Studienprogramm der Graduiertenschule im Sommersemester 2014

Vertiefungsseminar: Hans Blumenberg, Die Legitimität der Neuzeit (Lektürekurs)

Klaus Große Kracht

Termin: dienstags, 14-16 Uhr, Beginn: 8. April 2014, Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters, Johannisstraße 4, Raum JO 102

Der Philosoph Hans Blumenberg (1920-1996), der nach Stationen in Hamburg und Bochum von 1970 bis zu seiner Emeritierung 1985 an der Universität Münster lehrte, hat mit seinem zunächst 1966 sowie in zweiter Auflage 1983-1985 erschienenen Hauptwerk "Die Legitimität der Neuzeit" die geistesgeschichtlich argumentierende Säkularisierungsdebatte entscheidend geprägt. In kritischer Absetzung von Carl Schmitt und Karl Löwith bestreitet Blumenberg die geschichtsphilosophische These vom Fortwirken vormoderner theologischer Deutungsmuster in den Fortschrittsnarrativen der Moderne und behauptet statt dessen die "Selbstbehauptung" der Neuzeit in antithetischer Bezugnahme zum spätmittelalterlichen Denken. Blumenberg hat damit einen gewichtigen Beitrag zur Theorie historischer Periodisierung sowie zur Theorie der Neuzeit und Moderne vorgelegt, den wir vor dem Hintergrund heutiger Debatten zu Moderne und Säkularisierung einer kritischen Relektüre unterziehen wollen. Als Textgrundlage soll uns die  "erneuerte Ausgabe" in der Reihe "suhrkamp taschenbuch wissenschaft" (Nr. 1268) dienen (Frankfurt 1996 oder später).


Vertiefungsseminar: Ritualtheorien und die Religionen der Antike

Rüdiger Schmitt

Termin: dienstags, 16-18 Uhr, Beginn: 8. April 2014, Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters, Johannisstraße 4, Raum JO 102

Die Frage nach der Funktion und Bedeutung von Ritualen in der Antike ist für viele "Klassiker" der Religionswissenschaft Ausgangspunkt für die Theoriebildung gewesen, die auch z.T. heute noch Grundlage der aktuellen Diskussion sind. Das Seminar möchte sowohl in die Klassiker der Theoriebildung (u.a. E.B. Tylor, J.G. Frazer, W.R. Smith, M. Weber) als auch in die modernere Diskussion (u.a W. Burkert, J.Z. Smith, F. Graf) einführen und die Theoriebildung im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit kritisch hinterfragen.
Zentrale Themen sind hier u.a. das Verhältnis von Mythos und Ritual, Magie und Religion sowie die "Sündenbock"-Theorie (R. Girard)  Als Arbeitsgrundlage wird es einen Reader mit den zu diskutierenden Texten geben.


Vertiefungsseminar: Forschungswerkstatt

Christel Gärtner

Termin: dienstags, 14-tägig, 14-18 Uhr, Beginn: 15. April 2014

Das Vertiefungsseminar soll in Form einer Fallwerkstatt durchgeführt werden. Im Mittelpunkt steht die Auswertung von Daten- und Quellenmaterial. Grundlage der gemeinsamen Interpretationen sind Protokolle und Texte aus den eigenen Doktorarbeiten: narrative und biographische Interviews, Experteninterviews, Gruppendiskussionen, Protokolle aus teilnehmender Beobachtung, Genogramme, Quellentexte, Dokumente, Film- oder Bildmaterial. Anhand des Materials werden sowohl methodische Fragen der Datenerhebung und -auswertung als auch forschungspraktische Probleme behandelt.

Die Fallwerkstatt wird 14-tägig von 14-18 Uhr stattfinden.