WWU-Citizen-Science-Wettbewerb 2020

Sieger im "WWU-Citizen-Science-Wettbewerb" stehen fest

Universität Münster baut Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft
© WWU Designservice; Pixabay, Julia Binder, Westfälische Salzwelten

Zum zweiten Mal zeichnet die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) Forschungsprojekte im Bereich Bürgerwissenschaft – auch Citizen Science genannt – aus. Die Stiftung WWU Münster fördert die drei Projekte. Dabei handelt es sich um Projekte, bei denen Hobby-Forscherinnen und -Forscher in die Vorhaben eingebunden werden. Aus 16 Projekten, die beim „WWU-Citizen-Science-Wettbewerb“ eingegangen sind, hat die Jury, bestehend aus Mitgliedern der Universität Münster, der Stadt Münster, des LWL-Museums für Naturkunde und des Stadtarchivs Dülmen, jetzt zwei Sieger gekürt: „Monitoring moderner Agroforst-Ökosysteme“ und „Kinderkuren in Westfalen“. Beide Projekte zeichnen sich der Jury zufolge durch eine starke Bürger-Einbindung, hohe gesellschaftliche Relevanz und ein innovatives Forschungsdesign aus - beide Projekte werden mit jeweils 7.500 Euro unterstützt. Zusätzlich wurde ein mit 1.000 Euro dotierter Publikumspreis für das Projekt „Peer-to-Peer-Videos im bilingualen Unterricht“ vergeben.

Die Preisverleihung wird aufgrund der Pandemie in den Sommer 2021 verschoben.


Informationen zu den Gewinner-Projekten:

Das Projekt „Monitoring moderner Agroforst-Ökosysteme“ aus dem Institut für Landschaftsökologie der WWU hat zum Ziel, ein Kooperationsnetzwerk zwischen Wissenschaft und lokalen Interessensgemeinschaften in mehreren Landkreisen in Deutschland aufzubauen, in denen Landwirte Teile ihrer Flächen zu sogenannten Agroforstsystemen umgewandelt haben. Dabei handelt es sich um einen Anbau von Gehölzen, der Synergien zwischen der ackerbaulichen Nutzung und der integrierten Gehölzbepflanzung herstellt und gleichzeitig Naturschutz-Belange berücksichtigt. Die Studierenden Julia Binder und Thomas Middelanis sind verantwortlich für das Projekt. Auf einer Forschungsreise im Sommer 2021 möchten sie einen Methodenkatalog zum ökologischen Monitoring vorstellen und diesen gemeinsam mit interessierten Akteuren weiterentwickeln, etwa mit Landwirten, Schulklassen oder Naturschutzverbänden. Das Kooperationsnetzwerk ist ein langfristig angelegtes Vorhaben, das anhand partizipativ erarbeiteter Kriterien Veränderungen in den Agroforstsystemen beobachtet und zusammenträgt.
Projektseite: http://agroforst-monitoring.de/

Ob auf Norderney, in Bad Tölz oder im westfälischen Bad Sassendorf: Wer zwischen 1940 und 1980 Kind war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit wenigstens einmal eine mehrwöchige Kinderkur absolviert. Finanziert durch öffentliche Träger, Unternehmen und karitative Verbände wurden allein in Bad Sassendorf jedes Jahr mehrere tausend Kinder untergebracht. Die Kinder sollten an Gewicht zunehmen und „aufgepäppelt“ werden. Für viele Kurkinder war der Aufenthalt mit Heimweh und Gewalterfahrungen verbunden, die bis heute nachwirken können. Im Projekt „Kinderkuren in Westfalen“ geht die Abteilung für westfälische Landesgeschichte am Historischen Seminar der WWU mit dem Museum „Westfälische Salzwelten“ der Frage nach, welche sozialen und kulturellen Praktiken den Alltag prägten und das institutionelle Leben in den Kinderkureinrichtungen in Bad Sassendorf bestimmten. Studierende und Museums-Mitarbeiter führten dazu bereits Interviews mit Betroffenen und erschlossen unterschiedliche Archivquellen. In Kooperation mit Bürgern und Betroffenen wollen sie einen digitalen Ortsrundgang erarbeiten. Mithilfe einer App soll der Kuralltag für Besucher durch die Methode des „Storytellings“ multiperspektivisch erlebbar gemacht werden, um auf den Spuren der Kurkinder Bad Sassendorf zu entdecken.

Das Projekt „Peer-to-Peer-Videos im bilingualen Unterricht“ basiert auf einer Kooperation zwischen dem Englischen Seminar der WWU und dem Arbeitskreis Bilingual des St.-Antonius Gymnasiums in Lüdinghausen. Bei den Peer-to-Peer-Videos handelt es sich um Filme, die in den zweisprachig unterrichteten Fächern Biologie und Geschichte der Mittelstufe von und für Schülerinnen und Schüler entwickelt wurden. Die Forschungsfrage des Projekts lautet: Inwieweit bieten diese Videos vielfältige fremdsprachliche, inhaltliche sowie digitale Lerngelegenheiten? Die Schüler recherchieren und strukturieren die Inhalte, um sie in Form eines Videos aufzubereiten. Die Videos werden mit den schuleigenen iPads angefertigt und auf der schulinternen Lernplattform gespeichert. Von dort können die Schüler sie im Rahmen unterschiedlicher Lerngelegenheiten nutzen. Ziel ist es, das Potenzial sowie die Erfolgsbedingungen von Peer-to-Peer-Videos für den bilingualen Sachfachunterricht herauszuarbeiten. Videovorstellung des Projekts

WWU-Citizen-Science-Wettbewerb

Der aktuelle Ausschreibungszeitraum ist beendet.

Forschung und Lehre sind für die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) kein Selbstzweck. Sie versteht sich als Motor des gesellschaftlichen Fortschritts. Das beinhaltet, all jene in die Wissenschaft einzubeziehen, für die sie gemacht ist: die Bürgerinnen und Bürger.

Die Universität Münster möchte den Stellenwert des Citizen-Science-Ansatzes innerhalb der Universität stärken, für das Citizen-Science-Potenzial in Forschungsprojekten sensibilisieren und neue Projekte anregen und schreibt deswegen bereits zum zweiten Mal den mit 15.000 Euro geförderten WWU-Citizen-Science-Wettbewerb aus.

Es können sowohl neue als auch bereits bestehende Projekte gefördert werden, bei denen WWU-Wissenschaftler*innen gemeinsam mit Bürger*innen zu einem konkreten Thema forschen. Gefördert werden zwei Arbeiten mit einer Summe von je 7.500 Euro und einer frei wählbaren Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Das Projekt muss den Citizen-Science-Kriterien der WWU entsprechen.

Bewerbung

Antragsberechtigt sind Kooperationen von WWU-Angehörigen und externen Kooperationspartnern. Angehörige können sowohl Studierende sein, sofern eine wissenschaftliche Betreuung vorliegt, als auch Wissenschaftler*innen. Externe Kooperationspartner*innen können sowohl Institutionen (wie z.B. Vereine, Verbände, Bildungseinrichtungen) als auch Privatpersonen sein.

Der Antrag muss enthalten (max. 5 Seiten):

  • Beteiligte im Projektteam,
  • wissenschaftliche Fragestellung des Projektes, ihre Umsetzung und Erläuterung der Methoden,
  • Ausprägung des Citizen-Science-Ansatzes und Form der Kooperation mit Bürger*innen,
  • Erläuterung des Mehrwertes für das Projekt durch den Citizen-Science-Ansatz,
  • Kommunikations- und Transferstrategie in die Gesellschaft, inklusive der angestrebten Publikationen und Verwertung der Ergebnisse,
  • angestrebte Laufzeit,
  • einen Finanzplan, der auch ggf. weitere Förderungen offenlegt.

Mitglieder der Citizen-Science-AG der WWU sind nicht antragsberechtigt.

Auswahlkriterien

  • erwarteter wissenschaftlicher Output,
  • Mehrwert der Bürgerbeteiligung für das konkrete Projekt,
  • Grad der Bürgerbeteiligung,
  • Relevanz für die beteiligten Bürger*innen und die Gesellschaft,
  • Konzept zur Publikation, Kommunikation und Verwertung der Ergebnisse.

Frist

Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis zum 9. Oktober 2020 als PDF-Dokument an citizen.science@wwu.de zu richten.

Abschlussbericht

Nach Projektabschluss wird ein Bericht erwartet (2-3 Seiten).

Kontakt

Bei Fragen steht Monika Koop (monika.koop@uni-muenster.de, T. 0251-83 21444) zur Verfügung.
Sie können Ihren Antrag gern vorab schicken, um eine Rückmeldung dazu zu bekommen. Bitte planen Sie dafür - vor allem gegen Ende der Frist - einige Tage Bearbeitungszeit ein.

Jury

Die Jury setzt sich zusammen aus:

  • Dr. Thomas Bartoschek (Institut für Geoinformatik, WWU Münster),
  • Dr. Thomas Bauer (Pressereferent für Forschung und Lehre sowie Alumniarbeit, UKM)
  • Dr. Wilhelm Bauhus (Arbeitsstelle Forschungstransfer, WWU Münster),
  • Dr. Ulrike Blanc (Wissenschaftsbüro, Stadt Münster),
  • Prof. Dr. Tillmann Buttschardt (Institut für Landschaftsökologie, WWU Münster),
  • Prof. Dr. Iris Dzudzek (Institut für Geographie, WWU Münster),
  • Dr. Philipp Erdmann (Stadtarchiv Münster),
  • PD Dr. Matthias Freise (Institut für Politikwissenschaft, WWU Münster),
  • PD Dr. Patricia Göbel (Institut für Geologie und Paläontologie der WWU),
  • Dr. Martin Jungwirth (Zentrum für Lehrerbildung, WWU Münster),
  • Dr. Veronika Jüttemann (Kontaktstelle Studium im Alter, WWU Münster),
  • Thomas Köhler (Villa Ten Hompel, Stadt Münster),
  • Dr. Kathrin Kottke (Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit),
  • Victoria Liesche (Exzellenzcluster Mathematik Münster, WWU Münster),
  • Dr. Jan Ole Kriegs (LWL-Museum für Naturkunde),
  • Dr. Kai Reinhart (Institut für Sportwissenschaft, WWU Münster),
  • Prof. Dr. Helene Richter (Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie, WWU Münster),
  • Dr. Stefan Sudmann (Stadtarchiv Dülmen),
  • Dr. Inga Zeisberg (MExLab ExperiMINTe, WWU Münster).

Beratende Mitglieder:

  • Petra Bölling (Stabsstelle Universitätsförderung, WWU Münster),
  • Prof. Dr. Michael Quante (Prorektor Internationales und Transfer, WWU Münster)
  • Hans-Bernd Wolberg (Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung WWU Münster).

Der Wettbewerb wird gefördert durch die Stiftung WWU Münster.