Was ist die Neuere deutsche Literatur?
Die Neuere deutsche Literatur (NdL) und ihre Wissenschaft beziehen sich literaturhistorisch auf die deutschsprachige Literatur von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Sie versteht Sprache als Medium und ästhetisches Material nicht nur zur Mitteilung von Informationen, sondern zur Gestaltung von Welt und zur reflektierenden Beobachtung kultureller Prozesse. Literarische Texte stehen stets in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Verhältnissen, historischen Umbrüchen, anderen Disziplinen und erkenntnistheoretischen Problemstellungen. Sie formulieren dazu Fragen und bieten inhaltlich wie ästhetisch-formal Antworten. Dies geschieht mittels unterschiedlicher poetischer Verfahren.
Diese untersucht die NdL und analysiert, wie literarische Texte kulturell gelesen, gedeutet und wirksam werden (Rezeptions- und Wirkungsforschung), nach erzählerischen Verfahren (Erzähltheorie), Darstellungstraditionen und -techniken (Gattungspoetik, Stilistik und Rhetorik); gefragt wird auch, wie sich Literatur zeitgenössisch zu Politik, Geschichte und sozialen Kontexten verhält (Intertextualität, Intermedialität, Diskurs- und Wissensgeschichte), etwa im Hinblick auf Geschlecht, Macht und Repräsentation (Gender Studies, Kulturwissenschaft, Semiotik), und wie sie mit anderen Medien wie Film, Theater, Hörspiel oder digitalen Formaten in Wechselwirkung steht.
Die Neuere deutsche Literaturwissenschaft am Germanistischen Institut
Am Germanistischen Institut der Universität Münster wird die Neuere deutsche Literatur in ihrer gesamten historischen, theoretischen und medialen Breite gelehrt: von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart, aus u.a. wissensgeschichtlicher, strukturalistischer oder kulturpoetischer Perspektive, am Gegenstand der Erzählliteratur, Dramatik und Lyrik, aber auch anhand von Zeitschriften, Digital-, Audio- und Filmformaten:
So vertritt Prof. Dr. Eric Achermann neben seiner Tätigkeit als Dekan des Fachbereichs 09 die Forschung zur Literatur der Frühen Neuzeit und der Aufklärung, mit einem Schwerpunkt auf Fragen nach dem Verhältnis von Literatur und Recht sowie Geschichte und Fiktion.
Prof. Dr. Moritz Baßler betreut den Masterstudiengang Kulturpoetik der Literatur und Medien und leitet das Pop-Archiv. Seine Forschungsschwerpunkte und die seines Teams liegen im Bereich der Literaturtheorie, des New Historicism und der Gegenwartsliteratur.
Prof. Dr. Andreas Blödorn leitet die Arbeitsstelle Filmforschung Münster und vertritt mit seinem Lehrstuhl einen mediensemiotischen Schwerpunkt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Narratologie und intermediales Erzählen sowie die Literatur des Realismus, ebenso wie Film und Literatur der frühen Moderne und der Gegenwart.
Prof. Dr. Antonia Eder vertritt mit ihrem Lehrstuhl die Schwerpunkte Drama, Wissensgeschichte und Geschlechtertheorie. Ihre Forschung untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Literatur und Wissen vom 18. Jahrhundert bis zur Klassischen Moderne, insbesondere im Spannungsfeld von Literatur, Recht und Semiotik sowie Mythos, Ethik und Raumsemantik.
Prof. Dr. Britta Herrmann ist Inhaberin des Lehrstuhls für das 18. und frühe 19. Jahrhundert. Sie leitet zudem die Forschungsstelle Phonopoetik, die sich der klanglichen Dimension von Literatur widmet. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in dem Verhältnis von Anthropologie, Ästhetik und Wissensgeschichte des 18. Jahrhunderts sowie Sound Studies und Radiokunst seit der Weimarer Republik.
Jun.-Prof. Dr. Joana van de Löcht vertritt schwerpunktmäßig die Literatur der Frühen Neuzeit, die Editionsphilologie und die Perspektive der Environmental Humanities. Mit ihrer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe erforscht sie die Spuren der „Kleinen Eiszeit“ in der Literatur (1570–1780) sowie das Verhältnis von Klima und Literatur.
Prof. Dr. Kai Sina hat die Lichtenberg-Professur für Neuere deutsche Literatur und Komparatistik mit dem Schwerpunkt Transatlantische Literaturgeschichte inne. Im Zentrum seiner Forschung stehen Exilliteratur, die deutsch-amerikanischen Literaturbeziehungen sowie Leben und Werk Thomas Manns.
PD Dr. Julia Bodenburg leitet die Studiobühne, eine kleine, voll ausgestattete Theaterbühne der Universität Münster, die Raum für Lehre, Forschung und künstlerische Veranstaltungen der Germanistik und der anderen philologischen Fächer bietet. Sie vertritt einen dramentheoretischen und theaterpraktischen Schwerpunkt, forscht und lehrt außerdem im Bereich Gender Studies und Diversität, Literatur und Politik und zu Moderne und Gegenwartsliteratur.
Im Bereich Neuere deutsche Literatur sind zudem folgende Schwerpunkte in Forschung und Lehre vertreten: Ästhetik und Naturphilosophie (Dr. Dennis Borghardt), Kinder- und Jugendbuchliteratur sowie populäre literarische Formen (Dr. Katharina Grabbe), Literatur der Moderne und Subjekttheorie (Dr. Jürgen Gunia), Gegenwartslyrik, das Verhältnis von Literatur und Musik sowie Annette von Droste-Hülshoff (Dr. Mirjam Springer).
Die Neuere deutsche Literaturwissenschaft im Studium
Der Bereich Neuere deutsche Literatur ist ein zentraler Bestandteil des Studiums am Germanistischen Institut. Studierende erweitern vom Bachelor- bis zum Masterstudium ihre Textkenntnisse und erwerben bzw. vertiefen grundlegende literaturwissenschaftliche Arbeitstechniken, Methoden- und Epochenwissen sowie die Kenntnis literaturwissenschaftlicher Theorien. Im forschenden Lernen erarbeiten sich Studierenden eigene Fragestellungen, Recherche- und Präsentationskompetenzen. Für Studierende, die sich intensiver mit literatur-, medien- und kulturwissenschaftlichen Themen beschäftigen möchten, bietet sich im Anschluss an den BA der Masterstudiengang Kulturpoetik der Literatur und Medien an.
Neuere deutsche Literatur

Poetikdozentur

Pop-Archiv

Arbeitsstelle Raabe-Forschung

Phonopoetik

LitLIA
