Stadtgeschichte Geseke 22juni2017
v.l.n.r.: Prof. Dr. W. Reininghaus, Dr. R. van der Velden, E. Richter, M.A., Dr. D. Grothmann
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Präsentation der Stadtgeschichte Geseke – Band 1

Pünktlich zum Stadtjubiläum „800 Jahre Geseke“ wurde am Abend des 22. Juni 2017 der erste Band der Stadtgeschichte Geseke feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. In diesem 800-seitigen, von Dr. Detlef Grothmann und Evelyn Richter herausgegebenen Werk mit dem Titel „Geseke. Geschichte einer westfälischen Stadt“ werden durch namhafte Vertreter der Städteforschung die „großen Linien“ der Ortsentwicklung nachgezeichnet:

I. Naturräumliche, vor- und frühgeschichtliche Grundlagen
II. Epochen der Stadtgeschichte (8. Jh.–Anf. 21. Jh.)
III. Die historische Entwicklung der Ortsteile

In einem zweiten, im kommenden Jahr erscheinenden Band werden unter den Kategorien

IV. Kirche und Religion sowie
V. Kultur und Gesellschaft

weitere kultur-, religions- sowie wirtschafts- und sozialgeschichtlich relevante, aber auch bildungspolitische und rechtliche Einzelaspekte der Stadtentwicklung in den Blick genommen.

Zur feierlichen Präsentation waren Vertreter der Stadt Geseke und des Aschendorff-Verlages, zahlreiche Autoren und Gäste aus Geseke und Umgebung in das Alte Rathaus gekommen, um Bürgermeister Dr. Remco van der Velden, Dr. Dirk F. Paßmann (Verlagsleitung, Aschendorff) und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen) zum Werdegang des Publikationsprojektes sowie zur Tradition stadtgeschichtlicher Forschung in Geseke sprechen zu hören. Ein besonderer Dank galt dabei wiederholt den beiden Herausgebern für ihr großes Engagement sowie dem Aschendorff Verlag für einen reibungslosen Ablauf auf dem Weg zur Publikation, die in diesen Wochen des Stadtjubiläums einen gelungenen Akzent setzt.

Bibliographische Angaben
Geseke. Geschichte einer westfälischen Stadt, Bd. 1, hg. v. Detlef Grothmann und Evelyn Richter, Aschendorff Verlag Münster 2017.

Freitagskolloquium am 23.6.2017

Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen in Westfalen am Beispiel Lengerichs

Den nächsten Vortrag im Freitagskolloquium halten Sebastian Schröder, M.A. und Dr. Christof Spannhoff am 23.6.2017 zum Thema: Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen in Westfalen am Beispiel Lengerichs.

Der Vortrag beginnt um 15 Uhr c.t. im Sitzungszimmer des IStG. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhob der preußische König in seinen westfälischen Provinzen mehrere Dörfer, Flecken und Weichbilder zu Städten. Diese Städte wurden unter dem Titel "Akzisestädte" bekannt, denn die Orte erhielten nicht nur die Stadtgerechtigkeit, sondern in ihnen wurde auch die Akzise - eine indirekte Steuer - eingeführt. Die Referenten geben einen Überblick über die Akzisereformen, um anschließend die aufgeworfenen Fragen am Beispiel des tecklenburgischen Lengerich näher zu erläutern.

Tagung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks

Handwerkliche Ökonomien und Gewerbeförderung in historischer Perspektive

Am 21./22. Juli veranstalten der Zentralverband des Deutschen Handwerks und die Handwerkskammer Berlin eine Tagung zum Thema: Handwerkliche Ökonomien und Gewerbeförderung in historischer Perspektive.

Bietet das Schlagwort „Regulierung“ einen geeigneten Zugang zum Verständnis von Handwerkswirtschaft in Geschichte und Gegenwart oder lassen sich andere Bestrebungen zur gezielten Entwicklung bzw. Förderung handwerklicher Ökonomien feststellen?
Das Bild, das sich die Geschichtswissenschaft von handwerklichen Ökonomien gemacht hat, war vor allem von der Frage nach An- oder Abwesenheit von Zwang, Reglementierung und Regulierung geprägt. Dies wird von der jüngeren Forschung zunehmend infrage gestellt. Neuere historische Studien zeigen, dass Formen strategischer Unterstützung der Handwerksbetriebe durch Eigeninitiativen der Handwerker, die Handwerksorganisationen sowie seitens der Obrigkeiten bzw. des Staats lange vor der Prägung der heutigen Konzepte zur Gewerbeförderung im Handwerk existierten.
Die Konferenz „Handwerkliche Ökonomien und Gewerbeförderung in historischer Perspektive“ möchte diese Befunde aufnehmen und handwerkliche Ökonomien in historischer Perspektive unter dem Fokus der „Gewerbeförderung“ mit einer Reihe von Fallstudien aus einem neuen Blickwinkel betrachten.

Die Konferenz findet vom 21. bis 22. Juli 2017 im Lehrgangs- und Seminargebäude „Meyer & Wittwer-Bau“ des Bildungs- und Innovationszentrums der Handwerkskammer Berlin (BIZWA) statt. Dieses wurde als Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) von 1928 bis 1930 nach Entwürfen des Bauhaus-Architekten Hannes Meyer errichtet und ist heute ein Baudenkmal, in dessen Geschichte im Rahmen der Tagung eingeführt wird. Bernau liegt in der Nähe von Berlin und ist mit der S-Bahn zu erreichen. Es wird ein Transfer mit Kleinbussen vom S-Bahnhof Bernau zum Tagungshaus vor Beginn und am Ende der Tagung angeboten.

... Einladung

... Programm

... Anmeldung zum Workshop (bis 30.6.2017)

Mapping Townscapes Seminar. Comparative Perspectives through the Irish and British Historic Towns Atlases

Htagroupshot 2017
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Am 18./19. Mai 2017 fand in der Royal Irish Academy, Dublin, als Teil einer an Forscher und die Öffentlichkeit gerichteten Reihe eine Tagung unter dem Titel "Mapping Townscapes Seminar. Comparative Perspectives through the Irish and British Historic Towns Atlases" statt. Dabei stand in diesem Jahr die historische Kartenüberlieferung als Geschichtsquelle und die Kartenedition der Städteatlanten für die vergleichende Städteforschung im Mittelpunkt. Die Veranstaltung wurde von einem öffentlichen Abendvortrag zur Kartografiegeschichte von Prof. Roger Kain, London, eröffnet. In der ersten Sektion wurden zunächst die sich anhand historischer Karten ergebenden Forschungsperspektiven erläutert, wobei die Städteatlaspublikationen auf den Prüfstand gestellt wurden. Es folgten Vorträge zur Stadtgestalt von Galway und Oxford im Kartenbild, anschließend wurden die Konzepte und Methoden des Britischen und des Irischen Städteatlas vorgestellt und, mit einem Ausblick auf die digitalen Arbeiten, miteinander verglichen. In der abschließenden Sektion diskutierten Prof. Keith Lilley, Queen's (University Belfast), Colin Bray (Ordnance Survey Ireland), Eamonn Doyle (ESRI Ireland), Prof. Anngret Simms (University College Dublin) und Dr. Daniel Stracke (Institut für vergleichende Städtegeschichte, Münster) als Panel zum Thema noch einmal die vergleichenden Perspektiven historischer Kartografie, vor allem im Digitalen Zeitalter.

Nachruf auf Helmut Jäger

Das Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte hat sein ältestes Mitglied und mit ihm einen wichtigen und tatkräftigen Helfer der frühen Jahre verloren. Nicht lange vor seinem 94. Geburtstag ist Helmut Jäger am 16. April 2017 in Würzburg gestorben.
In Biedenkopf am 26. Juni 1923 geboren, begann er 1945 nach Kriegsdienst und Verwundung als Zweiundzwanzigjähriger ein Studium der Geographie und Geschichte sowie der Germanistik und Ethnologie in Göttingen. Nach Promotion und Staatsexamen (1950/51) wurde er Assistent in Göttingen, dann in Würzburg bei Julius Büdel, wo er sich 1956 habilitierte. In diese Zeit fällt auch ein längerer Aufenthalt in London am University College bei H.C. Darby (1955/56), der eine lebenslange Affinität zur insularen Welt, zu den britischen Inseln und Irland begründete und seine wissenschaftliche Arbeit nachhaltig beeinflusste. Im Jahr 1958 kehrte er nach Göttingen zurück, wo er als Geschäftsführer und außerplanmäßiger Professor die Leitung des neugegründeten Instituts für historische Landesforschung übernahm, bis er 1963 auf den neugegründeten Lehrstuhl für Kultur- und Wirtschaftsgeographie in Würzburg berufen wurde. Hier in Würzburg blieb er fortan bis zu seiner Emeritierung 1991; einen Ruf auf den Lehrstuhl für Historische Geographie in Bonn hat er 1971 abgelehnt. Auch im Ruhestand blieb er noch lange Zeit rastlos wissenschaftlich tätig.
Die Dissertation des jungen Geographen hatte der Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreis Hofgeismar gegolten, und 1958 war seine umfassende Arbeit zu den Entwicklungsperioden agrarischer Siedlungsgebiete im mittleren Westdeutschland seit dem 13. Jahrhundert erschienen. Bereits in diesen frühen Publikationen werden die Prinzipien sichtbar, die die Leitlinien seiner wissenschaftlichen Arbeit bestimmt haben: die genetische Betrachtung, d.h. die Herausarbeitung historischer Elemente und Prozesse in der Kulturlandschaftsentwicklung. Nur so – so lautete seine Grundüberzeugung – war ein Verständnis der gegenwärtigen Zustände möglich, das einen erfolgreichen Weiterbau in die Zukunft erlaubte. Auch die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit, insbesondere mit Geschichtswissenschaft und Archäologie, aber auch mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, hat er früh erkannt und bereits in Göttingen, dann aber besonders stark in Würzburg gepflegt. Hierher gehört die von ihm besonders stark betriebene Wüstungsforschung, die Waldgeschichte und die Umweltgeschichte, der er nach seiner Emeritierung ein grundlegendes Einführungswerk widmete (1994). Sein Untersuchungsgebiet war dabei vor allem Mainfranken, wo er grundlegende Befunde erarbeitete. Seine Interessen aber reichten weit darüber hinaus, das belegen seine Länderkunden von Großbritannien (1976) und Irland (1990) sowie sein Grundlagenwerk "Historische Geographie“ (1969). Bereits seit den ausgehenden Sechzigerjahren konnte er als einer der führenden Vertreter der Historischen Geographie in Deutschland gelten.
Es blieb nicht aus, dass Helmut Jäger in interdisziplinäre Forschungsverbünde hineingezogen wurde, die breite Forschungsfelder innovativ zu erschließen suchten. Dazu gehörten die "Kommission für Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas" an der Göttinger Akademie der Wissenschaften und ebenfalls das "Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte" sowie das von ihm getragene Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster. Blickt man auf das Oeuvre Helmut Jägers, so wird man zunächst versucht sein, ihn als Erforscher der Agrarlandschaft anzusehen. Doch stand die Stadtentwicklung, insbesondere mit ihrer Überschneidung urbaner und agrarischer Phänomene bereits früh im Blickfeld seiner Interessen. So stieß er bereits während der Gründungsphase zum Umkreis des Instituts. Er wurde bald Mitglied des Kuratoriums, gehörte lange Jahre dem Beirat des Instituts an, war ein regelmäßiger Besucher seiner Frühjahrstagungen und hat in der Reihe "Städteforschung" drei Bände als Herausgeber betreut. Er gehörte stets zu den verlässlichsten und gern gehörten Beratern des Instituts.
Um die Jahrhundertwende wurden seine Besuche seltener, dann auch die Telefonate. Das hohe Alter forderte seinen Zoll. Sein Tod erfüllt mit Trauer. Im Gedächtnis wird er bleiben, auch für diejenigen, die ihn nicht mehr in seiner aktiven Zeit erlebt haben, als glänzender Vertreter einer Forschungsperiode, die das ausgehende 20. Jahrhundert stark geprägt hat. Das Institut für vergleichende Städtegeschichte wird dieses Gedächtnis bewahren.

Peter Johanek

Von Helmut Jäger herausgegebene Bände in der Reihe Städteforschung:

  • Probleme des Städtewesens im industriellen Zeitalter, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 5), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1978.
  • Stadtkernforschung, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 27), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1987.
  • [als Mitherausgeber]:
    Civitatum Communitas. Studien zum europäischen Städtewesen. Festschrift Heinz Stoob zum 65. Geburtstag. In Verbindung mit Friedrich Bernward Fahlbusch und Bernd-Ulrich Hergemöller, hg. von Helmut Jäger, Franz Petri, Heinz Quirin (Städteforschung A 21), 2 Bde., Köln –Weimar – Wien: Böhlau 1984.

Neuerscheinung - Reihe Städteforschung Bd. A 95

A 95 Timpener
© Böhlau

Die Dissertation von Evelien Timpener zum Thema "Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert" ist als Band A 95 der Reihe Städteforschung erschienen.

Nachdem die Bischofsstadt Augsburg im späten Mittelalter zur Reichsstadt aufgestiegen war, entstanden im Zuge des Ausbaus der städtischen Herrschaft regionale Konflikte mit den Herzögen von Bayern sowie dem Augsburger Hochstift. Die mächtige Reichsstadt suchte diese mittels einer geschickten Diplomatie zu bewältigen. In diesem Band geht Evelien Timpener den verschiedenen diplomatischen Strategien des Augsburger Stadtrates anhand von sechs Konfliktfällen des 15. Jahrhunderts nach. Bei der Analyse dieser Konflikte und deren Beilegung werden verschiedene Forschungsansätze miteinander verknüpft. Politische Freunde und Förderer, Interventionsformen sowie juristische Einflusssphären werden nachgezeichnet und mit der Relevanz der symbolischen Kommunikation abgeglichen.

Bibliographische Angaben
Evelien Timpener, Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert, Köln u.a. 2017.
(245 S.; 1 s-w Abb.)


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