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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 5. Meinungen zu Elsevier

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Meinungen über die Verhandlungen und den fehlenden Zugriff auf Elsevier- und Cell-Zeitschriften
Die Frage hierzu lautete „Elsevier hat den Zugang zu seinen Zeitschriften (darunter auch alle Cell Press-Titel) ab Juli 2018 eingestellt. Wie denken Sie darüber, dass die HRK gegenüber Elsevier hart geblieben ist und auf ihren Forderungen bestanden hat (Open Access, publikationsbasierte Kostenberechnung, Zugang zum kompletten Angebot, geringe Preissteigerung) ?“. Als Antworten war vorgegeben: „Richtig so. Es braucht Druck, damit Elsevier einlenkt.“, „Elsevier ist ein profitorientiertes Unternehmen und schadet der Wissenschaft nur.“, „No Deal is no Option: Die Verhandlungen sollen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden.“, „Es ist ein gravierender Wettbewerbsnachteil, keinen Zugriff auf die Zeitschriften zu haben.“, „Die HRK sollte von dem Dogma ‚publikationsbasierte Kosten‘ Abstand nehmen, damit die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können.“, „Das Geld für die Elsevier-Zeitschriften sollte man lieber in die Forschung investieren.“ „Ich brauche nun mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen.“, „Ich verzichte nun öfter darauf, Manuskripte für Elsevier-Zeitschriften zu schreiben/begutachten.“, „Man sollte wieder zu den bisherigen Abonnementsverträgen zurück, max. 3% Aufschlag pro Jahr und fertig“ und „Sonstiges (bitte angeben)“.
Als Antwortmöglichkeiten konnte stimme zu, teils/teils, stimme nicht zu angekreuzt werden.

Die allermeisten, nämlich zwei Drittel (66%) stimmten der Aussage zu „Ich brauche mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen“. 58% meinten, das richtig sei Druck aufzubauen, damit Elsevier einlenkt. Dies war gleichzeitig die Option mit den wenigsten Gegenstimmen (5%). Das Unterbrechen der Verhandlungen war aber keine mehrheitsfähige Option, denn 55% stimmten zu, dass „No Deal is No Option – Die Verhandlungen so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden sollten“. 46% unterfütterten diese Einstellung noch mit dem starken Argument, dass der fehlende Zugriff „ein gravierender Wettbewerbsnachteil“ sei. Nur oder immerhin der Sechste war aber gegen die Wiederaufnahme von Verhandlungen und gleichviele sahen keinen Wettbewerbsnachteil. 43% stimmten der Aussage zu, dass „Elsevier als profitorientiertes Unternehmen der Wissenschaft nur schaden würde“ – dies war gleichzeitig die Option mit den zweitwenigsten Gegenstimmen. Nur jeder neunte(!) Wissenschaftler meinte, dass Elsevier der Wissenschaft nicht schaden würde. Die Frage wäre hier zu stellen, ob es sich hierbei um eine ambivalente Einstellung vieler Forscher handelte oder ob es zwei deutlich zu unterscheidende Lager gab.

Eine besonders große Ambivalenz löste die folgende Feststellung aus: „Verzichten Sie darauf, (weiter) für Elsevier-Zeitschriften zu schreiben bzw. für diese Artikel zu reviewen?“ Mehr als ein Viertel aller Antwortenden (29%) stimmten dem zu, zugleich wurde bei dieser Antwortoption die mit größte Ablehnung überhaupt verzeichnet. Nicht weniger als 40% wollten weiterhin für Elsevier-Zeitschriften Artikel bzw. Gutachten schreiben (hier wurde nicht zwischen den beiden differenziert). Aus persönlichen Berichten wissen wir, dass einige Wissenschaftler keinen Gutachten mehr für Elsevier schreiben, weil die Beschaffung der Artikel so frustrierend geworden ist (siehe „Ich brauche mehr Zeit, um an die Literatur zu kommen“).

Immerhin 28% meinten, man solle das Geld lieber in die Forschung investieren, das durch die abbestellten Zeitschriftenabos eingespart wird. Dies wäre nicht nur ein überaus couragierter Paradigmenwechsel sondern auch eine ziemliche Abkehr vom bisherigen Publikationswesen. In Konsequenz wären keine kommerziellen Verlage mehr nötig und/oder lebenfähig, ihre Aufgaben (die sicherlich noch bestehen blieben) müssten von anderen (nicht-kommerziellen u/o staatlichen) Akteuren übernommen werden.

Am Wenigsten (16%) wollten „wieder zu den bisherigen Abonnementsverträgen zurück, max. 3% Aufschlag pro Jahr und fertig“. Mit 17% kaum mehr Antwortende haderten mit dem HRK-Postulat und fanden „Die HRK sollte von dem Dogma „publikationsbasierte Kosten“ Abstand nehmen, damit die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden können“.

Unterschiedliche Gruppen bei den Meinungen

Mit Venn-Diagrammen wurde untersucht, ob es vielleicht unterschiedliche Gruppen bei den Wissenschaftlern gibt, die aka Verhandlungsgruppe und die aka Druckgruppe.

Wenn man sich die Wissenschaftler anschaut, die mehr Zeit für Literaturbeschaffung brauchen, Verhandlungen fordern und Wettbewerbsnachteile befürchten, so stellt man eine große Schnittmenge zwischen diesen drei Gruppen fest (Abb. oben).

Eine gleich große Schnittmenge zeigten die Antwortgruppen Es braucht Druck, Elsevier schadet und Verzicht auf Gutachten (Abb. oben), während die Schnittmenge zwischen Es braucht Druck und mehr Zeit für Literaturbeschaffung nicht so groß ist (Abb. unten).

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„Paper of the Month“ Juni 2019 geht an Dr. Marcel Trautmann aus dem Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie

Für den Monat Juni 2019 wurden Dr. Marcel Trautmann aus dem Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie, Sektion für Translationale Pathologie für die Publikation: Requirement for YAP1 signaling in myxoid liposarcoma in der Zeitschrift EMBO Molecular Medicine, 11(5).2019, p. e9889 [Volltext] ausgezeichnet.

Das myxoide Liposarkom (MLS) ist eine aggressive mesenchymale Krebserkrankung lipogener Differenzierung. Molekular zielgerichtete Therapien stehen nicht zur Verfügung. Die Mehrzahl von MLS exprimiert das Fused in Sarcoma: DNA Damage-Inducible Transcript 3 (FUS DDIT3) Fusionsprotein, welches als aberranter Transkriptionsfaktor fungiert. Die Mechanismen, durch die FUS DDIT3 die Tumorgenese von MLS treibt, sind bisher nur unvollständig verstanden.

Mittels eines genomischen RNAi-Screen konnte YAP1 in FUS-DDIT3 exprimierenden mesenchymalen Stammzellen als essentieller Effektor identifiziert werden. Immunhistochemische Analysen zeigten in MLS im Vergleich zu anderen Liposarkomtypen eine signifikant gesteigerte nukleäre YAP1 Expression. Suppression von YAP1 in MLS Zellen führte zu einer Reduktion der Zellviabilität, Zellzyklusarrest, zellulärer Seneszenz und Apoptose. Das chimäre FUS-DDIT3 Fusionsprotein stimulierte die Expression, die nukleäre Lokalisation und die transkriptionelle Aktivität von YAP1. In einem MLS Xenotransplantatmodell konnte die wachstumshemmende und pro-apoptotische Wirkung in vivo bestätigt werden.

Die detektierte YAP1 Abhängigkeit stellt Grundlage für einen rationalen Therapieansatz dar, um selektiv FUS-DDIT3 exprimierende MLS Zellen zu inhibieren. Als potentieller Biomarker kann die nukleäre Expression von YAP1 helfen, Patienten zu identifizieren, die in zukünftigen klinischen Studien von einer YAP1-gerichteten Therapie profitieren können.

Eine Liste aller bisherigen Gewinner der Paper of the Month – Auszeichnung finden Sie hier.

Der Paper of the Month – Aufsteller in der Zweigbibliothek Medizin bietet den Besuchern die Lektüre der Studie vor Ort an.

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 4. Wissen über den Wiley-Vertrag

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Kenntnis zum Wiley-Vertrag
Die dazu gestellte Frage lautete „Die HRK hat im Frühjahr mit Wiley den ersten deutschlandweiten Vertrag abgeschlossen. Er gilt für die Jahre 2019-2021. Bitte geben Sie im Folgenden an, was Ihnen über diesen Vertrag bekannt ist.“ Es waren die folgenden sechs Aussagen (in der exakten Reihenfolge!) zum Vertrag vorgegeben mit den jeweiligen Antwortmöglichkeiten: wusste ich, teils/teils, wusste ich nicht.

  1. Die Universität Münster hat den Verhandlungsauftrag für Elsevier, SpringerNature und Wiley an die HRK abgegeben. Die Bibliothek sitzt nicht mit am Verhandlungstisch. Nur 27% wussten das.
  2. Das komplette Angebot von Wiley – 1.700 Zeitschriften – steht ab Volume 1 dauerhaft zur Verfügung. Nur 22% wussten das.
  3. Ihre Publikation in einer Wiley-Zeitschrift ist automatisch und ohne Mehrkosten Open Access (weltweit frei zugänglich). Nur 14% wussten das.
  4. Statt für eine Zeitschrift eine fixe Summe zu bezahlen, bemisst sich der Preis aber nun nach der Anzahl der Publikationen der Uni Münster in der Zeitschrift. So ergeben 5 Artikel in Cell einen Preis von 5*3.451€= 17.255€ für Cell für Münster. Nur 2% wussten das.
  5. Die Preissteigerung für die Jahre 2019-2021 beträgt über alle Einrichtungen durchschnittlich 3% im Jahr. Nur 4% wussten das.
  6. Wegen der publikationsbasierten Kostenberechnung müssen aber publikationsstarke Einrichtungen u.U. mit einer Preissteigerung von 100% und mehr rechnen. Nur 4% wussten das.

     

    In der obigen Abbildung sind die sechs Aussagen nach dem Grad des Nicht-Wissens von oben nach unten gerankt. Am Wenigsten wussten die Umfrageteilnehmer Bescheid über das neue Preismodell, 91% wussten nichts über die Umstellung der Bezahlung nach Artikeln sowie die daraus resultierenden, immensen Preissteigerungen für publikationsstarke Einrichtungen. Dieses Modell stellt in der Tat nichts weniger als einen Paradigmenwechsel dar und wird sowohl von den Verlagen als auch den wissenschaftlichen Einrichtungen ambivalent (um nicht zu dagen argwöhnisch) wahrgenommen. Von den Verlagen, weil es sich um ein (fast) vollkommen neues Geschäftsmodell handelt, dessen Nachhaltigkeit und Zukunftssicherheit nicht klar ist. Von den Einrichtungen, weil es nicht das Lesen von Artikeln „bestraft“, sondern das Publizieren. Zukünftig heißt es nicht: Wer viele Zeitschriften lesen will, muss auch viel bezahlen, sondern: Wer viel publizieren will, muss viel bezahlen. Dies wird von einigen Wissenschaftlern als kontraproduktiv eingeschätzt (pers. Komm.), da die Produktion von Forschungsartikeln als Motor angesehen wird, der den Wissenschaftsbetrieb erst zum Laufen bringt.
    Dass die über alle Einrichtungen gemittelte, durchschnittliche(!) Preissteigerung nur 3% beträgt, wussten 86% nicht – aber ok, das ist Faktenwissen, das vermutlich auch viele direkt Beteiligte nicht auf dem Schirm haben.
    Verwundernswerter ist hingegen schon, dass knapp drei Viertel (74%) angaben, nichts über die Open Access-Komponente des Vertrags zu wissen. Dabei ist dies doch eine der beiden zentralen Verhandlungspunkte (der andere ist das Geschäftsmodell, s.o.), und der Treiber hinter diesem neuen Vertrag: Es soll ja nicht nur preislich kalkulierbarer sondern das Publikationsmodell soll auf Publication first (und damit Open Access first) umgedreht werden.
    Am Kenntnisse besassen die Wissenschaftler über den Verhandlungsführer, mit 27% wussten über ein Viertel, dass die Universitäten die Verhandlung an die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) abgegeben hatte. Dass die Mehrheit (57%) davon aber keine Ahnung hat, dass die Bibliotheken nicht mit am Verhandlungstisch sitzen, merkt man als Bibliothek allerdings des Öfteren, wenn man von Wissenschaftlerseite gebeten wird, Einfluss auf die Verhandlungen zu nehmen.
    Fast der Hälfte der Umfrageteilnehmer (48%) dünkte aber irgendwie, dass ein Ergebnis der Verhandlungen nur sein kann, dass alle Zeitschriften eines Verlags zur Verfügung stehen sollen: 22% wussten das fest und stattliche 26% gaben mit teils/teils an, dass ihnen so etwas schon geschwant hatte.

    Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Alter
    Die obige Abbildung zeigt das Wissen um die einzelnen Konditionen des Wiley-Vertrags nach Altergruppen. Mehrere Dinge sind hier interessant. Es sticht z.B. sofort ins Auge, dass, je älter der Umfrageteilnehmer ist, desto mehr Wissen er hat (oder angab zu haben). Dann ist die Diskrepanz zwischen den ganz jungen (20-29) und den ganz alten (>60) Wissenschaftlern auffallend groß. Während die Junior Scientists insgesamt nur 43% Kenntnisse angaben, waren dies bei den Senior Scientists 110%. Die Junior Scientists waren auch die Einzigen, die Null Ahnung bezüglich der beiden Preissteigerungs-Konditionen angaben. Hier wäre es einmal interessant zu wissen, wer in dieser Altergruppe vertreten ist (Doktoranden, Assistenzärzte, Jungprofessoren?) und wieso diese so schlecht über den Wiley-Vertrag (und vielleicht auch über das Publikationswesen als Ganzes) Bescheid wussten. Möglicherweise wird diese Altergruppe nur schlecht durch die üblichen Informationskanäle erreicht, was für die Einrichtung spezieller Schulungen für die Junior Scientists sprechen würde.

    Relativ natürlich erscheint der sukzessive Anstieg des Wissens über die Verhandlungsführung durch die HRK (rote Balken) mit dem Alter. Bei den Junior Scientists lag dieser Wert bei (kümmerlichen) 18%, stieg aber bei den etwas Älteren von 25% auf bis zu 33% bei den Senior Scientists. Schaut man sich dagegen die Kenntnisse über die Verfügbarkeit des kompletten Wiley-Bestandes an, so lag dieser zwar ebenfalls mit 12% bei den Jüngsten am Niedrigsten, und mit 18-24% bei den mittleren Altergruppen 50%-100% höher, erlebte aber bei den Senior Scientists mit 43% eine regelrechte Wissensexplosion (was allerdings auch an dem mit 21 Teilnehmern relativ kleinen Kollektiv liegen mochte).

    Eine passende Hypothese wäre also, dass mit zunehmendem Alter das Wissen um die Funktionalität des Publikationswesens auch zunimmt, da man mehr publiziert hat. Dies lässt sich leicht überprüfen, da das Publikationsverhalten der Antwortenden durch die Frage 3 bekannt ist.

    Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Publikationsverhalten
    Stellt man die Kenntnisse zum Wiley-Vertrag nach Publikationsverhalten dar, d.h. nach denjenigen, die bereits einmal Open Access publiziert bzw. die noch nicht publiziert haben, dann zeigt sich, dass das aufsummierte Wissen über den Wiley-Vertrag bei den Open Access-Autoren 78% beträgt, bei den Nicht-Autoren hingegen nur 52% (Abb. oben) – eine klare Bestätigung der obigen Hypothese.

    Weitere Beiträge und Ergebnisse

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„Paper of the Month“ Mai 2019 geht an Dr. Begemann und Dr. Galic aus dem Institut für Medizinische Physik und Biophysik

Für den Monat Mai 2019 wurden Dr. Begemann und Dr. Galic aus dem Institut für Medizinische Physik und Biophysik  für die Publikation: Mechano-chemical self-organization determines search pattern in migratory cells in der Zeitschrift Nature Physics, online 06 May 2019 [Volltext] ausgezeichnet.

Bewegung ist die Grundvoraussetzung für viele zelluläre Funktionen. Um sich fortzubewegen verwenden adhärente Zellen das Lamellipodium, eine zelluläre Struktur, welche fortlaufend auswächst und sich zurückzieht. Trotz ihrer zentralen Rolle ist zur Zeit unklar, wie die Lebensdauer dieser dynamischen Struktur bestimmt wird.

Die Studie beschreibt einen molekularen Mechanismus der langlebige Lamellipodien und somit eine gerichtete Bewegung von Zellen ermöglicht. Da die hierfür notwendige Signalkaskade sich selbst organisiert, entstehen spontan komplexe Bewegungsmuster, welche von Zellen zur Suche verwendet werden, wenn äußere Stimuli fehlen.

Die Ergebnisse erweitern das Verständnis, wie Zellen ihre Bewegung steuern. Dieses Wissen bietet innovative Ansatzpunkte für zukünftige Studien zur Immunantwort oder Metastasierung von Tumorgewebe.

Eine Liste aller bisherigen Gewinner der Paper of the Month – Auszeichnung finden Sie hier.

Der Paper of the Month – Aufsteller in der Zweigbibliothek Medizin bietet den Besuchern die Lektüre der Studie vor Ort an.

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 3. Budget und Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Budget für Open Access-Publikationen
Die Frage zu dieser Thematik lautete „Aus welchen Mitteln haben Sie bisher Ihre(n) Open Access-Artikel bezahlt?“. Es waren mehrfache Antworten möglich. Über die Hälfte aller Antwortenden (57%) bezahlte ihre Open Access-Publikationen aus dem eigenen Budget bzw. eingeworbenen Drittmitteln. 44% benutzte die Budgettöpfe der Einrichtung, an der sie tätig waren. Immerhin jeder Fünfte (20%) nahm den Publikationsfonds in Anspruch, angesichts der geringen Kenntnis ein kleines Wunder. Nur 7% bezahlten die APC aus privaten Mitteln (was auch immer das für Töpfe waren). Mehr als jede sechste Veröffentlichung war kostenfrei – entweder durch ein Waiver einer kostenpflichtigen Open Access-Zeitschrift oder durch Benutzung einer kostenfreien Open Access-Publikationsmöglichkeit (die nach einer Präsentation der ULB Münster (PDF) für die Hälfte aller Veröffentlichungen verantwortlich sind).

Das obige Venn-Diagramm zeigt die Überlappung zwischen den drei häufigsten Antworten. 33%, also genau ein Drittel, bezahlten ihre APCs alleine aus dem eigenen Budget, fast ein Viertel (23%) alleine aus dem Budget ihrer Einrichtung und immerhin 6% alleine aus dem Publikationsfonds der ULB. 29% benutzten mehr als einen Finanzierungsweg.

Budget für Open Access-Publikationen nach Alter
Kategorisiert man die für Open Access-Publikationen aufgewendete Budgettypen nach Altersgruppe (s. Abb. oben), dann zeigen sich zwei interessante Befunde: Zum einen – was nicht überraschend ist – steigt die Bezahlung durch eigene Mittel mit dem Alter von 30% bei den Jüngsten bis 47% bei der Altersgruppe 50 bis 59 (rote Balken). Lediglich bei den ältesten Forscher sank dieser Prozentsatz wieder. Eine Vermutung könnte darin liegen, dass Senior Scientists nicht mehr abhängig von Impact Faktoren oder dem Ruf einer Zeitschrift sind und auch in kleineren – kostenlosen – Zeitschriften publizieren, vielleicht, um diese zu unterstützen (s.u. für einen entsprechenden Kommentar).
In diesen kostenlosen Zeitschriften müssen auch die „Junior Scientists“ publizieren, da sie noch keinen Zugriff auf eigene Mittel haben: Mit 22% zeigte sich hier der höchste „kostenlose Publikationsquote“ von allen Altersgruppen. Diese Quote sank bis auf 7% in der zweitältesten Altersgruppe (grüne Balken).

Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften
Die obige Abbildung stellt die Ergebnisse zur Frage dar „Von welchen Faktoren war/wäre Ihre Entscheidung für ein bestimmtes Open Access-Journal abhängig?“ Es waren mehrfache Antworten möglich. Mit weitem Abstand war der Impact Faktor das massgebliche Kriterium für die Auswahl einer Open Access-Zeitschrift. 84% kreuzten diese Auswahlmöglichkeit an. Mit deutlichem Abstand folgten der Ruf der Zeitschrift (62%) und das Peer Review (49%). Die Bekanntheit des Titels war nur für etwas mehr als ein Viertel (28%) ausschlaggebend, ebenso wie – erstaunlicherweise – die Höhe der APC (27%). Unter „Sonstiges“ wurden weitere Kriterien aufgeführt: Manuskript passt fachlich zum Journal (3x), kein kommerzieller publisher, open peer review, Qualität der Artikel, keine predatory publishers wie Frontiers oder MDPI, Reichweite/Zitierhäufigkeit, Aufwertung kleinerer Journals mit kleinem Impact.

Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften nach Alter
Kategorisiert man die Auswahlkriterien für Open Access-Zeitschriften nach Altersgruppe (s. Abb. oben), dann zeigen sich zwei interessante Befunde: Zum einen – was nicht überraschend ist – bleibt der Impact Faktor über alle Alterrgruppen der bestimmende Nr.1-Grund für die Auswahl einer Open Access-Zeitschrift (rote Balken). Lediglich bei den Senior Scientists schwächte sich diese Dominanz leicht ab. Der gute Ruf einer Zeitschrift nahm im Laufe der Karriere etwas ab; während die Jungforscher noch zu 29% an dem guten Ruf einer Zeitschrift als Kriterium für eine Submission festhalten, waren dies bei den 50 bis 59-Jährigen nur noch 22% (blaue Balken). Auch hier schiessen die Oldies mit 26% etwas aus der Reihe. Summiert man den Wert für Impact Faktor und „guten Ruf“ auf, so wird der Trend deutlicher: Der addierte Wert ist bei den Junior Scientists mit 63% am Höchsten und sank mit dem Alter kontinuierlich um fast 10 Prozentpunkte auf 54% bei den Seniors ab.

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 2. Publikationsfonds

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfond der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen. Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben). Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten.

Publikationsfonds der Universitätsbibliothek
Seit 2011 gibt es einen DFG-geförderten Publikationsfonds für die WWU, der von der Universitätsbibliothek gemanaged wird. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der WWU können für Open-Access-Veröffentlichungen eine Förderung aus diesem Fonds beantragen. Die Frage lautete nun: „Der Publikationsfonds der Universitätsbibliothek erstattet unter bestimmten Voraussetzungen (Article Processing Charge kleiner gleich 2.000€, reine Open Access-Zeitschrift) die Kosten von Open Access-Artikeln. Haben Sie bereits einmal einen Antrag auf Kostenübernahme beim Publikationsfonds gestellt?“ Wie die obige Abbildung zeigt, hatte etwas mehr als jeder Fünfte (21%) bereits einmal den Publikationsfonds in Anspruch genommen, drei Viertel (75%) noch nicht und 3% wussten es nicht.

Kenntnis über Publikationsfonds
Um der Kenntnis über den Fonds genauer auf den Grund zu geben, wurde folgende Anschlussfrage gestellt: „Wodurch haben Sie vom Publikationsfonds der Universitätsbibliothek erfahren?“. Es waren mehrfache Antworten möglich. 38% der Umfrageteilnehmer hatten von Kollegen über den Publikationsfonds erfahren (Abb. oben), 21% per Email-Newsletter der Zweigbibliothek, weitere 15% haben es auf der Homepage der Bibliothek gefunden und 6% durch einen Vortrag der ZB Med (vermutlich im Rahmen der Hausbesuche vor Ort in der Einrichtung). Am überraschendsten war, dass – trotz dieser vielfältigen Werbemassnahmen – 41% und damit die Mehrheit erst durch die Umfrage davon gehört haben. Alleine damit hat die Umfrage bereits ihren Zweck erfüllt, Aufmerksamkeit nicht nur für hochschulpolitische Weichenstellungen auf dem Zeitschriftenmarkt sondern auch für ZB Med-Dienstleistungen zu erzeugen.

Das obige Venn-Diagramm ((C) 2007 – 2019 Tim Hulsen) zeigt die Überlappung zwischen den drei häufigsten Antworten (Kenntnis vor der Umfrage, Homepage und Vorträge (= Hausbesuche) der ZB Med wurden gepoolt = 20%). 27%, also über ein Viertel, hatten über den Publikationsfonds nur über ihre Kollegen erfahren. Fast genau so viele (23%) hatten den Fonds nur über die Marketingkanäle der Bibliothk (Email-Newsletter, Homepage, Hausbesuche) kennengelernt, dabei war der freitägliche Newsletter mit 12% am Erfolgreichsten, gefolgt von den Hausbesuchen mit 7% (abweichende Prozentzahlen durch Rundungsfehler).

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Umfrage zu DEAL, Elsevier und Open Access: 1. Teilnehmer und Open Access-Publikationen

Umfrage
Die Umfrage lief vom 3.-6. Juni 2019 und wurde über den Email-Wissenschaftsverteiler des Dekanats an alle wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Münster verteilt – insgesamt wohl an die 2.000 Personen. Der Fragebogen (PDF) bestand aus 14 Fragen. 416 Wissenschaftler beantworteten die Umfrage, was einen Recall von ca. 20% bedeutete. 32 Fragebögen konnten nicht in die Auswertung mit einbezogen werden, da sie unvollständig beantwortet worden waren, so dass final die Fragebögen von 384 Antwortenden in die Auswertung einbezogen wurden. Es wurde nach Publikationen in Open Access-Zeitschriften gefragt, dem Wissen über den Publikationsfonds der Universitätsbibliothek und den deutschlandweiten Wiley-Vertrag sowie den HRK-Verhandlungen mit Elsevier und seinen Auswirkungen.

Unter Open Access versteht man den freien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen im Internet. Das bedeutet, dass jeder Interessierte weltweit kostenlos auf Fachliteratur und Materialien zugreifen können soll.

Teilnehmer
Von den 384 Antwortenden waren 16% 20-29 Jahre alt, 36% 30-39 Jahre alt, 23% 40-49 Jahre alt, 20% 50-59 Jahre alt und 5% älter als 60 Jahre (Abb. oben).

Wissenschaft vs. Krankenversorgung/Lehre
Bei der letzten Umfrage wurde eine Ranking-Skala benutzt, um herauszufinden, in welchen Bereichen die Umfrageteilnehmer hauptsächlich arbeiteten. Dies erwies sich als suboptimal, so dass diesmal ein Schieberegler benutzt wurde, mit dem Wissenschaft vs. Krankenversorgung/Lehre mit bis zu 100% als Arbeitsbereiche angegeben werden konnten (bei einer maximalen Summe von 100%).

Fast zwei Drittel (64%) gaben an, zum mehr als 50% wissenschaftlich zu arbeiten, 27% zu mehr als 50% in der Krankenversorgung/Lehre. 9% arbeiteten 50:50 in den beiden Arbeitsbereichen. Diese 9% wurden zwecks Vereinfachung 50:50 auf beide Bereiche aufgeteilt, so dass am Ende 69% Wissenschaft vs. 31% Krankenversorgung/Lehre gegenüber stand. (36% gaben an, zu 100% in der Wissenschaft tätig zu sein, aber nur 2% zu 100% in der Krankenversorgung bzw. Lehre.) Die genaue Verteilung der Prozentzahlen finden Sie in der Abb. oben.

Open Access
Fast zwei Drittel (63%) gaben an, schon einmal einen Artikel als Open Access publiziert zu haben, 28% hatten dies nicht, 7% hatten dies vor und 2% wussten es nicht (Abb. oben).

Open Access per wissenschaftlicher Tätigkeit
Die naheliegende Hypothese, ob der Anteil an Teilnehmern, die schon einmal Open Access publiziert haben, mit zunehmender wissenschaftlicher Tätigkeit ansteigt, wird von der obigen Abbildung widerlegt. Es wurde der Prozentsatz der Teilnehmer in jeder der oben gebildeten arbiträren wissenschaftlichen Tätigkeitsgruppen gezählt, die schon einmal Open Access publiziert hatten. Lediglich bei der geringsten oder gar keinen wissenschaftlichen Tätigkeit wurde mit 23% ein deutlich niedrigerer Open Access-Publikationsanteil (OAP) verzeichnet. Bei alle anderen Tätigkeitsanteilen lag der OAP in einem engen Spektrum von 71% ± 11%.

Open Access per Altersgruppe
Die zweite Hypothese ist, ob der Anteil an Teilnehmern, die schon einmal Open Access publiziert haben, mit dem Alter ansteigt. Es wurde der Prozentsatz der Teilnehmer in jeder der abgefragten Altersgruppen gezählt, die schon einmal Open Access publiziert hatten. Die obige Abbildung scheint dies zu bestätigen. Es gibt eine lineare Korrelation mit dem Alter mit einem r2 von 0,92: Mit zunehmendem Alter steigt der Prozentsatz der Teilnehmer, die schon einmal Open Access publiziert haben. Dies ist allerdings kein Beweis für die Hypothese, es könnte ja auch durchaus sein (und ist sogar wahrscheinlich), dass generell die Publikationsaktivitäten mit dem Alter steigen.

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Impactitis – Wissenschaft und Pseudowettbewerbe

In einem Interview (Wie Pseudo-Wettbewerbe der Wissenschaft schaden) befragt Ina Lohaus für die Zeitschrift Forschung & Lehre den Neurogenetiker Björn Brembs (Regensburg) und Isabell Welpe, wissenschaftliche Leiterin des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung, zu den Chancen der Digitalisierung und dem Publizieren nach ‚Impact‘.

Wissenschaft als beste Möglichkeit den Herausforderungen der Menschheit (Zukunftsmobilität, Energieversorgung oder Krankheitsbekämpfung) zu begegnen, steht kontradiktorisch den Anstrengungen der Forschenden gegenüber, die sich nicht auf die wichtigen Fragen richten, sondern darauf in einem Prestigejournal zu publizieren.

Diese Fehlentwicklung hat ihren Ursprung in der Einführung von Kennzahlen-basierter Pseudowettbewerbe, und dies wiederum in dem Interesse der Öffentlichkeit an der Leistung der Forschung, also zu wissen, ob diese exzellent, innovativ, leistungsstark, effizient ist. Die Inszenierung von (künstlichen) Märkten qua Rankings und Zitationszahlen ist eben oftmals nicht geeignet Qualität zu messen. In der Forschung geht es um Erkenntnis, aber die künstlichen Märkte ziehen nach sich, dass Quantität vor Qualität geht, und so zu Aktivitäten ohne Relevanz für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft führt. Drittmittelanreizsysteme belohnen teure anstatt effektiver Experimente.

Ähnlich werden die Daten des Journal Impact Faktor (JIF) zwischen Verlagen und dem Verkäufer des JIF (Clarivate Analytics) verhandelt, und diese sind dann u.U. mathematisch falsch berechnet oder unabhängig nicht nachvollziehbar überprüfbar Seit Jahrzehnten bekannt  korreliert der JIF negativ mit der methodischen Qualität, und die Exzellenzinitiative hat die Situation noch verschärft, da in deren Zeitraum sich die Zahl der befristet angestellten Wissenschaftler um 45 Prozent erhöht, mithin die Konkurrenz in Prestigejournals zu publizieren verschärft hat.

Der Einfluß der Digitalisierung haben die wissenschaftlichen Gesellschaften verschlafen, es herrscht eher eine Modernisierungsskepsis. Es geht darum, Lernen und Lehre neu zu denken. Es entstehen, da die örtlichen, zeitlichen und finanziellen Zugangsbarrieren sinken, neue Anbieter (sog. Ed Tech Startups), und es geht darum individuelle Studienangebote statt Standardstudiengänge anzubieten, da es die aktuell nachgefragten Kompetenzen und Fähigkeiten am Arbeitsmarkt z.T. vor fünf Jahren noch gar nicht gab. Eine konzertierte Verteidigung gegen die kontra-produktive pseudo-wettbewerbliche Steuerung der Wissenschaft ist nicht zu erkennen.

Die Begutachtung in den Zeitschriften mit hohem JIF hat wenig mit Erkenntnis oder intellektueller Tiefe zu tun, sondern allenfalls mit dem Neuigkeitswert für die Zeitschrift, wohingegen die wissenschaftliche Prüfung, Diskussion und Rezeption jedoch unabdingbar sind, um Wissen zu schaffen.

Interdisziplinäre Kenntnisse werden wichtiger und Studienabläufe müssen auf individuelle Stärken und Schwächen zugeschnitten sein, so ist es sinnvoll, mehr Interdisziplinarität und Flexibilität zuzulassen, also zum Beispiel an mehreren Hochschulen in mehreren Ländern gleichzeitig zu studieren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob zukünftig Hochschulabschlüsse den Stellenwert haben wie heute, denn in den USA legen die beliebtesten Arbeitgeber zum Teil keinen Wert mehr auf solche Abschlüsse, sondern akquirieren Mitarbeiter nach konkreten Fähigkeiten und bestimmter Bildung.

Die Universität ist dem schnellen Wandel in Forschung und Lehre unterworfen, wenn man aber weiterhin so tut, als ob man Wahrheit und Erkenntnis in Universitäts-Rankings erkennen könne, so dürfte bereits das Meiste des traditionellen Selbstverständnisses der Universität verloren sein.

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„Paper of the Month“ April 2019 geht an Dr. Christoph Kittl aus der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Für den Monat April 2019 wurde Dr. Christoph Kittl aus der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie für die Publikation: Dynamic Restraints of the Medial Side of the Knee: The Semimembranosus Corner Revisited in der Zeitschrift American Journal of Sports Medicine 47(4), 2019: 863-69 [Volltext] ausgezeichnet.

 

Die statischen medialen Strukturen des Kniegelenks sind gut erforscht und hemmen dort die Valgusaufklappbarkeit. Im Gegensatz dazu sind die aktiven Stabilisatoren der medialen Seite des Kniegelenks, wie der Semimembranosus-Muskel, nur unzureichend untersucht. Deswegen war das Ziel der Studie mittels 6-Achs-Roboter die passiven und aktiven Stabilisatoren der medialen Seite des Kniegelenks genauer zu beleuchten.

Das mediale Kollateralband (Innenband) war der Hauptstabilisator der Außenrotation und der anteromedialen Rotation. Die posteromedialen Sturkturen hingegen hemmten die Innenrotation des Kniegelenks. Ähnlich dem Innenband hemmte der Semimembranosus-Muskel die Außenrotation und die anteromediale Rotation des Kniegelenks. Dies nahm mit dem Flexionsgrad des Kniegelenks und mit der Abwesenheit der passiven Stabilisatoren zu.

Die Studie zeigte, dass der Semimembranosus-Muskel einen wichtigen Beitrag zur Hemmung der Außenrotation und anteromedialen Rotation beiträgt. Bei einer distale Avulsion dieses Muskels sollte von einer schweren Verletzung der medialen Seite des Kniegelenks ausgegangen und eine Refixation in Erwägung gezogen werden.

Eine Liste aller bisherigen Gewinner der Paper of the Month – Auszeichnung finden Sie hier.

Der Paper of the Month – Aufsteller in der Zweigbibliothek Medizin bietet den Besuchern die Lektüre der Studie vor Ort an.

Foto: MFM/Christian Albiker

„Paper of the Month“ März 2019 geht an Prof. Dr. Frank Rosenbauer aus dem Institut für Molekulare Tumorbiologie

Für den Monat März 2019 wurde Prof. Dr. Frank Rosenbauer aus dem Institut für Molekulare Tumorbiologie für die Publikation: Safeguard function of PU.1 shapes the inflammatory epigenome of neutrophils in der Zeitschrift Nature Immunology. Epub ahead of print;  published online 25 März 2019 [Volltext] ausgezeichnet.

Neutrophile sind Killerzellen, die eindringende Pathogene rasch eliminieren. Allerdings sind sie von Natur aus unselektiv und können das körpereigene Gewebe nachhaltig schädigen. Um dem vorzubeugen ist es wichtig, dass eine exorbitante Entzündungsreaktion der Neutrophile vermieden wird. Interessanterweise war bis vor kurzem jedoch nicht bekannt, ob Neutrophile einen intrinsischen Rückkopplungsmechanismus besitzen, um ihre Aktivität abzuschwächen.

In der Studie wurde ein solcher Mechanismus identifiziert. Es wurden Mäuse erzeugt, denen der Transkriptionsfaktor PU.1 spezifisch in Neutrophilen fehlt und diese mit der Hefe Candia albicans infiziert. Die Experimente haben gezeigt, dass PU.1 eine doppelte Funktion in der Entzündungsreaktion von Neutrophilen ausübt: Während PU.1 die Neutrophilen zur Zerstörung von Krankheitserreger befähigt, indem es die Expression von Enzymen stimuliert, die für die Herstellung reaktiver Sauerstoffspezies benötigt werden, hemmt PU.1 die Expression etlicher Immungene, die an Aktivierung, Migration und Sekretion antimikrobieller Peptide und Zytokine beteiligt sind. Wir haben gezeigt, dass PU.1 diese Gene kontrolliert, indem es die Chromatinstruktur an cis-Enhancern beeinflusst.

Durch diesen epigenetischen Mechanismus stellt PU.1 sicher, dass die Entzündungsreaktion von Neutrophilen angemessen verläuft. Somit hilft PU.1, Schäden an körpereigenem Gewebe zu minimieren. Diese Ergebnisse könnten wichtig sein, um gegen Neutrophile gerichtete Therapien in die Behandlung bestimmter immunologischer Erkrankungen einzubeziehen.

Eine Liste aller bisherigen Gewinner der Paper of the Month – Auszeichnung finden Sie hier.

Der Paper of the Month – Aufsteller in der Zweigbibliothek Medizin bietet den Besuchern die Lektüre der Studie vor Ort an.

Foto: MFM/Christian Albiker

Externe Repetitorien im Medizinstudium sind die Ausnahme

Eine Umfrage des Deutschen Ärzteblattes zum Thema externe Repetitorien im Medizinstudium hat als Ergebnis gezeitigt, dass lediglich an 4 von allen 37 staatlichen deutschen Universitäten, an denen ein Medizinstudium möglich ist, auf die Hilfe externer Anbieter zur Prüfungsvorbereitung zurückgreifen.

Neben Gießen setzen Duisburg-Essen, Mainz und Tübingen, Gießen auch auf externe Anbieter als zusätzliches Angebot für Medizinstudierende.

Insgesamt 29 Hochschulen vertrauen auf die eigene Ausbildung zur Prüfungsvorbereitung, damit die Studierenden die Examina bestehen. Einige der Unis gaben an, dass sie es als ureigene Aufgabe der medizinischen Fakultäten ansehen, die Studierenden so auf die Examina vorzubereiten, dass diese die Examina auch bestehen.

Einige Hochschulen setzen auf zusätzliche Hilfsmittel wie Lernsoftware. Mehr als die Hälfte der befragten Hochschulen halten interne Lernangebote für Studierende bereit, um diese unter anderem in speziellen Fachgebieten zusätzlich zu schulen – oder auch auf die Examina vorzubereiten.

Originalartikel des Deutschen Ärzteblattes

 

Grafik © Deutsches Ärzteblatt

„Paper of the Month“ Januar 2019 geht an PD Dr. Stefan Orwat aus der Klinik für Kardiologie III

Für den Monat Januar 2019 wurde PD Dr. Stefan Orwat aus der Klinik für Kardiologie III für die Publikation: Utility of machine learning algorithms in assessing patients with a systemic right ventricle in der Zeitschrift European Heart Journal – Cardiovascular Imaging. Epub ahead of print;  Published online 9.Januar 2019 [Abstract]  ausgezeichnet.

Künstliche-Intelligenz-(KI)-Systeme stoßen derzeit auf ein breites Interesse im Bereich der kardiovaskulären Bildgebung. Trotz des beträchtlichen Potenzials gab es bislang aber keine Untersuchungen zu ihnen im Bereich der angeborenen Herzfehler.

Erstmals konnte der Nutzen neuartiger Deep‐Learning-(DL)‐Algorithmen bei der Diagnostik von erwachsenen Patienten mit einem angeborenen Herzfehler nachgewiesen werden. Dazu wurden 132 Patienten untersucht. Der speziell für die Ultraschallanalyse des Herzens trainierte DL‐Algorithmus erzielte mit 98 Prozent eine leicht höhere Gesamtgenauigkeit bei der Erkennung der korrekten Diagnose als die Testgruppe der spezialisierten Mediziner. Dazu wurden die Bilddaten von Patienten mit einer Transposition der großen Arterien nach einer Vorhofumkehr‐OP (atriale Switch‐Operation nach Mustard oder Senning) sowie von Patienten mit einer angeborenen korrigierten Transposition (ccTGA), bei der auch die Herzkammern seitenverkehrt angeordnet sind, und von herzgesunden Menschen herangezogen.

Die Studie illustriert das Potenzial von Algorithmen des maschinellen Lernens, die auf routinemäßigen echokardiographischen Datensätzen trainiert wurden, um die zugrunde liegende Diagnose bei komplexen angeborenen Herzerkrankungen automatisch zu erkennen. Ziel ist es nun, diese Ergebnisse in innovative Praxislösungen zu überführen.

Eine Liste aller bisherigen Gewinner der Paper of the Month – Auszeichnung finden Sie hier.

Der Paper of the Month – Aufsteller in der Zweigbibliothek Medizin bietet den Besuchern die Lektüre der Studie vor Ort an.

Foto: MFM/Christian Albiker