Kooperation mit der China University of Political Science and Law (CUPL)

CDIR-Mitarbeiter und Studierende gemeinsam mit dem DAAD-Präsidenten, Herr Prof. Dr. Joybrato Mukherjee (mitte- rechts), und dem Leiter des Pekinger DAAD-Büros, Herr Ole Engelhardt (rechts daneben).
© Chinesisch-Deutsches Instiut für Rechtswissenschaft

Chinesisch-Deutsches Institut für Rechtswissenschaft (CDIR)
Das Chinesisch-Deutsche Institut für Rechtswissenschaft (CDIR) an der China University of Political Science and Law (CUPL) in Peking wurde 2002 gemeinsam mit dem DAAD und mehreren deutschen Partneruniversitäten gegründet. Beteiligt sind die Universitäten Freiburg, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, die Ludwig-Maximilians-Universität München sowie seit 2014 auch die Universität Münster und die Humboldt-Universität zu Berlin. Ziel des Instituts ist es, den wissenschaftlichen Austausch zwischen deutscher und chinesischer Rechtswissenschaft zu fördern und gemeinsame Studien- und Forschungsprogramme zu ermöglichen. Ein zentrales Element ist das LL.M.-Programm “Deutsches Recht” in Rechtsvergleichung sowie Austauschprogramme für Studierende und Forschende beider Länder. Zur Institutswebsite

Das Institut veranstaltet regelmäßig wissenschaftliche Kurzzeitdozenturen, Tagungen und Seminare.
© Chinesisch-Deutsches Institut für Rechtswissenschaft

Im Gespräch mit:
Diego Nuñez Bosmans

Über welches Projekt sprechen wir heute?
Wir sprechen über die langjährige Kooperation zwischen der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster und der China University of Political Science and Law (CUPL) in Peking. Neben einem klassischen Studierendenaustausch ist diese Zusammenarbeit Teil eines größeren institutionellen Rahmens: Gemeinsam mit sechs weiteren deutschen Universitäten haben wir das Chinesisch-Deutsche Institut für Rechtswissenschaft gegründet. Im Rahmen dieses Instituts finden zahlreiche wissenschaftliche Aktivitäten statt, also gemeinsame Seminare, Vorträge oder Forschungsbegegnungen. Ein wichtiger Bestandteil ist zudem ein strukturiertes Studienprogramm, das chinesischen Studierenden ermöglicht, an unserer Fakultät einen Masterabschluss (LL.M.) im deutschen Recht zu erwerben.

Wer sind Sie und was ist Ihre Rolle im Projekt?
Ich arbeite seit drei Jahren als Internationalisierungsbeauftragter und Studienberater für internationale Studierende an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und betreue in dieser Funktion über 120 internationale Partnerschaften weltweit, die meisten davon in Europa. Jede Kooperation wird dabei zusätzlich von einer Professorin oder einem Professor fachlich begleitet. Im Fall der Partnerschaft mit der CUPL koordiniere ich vor allem die Austauschprogramme für Studierende sowie die organisatorischen Abläufe rund um das Masterprogramm für chinesische Studierende. Inhaltlich zuständig ist Prof. Dr. Sebastian Lohsse vom Institut für Rechtsgeschichte. 

Wie kam die Kooperation zustande?
Die Zusammenarbeit mit der China University of Political Science and Law (CUPL) besteht bereits seit mehr als 20 Jahren. Da wir seit 2006 eine aktive Zusammenarbeit mit der CUPL im Bereich des Studierendenaustauschs pflegten, erhielten wir 2014 von den Verantwortlichen des Chinesisch-Deutschen Instituts die Einladung, uns diesem anzuschließen, die wir gerne annahmen. Im Institut sind neben Münster auch die Universitäten Köln, Hamburg, Freiburg, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt. Es bildet eine feste Plattform für akademischen Austausch zwischen Deutschland und China im Bereich der Rechtswissenschaft, das ist echt außergewöhnlich und findet in dieser Form in keiner anderen unserer Partnerschaften statt.

An wen richtet sich die Kooperation?
Die Kooperation richtet sich vor allem an Studierende, aber auch an Wissenschaftler. Chinesische Studierende können über das Institut ein strukturiertes Studienprogramm absolvieren und in Münster einen Master of Laws (LL.M.) im deutschen Recht erwerben. Gleichzeitig haben Studierende aus Münster die Möglichkeit, an der CUPL Kurse zum chinesischen Recht zu besuchen und ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Gerade mit Blick auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und China ist diese Expertise sehr gefragt: Viele Unternehmen investieren in beiden Ländern, und Kenntnisse im jeweiligen Rechtssystem eröffnen hervorragende berufliche Perspektiven, zum Beispiel in internationalen Kanzleien oder Unternehmen mit Aktivitäten in China.

Was möchten Sie mit der Kooperation erreichen?
Ein zentrales Ziel ist es, Studierenden einen vertieften Einblick in unterschiedliche Rechtssysteme zu ermöglichen. Gerade der Rechtsvergleich zwischen Deutschland und China ist wissenschaftlich sehr spannend und gewinnt auch in der Praxis zunehmend an Bedeutung. Darüber hinaus fördert die Kooperation langfristige akademische Netzwerke und ermöglicht persönliche Begegnungen zwischen Studierenden und Forschenden beider Länder.

Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?
Die Zusammenarbeit umfasst mehrere Formate. Zum einen gibt es den klassischen Studierendenaustausch: In jedem Semester stehen mehrere Plätze für Studierende aus Münster an der CUPL zur Verfügung, in der Regel für ein Semester. Dort können sie sich mit dem chinesischen Rechtssystem vertraut machen und Sprachkurse besuchen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, ein vollständiges Programm über ein ganzes Jahr zu absolvieren, das neben Lehrveranstaltungen auch Sprachkurse, eine Einführung in das chinesische Recht sowie vielfältige Vernetzungsmöglichkeiten umfasst. In diesem Jahr nimmt ein Studierender aus Münster an genau diesem umfassenden Programm teil und bleibt ein ganzes Jahr an der CUPL. Das freut uns sehr, auch da diese Studierenden häufig über den Aufenthalt hinaus als Alumni mit dem Programm verbunden bleiben.
Umgekehrt studieren chinesische Studierende über das Institut etwa eineinhalb Jahre in Münster und erwerben hier einen Master of Laws (LL.M.) im deutschen Recht. Sie verfassen am Ende eine Masterarbeit und können sowohl den direkten Einstieg auf den deutschen Arbeitsmarkt als auch die Promotion anschließen. Ergänzt wird der Austausch durch wissenschaftliche Seminare, Vorträge und Möglichkeiten der Mitarbeitendenmobilität für Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, das wird allerdings deutlich weniger in Anspruch genommen. Aktuell sind drei Personen an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Münster direkt in die Kooperation eingebunden.

Was unterscheidet diese Kooperation von anderen?
Besonders ist vor allem die institutionelle Struktur – das ist purer Luxus für uns. Das Chinesisch-Deutsche Institut für Rechtswissenschaft verfügt über feste Strukturen sowohl in Deutschland als auch in China und organisiert den Austausch sehr zuverlässig. Diese institutionelle Verankerung erleichtert für uns viele organisatorische Prozesse, beispielsweise die Studienplanung, administrative Fragen oder die Betreuung der Studierenden. So kann ich zum Beispiel Herrn Stamer, den Referenten für das Institut in Deutschland jederzeit für Rückfragen erreichen, sowas ist schon eher außergewöhnlich. Wir haben außerdem mindestens zwei Mal jährlich ein Konsortialtreffen mit allen Universitäten, wo wir über den Stand des Instituts bzw. der Kooperation beraten. Die Kommunikation läuft somit auch untereinander gut.

Wie groß ist das Interesse am Studierendenaustausch?
Das Interesse ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Während früher etwa 150 Studierende an unseren Austauschprogrammen interessiert waren, sind es inzwischen über 500 Bewerbungen pro Jahr für alle Partneruniversitäten zusammen, dementsprechend kompliziert ist unser Vergabesystem. Wir merken schon, dass die CUPL regelmäßig zu den beliebtesten Wunschzielen unserer Studierenden zählt und in Sachen Beliebtheit definitiv vor allen anderen chinesischen Partneruniversitäten liegt. Die angespannte politische Lage vor Ort betrifft uns kaum. Studierende, die an die CUPL wollen, haben gute Chancen, wenn sie das Profil und die Voraussetzungen erfüllen – das kann man auf unserer Website nachlesen oder in einer Beratung mit mir besprechen.
Aber auch von Seiten der CUPL aus ist der Austausch nach Münster sehr beliebt, nicht selten nehmen wir mehr Studierende von dort auf, als das Programm eigentlich vorsieht. Das große Interesse liegt neben dem guten Ruf unseres Masterstudiengangs auch an den günstigen Konditionen: die chinesischen Studierenden kriegen garantiert immer einen Platz, bezahlen keine Studiengebühren und hatten bisher noch nie Schwierigkeiten, ein Visum zu erhalten.

Was waren wichtige Meilensteine der Zusammenarbeit?
Ein zentraler Meilenstein war definitiv die Gründung des Chinesisch-Deutschen Instituts für Rechtswissenschaft, das den Austausch dauerhaft institutionalisiert hat, auch die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten hat sich für uns als großer Vorteil erwiesen. Darüber hinaus hat sich insbesondere das LL.M.-Programm für chinesische Studierende als sehr stabil und erfolgreich etabliert. Jedes Jahr kommen ca. zwei bis drei Studierende nach Münster, um hier ihren Masterabschluss im deutschen Recht zu absolvieren.

Gab es besonders prägende Momente?
Besonders schön für mich ist die enge Beziehung zu den Studierenden. Viele der chinesischen Studierenden sind außerordentlich engagiert und sehr dankbar für die Möglichkeit, hier zu studieren. Während der Seminare, die ich betreue, merke ich auch immer wieder, wie bereichernd ihre Perspektiven für uns hier sind. Da ich auch Koordinator des Masterprogramms bin, begleite ich sie während ihres gesamten Studienverlaufs. Dabei entstehen oft sehr persönliche Begegnungen und langfristige Kontakte.
Ich selbst habe es bislang leider noch nicht geschafft, eine der zahlreichen herzlichen Einladungen nach China anzunehmen, vor allem aus Budgetgründen auf Fakultätsebene. Das hoffe ich in Zukunft nachholen zu können. Umso mehr freut es uns, dass die Rückmeldungen der chinesischen Studierenden zum Masterstudium in Münster durchweg sehr positiv sind. Dadurch genießt die Universität Münster innerhalb des Instituts inzwischen einen sehr guten Ruf.

Welche Herausforderungen gibt es in der Zusammenarbeit?
Die größte Herausforderung ist häufig die deutsche Sprache. Jura ist ein sehr sprachgebundenes Studium, und gerade die Feinheiten juristischer Argumentation sind nicht leicht zu erlernen. Viele chinesische Studierende kommen zunächst mit einem B2-Sprachniveau nach Münster und erwerben während ihres Studiums das C1-Niveau. Das ist auch eine Besonderheit des Programms, denn normalerweise wird für ein juristisches Studium direkt C1 vorausgesetzt, hier wurde die Anforderung bewusst etwas gesenkt, um den Zugang niedrigschwelliger zu gestalten.
Inhaltlich ist das akademische Niveau meist sehr hoch, aber mündliche Präsentationen oder Diskussionen können anfangs sprachlich herausfordernd sein. Umgekehrt ist die sprachliche Hürde für Studierende aus Münster an der CUPL etwas geringer, da dort auch Kurse auf Englisch und teilweise auf Deutsch angeboten werden.

Welche Perspektiven sehen Sie für die Zukunft?
Die Zusammenarbeit ist bereits sehr stabil und funktioniert durch die institutionelle Struktur des Instituts ausgesprochen gut. Perspektivisch wäre es wünschenswert, noch mehr Studierenden einen Austausch zu ermöglichen. Angesichts des großen Interesses hoffen wir, die Zahl der Austauschplätze künftig weiter ausbauen zu können. Gleichzeitig entwickelt sich das Programm auf Seiten des Instituts kontinuierlich weiter: Neben dem Austausch werden regelmäßig neue Konferenzen, Treffen und Formate organisiert. Auch im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Einladungen zu zusätzlichen Veranstaltungen außerhalb des regulären Studienprogramms, die den wissenschaftlichen Austausch weiter vertiefen.

Welche Empfehlungen würden Sie anderen für den Aufbau internationaler Kooperationen geben?
Ich weiß, dass es nicht immer möglich ist, aber wer kann, sollte über die Gründung eines Instituts nachdenken. Diese Struktur erleichtert meinen Arbeitsalltag enorm, am besten sind die Zuständigkeiten fest vertraglich geregelt, sodass Erwartungen und Kompetenzen transparent sind. Für uns hat sich außerdem herausgestellt, dass es mindestens eine Person geben sollte, die den Überblick behält und die Kooperation aktiv und gegebenenfalls eigenständig koordinieren kann.

Ich bedanke mich herzlich für das nette Gespräch.

Profilfoto von Diego Nuñez Bosmans
© Diego Nunez Bosmans

Diego Nuñez Bosmans arbeitet an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Münster und ist seit drei Jahren Internationalisierungsbeauftragter der Fakultät. In dieser Funktion koordiniert er ein weltweites Netzwerk von über 120 Partneruniversitäten und betreut gemeinsam mit den jeweiligen Professor*innen die internationalen Austauschprogramme. Darüber hinaus ist er Koordinator des Masterstudiengangs Deutsches Recht (LL.M.) und begleitet internationale Studierende während ihres Studiums in Münster. Kontakt