Abteilung für Westfälische Landesgeschichte am Historischen Seminar

Die landesgeschichtliche Forschung ist am Historischen Seminar der Universität Münster seit 1961 mit einer Professur vertreten, die 1965 zu einer eigenen Abteilung für Westfälische Landesgeschichte mit einem Lehrstuhl ausgebaut wurde. Lehrstuhlinhaber ist seit 2004 Werner Freitag, seine Vorgänger waren Peter Johanek (1985-2002), Heinz Stoob (1964-1985) sowie Albert K. Hömberg (1961-1963). Neben den traditionellen Schwerpunkten der Abteilung in der mittelalterlichen Geschichte Westfalens widmen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Westfalen und anderen Regionen in der Frühen Neuzeit und der Moderne.

Eng verbunden ist die Abteilung mit dem Institut für vergleichende Städtegeschichte, das seit 1970 der europäischen Städteforschung innerhalb des deutschsprachigen Raums einen institutionellen Rahmen bietet. Da Landesgeschichte als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft seit jeher eine Servicefunktion für die außeruniversitäre Öffentlichkeit einnimmt, verbindet die Schnittstelle Geschichte & Beruf an der Abteilung eine landeshistorisch ausgerichtete Public History mit der Berufsorientierung für Studierende.

Besuch im Landesarchiv

Studierende erkunden Osnabrücker Geschichte

Im Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Übung mit Dozent Dr. Karsten Igel (3.v.l.) und Gastgeberin Dr. Isabelle Guerreau (4.v.r.).
Landesarchiv Osnabru _ck Igel
© Leonhard Plitt

Bachelor- und Master-Studierende der WWU Münster besuchten im Januar 2018 das Landesarchiv Niedersachsen am Standort Osnabrück. Die Exkursion fand im Rahmen der Übung "Die Grundherrschaft als wirtschaftliche und herrschaftliche Basis des Osnabrücker Bischofs und Domkapitels" unter Begleitung von Dr. Karsten Igel statt. Empfangen wurde die Gruppe von Archivarin Dr. Isabelle Guerreau, welche im Anschluss an eine Führung vielfältige mittelalterliche Urkunden und weitere Quellen aus den Beständen präsentierte. Unter anderem kamen die Teilnehmenden hier mit jenen Originaldokumenten der kirchlichen Buchführung in Kontakt, die zuvor bereits ausführlich als Scan oder Edition im Seminar behandelt wurden. Gekrönt wurde der Ausflug durch einen Besuch des historischen Stadtzentrums von Osnabrück und einer Besichtigung des Doms.

Schreibseminar mit Studierenden

Wie kam Luther in die Dörfer?

Im Bild: Die studentischen Autorinnen und Autoren mit Gisbert Strotdrees (links) und Werner Freitag (rechts).
Wisleb Le _mann Wochenblatt Kl
© WWU/Peter Leßmann

Das Jubiläum "500 Jahre Reformation" hat eine Fülle an Ausstellungen, Buchpublikationen und Gedenkveranstaltungen hervorgebracht. Eine Frage wird aber eher selten gestellt: Was passierte damals eigentlich in den Dörfern – zum Beispiel in Westfalen? Wo und wie setzte sich auf dem Land die „neue Lehre“ Luthers durch? Hatte die Reformation in den Dörfern Bestand?

Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt einer Artikelserie, die das Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben von dieser Woche an publiziert. Das Besondere: Die Beiträge wurden von Studierenden der Universität Münster im Rahmen eines historischen Praxisseminars recherchiert und verfasst. Das Seminar wurde von Prof. Dr. Werner Freitag (Abt. für Landesgeschichte) sowie Gisbert Strotdrees (Wochenblatt) durchgeführt. In der Lehrveranstaltung haben die Studierenden ungewöhnliche, wenig bekannte Funde aufbereitet. Hier finden Sie die vollständige Pressemitteilung des Wochenblatts.

Die Autoren und Ihre Dorfprojekte werden in den kommenden Wochen auf dieser Seite bekanntgegeben:
Heft 43/2017: Gisbert Strotdrees - Luther auf dem Land
Heft 44/2017: Felix Timmer - Bruder Göbel versteht die Welt nicht mehr
Heft 45/2017: Dennis Poschmann - Den Pastoren auf den Zahn gefühlt
Heft 46/2017: Leonhard Plitt - Achterbahn der Bekenntnisse
Heft 47/2017: Simon Kisse - Konkubinen, Mägde und Geliebte
Heft 48/2017: Aileen Nowack - Armut, Trank und Tratsch
Heft 49/2017: Alexander Spahn - In bischöflicher Haft
Heft 50/2017: Anne Schmidt - Für die Armen im Dorf gestiftet
Heft 01/2018: Annina Metz - "Wenn Leib und Seel' verschmachten"
Heft 02/2018: Johannes Hitzegrad - Bischof gegen Edelherren
Heft 03/2018: Florian Probst - Vom Wandel an der Weser

In Ihrer Dezember-Ausgabe berichtet auch die WWU-Zeitung "wissen.leben" unter der Überschrift "Studierende erforschen 'Reformation auf dem Land' - Praxisseminar schlägt eine Brücke zwischen Wissenschaft und Journalismus" von unserem Projekt. Im Bericht (S. 8) finden sich spannende Einblicke in den Seminaralltag und Hintergründe zum Entstehungsprozess der Wochenblatt-Beiträge. Zudem sind die ersten drei Artikel (Timmer, Poschmann, Plitt) in einer Kurzfassung abgedruckt worden.

Artikel aus der Landesgeschichte veröffentlicht

Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 2017

Cover Dortmund Mark
© Klartext Verlag

In den diesjährigen "Beiträgen zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark (Bd. 108)" finden sich gleich zwei Veröffentlichungen aus den Reihen der Abteilung für Westfälische Landesgeschichte: André Biederbeck untersucht zum einen "Sozialistische Selbstverortung und umkämpfte Stadträume. Die Maifeiern und Gewerkschaftsfeste in Dortmund 1890 –1914". Zum anderen präsentiert Heye Bookmeyer seine Forschungsergebnisse unter dem Titel "Die Entwicklung der Daseinsvorsorge im Industriedorf. Zur Entstehung von kommunalen Versorgungsbetrieben am Beispiel der Gemeinden des Amtes Lütgendortmund".

Neuerscheinung

Beiträge zur Geschichte der Reformation in Westfalen

Cover Reformation 1
© Aschendorff

Der Sammelband "Beiträge zur Geschichte der Reformation in Westfalen. Band 1: 'Langes' 15. Jahrhundert, Übergänge und Zäsuren" ist kürzlich erschienen und wurde von Prof. Dr. Werner Freitag und Prof. Dr. Wilfried Reininghaus herausgegeben. Veröffentlicht wurde das Werk als Teil der Veröffentlichungsreihe der Historischen Komission für Westfalen und entstand auf der Tagung der Komission im Jahr 2015.

Im Mittelpunkt der ersten Tagung standen dabei die Voraussetzungen und Vorbedingungen der Reformation, während sich die Folgetagung insbesondere den Auswirkungen und Folgen der Reformationszeit widmete. Die Beiträge der ersten Sektion behandeln unter der Überschrift „Krise und Reform“ die Bursfelder Kongregation, den Streit um das Herforder Fraterhaus und die Blomberger Wallfahrt. Unter dem Titel „Übergänge zur Reformation“ behandelt die zweite Sektion den Adel als Kirchenherrn, die reformatorische Kritik an der Volksfrömmigkeit, das Verhältnis von Humanismus und Buchdruck sowie die Chöre des 15./16. Jahrhunderts. Die abschließende Sektion „Die Reformation als Zäsur“ vereint Beiträge zur Stadtreformation im Spiegel ihrer Thesenreihen, Rat und Bürgerschaft als Akteure der Stadtreformation, die Einführung der Reformation in der Grafschaft Tecklenburg und das Schulwesen in der konfessionellen Umbruchszeit.

Neuerscheinung

Die Herren von Hörde

B28 Jaspers
© Aschendorff

Katrin Jaspers legt unter dem Titel "Die Herren von Hörde. Eine westfälische Ministerialenfamilie des 13. Jahrhunderts im Spiegel der urkundlichen Überlieferung" eine neue Arbeit in der Reihe "Westfalen in der Vormoderne" vor.

Im Zuge der Gestaltung des Phönix-Sees auf dem ehemaligen Gelände des Stahlwerks Phönix-Ost im Dortmunder Stadtteil Hörde wurden archäologische Ausgrabungen bei der als Verwaltungsgebäude des Werks genutzten Burg Hörde durchgeführt. Archäologische Quellen belegen eine erste Besiedlung der Burg zum Ende des 12. Jahrhunderts. Für das Jahr 1198 ist erstmals ein gewisser Albertus de Hurde urkundlich belegt. Im Mittelpunkt der hier vorliegenden Untersuchung steht die Frage nach dem sozialen und politischen Werdegang der Familie von Hörde. Es wurden alle verfügbaren Daten zu den Familienmitgliedern und zu weiteren in den Urkunden genannten Personen in Datenbanken gesammelt. Auf diese Weise konnten familienübergreifende, wirtschaftliche und feudale Netzwerke erfasst und eine prosopographisch-statistische Analyse des sozialen Umfelds der Familie durchgeführt werden. Basierend auf den Datenbanken wurden zudem Regesten, Siegelbeschreibungen und Verbreitungskarten erstellt. Ein Aufstieg der Familie aus der Ministerialität zum Niederadel lässt sich mit diesen Daten belegen.

Ausgezeichneter Student

Masterarbeit von Tobias Welbers gewinnt Gustav-Engel-Preis

Mit dem Gustav-Engel-Preis 2017 wurde Tobias Welbers ausgezeichnet, der in diesem Jahr sein Studium der Geschichte und Musikpädagogik an der Universität Münster beendete. Die Masterarbeit unter dem Titel "Koexistenz von humanistischer Reform und evangelischer Reformation am Beispiel Bielefelds 1533-1609" konnte die Fachjury überzeugen. Betreut wurde die Arbeit durch Prof. Dr. Werner Freitag (Westfälische Landesgeschichte) und Prof. Dr. Matthias Pohlig (Frühe Neuzeit).

Der Preis wurde im Rahmen einer Feierstunde verliehen, die am 25. November 2017 im Großen Saal des Neuen Rathauses zu Bielefeld stattfand. Das Grußwort sprach Elmar Brok, MdEP.

Wir gratulieren Herrn Welbers und wünschen ihm alles Gute für seinen weiteren Lebensweg!

Ausstellung und Neuerscheinung

Projekt zum Reformationsjubiläum in Lippe

Plakat Grf
© Hexenbürgermeisterhaus

Anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 widmen sich drei Ausstellungen in der Region Lippe der Reformation und ihren Folgen. Für die Abteilung für westfälische Landesgeschichte war Dr. Lena Krull an der Konzeption und Umsetzung der Ausstellung „Glaube, Recht & Freiheit. Lutheraner und Reformierte in Lippe“ beteiligt, die vom 27. August 2017 bis 7. Januar 2018 im Museum Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo zu sehen ist.

Im Fokus stehen gleich zwei Daten: Der Beginn der Reformation 1517, besonders aber der 1617 abgeschlossene Vertrag von Röhrentrup. Er legte fest, wie Lutheraner und Reformierte in Lippe zusammenlebten und wirkte bis ins 19. Jahrhundert. Parallel erscheint ein Aufsatzband mit 23 Beiträgen zum Thema. Flyer zur Ausstellung.

Besuch im Kreisarchiv Warendorf
Studierende im Kreisarchiv Warendorf. Mit dabei: Constanze Sieger (hinten, 4. v.l.), Werner Freitag (hinten 5. v.l.) und Gastgeberin Victoria Wegener (hinten 6. v.l.).
Kreisarchiv Waf Gruppe
© Westf. Landesgeschichte - Leonhard Plitt

Master-Studierende der Westfälischen Landesgeschichte besuchten am 10. Mai das Kreisarchiv Warendorf unter Begleitung von Prof. Dr. Werner Freitag und Constanze Sieger. Im Rahmen des Oberseminars „Staatliche Vorgaben und dörfliches Entscheiden - Modernisierungsprozesse in den westfälischen Landgemeinden um 1900“ erhielten die Gäste durch Archivarin Victoria Wegener einen Einblick in die Arbeit des Kreisarchivs, welches die Bestände beinahe aller Kommunen des Kreises Warendorf bündelt und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Für die angehenden Forscherinnen und Forscher bildete der Besuch den Auftakt für eigene Archivrecherchen, da im Verlauf des Seminars zahlreiche Fallstudien die Entscheidungsprozesse dörflicher Verwaltungen beleuchten sollen. Das Stöbern in den durch das Kreisarchiv exemplarisch bereitgelegten Akten förderte bereits spannende Lesefrüchte zutage.

Buchtipp

„Westfälische Erinnerungsorte“ entstand aus Projektseminar

Buchcover Erinnerungsorte Neu
© LWL

Was haben Pumpernickel, Porta Westfalica und Ruhrbergbau gemeinsam? Was verbindet den Sachsenherzog Widukind, Fürstin Pauline und Clemens August Graf von Galen? Sie alle gelten als westfälische Erinnerungsorte. Die gleichnamige Publikation gibt anhand von 42 Erinnerungsorten Einblicke in die Geschichte der Region. Auf diese Weise entsteht ein facettenreiches und eng verwobenes, aber auch widersprüchliches Bild dessen, was Westfalen ausmacht. Der Band entstand aus zwei Projektseminaren unter der Leitung von Lena Krull und wurde mit dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte realisiert; im Dezember 2016 wurde er öffentlich vorgestellt. Ein Twitterprojekt @WestfErinn_orte stellte ausgewählte Beiträge vor. Weitere Informationen zur Projektkonzeption.