EXC 2060 B3-30 - Bedrohungswahrnehmungen, Zugehörigkeitsgefühle, Akzeptanz demokratischer Herrschaft: eine neue religiös konnotierte Konfliktlinie in Europa?

Projektzeitraum
-
Projektstatus
Laufend
Mittelgeber
DFG - Exzellenzcluster
Förderkennzeichen
EXC 2060/1
  • Beschreibung

    Soziale Konflikte in europäischen Gesellschaften werden in zunehmendem Maße religiös konnotiert. Gefühle der Bedrohung richten sich auf den Islam; MigrantInnen und ethnische Fremdgruppen werden durch ihre Religionszugehörigkeit definiert; marginalisierte Gruppen treten zur Verteidigung des christlichen Abendlandes an. Das hier vorzustellende Projekt nimmt sich vor, den Zusammenhang zwischen Bedrohungswahrnehmung, kollektivem Selbstverständnis und Demokratieakzeptanz in ausgewählten europäischen Ländern im Vergleich zu untersuchen. Es geht davon aus, dass die Zusammenhänge zwischen diesen drei Variablen von wirtschaftlichen, rechtlichen, politischen, aber auch von religiösen Faktoren beeinflusst sind und hat ein besonderes Interesse daran, das Zusammenspiel dieser Faktoren herauszuarbeiten und unterschiedliche, länderspezifische Zusammenhangsmuster zu identifizieren. Die empirische Grundlage des Projekts bildet eine internationale repräsentative Befragung in ausgewählten europäischen Ländern. Die Ergebnisse der Umfrage sollen von drei eng aufeinander bezogenen Teilprojekten, die gleichzeitig voneinander unterschiedene Fragestellungen verfolgen, genutzt werden. In Projekt 1 (Mitja Back, Gerald Echterhoff) geht es darum, verbreitete Gefühle der Bedrohung durch Fremdgruppen zu erfassen und Faktoren ihrer Entstehung herauszuarbeiten. Projekt 2 (Olaf Müller, Detlef Pollack) beschäftigt sich mit Vorstellungen und Gefühlen kollektiver und politischer Zugehörigkeit. Wie Bedrohungsgefühle und Zugehörigkeitsvorstellungen Einstellungen zur Akzeptanz demokratischer Herrschaft beeinflussen, ist schließlich das Thema des dritten Teilprojekts (Bernd Schlipphak). Zur Erklärung wird auf der individuellen Ebene auf Einstellungsvariablen zur relativen Deprivation, zur Chancengleichheit, zur Verteilungsgerechtigkeit, zu Freiheit und Gleichheit, zur Religiosität, zum Nationalstolz, zum sozialen Vertrauen, auf Persönlichkeitsmerkmale sowie auf sozialstrukturelle Merkmale zurückgegriffen. Die Ausprägungen und Zusammenhangsmuster von Bedrohungswahrnehmung, kollektivem Selbstverständnis und politischen Einstellungen variieren aber nicht nur individuell, sondern auch kollektiv und fallen in den europäischen Ländern, je nach Grad der religiösen Diversität und nach dominanter Konfession, nach Demokratieperformanz und Wohlstandsniveau, unterschiedlich aus. Um darüber hinaus auch die Analyse der Wahrnehmungen durch MigrantInnen in die Untersuchung einzubeziehen, wird das Projekt in Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (Ruud Koopmans) durchgeführt.
  • Personen

    Projektleitung