Ikonenmalerei

Zum Transfer eines religiösen Konzeptes in Kunst und Politik

Ikonen nehmen in der russischen Kultur seit dem 19. Jahrhundert eine herausgehobene Stellung ein: Ursprünglich kultische Bildwerke der orthodoxen Liturgie, wurden sie von den Slavophilen zu Sinnbildern einer eigenständigen russischen Tradition erhoben – im Kontrast zur als rationalistisch, individualistisch und gottfern kritisierten Kultur des Westens. Diese symbolische Aufladung setzte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts fort und findet bis heute Eingang in politische und propagandistische Diskurse, die die Ikone als Zeichen spiritueller Kontinuität und kultureller Identität Russlands gegenüber dem Westen stilisieren. <br /> Der Workshop widmet sich medialen Transformationen und ideologischen Aufladungen dieser Ikonentradition – etwa in der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts, in der frühen russischen und sowjetischen Filmkunst oder in der Moderne bei Kazimir Malevič, der sein „Schwarzes Quadrat“ als Ikone seiner Zeit bezeichnete. In interdisziplinärer Perspektive – zwischen Literatur-, Kunst-, Medien- und Zeitgeschichte – wird gefragt, wie sich ästhetische Verfahren und symbolische Funktionen der Ikonenmalerei in anderen Medien niederschlagen und mit welchen kulturellen oder politischen Implikationen solche Bezugnahmen jeweils verbunden sind.

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Rubrik
Tagungen und Kongresse
Zeitraum
15.-17.05.2025, 15:30 Uhr - 13:15 Uhr
Reihe
Ort
Hörsaalgebäude des Exzellenzclusters, Raum JO 102, Johannisstr. 4
Eintritt
frei
Anmeldung
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Veranstalter/
Kontakt
Exzellenzcluster Religion & Politik
Johannisstraße 1
48143 Münster
religionundpolitik@uni-muenster.de
+49 251 83-23376



Institut für Slavistik
Bispinghof 3, Haus A
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