Frühjahrstagungen

In Planung - Frühjahrstagung 2028

Die nächste Frühjahrstagung wird am 27./28.3.2028 in Zusammenarbeit mit Julia Schmidt-Funke (Leipzig) und Olivier Richard (Fribourg) stattfinden und beschäftigt sich mit "Städtischen Gemeingütern (Urban Commons) in der Vormoderne".

  • Frühjahrstagung 2026

    Zum Phänomen der autonomen Stadt im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

    Zwischen städtischer Freiheit und fürstlicher Herrschaft – Zum Phänomen der autonomen Stadt im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

    49. Frühjahrskolloquium des Instituts für vergleichende Städtegeschichte und des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V. in Zusammenarbeit mit Angela Huang (Lübeck) / Henning Steinführer (Braunschweig)

    Das Phänomen der Autonomiestadt ist für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtgeschichte in Deutschland von großer Bedeutung. Unter dem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem auch von Heinz Schilling geprägten Forschungsbegriff Autonomiestadt werden jene Städte gefasst, die einerseits hinsichtlich ihrer Rechtsstellung zwar keine Reichsstädte waren, sich aber andererseits so weit von der Herrschaft ihres geistlichen oder weltlichen Fürsten gelöst hatten, dass sie politisch, rechtlich, wirtschaftlich und auch militärisch selbständig handlungsfähig waren. Diese besondere Stellung kommt in dem im 16. Jahrhundert aufkommenden Begriff der zwischen Reichsstadt und Land- bzw. Territorialstadt stehenden civitas mixta zum Ausdruck.

    Die Autonomie oder – in der Diktion der Zeit – die Freiheit dieser Städte gründete auf ihrer wirtschaftlichen Stärke, die sie gegenüber ihren eigentlichen Stadtherren durch den Erwerb immer neuer Rechte zu nutzen und durch herrscherliche Privilegien abzusichern wussten (Privilegienpanzer). Der von der Forschung geprägte Typus der autonomen Stadt wurde bisher insbesondere im Norden des Reiches lokalisiert, wo zugleich die Zahl der Reichsstädte gering war. Die (Städte-)Hanse etwa wäre ohne Autonomiestädte nicht denkbar. Als prominente Beispiele gelten Braunschweig, Erfurt, Magdeburg oder Münster.

    Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gerieten solcherart weitgehend autonom agierenden Städte durch den systematischen Ausbau der fürstlichen Territorialherrschaft zunehmend unter Druck, nicht wenige verloren ihre Selbstständigkeit. Andere behaupteten ihre Position ausgesprochen erfolgreich. In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden bis auf wenige Ausnahmen aber auch die verbliebenen Autonomiestädte fürstlicher Herrschaft unterworfen. Einen Schutz vor fürstlichem Zugriff bot in diesem neuen politischen Kontext nur der Rechtsstatus als Reichsstadt, wie ihn Bremen und Hamburg noch im 17. Jahrhundert zu erlangen vermochten.

    Nun soll das für die vormoderne Stadtgeschichte wichtige Phänomen der autonomen Städte erstmals ins Zentrum einer wissenschaftlichen Tagung gestellt werden. Ansatz der vergleichend angelegten Tagung ist es – ausgehend von Fallbeispielen – Merkmale und Rahmenbedingungen von städtischer Autonomie herauszuarbeiten und nach übergreifenden Mustern vormoderner Stadtentwicklung zu fragen. Dazu gehört auch der Vergleich mit anderen Städtetypen, um Abgrenzungen und fließende Übergänge zwischen verschiedenen Städtetypen nicht aus den Augen zu verlieren. So wird im Rahmen der Tagung nicht nur städtische Freiheit umfassend vorgestellt, sondern auch der Forschungsbegriff der Autonomiestadt kritisch geprüft.

    Zu behandelnde Themenfelder sind u. a.:

    • Bedingungen für die Entstehung autonomer Städte (Recht, Wirtschaft, Politik);
    • Strategien zum Aufbau und zum Erhalt der städtischen Autonomie;
    • Spezifische Merkmale autonomer Städte;
    • Veränderte Rahmenbedingungen für kommunales Handeln in der Frühen Neuzeit;
    • Interkommunales Zusammenwirken (Städtebünde, Hanse);
    • Verhältnis zu anderen Stadttypen (Reichsstädte, landesherrliche Städte);
    • Selbst- und Fremdwahrnehmung, Formen spezifischer Repräsentation;
    • zeitgenössische Rechts- und Verfassungsdiskurse um den Typus der autonomen Stadt (civitates mixtae).

     

    Programm

    Veranstaltungsort: Vortragssaal des LWL-Museums für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster

     

    16. März 2026

    13.00 Uhr−13.30 Uhr
    Begrüßung: Ulrike Ludwig, Münster

    Der Forschungsbegriff der „autonomen Stadt“ – Eine Einführung
    Angela Huang, Lübeck / Henning Steinführer, Braunschweig
     

    I. Die autonome Stadt als historisches Phänomen
    Moderation: Angelika Lampen, Münster

    13.30 Uhr–14.15 Uhr
    Ulla Kypta, Münster: Die Entstehung von Autonomiestädten im späten Mittelalter – ein deutsches Phänomen?

    14.15 Uhr–15.00 Uhr
    Philip Haas, Wolfenbüttel / Martin Schürrer, Osnabrück: Das Reich und das Recht. Diskurse um den Typus der autonomen Stadt

    15.00 Uhr –15.30 Uhr
    Kaffeepause
     

    II. Aufbau und Erhalt städtischer Autonomie im späten Mittelalter und der Frühen Neuzeit
    Moderation: Christian Speer, Halle (Saale)

    15.30 Uhr–16.15 Uhr
    Angela Huang, Lübeck: Die Hanse − Ein Zusammenschluss autonomer Städte?

    16.15 Uhr–17.00 Uhr
    Christoph Volkmar, Magdeburg: Autonomiestadt und Reformation – Ein Zusammenhang

    17.00 Uhr
    Mitgliederversammlung des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte e. V.


    Öffentlicher Vortrag

    19.30 Uhr
    Jürgen Sarnowsky, Hamburg: Die autonome Stadt im euro­päischen Vergleich

    Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Umtrunk ein.

     

    17. März 2026

    III. Sicherung oder Verlust städtischer Freiheit – Fallbeispiele
    Moderation: Ulrike Ludwig, Münster

    09.00 Uhr–09.45 Uhr
    Konrad Elmshäuser, Bremen: Autonome Stadt, Konfession und Landesherrschaft – Bremens Emanzipation zur Freien Hansestadt 1522–1646

    09.45 Uhr–10.30 Uhr
    Henning Steinführer, Braunschweig: Braunschweig gegen Braunschweig. Der Konflikt um die Stadtfreiheit im 16. und 17. Jahrhundert

    10.30 Uhr–11.00 Uhr
    Kaffeepause

    11.00 Uhr–11.45 Uhr
    Martin Čapský, Pardubice: Late Medieval Wrocław − Autonomy or Political Emancipation?

    11.45 Uhr–12.30 Uhr
    Amélie Marineau-Pelletier, Metz: Metz between Autonomy and Dependence. New Perspectives on the Defence of its Urban Privileges (14th−16th c.)

    12.30 Uhr–14.00 Uhr
    Mittagspause


    IV. Perspektiven städtischer Autonomie
    Moderation: Carla Meyer-Schlenkrich, Münster

    14.00 Uhr–14.45 Uhr
    Teresa Schröder-Stapper, Düsseldorf: Von Löwen und Adlern. Epigraphische Repräsentationsstrategien semi-­autonomer Städte

    14.45 Uhr–15.30 Uhr
    Stephan Selzer, Hamburg: Städte als Stadtherren


    V. Diskussion und Ausblick
    Moderation: Angela Huang, Lübeck / Henning Steinführer, Braunschweig

    15.30 Uhr–16.00 Uhr
    Katalin Szende, Wien/Budapest: Schlusskommentar

    16.00 Uhr–16.30 Uhr
    Schlussdiskussion