Was ist Sprachwissenschaft?
Die Sprachwissenschaft oder Linguistik ist die wissenschaftliche Disziplin, die die menschliche Sprache erforscht. Sprache ist ein artspezifisches Kommunikationsmittel: In dieser komplexen Form kommt sie nur beim Menschen vor und ist eine grundlegende Voraussetzung für Denken, Interaktion und gesellschaftliches Zusammenleben. Es ist daher naheliegend, dass sich eine eigene Wissenschaft mit dieser zentralen Eigenschaft des Menschseins beschäftigt.
Die Untersuchung einzelner Sprachen – etwa des Deutschen – ermöglicht es, Struktur und Funktion eines spezifischen Kommunikationssystems zu verstehen und zugleich allgemeine Aussagen über Sprache als menschliche Fähigkeit zu treffen. Die Sprachwissenschaft stellt dabei grundlegende Fragen wie: Wie funktioniert Sprache? Wie ist Sprache aufgebaut?
Um diese Fragen zu beantworten, untersucht die Linguistik Sprache auf verschiedenen, eng miteinander verbundenen Ebenen. Dazu gehören die sprachlichen Laute und ihre Kombination zu Silben sowie Intonation (Phonetik und Phonologie), die Schriftsprache und Orthographie (Graphematik), der Aufbau von Wörtern aus kleineren Bedeutungseinheiten (Morphologie), der Aufbau von Sätzen und ihre grammatischen Beziehungen (Syntax), die Eigenschaften und Strukturen von Wörtern (Lexikologie) sowie die Bedeutung sprachlicher Einheiten (Semantik). Darüber hinaus untersucht die Sprachwissenschaft, wie Sprache in konkreten Kommunikationssituationen verwendet wird: die Bedeutung von Äußerungen im Kontext (Pragmatik), der Aufbau und die Funktion von Texten (Textlinguistik) sowie die Struktur von Gesprächen und Diskursen (Gesprächs-, Konversations- und Diskursanalyse).
Über diese Kerndisziplinen hinaus erforscht die Sprachwissenschaft Sprache in ihren vielfältigen gesellschaftlichen, historischen und kognitiven Zusammenhängen. Die historische Sprachwissenschaft untersucht den Sprachwandel und fragt, warum und wie sich Sprachen verändern. Die Dialektologie und Varietätenlinguistik beschäftigen sich mit regionaler und sozialer Variation von Sprache: Welche Eigenschaften haben Dialekte, wo verlaufen ihre Grenzen und wie stehen sie zueinander? Die Soziolinguistik fragt, wie Sprache je nach Alter, sozialer Herkunft, Bildung oder Geschlecht variiert, etwa im Sprachgebrauch Jugendlicher oder im Verhältnis von Sprache und Macht. Die Psycholinguistik untersucht, wie Sprache im menschlichen Geist verarbeitet wird und wie sprachliches Wissen erworben wird, zum Beispiel beim Spracherwerb von Kindern oder beim Erlernen einer Fremdsprache. Die Neurolinguistik schließlich erforscht, wie Sprache im Gehirn repräsentiert und verarbeitet wird.
Sprachwissenschaft am Germanistischen Institut
Am Germanistischen Institut wird Sprache in ihren zahlreichen Facetten erforscht und Sprachwissenschaft in der Breite gelehrt – von der Systemlinguistik über historische, variationale und kontrastive Perspektiven bis hin zu konkreten Fragestellungen der deutschen Sprache.
So beschäftigen sich Prof. Dr. Antje Dammel und ihre Arbeitsgruppen mit Sprachgeschichte, Variation und Sprachwandel, etwa im typologischen Vergleich deutscher und germanischer Sprachen, Namensforschung und Personenreferenz.
Prof. Dr. Christine Dimroth und ihr Team erforschen Erst- und Zweitspracherwerb, mit einem Schwerpunkt auf gesprochene Sprache, Grammatik und Diskursstruktur sowie sprachliche Variation im Kontext von Mehrsprachigkeit.
Prof. Dr. Ulrike Freywald und ihr Team widmen sich der Syntax und Morphologie des Deutschen, der Grammatik gesprochener Varietäten, Sprachvariation und Sprachwandel, Sprachkontakt und urbanen Varietäten des Deutschen.
Prof. Dr. Helmut Spiekermann und seine Arbeitsgruppen forschen zur Variationslinguistik, Einstellungsforschung und Sprachbiographieforschung, sowie zu Phonologie und Grammatik. Prof. Spiekermann ist außerdem Sprecher des Centrums für Niederdeutsch (CfN).
Prof. Dr. Katerina Stathi und ihr Team erforschen Lexikologie, Phraseologie, Sprachtypologie und Sprachvergleich, mit einem Fokus auf Lexikon und Grammatik, sowie sprachliche Variation und aktuelle Sprachwandelphänomene.
Weitere Forschungs- und Lehrschwerpunkte in der Abteilung sind: Jugendsprache (Nils Bahlo), Medienlinguistik (Nils Bahlo, Katharina König, Netaya Lotze), Interaktionale Linguistik und Gesprächsforschung (Katharina König, Jens Lanwer), Künstliche Intelligenz und Mensch-Maschine-Interaktion (Netaya Lotze), Orthographie (auch diachron) mit dem Schwerpunkt Interpunktion (Ilka Lemke), Computerlinguistik (Ines Rehbein), Geschichte des Niederdeutschen (Christian Fischer) und vieles mehr.
Sprachwissenschaft im Studium
Die Sprachwissenschaft ist ein zentraler Bestandteil des Studiums am Germanistischen Institut und begleitet Studierende vom Bachelor- bis zum Masterstudium. Im Bachelor erwerben Studierende grundlegende Kenntnisse darüber, wie Sprache aufgebaut ist und wie sie funktioniert, mit einem besonderen Fokus auf die deutsche Sprache. Im Master werden diese Kenntnisse vertieft und erweitert: Studierende beschäftigen sich eigenständig und forschungsnah mit aktuellen Fragestellungen der Linguistik, etwa zu Sprachvariation, Sprachwandel, Mehrsprachigkeit, Gesprächslinguistik, und entwickeln ein differenziertes Verständnis von Sprache als kognitivem, sozialem und kulturellem Phänomen.
Für Studierende, die sich intensiver mit sprachwissenschaftlichen Fragestellungen beschäftigen möchten, bietet sich der Masterstudiengang Empirische und Angewandte Sprachwissenschaft an.
Sprachwissenschaft

Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaFZ)
Arbeitsstelle Linguistische Empirie (ALE)
Die Arbeitsstelle Linguistische Empirie unterstützt Studierende und Mitarbeitende des Fachbereichs 09 Philologie bei der Durchführung empirischer Forschungsvorhaben von der Datenerhebung bis zur Analyse – für Studium, Lehre und Forschung.

Linguistisches Labor (LiLEx)

Mittelniederdeutsche Frühdrucke digital
Personen Abteilung Sprachwissenschaft