Literatur des Mittelalters

  • Was ist die Literatur des Mittelalters oder Germanistische Mediävistik?

    Gegenstand der Germanistischen Mediävistik ist die deutschsprachige Literatur des Mittelalters von den ältesten deutschsprachigen Texten aus dem 8. Jahrhundert bis zum Übergang in die Frühe Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert. In der Germanistischen Mediävistik wird ein weiter Literaturbegriff angelegt, wir interessieren uns also nicht nur für Romane, Gedichte und Heldenepen, sondern z.B. auch für religiöse Texte, Chroniken und sogar Kochbücher.

  • Literatur des Mittelalters am Germanistischen Institut

    Die Abteilung Literatur des Mittelalters an der Universität Münster ist grundsätzlich kulturwissenschaftlich ausgerichtet. Wir betrachten die deutschsprachige Literatur des Mittelalters in ihren kulturellen Kontexten und als Teil größerer kultureller Prozesse: In welchem Verhältnis steht Literatur zur Gesellschaft, die sie hervorbringt? Welche gesellschaftlichen Ordnungen werden durch literarische Entwürfe stabilisiert oder unterlaufen? Wie werden Konzepte von Identität, Geschlecht, Religion, Alter oder Bildung literarisch gestaltet und reflektiert? Wie wird Wissen in Literatur geformt?

    Als Literaturwissenschaftler:innen geht es uns aber nicht nur um das, was aus Literatur über Kultur zu erfahren ist, sondern auch um die Besonderheit, die Literatur gegenüber anderen kulturellen Produkten auszeichnet: Was macht Literatur zu Literatur? Wie funktionieren Erzählungen im Medium der Literatur? Mit welchen Techniken affizieren und aktivieren literarische Werke ihre Rezipient:innen? Warum entwickeln wir Gefühle gegenüber literarischen Figuren, obwohl sie nur aus Wörtern gemacht sind? Wie wandeln wir im Prozess des Lesens Beschreibungen in Vorstellungen um? Kann Literatur unsere Weltsicht verändern? Was sind die Voraussetzungen dafür? Solchen Fragen gehen wir in Forschung und Lehre besonders aus texttheoretischen, poetologischen und narratologischen Perspektiven nach.

    Das Team der Germanistischen Mediävistik an der Universität Münster besteht derzeit aus zwei Professorinnen mit historischen Schwerpunkten jeweils im Früh- und Hochmittelalter sowie im Spätmittelalter, zwei akademischen Oberrätinnen, einer Studienrätin im Hochschuldienst und drei Wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen in der Promotionsphase.

    Prof. Dr. Rabea Kohnen interessiert sich besonders für die Vernetzung kulturwissenschaftlicher und narratologischer Fragen mit der Arbeit an der Materialität mittelalterlicher Handschriften und frühneuzeitlicher Drucke. Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt in der mittelalterlichen Rezeption der Bibel.

    Prof. Dr. Silvia Reuvekamp beschäftigt sich in Forschung und Lehre insbesondere mit mittelalterlichen Konzepten von Kunst und Ästhetik, den Wechselbeziehungen zwischen deutschsprachiger Literatur und lateinischer Gelehrtenkultur (Philosophie, Theologie und Recht), vor allem im Bereich der Anthropologie.

    Dr. Heike Bismark interessiert sich vor allem für literarische Kleinstformen (Rätsel und Scherzfragen) und frühneuzeitliche Drucke.

    Dr. Simone Kügeler-Race widmet sich den Bereichen Komparatistik, Material Philology und Kodikologie mit einem Forschungsschwerpunkt zu Heinrich von Meissen. Sie interessiert sich besonders für interdisziplinäre Fragestellungen, die Theologie und die Rezeption spätmittelalterlicher Andachtsliteratur betreffen.

    Dr. Susanne Spreckelmeier forscht und lehrt zu den kulturhistorischen Themen Entscheiden, Gewalt und Gender sowie zur modernen Rezeption mittelalterlicher Erzähltexte. Aktuell untersucht sie, wie vormoderne Literatur von Arbeit erzählt.

    Mara Dwornik, M. A., ist gattungsübergreifend an kulturwissenschaftlichen, diskurs- und wissensgeschichtlichen und narratologischen Fragestellungen interessiert. Im Fokus stehen dabei aktuell insbesondere mittelalterliche Kurzerzählungen und das Erzählen von Begehren, Gewalt und Gerechtigkeit.

    Svenja Sophie Krause, M.A. interessiert in ihrem Blick auf mittelalterliche und frühneuzeitliche Texte die Verflechtung kulturwissenschaftlicher, narratologischer und wissensgeschichtlicher Fragestellungen, die sich unter anderem in ihrer Forschung zu vormodernen Konzeptionen von Vergessen und Gedächtnis konkretisieren.

    Christian Vincent Strunk, M.A., interessiert sich besonders für die theologisch-philosophischen Wissenshorizonte mittelalterlicher Literatur und deren sprachphilosophische Reflexion. Seine Forschung verbindet die textnahe philologische Analyse mit Fragen der historischen Poetologie, Metaphorologie und Wissensgeschichte; punktuell richtet sie den Blick auch auf die Literatur der Moderne.

  • Literatur des Mittelalters im Studium

    Ein Ziel unserer Forschung und Lehre ist es, die mittelalterliche Kultur über literarische Zugänge besser zu verstehen. Dieses Interesse teilen wir mit einer Reihe anderer Fächer, die an der Universität Münster stark vertreten sind. Die interdisziplinären Kooperationen dieser Fächer schlagen sich im Lehrangebot des forschungsorientierten Fachmasters Interdisziplinäre Mittelalterstudien (IMAS) nieder, an dem die Germanistik federführend beteiligt ist. Die Literatur des Mittelalters ist darüber in allen Bachelor-Studiengängen des Germanistischen Instituts ein integraler Bestandteil, wobei der kulturwissenschaftliche Schwerpunkt im Fokus steht. Eine Vertiefung dieser Inhalte erfolgt auch im Master of Arts Germanistik.