WWU-Citizen-Science-Wettbewerb 2021

Sieger im Citizen Science Wettbewerb 2021 der Stiftung WWU Münster geehrt

© WWU Münster – Thomas Mohn

Zwei Forschungsprojekte mit aktiver Bürgerbeteiligung sind mit dem Citizen-Science-Preis 2021 der Stiftung WWU ausgezeichnet worden: "Wie divers ist mein Garten? Automatisiertes Biodiversitätsmonitoring an heimischen Vogelfutterstationen" und "Gemeinwohlbarometer für das Quartier". Die Forschungsprojekte überzeugten die Jury mit ihrer Einbindung der Bürger*innen und ihrer gesellschaftlichen Relevanz. Prof. Dr. Pienie Zwitserlood vom Kuratorium der Stiftung WWU Münster sowie die Jurymitglieder und Laudatoren Prof. Dr. Tillmann Buttschardt und Jessica Oertel gaben die beiden Preisträgerprojekte bekannt. In einer Feierstunde im April 2022 im Schloss nahmen die Sieger die mit jeweils 7.500 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Die Gäste der Festveranstaltung erhielten Einblicke in den Forschungsalltag von Bürgerwissenschaftlern; unter anderem stellten die Vertreter der Preisträgerprojekte ihre Arbeit in kurzen Videobeiträgen vor.


 

Informationen zu den Gewinner-Projekten:


 

© Simon Jöcker

Wie divers ist mein Garten?

Im Projekt “Wie divers ist mein Garten? - Automatisiertes Biodiversitätsmonitoring an heimischen Vogelfutterstationen” stellen Bürger*innen in ihren Privatgärten smarte Futterstationen auf, die mit verschiedenen Sensoren wie einer Kamera, Waage und Mikrofon, aber auch Umweltsensoren (z.B. Thermometer) ausgestattet sind. Mit Hilfe der Sensoren nehmen die Stationen Daten auf sobald sie von einem Vogel besucht werden und bestimmen dessen Art. Die entsprechenden Daten werden auf einer Website transparent für jede interessierte Person dargestellt und ermöglichen somit die Beantwortung einer Vielzahl von Forschungsfragen. 

In einem ersten Workshop bauen Bürger*innen gemeinsam mit den Projektinitiatoren Stationen zusammen, die anschließend in den eigenen Gärten aufgebaut werden, um dort das Artenvorkommen und Umweltfaktoren zu beobachten. Die gesammelten Daten werden später in einem zweiten Workshop gemeinsam von Bürger*innen und Expert*innen ausgewertet, um selbst gewählte Fragestellungen zu beantworten und die Station im co-kreativen Format weiterzuentwickeln. Gewonnene Erkenntnisse können dann unter anderem zur vogelfreundlichen und biodiversitätsfördernden Gartengestaltung genutzt werden. Das automatisierte Monitoring der Diversität im eigenen Garten kann somit einen Beitrag leisten, um gegen das Artensterben vorzugehen.  

Weitere Informationen zum Projekt: https://wiediversistmeingarten.org/

Hier finden Sie einen Film zur smarten Futterstation: https://vimeo.com/693248561/8fff965013

 


 

© Simon Jöcker

Ein Kompass für das Quartier: Das Gemeinwohlbarometer im Hansaviertel

Vor dem Hintergrund vielfältiger Krisen des menschlichen Zusammenlebens (Gesundheit, Klima, Soziales) fällt dem gesellschaftlichen Gemeinwohl heute wieder stärkere Bedeutung zu. Auch im Bereich der Stadtentwicklung und -planung wird (wieder) vermehrt Bezug auf das Gemeinwohl genommen (vgl. Neue Leipzig Charta 2020). Gemeinsam mit dem Hansaforum, einem Zusammenschluss von aktiven Bürger:innen, die gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung im Hafen- und Hansaviertel vorantreiben, erarbeiteten Mitarbeiter:innen der AG Raumplanung & Nachhaltigkeit am Institut für Geographie der WWU die Idee für das Citizen-Science-Projekt. Ziel ist es, über einen

„Gemeinwohlbarometer“ den Zustand des Gemeinwohls erstmals auf Quartiersebene der Stadt Münster sichtbar zu machen. Aufbauend auf dem vom Hansaforum partizipativ erarbeiteten Quartier-Gemeinwohl-Index soll der noch immer abstrakte Begriff des Gemeinwohls für Bürger:innen verständlich, greifbar und anwendbar gemacht werden. Sie sollen in die Lage versetzt werden, eigene Einschätzungen über das aktuelle Befinden des

Gemeinwohls im Quartier treffen zu können und damit das Gemeinwohl im Quartier sichtbar zu machen. In dieser Form kann das Barometer der Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik helfen, dass bei zukünftigen (planerischen) Vorhaben der Beitrag zum Gemeinwohl im Vordergrund steht. Es ist der Anspruch des Vorhabens, das Gemeinwohlbarometer auch für andere Quartiere und zivilgesellschaftliche Initiativen nutzbar zu machen.

Wissenschaftliche Arbeiten zum Gemeinwohl reichen lange zurück. Problematisch war in der Vergangenheit, dass sich die Inhalte des Gemeinwohls einer rein akademischwissenschaftlichen Betrachtung entzogen haben, weil sie individuell und kollektiv sowie räumlich und zeitlich stark variieren. Nur die enge Verzahnung von Wissenschaft und Zivilgesellschaft kann hier gemeinsam substanzielles (lokales) Wissen generieren, indem über die Citizens ein Zugang im und zum Quartier eröffnet wird. Das Gemeinwohlbarometer soll noch in diesem Jahr im Hansaviertel entwickelt werden.

Weitere Informationen zum Projekt: https://hansaforum-muenster.de/gemeinwohl-barometer/

Hier finden Sie einen Film zum Gemeinwohlbarometer: https://vimeo.com/694325962/4d65766c