Organisation der Förderung

Wie kann im Kita-Alltag eine regelmäßige Förderung organisiert werden?

Für Kinder mit diagnostiziertem Förderbedarf der mathematischen Basiskompetenzen ist eine gelegenheitsorientierte Förderung im Kita-Alltag nicht ausreichend.

Vielmehr benötigen diese Kinder (zusätzlich) eine gezielte Förderung in reichhaltigen Spielsituationen mit mathematikspezifischen Inhalten und Kontexten, die auf das kindliche Kompetenzniveau abgestimmt sind. Solche Förderepisoden sollten von einer Fachkraft regelmäßig und längerfristig angeleitet werden.

Für das Gelingen sind die folgenden Rahmenbedingungen hilfreich:

  1. Unterstützung der kindlichen Spielkompetenz,
  2. von der Förderung in Einzelsettings zu der in Kleingruppensettings
  3. Gruppenmanagement der Fachkräfte
  4. Dokumentation der Förderaktivitäten im Entwicklungsplan
  • Unterstützung der kindlichen Spielkompetenz im Einzelsetting

    Beim Einsatz von Bilderbüchern und Spielen mit mathematikspezifischem Inhalt ist zu beachten, dass diese nicht nur Anforderungen an das mathematische Wissen stellen, sondern aufgrund ihrer Spielregeln auch Anforderungen an die Selbstregulation der Kinder. Sie sollten sich an die Spielregeln halten können. Auch das lernen Kinder zwischen vier und sechs Jahren. Daher bedürfen Kinder mit Förderbedarf des Öfteren auch in diesem Bereich Lernunterstützung.

    Daher sollte die Fachkraft eine spielbasierte Förderung zunächst mit den Kindern im Einzelsetting durchführen und dabei

    1. dem Kind ein Verständnis der Spielregeln vermitteln,
    2. ihm anfangs viele Erfolge und damit Freude und Stolz erleben lassen und nur wenige Misserfolge, die Frustration auslösen,
    3. Frustration bei Misserfolgen gemeinsam meistern, so dass das Kind den Spaß am Spiel behält.

    Auf diese Weise entwickeln Kinder ein hohes Interesse an den mathematikspezifischen Regelspielen (Brinck, 2014; Seeger et al., 2018; Weisberg et al., 2013).

    Diese Ziele erreicht eine Fachkraft

    • durch eine Anpassung (Vereinfachung oder Erschwerung) der Spielregeln an das Spielniveau des Kindes, so dass es Erfolge und dadurch Freude und Stolz erlebt,
    • durch die strategische Anpassung des eigenen Spielverhaltens, indem die Fachkraft so spielt, dass das Kind viele Erfolge erlebt – gerade wenn man Spiele mit Wetteifercharakter nutzt.
    • durch die Anwendung von Emotionsregulationsstrategien bei kindlichen Misserfolgen wie z.B. Trösten, neu Rahmen („ist nur ein Spiel“, „das war aber auch sehr schwer“) (Seeger & Holodynski, 2022, Kap. 11.3.4)

     

  • Von der Förderung in Einzel- zu der in Kleingruppensettings

    Gerade wenn Kinder einen mathematischen Förderbedarf und noch wenig Erfahrungen mit Regelspielen haben, sollte man mit der Förderung in einem Einzelsetting beginnen. Denn eine Eins-zu-Eins Anleitung ist am wirkungsvollsten, damit ein Kind die Spielregeln der ausgewählten Spiele verstehen und sie regelkonform und mit Freude spielen lernt, auch wenn es zuweilen einen Misserfolg erlebt.

    Erst dann ist es sinnvoll, Spielpartner mit vergleichbaren mathematischen Basiskompetenzen zu suchen und die Spiele und Bücher auch in Kleingruppensettings durchzuführen.

    Studien belegen, dass Förderungen im Einzelsetting zu größeren Lernzuwächsen führen als solche in Gruppensettings (Seeger et al., 2018; Ise et al., 2012).

  • Gruppenmanagement der Fachkräfte

    Die regelmäßige Förderung von Kindern auch im Einzelsetting lenkt den Blick auf das Gruppenmanagement der Fachkräfte. In nahezu allen Kitas befinden sich zu den Kernzeiten mindestens zwei Fachkräfte in den Gruppen und je nach Altersstruktur und Personalschlüssel mitunter zusätzlich eine Kinderpflegerin oder ein(e) Berufspraktikant(in).

    Um Kinder kontinuierlich zu unterstützen, hat sich deshalb eine Arbeitsteilung zwischen Fachkräften bewährt. Dabei wird z.B. zweimal pro Woche ein Zeitfenster von drei Stunden geblockt, in dem eine der Fachkräfte die Freispielphase in der Gruppe managt. Die andere Fachkraft spielt in dieser Zeit mit einzelnen Kindern (und ggf. mit ausgewählten Spielpartnern) die Aktivitäten, die der jeweilige Entwicklungsplan vorgibt. Da die geplanten Aktivitäten in der Regel zwischen 15 und 20 Minuten beanspruchen, kann eine Fachkraft pro Zeitblock sechs bis acht Kinder individuell unterstützen, bevor sie in den gemeinsamen Kita-Alltag zurückkehrt.

  • Dokumentation der Förderaktivitäten im Entwicklungsplan

    In der Kitapraxis hat es sich bewährt, den Entwicklungsplan für jedes der Förderkinder so abzulegen, dass er für alle Teammitglieder jederzeit verfügbar ist. So können die Förderaktivitäten auch bei einem Personalwechsel (aufgrund von Urlaub, Krankheit o. Ä.) mit dem Kind regelmäßig fortgeführt werden. Denn jede Fachkraft kann den Entwicklungsplan einsehen, welche Spiele mit welchen mathematischen Anforderungen gespielt wurden und werden.

    Hier können Sie die Vorlage für einen BIKO-Entwicklungsplan - Vorlage herunterladen.

    Beispiel für einen BIKO-Entwicklungsplan von Hanna (5;3 Jahre;Monate)
    Beispiel für einen BIKO-Entwicklungsplan von Hanna (5;3 Jahre;Monate)
    © Dorothee Seeger & Manfred Holodynski