Wissenschaft und Weltanschauung. Wie politisch dürfen Historiker*innen sein?
organisiert von Sarah Albiez-Wieck, Hans Beck, Carla Meyer-Schlenkrich und Holger Thünemann.
organisiert von Sarah Albiez-Wieck, Hans Beck, Carla Meyer-Schlenkrich und Holger Thünemann.
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Andreas Frings (Mainz), Crossover Clio: Geschichtswissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung
Geschichtswissenschaft ist in erster Linie eine empirisch-analytische Auseinandersetzung mit menschlichem Handeln in der Vergangenheit. Eine systematische Auseinandersetzung mit den normativen Grundlagen und Implikationen dieses Arbeitens hat bisher kaum stattgefunden. In unserer eigenen Gegenwart wird das zum Problem, denn Wissenschaft sieht sich zunehmend gesellschaftlicher Kritik und Misstrauen ausgesetzt – und zugleich gerät auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Voraussetzung einer freien geschichtswissenschaftlichen Forschung ist, unter Druck. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und Initiativen diskutiert Andreas Frings an diesem Abend die Möglichkeiten und die Grenzen einer gesellschaftlich engagierten Geschichtswissenschaft.
Geschichtswissenschaft ist in erster Linie eine empirisch-analytische Auseinandersetzung mit menschlichem Handeln in der Vergangenheit. Eine systematische Auseinandersetzung mit den normativen Grundlagen und Implikationen dieses Arbeitens hat bisher kaum stattgefunden. In unserer eigenen Gegenwart wird das zum Problem, denn Wissenschaft sieht sich zunehmend gesellschaftlicher Kritik und Misstrauen ausgesetzt – und zugleich gerät auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Voraussetzung einer freien geschichtswissenschaftlichen Forschung ist, unter Druck. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und Initiativen diskutiert Andreas Frings an diesem Abend die Möglichkeiten und die Grenzen einer gesellschaftlich engagierten Geschichtswissenschaft.
Jens-Christian Wagner (Weimar), Wie politisch darf oder soll Geschichtswissenschaft sein?
Weltweit stehen die liberalen Demokratien unter Druck. Autokratische Regierungen und Bewegungen streben nach kultureller und politischer Hegemonie, und dabei spielt die Instrumentalisierung der Geschichte eine zentrale Rolle. Wie sollte sich die Geschichtswissenschaft dazu positionieren? Jens-Christian Wagner plädiert für eine engagierte Wissenschaft, die sich gegenüber demokratiefeindlichen Bestrebungen ganz bewusst nicht neutral verhält, sondern für Weltoffenheit und Menschenrechte eintritt, das aber nicht aktionistisch, sondern mit analytisch klarem Blick und immer wissenschaftlich fundiert abwägend.
Cordelia Heß (Aarhus), „Nothing about us without us“? Mittelalterforschung, Parteilichkeit und postkoloniale Studien in Grönland und dem Nordatlantik
Grönland gehört zu den Regionen, in denen vormoderne koloniale Prozesse die Grundlagen moderner kolonialer Herrschaftsverhältnisse gelegt haben. Gleichwohl tut sich die Mittelalterforschung, insbesondere in Deutschland, schwer mit politischen Stellungnahmen und Fragen der Parteilichkeit, wie sie in anderen postkolonialen Forschungsfeldern selbstverständlich verhandelt werden. Der Vortrag will die Ursachen dieser Zurückhaltung kritisch analysieren: das Verhältnis von Zentrum und Peripherie im „europäischen Mittelalter“, die Konstruktion wissenschaftlicher Neutralität sowie die Frage, wie die Forderung „Nothing about us without us“ im nordatlantischen Kontext eingelöst werden kann, ohne dabei problematische ethnische Kontinuitäten zu postulieren.