

Bereits seit 1970 werden in Einzelvorträgen münsteraner und auswärtiger Gelehrter und Nachwuchswissenschaftler Probleme vergleichender Städtegeschichte diskutiert. Bislang fand das Kolloquium alle zwei Wochen statt.
Seit dem Wintersemester 2021/2022 wird dieses Kolloquium in einem neuen Format angeboten. In drei Workshops, die jeweils freitags von 14 bis 18:30 Uhr stattfinden, sollen einzelne Themenfelder fokussiert und intensiv besprochen werden. Wir hoffen, mit diesem Format die Diskussion und Vernetzung untereinander anzuregen, um persönliche Kontakte knüpfen und gemeinsam neue Ideen entwickeln zu können. Speziell möchten wir das Format „Junge Städteforschung“ etablieren, dessen Ziel es ist, neue Forschungsgenerationen für die Städtegeschichte zu begeistern und zu fördern.
Die früheren Veranstaltungen finden Sie als PDF-Versionen zum Download in unserem Archiv.
Aufzeichnungen der Kolloquiumsvorträge ab dem Sommersemester 2021 finden Sie auf dem YouTube-Kanal des IStG.
Freitags-Kolloquium im Wintersemester 2025/2026
Freitag, 30. Januar 2026: The urban distribution over the past centuries
Jakob Molinder (Uppsala, Schweden)
Socio-economic segregation in Swedish cities the long-run
With almost half of the world's population now living in cities and with inequality on the rise, the link between rising income disparities and socioeconomic segregation is of key interest to both researchers and policymakers, yet existing studies examine short periods covering the last 30 years or so. In this project, we aim to combine newly digitized and geocoded historical data on individuals in Swedish cities with modern registers to track the evolution of segregation between 1880 and today. So far, we have been able to complete the geocoding process for Stockholm, and the results reveal that the upper class has become increasingly segregated over time despite diverging trends in income inequality over the period. For the poor, the trajectory is more tightly linked to their relative economic status.
Lena Gerling (Braunschweig | Münster)
Institutional rules and the distribution of political power in industrializing regimes: Evidence from German cities
In this project, we analyze how electoral reforms influence the distribution of political power in the process of industrialization. Specifically, we study the evolution of political power among urban elites in German cities in the period from 1830 to 1933. To this end, we link political office holders in local councils to social classes based on occupational information, creating a novel dataset that captures for more than 150 German cities how the distribution of local political power developed over time. Combining these time-varying city-level measures of political power with information about the electoral rules that the different member states of the German Empire established to organize local elections, our final dataset allows us to examine to what extent local variation in the distribution of political power can be explained by differences in institutional rules, especially those differences between the autocratic (pre-1919) and democratic (“Weimar”) era as well as differences between the various non-democratic regimes in place before 1919.
Daniel Gallardo-Albarran (Wageningen, Niederlande)
Cholera, inequality and development: A long-term view
Economic historians have extensively examined the economic effects of plague and influenza in urban locations, but the impact of cholera has remained largely understudied. This study compiles the first Europe-wide regional and urban dataset on cholera mortality from ca. 1820 to 1914 and develops a conceptual framework linking cholera to economic development, including the hypothesis of a “Cholera Kuznets Curve.” We also empirically test this hypothesis and analyze cholera’s effects on regional development using population and urbanization.
Thilo Albers (Münster)
Origins of urban polycentricity
Historically, most cities had only one central business district. Today, while some have remained monocentric, others have become polycentric. Using a sample of 125 global cities, this study shows that rapid transport networks tend to anchor historical cores, whereas major disasters can reset the spatial configuration and trigger the emergence of polycentric urban structures.
Alle Interessierten sind herzlich in den Seminarraum des IStG eingeladen. Die Workshops beginnen jeweils um 14 Uhr c.t.
Freitag, 19. Dezember 2025: Junge Städteforschung
Aron Howarth (Manchester, UK | Münster)
Brauerinnen der Hanse im 15. Jahrhundert
Das Promotionsprojekt untersucht die Rolle der Frau im Spätmittelalter, insbesondere ihre Rolle in der Seiden- und Brauindustrien Kölns und Londons. Im 15. Jahrhundert vollzog sich ein Wandel in der Produktion beider Güter, da sich eine stärker industrialisierte Produktionsweise herausbildete. Dieser Wandel war in der Brauindustrie besonders ausgeprägt. Sie erlebte in beiden Städten nicht nur eine allgemeine Protoindustralisierung, sondern verzeichnete in Köln im Vergleich zum Weinkonsum sogar einen deutlichen Anstieg. Die Rolle der Frau in dieser Zeit ist von besonderer Bedeutung, da Frauen traditionell die Schlüsselfiguren in beiden Industrien waren, die beide mit dem häuslichen Bereich verbunden waren. Eine Analyse der Rolle der Frau in diesen Industrien ermöglicht, die Veränderungen ihrer Rolle im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklungen des Spätmittelalters nachzuvollziehen.
Elena Vivien Scharnewski (Mainz)
Tagging information: Die Kommunikation kleiner und mittlerer Reichsstädte im späten Mittelalter
Das vorzustellende Dissertationsprojekt hat zum Ziel, die Sichtweise auf die kleinen und mittleren Reichsstädte auf den Prüfstand zu stellen und anhand der Nördlinger Missiven und Missivbücher die Rolle der Städte als Knotenpunkte in spätmittelalterlichen Kommunikationsnetzwerken zu untersuchen. Mittels eines interdisziplinären, digital-historischen Ansatzes wird der Frage nachgegangen, inwiefern die kleinen und mittelgroßen südwestdeutschen Reichsstädte als aktive und zentrale Akteure für den Informationsaustausch, die politische Koordination und die Durchsetzung eigener Interessen agierten. In der Forschung zum spätmittelalterlichen Deutschen Reich traten die kleinen und mittelgroßen Reichsstädte oft als periphere Akteure hinter die großen Metropolen, wie beispielsweise Nürnberg oder Augsburg, zurück. Diese Perspektive ist vor allem der bisher schwer zugänglichen Überlieferung geschuldet. Hier setzt das Projekt „Regesta Civitatum Imperialium. Regesten als Grundlage der Erforschung der kleinen und mittleren südwestdeutschen Reichsstädte im Spätmittelalter (bis 1521)“ – in dessen Kontext die Dissertation entsteht – an, indem es das in den Stadtarchiven liegende Quellenmaterial in Form von Regesten der Öffentlichkeit zugänglich macht.
JuliettaSchulze (Tübingen | Herrenberg)
"Zur größer Ehr der gemeinen Statt." Einzelhandel in Württemberg, 1700 bis 1850
Der Vortrag entfällt leider.
Tanja Zimmermann (Marbach)
Sozialer Wohnungsbau als politische Aufgabe. Eine Fallstudie über den sozialen Wohnungsbau der Stadt Stuttgart 1871 bis 1935
Das Dissertationsvorhaben befasst sich mit der Wohnungspolitik der Stadt Stuttgart von 1871 bis 1935. Der Begriff „kommunale Wohnungspolitik“ umfasst hier den Eigenbau, also die Bautätigkeit der Stadtgemeinde, die kommunale Wohnungsfürsorge und den städtisch geförderten Wohnungsbau, insbesondere für sozial schwächere Gruppen.
Um die Aktivitäten im Wohnungsbau einordnen zu können, soll Stuttgarts Engagement mit anderen Städten verglichen werden. Welche Tendenzen zeigten sich in Stuttgart und anderen Städten? Wie reagierte oder agierte die Stadtverwaltung jeweils in neuen Situationen? Welche Unterschiede lassen sich ermitteln, was war ähnlich oder wurde gleich gehandhabt?
Alle Interessierten sind herzlich in den Seminarraum des IStG eingeladen. Die Workshops beginnen jeweils um 14 Uhr c.t.
