Nachruf auf Helmut Jäger

Das Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte hat sein ältestes Mitglied und mit ihm einen wichtigen und tatkräftigen Helfer der frühen Jahre verloren. Nicht lange vor seinem 94. Geburtstag ist Helmut Jäger am 16. April 2017 in Würzburg gestorben.
In Biedenkopf am 26. Juni 1923 geboren, begann er 1945 nach Kriegsdienst und Verwundung als Zweiundzwanzigjähriger ein Studium der Geographie und Geschichte sowie der Germanistik und Ethnologie in Göttingen. Nach Promotion und Staatsexamen (1950/51) wurde er Assistent in Göttingen, dann in Würzburg bei Julius Büdel, wo er sich 1956 habilitierte. In diese Zeit fällt auch ein längerer Aufenthalt in London am University College bei H.C. Darby (1955/56), der eine lebenslange Affinität zur insularen Welt, zu den britischen Inseln und Irland begründete und seine wissenschaftliche Arbeit nachhaltig beeinflusste. Im Jahr 1958 kehrte er nach Göttingen zurück, wo er als Geschäftsführer und außerplanmäßiger Professor die Leitung des neugegründeten Instituts für historische Landesforschung übernahm, bis er 1963 auf den neugegründeten Lehrstuhl für Kultur- und Wirtschaftsgeographie in Würzburg berufen wurde. Hier in Würzburg blieb er fortan bis zu seiner Emeritierung 1991; einen Ruf auf den Lehrstuhl für Historische Geographie in Bonn hat er 1971 abgelehnt. Auch im Ruhestand blieb er noch lange Zeit rastlos wissenschaftlich tätig.
Die Dissertation des jungen Geographen hatte der Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreis Hofgeismar gegolten, und 1958 war seine umfassende Arbeit zu den Entwicklungsperioden agrarischer Siedlungsgebiete im mittleren Westdeutschland seit dem 13. Jahrhundert erschienen. Bereits in diesen frühen Publikationen werden die Prinzipien sichtbar, die die Leitlinien seiner wissenschaftlichen Arbeit bestimmt haben: die genetische Betrachtung, d.h. die Herausarbeitung historischer Elemente und Prozesse in der Kulturlandschaftsentwicklung. Nur so – so lautete seine Grundüberzeugung – war ein Verständnis der gegenwärtigen Zustände möglich, das einen erfolgreichen Weiterbau in die Zukunft erlaubte. Auch die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit, insbesondere mit Geschichtswissenschaft und Archäologie, aber auch mit naturwissenschaftlichen Disziplinen, hat er früh erkannt und bereits in Göttingen, dann aber besonders stark in Würzburg gepflegt. Hierher gehört die von ihm besonders stark betriebene Wüstungsforschung, die Waldgeschichte und die Umweltgeschichte, der er nach seiner Emeritierung ein grundlegendes Einführungswerk widmete (1994). Sein Untersuchungsgebiet war dabei vor allem Mainfranken, wo er grundlegende Befunde erarbeitete. Seine Interessen aber reichten weit darüber hinaus, das belegen seine Länderkunden von Großbritannien (1976) und Irland (1990) sowie sein Grundlagenwerk "Historische Geographie“ (1969). Bereits seit den ausgehenden Sechzigerjahren konnte er als einer der führenden Vertreter der Historischen Geographie in Deutschland gelten.
Es blieb nicht aus, dass Helmut Jäger in interdisziplinäre Forschungsverbünde hineingezogen wurde, die breite Forschungsfelder innovativ zu erschließen suchten. Dazu gehörten die "Kommission für Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas" an der Göttinger Akademie der Wissenschaften und ebenfalls das "Kuratorium für vergleichende Städtegeschichte" sowie das von ihm getragene Institut für vergleichende Städtegeschichte in Münster. Blickt man auf das Oeuvre Helmut Jägers, so wird man zunächst versucht sein, ihn als Erforscher der Agrarlandschaft anzusehen. Doch stand die Stadtentwicklung, insbesondere mit ihrer Überschneidung urbaner und agrarischer Phänomene bereits früh im Blickfeld seiner Interessen. So stieß er bereits während der Gründungsphase zum Umkreis des Instituts. Er wurde bald Mitglied des Kuratoriums, gehörte lange Jahre dem Beirat des Instituts an, war ein regelmäßiger Besucher seiner Frühjahrstagungen und hat in der Reihe "Städteforschung" drei Bände als Herausgeber betreut. Er gehörte stets zu den verlässlichsten und gern gehörten Beratern des Instituts.
Um die Jahrhundertwende wurden seine Besuche seltener, dann auch die Telefonate. Das hohe Alter forderte seinen Zoll. Sein Tod erfüllt mit Trauer. Im Gedächtnis wird er bleiben, auch für diejenigen, die ihn nicht mehr in seiner aktiven Zeit erlebt haben, als glänzender Vertreter einer Forschungsperiode, die das ausgehende 20. Jahrhundert stark geprägt hat. Das Institut für vergleichende Städtegeschichte wird dieses Gedächtnis bewahren.

Peter Johanek

Von Helmut Jäger herausgegebene Bände in der Reihe Städteforschung:

  • Probleme des Städtewesens im industriellen Zeitalter, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 5), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1978.
  • Stadtkernforschung, hg. von Helmut Jäger (Städteforschung A 27), Köln – Weimar – Wien: Böhlau 1987.
  • [als Mitherausgeber]:
    Civitatum Communitas. Studien zum europäischen Städtewesen. Festschrift Heinz Stoob zum 65. Geburtstag. In Verbindung mit Friedrich Bernward Fahlbusch und Bernd-Ulrich Hergemöller, hg. von Helmut Jäger, Franz Petri, Heinz Quirin (Städteforschung A 21), 2 Bde., Köln –Weimar – Wien: Böhlau 1984.

Freitagskolloquium

Am Freitag, 19. Mai 2017 spricht Frau Dr. Evelien Timpener (Hannover) im Rahmen des Freitagskolloquiums zum Thema: "Zwischen Recht und Ritual. Augsburger Strategien und Maßnahmen zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert"

Reichsstädte wie Augsburg beherrschten die diplomatische Kunst bestens und wandten sich bei regionalen Konflikten gerne an den König und/oder wichtige Handlungsträger am Hof. Im Vortrag analysiert Evelien Timpener anhand von drei größeren Konflikten die politischen und diplomatischen Maßnahmen im Spielraum zwischen Recht und Ritual.

Das vollständige Programm für das Freitagskolloquium im Sommersemester 2017 finden Sie hier.

Stellenausschreibung - Stockholm

An der Universität in Stockholm ist die Stelle für eine Professur im Bereich "Geschichte Stockholms" ausgeschrieben.

Job offer from Stockholm university: a professor in Stockholm’s history.

Professor i historia med inriktning på Stockholms historia.


... zur Ausschreibung


Freitagskolloquium

Den ersten Vortrag im Freitagskolloquium des Sommersemesters 2017 hält am 28.4.2017 Frau Dr. Constanze Sieger (Münster) zum Thema: „Hände weg von Buer-Scholven!“ Gelsenkirchener Eingemeindungen im Kaiserreich und der Weimarer Republik.

Im Mittelpunkt des Vortrages stehen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Eingemeindungsentscheidungen im Raum Gelsenkirchen um 1900 und in den 1920er Jahren. Die Handlungs- und Ermessensspielräume der beteiligten Städte und Gemeinden im Prozess des Entscheidens über die kommunalen Grenzänderungen werden dabei besonders berücksichtigt. Anhand der herausgearbeiteten unterschiedlichen Verfahrensweisen wird exemplarisch die Frage diskutiert, welchen Einfluss der Wechsel des politischen Systems auf die Kulturen des Entscheidens hatte.


Das vollständige Programm für das Freitagskolloquium im Sommersemster 2017 finden Sie hier.

Stellenausschreibung der Universität Regensburg

Zum 1.8.2017 sind am Graduiertenkolleg 2337/1 "Metropolität in der Vormoderne" an der Universität Regensburg vier Stellen als wissenschaftliche(r) Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen mit dem Ziel der Promotion (Teilzeit; Höchstdauer: 3 Jahre) zu besetzen.

Anforderungsprofil
• ein qualifizierter Abschluss eines Hochschulstudiums (Master oder Äquivalent) mit überdurch-schnittlichem Ergebnis, vorzugsweise in einem der am Graduiertenkolleg beteiligten Fächer
• hohe Motivation und Befähigung, in einem Team von Nachwuchswissenschaftler/-innen und Hochschullehrer/-innen innovative Methoden des historischen Arbeitens zu entwickeln, die so-wohl der jeweiligen Fachdisziplin neue Impulse vermitteln als auch Offenheit für transdisziplinä-re und epochenübergreifende Ansätze aufweisen
• für die Bewerbung ein 3-4 Seiten umfassendes Exposé zu einem einschlägigen und innovativen Dissertationsprojekt, das eine intensive Auseinandersetzung mit dem Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs erkennen lässt, ein auf 3 Jahre ausgelegter Zeitplan und eine kurze Arbeits-bibliographie (jew. max. 1 Seite)
• Lebenslauf und Hochschulzeugnisse

Aussagekräftige Bewerbungen sind bis zum 15. Juni 2017 in einer PDF-Datei (max. 10 MB) per E-Mail zu richten an den Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Jörg Oberste
(joerg.oberste@geschichte.uni-regensburg.de).

Die vollständige Ausschreibung kann hier abgerufen werden.

Neuerscheinung - Reihe Städteforschung Bd. A 95

A 95 Timpener
© Böhlau

Die Dissertation von Evelien Timpener zum Thema "Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert" ist als Band A 95 der Reihe Städteforschung erschienen.

Nachdem die Bischofsstadt Augsburg im späten Mittelalter zur Reichsstadt aufgestiegen war, entstanden im Zuge des Ausbaus der städtischen Herrschaft regionale Konflikte mit den Herzögen von Bayern sowie dem Augsburger Hochstift. Die mächtige Reichsstadt suchte diese mittels einer geschickten Diplomatie zu bewältigen. In diesem Band geht Evelien Timpener den verschiedenen diplomatischen Strategien des Augsburger Stadtrates anhand von sechs Konfliktfällen des 15. Jahrhunderts nach. Bei der Analyse dieser Konflikte und deren Beilegung werden verschiedene Forschungsansätze miteinander verknüpft. Politische Freunde und Förderer, Interventionsformen sowie juristische Einflusssphären werden nachgezeichnet und mit der Relevanz der symbolischen Kommunikation abgeglichen.

Bibliographische Angaben
Evelien Timpener, Diplomatische Strategien der Reichsstadt Augsburg. Eine Studie zur Bewältigung regionaler Konflikte im 15. Jahrhundert, Köln u.a. 2017.
(245 S.; 1 s-w Abb.)


Ausschreibung des Wiener Preises für Stadtgeschichtsforschung

Die Stadt Wien hat am 31. Mai 2010 aus Anlass der Pensionierung von Herrn Archivdirektor Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll im Wege des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung den „Wiener Preis für Stadtgeschichtsforschung“ (WPS) eingerichtet, der in den Jahren 2011, 2013 und 2015 vergeben wurde und für 2017 von neuem zur Ausschreibung gelangt. Der Preis ist auf der Grundlage einer Förderung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien mit € 5.000,- dotiert.

Bis zum 31. März 2017 können von den jeweiligen Autor/innen Veröffentlichungen bzw. Dissertationen sowie Habilitationsschriften auf dem Gebiet der vergleichenden Stadtgeschichtsforschung des europäischen Raumes in deutscher Sprache eingereicht werden, die in den Jahren 2014 bis 2016, gegebenenfalls auch noch 2017, erschienen sind. Die eingereichten Arbeiten sind nach Möglichkeit (auch) in elektronischer Form zu übermitteln. Beizufügen sind ein Lebenslauf sowie ein Verzeichnis der bisher publizierten Arbeiten der Autorin/des Autors. Arbeiten, die jeweils im Jahr vor der Preisvergabe des WPS für den Preis der Stiftung „Pro civitate Austriae“ eingereicht wurden, können bei der Preisvergabe des WPS nicht berücksichtigt werden.

Die Einreichungen sind zu richten an: Institut für österreichische Geschichtsforschung (Universität Wien, Universitätsring 1, A-1010 Wien), z. H. von Archivdirektor i. R. ao. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll; PDFs bitte per Email an: ferdinand.opll@hotmail.com.
Die Entscheidung über die Zuerkennung des Preises erfolgt durch eine Jury und wird den Einreicher/innen im Sommer 2017 bekannt gegeben. Nach der Entscheidung der Jury werden sämtliche eingereichten Arbeiten der Bibliothek des Instituts für österreichische Geschichtsforschung übergeben, um damit für die Forschung zur Verfügung zu stehen.

Weitere Meldungen

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