Mitarbeiter des IStG identifiziert das seit über 100 Jahren verschollene „Banner von Péronne“

Banner Von Peronne
© D. Stracke

Als ein Bibliotheksbenutzer im IStG das Foto von einer gestickten Belagerungsszene vorlegte und um Rat fragte, war für Dr. Daniel Stracke klar, dass es sich dabei um ein außergewöhnliches Stück handelte. Doch war ungewiss, welche Stadt und welches Ereignis hier in Seide mit Gold- und Silberfäden dargestellt waren. Dies war der Anfang von langwierigen Recherchen in die Geschichte und Überlieferung der faszinierenden Vogelschauansicht mit ihren detailreichen Szenen, die schließlich zur Identifizierung der Stadt führten: Es handelt sich um Péronne in der Picardie. Die Stadt mit ihrer strategischen Lage an der Somme wurde im Jahr 1536 von Kaiser Karl V. im Konflikt mit seinem Rivalen, dem französischen König Franz I., belagert.

Das „Banner“ war nach dem Sieg von 1536 angefertigt worden, um bei einer Dankprozession getragen zu werden. Mit der Darstellung des bedeutenden Ereignisses und der heldenhaften Bürgerin Marie Fouré, die dabei eine wichtige Rolle gespielt hatte, war das Stück für das kollektive Gedächtnis Péronnes stets ein wichtiger Markstein. Im Ersten Weltkrieg aber wurde das Musée Alfred-Danicourt, in dem es verwahrt war, während der Somme-Schlacht von 1916 beschädigt, und nach der Evakuierung der Zivilbevölkerung aus dem von deutschen Truppen besetzten Ort verloren sich die Spuren dieses einzigartigen Dokuments der Stadtgeschichte.

Mit der öffentlichen Vorstellung der historischen Stickerei in Maastricht auf der TEFAF (The European Fine Arts Fair) 2019 durch die Franses Gallery London, die es auf einer Auktion aus Privatbesitz erworben hatte, haben die Forschungen Strackes, der die Identifizierung vornahm und den Nachweis zur Provenienz der Stickerei erbrachte, ein erstes wichtiges Ergebnis gezeitigt.

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Nachruf auf Prof. Dr. Wilhelm Rausch

Wilhelm Rausch
(1927 – 2019)

Am 14. Februar ist in Groß Gerungs im niederösterreichischen Waldviertel Wilhelm Rausch gestorben, ein Ehrenmitglied des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte.

Er wurde am 14. Jänner 1927 in Wien geboren. Dort wuchs er auf, besuchte die Volksschule, wechselte 1939 auf das Gymnasium, bis er 1944 zum Reichsarbeitsdienst und dann zur Luftwaffe eingezogen wurde. Nach der Matura begann er 1946 ein Studium der Rechtswissenschaften und der Geschichte an der Universität, das ihn schließlich in den 46. Ausbildungskurs des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, der Ausbildungsstätte für Archivare in Österreich, führte (1951 – 1953). Das war eine entscheidende Station. Dort begann seine Mitarbeit an dem großen Quellenwerk der Linzer Regesten, das damals vom Institut mitgetragen wurde. Damit begründete er eine Basis für seine Berufung an das Stadtarchiv Linz 1954. Dort ist er dann geblieben bis zu seiner Pensionierung 1987.

In dieser Zeit hat er die Grundlagen für die Erforschung der Geschichte der Landeshauptstadt Oberösterreichs auf neue Grundlagen gestellt und ihr vielfältige neue Möglichkeiten eröffnet. Dabei blieb es nicht. Er blickte über Linz hinaus, er wurde zu einem der bewegenden Kräfte in der Geschichtswissenschaft Österreichs und man darf mit Fug und Recht behaupten, dass er es war, der die moderne Stadtgeschichtsforschung in Österreich etabliert hat. Das geschah in verschiedenen Anläufen.

Selbstverständlich hat er, wie jeder Stadtarchivar, eine große Anzahl an Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte von Linz publiziert. Sehr viele von ihnen richteten sich an ein allgemeines Publikum und trugen dazu bei, das öffentliche Geschichtsbewusstsein zu stärken. Sie betrafen alle Perioden der Stadtgeschichte bis in die Gegenwart hinein. Doch darüber hinaus hat er immer wieder Themen der Linzer Geschichte in den Blick der allgemeinen Geschichtswissenschaft gerückt, ob es sich nun um die Genese der frühmittelalterlichen Martinskirche, um die Raffelstetter Zollordnung oder um die Stellung von Linz in der Geschichte des mittelalterlichen Handels ging, besonders um die in Linz abgehaltenen Märkte und Messen. Diese Studien griffen auch über Linz hinaus, wenn er etwa seine Forschungen zu diesem Themenkreis in einem Aufsatz zum Märkte- und Messewesen in Österreich zusammenfasste, der 1996 in einem Sammelband unseres Instituts zu Messe- und Märktesystemen (Städteforschung A39) publiziert wurde.

Rauschs Bedeutung resultiert jedoch nicht vorranging aus diesem literarischen Oeuvre, wie es für einen Stadtarchivar durchaus charakteristisch ist. Entscheidend sind vielmehr seine Tätigkeiten in der Wissenschaftsorganisation. Er war in Linz der erste Stadtarchivar, der eine wissenschaftliche Ausbildung genossen hatte, und er war es, der innerhalb der Stadtverwaltung das Stadtarchiv gegen manche Widerstände zu einer eigenständigen Abteilung ausgestaltete. Das gab ihm die Basis für noch weiter ausgreifende Aktivitäten, vor allem als er 1978 zum Kulturverwaltungsdirektor der Stadt Linz ernannt wurde. Er entwickelte neue Formen der Kulturarbeit, die auch die Erhaltung der Altstadt zum Ziel hatten und so in eine breite Öffentlichkeit hineinwirkten.

Das alles bezog sich auf Linz und sein Umland. Wilhelm Rausch aber steckte sehr bald seine Ziele noch weiter. Zwar hatte er mit dem Entschluss, nach Linz zu gehen, auf eine universitäre Karriere verzichtet, doch war er offenbar entschlossen, weiterhin Kontakt zur nationalen und internationalen Forschung zu halten. Er trat vor allem mit Erich Keyser und seiner Marburger Forschungsstelle für Stadtgeschichte in Verbindung, und es gelang ihm, 1961 in Linz eine Tagung „Stadtarchiv und Stadtgeschichtsforschung“ mit internationaler Besetzung zu organisieren. Sie wurde vor allem von Archivaren getragen und widmete sich den Städten des 12. und 13. Jahrhunderts. Die Beiträge wurden 1963 publiziert.

Das war eine Art Durchbruch und Wilhelm Rausch wurde 1968 in die „Commission Internationale pour l’Histoire des Villes“ gewählt. Für den weiteren Fortgang der Stadtgeschichtsforschung in Österreich hatte er 1961 zunächst eine Zusammenarbeit mit der österreichischen Akademie der Wissenschaften erreicht, entschloss sich jedoch 1969, eine weitere, breitere Plattform für seine Pläne zu schaffen. Fast gleichzeitig mit der Gründung des „Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte“ in Münster durch Heinz Stoob gründete er den „Österreichischen Arbeitskreis für Stadtgeschichtsforschung“ und 1974/76 gelang es ihm, in Linz ein Institut für Stadtgeschichtsforschung einzurichten, das sich am Arbeitsprogramm der Commission Internationale orientierte, vor allem der Erarbeitung eines österreichischen Städteatlasses.

Arbeitskreis und Institut haben fortan die lange Reihe der Symposien getragen, die die Tagung von 1961 fortsetzten. Diese Symposien wurden sehr schnell zu einem zentralen Termin der mitteleuropäischen Stadtgeschichtsforschung und sind es noch heute. Sie folgten zunächst der Chronologie der europäischen Stadtentwicklung bis in die Gegenwart und gingen dann 1986 zu Sachthemen über. Sie haben aktuelle Sujets aufgegriffen und Markierungen gesetzt.

Vielleicht der wichtigste Beitrag seiner Symposien in der Forschung der Siebziger und Achtziger Jahre aber war dies: Wilhelm Rausch war nicht nur ein überaus fähiger Organisator, sondern auch ein geradezu genialer Kommunikator, ein mover and shaker. Er verstand es, Menschen zusammenzuführen und nutzte die politische Situation auf dem neutralen Boden Österreichs dafür, die Forscher aus den beiden Systemen, die Europa bis 1990 spalteten, auf den Symposien des Arbeitskreises zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Einen letzten Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss fanden diese Aktivitäten in der großen Tagung von 1990 zu Aspekten, Tendenzen und Perspektiven der Stadtgeschichtsforschung, deren Vorbereitung noch in die Zeit vor der Wende fiel. Wilhelm Rausch war ein Brückenbauer und die von ihm veranstalteten Symposien waren der Ort, an dem sich diese Tätigkeit vollzog und an dem sie sichtbar wurde.

Der Österreichische Arbeitskreis und das Kuratorium in Münster haben seit ihrer Gründung, die nicht zufällig im selben Jahr erfolgte, enge Beziehungen gepflegt, freundschaftlich und intensiv zusammengearbeitet. Auch bei jener Tagung von 1990 war das münstersche Institut beteiligt. Wilhelm Rausch hat lange Zeit im Beirat des Instituts gewirkt und wurde nach seinem Ausscheiden zum Ehrenmitglied gewählt.

Im Jahr 1987 war Wilhelm Rausch pensioniert worden, 1990 gab er die Leitung des Arbeitskreises ab. Immer mehr zog er sich nach Groß Gerungs im niederösterreichischen Waldviertel zurück, woher seine Gattin stammte. Fortan waren ihm noch viele Lebensjahre beschieden, lange blieb er noch im Kreise der Stadtgeschichtsforschung präsent. Dann wurde es stiller um ihn und am 14. Februar, dem Valentinstag, ist er friedlich eingeschlafen.

Peter Johanek

Boden. Wirtschaft. Gesellschaft - Anmeldung bis 15.04.2019 möglich

Abschlusskonferenz der Nachwuchsforscherinnengruppe „Soziale Wohnraumversorgung in wachsenden Metropolregionen“, gefördert durch die Hans Böckler Stiftung
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© IfEU

Städte und Regionen sind mit einer Vielzahl an Wohnungsfragen konfrontiert: In wachsenden Metropolregionen und Mittelstädten steigen stetig Mieten und Bodenpreise. Andernorts fehlt es vor allem an bedarfsgerechtem Wohnraum – und das nicht selten trotz erheblichen Leerstands. In Stadt und Land wird es für weite Teile der Bevölkerung immer schwieriger bezahlbaren und angemessenen Wohnraum zu finden. Dabei ständen durchaus geeignete Politiken und Instrumente für eine sozial gerechte Wohnraumversorgung zur Verfügung. Die Tagung beleuchtet drei mögliche Interventionsfelder als Ressourcen für ein Recht auf Wohnen: die Nutzung städtischen Bodens, die Wohnungswirtschaft und gemeinschaftlichen Wohnungsbau.

Die Abschlusstagung der Nachwuchsforscherinnengruppe „Soziale Wohnraumversorgung in wachsenden Metropolregionen“ des IfEU, gefördert durch die Hans Böckler Stiftung, bringt Wissenschaftler/innen aus Planungs-, Stadt- und Wohnungsforschung sowie Praktiker/innen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft zusammen, um in vier Foren die Möglichkeiten sozialer Wohnungsversorgung auszuloten. In einem öffentlichen Abendvortrag werden am Abend des 23. Mai zudem architektonische Perspektiven und Ansätze auf soziale Wohnraumversorgung eröffnet. An den Abendvortrag schließt ein Empfang an.

Hier geht es zum Programm .

Die verbindliche Anmeldung ist bis zum 15. April möglich.

Hier finden Sie Informationen zur Kinderbetreuung.

Ausschreibung des Wiener Preises für Stadtgeschichtsforschung

Die Stadt Wien hat am 31. Mai 2010 aus Anlass der Pensionierung von Herrn Archivdirektor Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll im Wege des Österreichischen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung (siehe: www.stadtgeschichtsforschung.at) den „Wiener Preis für Stadtgeschichtsforschung“ (WPS) eingerichtet, der in den Jahren 2011, 2013, 2015 und 2017 vergeben wurde und für 2019 von neuem zur Ausschreibung gelangt. Der Preis ist auf der Grundlage einer Förderung durch die Kulturabteilung der Stadt Wien mit € 5.000,- dotiert.

Bis zum 30. April 2019 können von den jeweiligen Autor/innen Veröffentlichungen bzw. Dissertationen sowie Habilitationsschriften auf dem Gebiet der vergleichenden Stadtgeschichtsforschung des europäischen Raumes in deutscher Sprache eingereicht werden, die in den Jahren 2016 bis 2018, gegebenenfalls auch noch 2019, erschienen sind.
Die eingereichten Arbeiten sind nach Möglichkeit (auch) in elektronischer Form zu übermitteln. Beizufügen sind ein Lebenslauf sowie ein Verzeichnis der bisher publizierten Arbeiten der Autorin/des Autors.
Arbeiten, die jeweils im Jahr vor der Preisvergabe des WPS für den Preis der Stiftung „Pro civitate Austriae“ (siehe: www.stadtgeschichtsforschung.at) eingereicht wurden, können bei der Preisvergabe des WPS nicht berücksichtigt werden.

Die Einreichungen sind zu richten an:

Institut für österreichische Geschichtsforschung
Universität Wien
z. H. von Archivdirektor i. R. ao. Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll
Universitätsring 1
A-1010 Wien

PDFs per Email an:  ferdinand.opll@hotmail.com

Die Entscheidung über die Zuerkennung des Preises erfolgt durch eine Jury und wird den Einreicher/innen im Sommer 2019 bekanntgegeben werden.

Nach der Entscheidung der Jury werden sämtliche eingereichten Arbeiten der Bibliothek des Instituts für österreichische Geschichtsforschung übergeben, um damit für die Forschung zur Verfügung zu stehen.

Dritter Workshop für Doktoranden zur Geschichte Westfalens

Historische Kommission für Westfalen
Doktorandenworkshop A4 Flyer
© LWL

Am 28. und 29. März 2019 veranstaltet die Historische Kommission für Westfalen zum dritten Mal den Workshop für Doktorandinnen und Doktoranden zur Geschichte Westfalens. Der Workshop richtet sich nicht nur an Studierende des Faches Geschichte, auch an Forscher aus verwandten Disziplinen wie Kunstgeschichte, Kirchengeschichte, Volkskunde aber auch Rechtsgeschichte, Musikwissenschaft oder Architektur sowie weitere Interessierte sind herzlich eingeladen an der Veranstaltung teilzunehmen.
Im Rahmen des Workshops erhalten zwölf Doktorandinnen und Doktoranden die Gelegenheit, ihre Projekte zu verschiedensten Epochen und Themenfeldern zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Da landesgeschichtliche Themen an vielen Universitäten eher zu den randständigen Forschungsfeldern gehören, ist der überuniversitäre Erfahrungsaustausch für Nachwuchsforscher umso wichtiger.
Die Vernetzung von Forschungsprojekten zur westfälischen Geschichte gehört – neben der Herausgabe grundlegender Werke zur Landesgeschichte und der Ausrichtung von Tagungen – zu den zentralen Aufgaben der Historischen Kommission für Westfalen. Dieses Netzwerk soll nicht nur bereits etablierten Forschern zur Verfügung stehen. Ausdrücklich sollen auch Nachwuchskräfte angesprochen und ihnen die Möglichkeit zum wissenschaftlichen Austausch geboten werden. Hierfür wurde das „Doktorandennetzwerk“ der Historischen Kommission eingerichtet. Mit dem Doktorandennetzwerk und den Workshops für Doktoranden möchte die Kommission den Kontakt zu Nachwuchswissenschaftlern herstellen und auf ihre landesgeschichtliche Arbeit aufmerksam machen.
Der dritte Doktoranden-Workshop zur Geschichte Westfalens findet am 28. März 2019 im Saal I der Bezirksregierung (Domplatz 1–3) und am 29. März 2019 im Freiherr-vom-Stein Saal der Bezirksregierung (Domplatz 36) in Münster statt. Die Veranstaltung wird öffentlich sein, zur Teilnahme an der Diskussion sind alle interessierten Forscherinnen und Forscher herzlich willkommen. Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 11. März 2019 formlos per Mail an Katrin.Jaspers@lwl.org. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Anmeldebestätigung. Getränke und Mittagessen sind für angemeldete Gäste kostenfrei. Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.

Der Einladungsflyer steht hier als PDF-Datei zum Download bereit

Redaktionsrichtlinien - Reihe Städteforschung

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