Diese Symbiose aus höfisch-städtischem Gotteshaus und städtischem Verwaltungsgebäude ist nicht nur für das 18. Jahrhundert einzigartig. Im Vortrag soll dieses Ensemble genauer analysiert und als eine besondere Form der ‚städtisch-höfischen Integrationsarchitektur‘ in einem lutherischen Fürstentum vorgestellt werden.

Neuerscheinung im "Historischen Atlas westfälischer Städte" - Band 8: Menden

Menden
© IStG/HIKO

Im Projekt "Historischer Atlas westfälischer Städte" sind nun die Bände 8 und 9 zu den Städten Menden (Sauerland) und Metelen erschienen. In den Atlanten wird für diese Orte jeweils anhand neuester Forschungsergebnisse in Text, Bild und Karten die Geschichte der Stadtentwicklung und deren Besonderheiten von den frühesten Siedlungsspuren bis in die Gegenwart nachgezeichnet.

Wilfried Reininghaus, Menden (Sauerland) (Historischer Atlas westfälischer Städte, Band 8), hg. v. d. Historischen Kommission für Westfalen und d. Institut für vergleichende Städtegeschichte durch Thomas Tippach, Ardey-Verlag Münster 2017.
(Textheft, 27 S., 6 thematische Tafeln und zahlreiche weitere Abbildungen und Karten, ISBN 978-3-87023-390-7)

Menden sicherte im Mittelalter die kölnische Herrschaft im mittleren Westfalen zwischen Hellweg und Sauerland. Mauern und Türme bezeugen dies bis heute. Im 19. Jahrhundert legten mehrere Metallwerke die Basis für industrielle Schwerpunkte. Der Städteatlas dokumentiert Mendens räumliche Strukturen vom 10./11. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Neuerscheinung im "Historischen Atlas westfälischer Städte" - Band 9: Metelen

Metelen
© IStG/HIKO

Peter Ilisch, Metelen (Historischer Atlas westfälischer Städte, Band 9), hg. v. d. Historischen Kommission für Westfalen und d. Institut für vergleichende Städtegeschichte durch Thomas Tippach, Ardey-Verlag Münster 2017.
(Textheft, 19 S., 7 thematische Tafeln und zahlreiche weitere Abbildungen und Karten, ISBN 978-3-87023-391-4)

Schon früh entwickelte sich im Anschluss an das bereits im Jahr 889 gegründete Damenstift Metelen ein Markt, der wohl schon vor 1400 Freiheitsrechte erhielt. Die Freiheit stand in starker Abhängigkeit vom Stift und sank im Gefolge der Säkularisation zur Titularstadt herab. Einen Aufschwung erlebte Metelen im 19. Jahrhundert durch die Textilindustrie. Nach ihrem Niedergang prägen die Lebensmittelindustrie und der Tourismus die Gemeinde. Der Städteatlas dokumentiert die Besitzgeschichte des Stifts und die industrielle und touristische Entwicklung in der Moderne.

Informationsportal „Reformation in Westfalen“ ist online

Reformation in Westfalen 2

Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 wurde das digitale historische Informationsportal www.reformation-in-westfalen.de am 1. Januar freigeschaltet. Das durch die LWL-Kulturstiftung geförderte Projekt wird seit Januar 2016 am Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster erarbeitet. Das Informationsportal erfasst die verschiedenen Orte und Regionen Westfalens, zeichnet den dortigen Verlauf der Reformation nach und dokumentiert die jeweils noch heute erkennbaren Zeugnisse.

Die Landkarte des 16. Jahrhunderts zeigt Westfalen als territorialen Flickenteppich: Geistliche Großterritorien, kleine Grafschaften, Territorien auswärtiger Herren und eine von wenigen großen, aber auch von vielen kleinen Städten geprägte Städtelandschaft. Diese Vielfalt bedeutet, dass es nicht zu der ‚einen‘ Reformation kam, sondern Westfalen eine spannende, weil in ihren Verläufen unterschiedliche Reformationslandschaft darstellt, welche in diesem Informationsportal in Karten und Texten nachgezeichnet wird.

Aktuell sind Informationen zur Geschichte und Wirkung der Reformation in den Territorien und Autonomiestädten Westfalens abrufbar: In fünf Zeitschnitten werden die Entwicklungsstränge dargestellt. Beginnend mit dem Jahr des Thesenanschlags, 1517, widmet sich das Portal den für Westfalen bedeutenden Wegmarken bis zur konfessionellen Neuordnung nach Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1650. Diese Kartenstände werden mit knappen, wissenschaftlichen Texten zu den einzelnen Territorien und Städten unterlegt. Ein zweiter Zugang erfolgt über die Ordnung der Reformation nach Typen – etwa der landesherrlichen Reformation oder der städtischen Reformation in einigen Autonomiestädten. Die reformkatholische via media der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg stellt ebenfalls einen Reformationstyp dar.

Zusätzlich informiert das Portal über aktuelle Ausstellungen und Vorträge und stellt einen Veranstaltungskalender für die Region Westfalen zur Verfügung.
Mit den Routen der Reformation wird es dann im Laufe des Jahres 2017 möglich sein, sich auf eine Spurensuche nach den Relikten der Reformation in Westfalen zu begeben.
Ergänzung erfährt das Portal reformation-in-westfalen.de durch den Twitterauftritt @RefInWestfalen, der diese Informationen rund um das Reformationsjubiläum einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen möchte.

Weitere Informationen unter:
www.reformation-in-westfalen.de
www.uni-muenster.de/Staedtegeschichte/Forschung/Reformation_in_Westfalen
www.twitter.com/@RefInWestfalen