Eine Gruppe von Teilnehmenden sitzt konzentriert an weißen Tischen in einem hellen Seminarraum und arbeitet an Laptops oder macht sich Notizen. Im Vordergrund befindet sich ein gelber Textbalken mit der Aufschrift: FREITAGS-KOLLOQUIUM zu Problemen vergleichender Städtegeschichte.
Freitagskolloquium

Seit 1970 können sich im Freitags-Kolloquium Wissenschaftler*innen zu Problemen vergleichender Städtegeschichte austauschen. 

Jedes Semester werden Workshops angeboten, die einerseits unter dem Motto "Junge Städteforschung" für Nachwuchswissenschaftler*innen die Möglichkeit bieten, die Thesen ihrer Qualifizierungsarbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Andererseits werden konkrete städtegeschichtliche Einzelthemen herausgegriffen, um diese von Expert*innen verwandter Disziplinen vergleichend beleuchten zu lassen.

Aufzeichnungen der Kolloquiumsvorträge ab dem Sommersemester 2021 finden Sie auf dem YouTube-Kanal des IStG.

  • Programm des Freitags-Kolloquiums im Sommersemester 2026

    © IStG

    Freitag, 24. April 2026: Junge Städteforschung

    Alina Ostrowski (Bochum/Münster)
    Öffentliche Klagebriefe als Mittel städtischer Fehdeführung in der Soester Fehde (1444-1449)

    Fünf Briefe, 146 Adressaten, 673 Zeilen Text und über ein Quadratmeter Papier - das sind die öffentlichen Klagebriefe der Stadt Soest in Zahlen. Verschickt wurden sie im Zuge der Soester Fehde (1444-1449) gegen den Erzbischof von Köln. Der Vortrag wird die Charakteristika des Brieftypus 'Klagebrief' vorstellen und der Frage nachgehen, wie die Stadt Soest die Klagebriefe einsetzte, um sich als Stadt während eines kriegerischen Konflikts auch mit Mitteln der öffentlichen Kommunikation gegen einen Reichsfürsten zu behaupten.  

    Niklas Ziegler (Mainz)
    Städtische Arenen. Fremde in der urbanen maskulinen Gewalt- und Ehrkultur von 1450-1600

    Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Städte konstituierten eine urbane Männlichkeitskultur, in der der bürgerliche Habitus untrennbar mit der Fähigkeit und Bereitschaft zur bewaffneten Verteidigung von Person, Haus und Stadt verknüpft war. Im Mittelpunkt meines Projektes steht die Frage, inwieweit Fremde Zugang zu dieser kriegerisch-männlichen Sphäre erhielten und ihre Ehre in einem primär bürgerdefinierten Raum behaupten konnten. Anhand normativer Quellen sowie Zeugnissen der tatsächlich gelebten Praxis, die in Gerichtsakten beschrieben werden, wird die Rolle von Fremden in der urbanen Gewalt- und Ehrkultur untersucht. 

    Tabea Drell (Münster)
    Nach den Käfigen ging es weiter. Eine rechtshistorische Untersuchung der Bewältigung der Täuferherrschaft von Münster (1534-1535)

    Die Täuferherrschaft von Münster (1534-1535) ist fester Bestandteil stadtgeschichtlicher Erinnerungskultur und damit bereits Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Bisher unbeleuchtet geblieben sind aber die langwierigen rechtlichen Prozesse, die für die Bewältigung dieses 16-monatigen Ausnahmezustandes nötig waren. Meine Dissertation und damit auch der Vortrag untersuchen daher, wie das Täuferreich anhand seiner Personen und ihrer Güter sowieso schließlich auch im Verhältnis zwischen Stadt und Fürstbistum bewältigt wurde. Fest steht schon jetzt: Nach den Käfigen ging es weiter. 

    Sophia Wagner (Regensburg)
    Repräsentation ohne Zuschauer. Wappendarstellungen ehrbarer Familien im Kreuzgang des Nürnberger Kartäuserklosters

    Die Klausurvorschriften des semi-eremitischen Ordens waren strenger als die der meisten Männerorden des Mittelalters. Umso bedeutsamer erscheint daher das Gebot des Ordens, seine Klöster abseits des weltlichen Trubels zu errichten. Dennoch begegnen vermehrt ab dem 14. Jahrhundert auch Kartäuserklöster in Städten. So auch in Nürnberg, wo der Stadtrat, obgleich die Stadt bereits reich mit Kirchen und Klöstern ausgestattet war, im Jahr 1380 bereitwillig die Erlaubnis zur Gründung der Kartause Marienzelle erteilte. Schon bald wurde das neue Kloster mit reichen Stiftungen aus den Ratsherrengeschlechtern ausgestattet, im  Gegenzug für die wertvollen Gebete der Mönche zugunsten des Seelenheils der Stifter. Häufig waren diese Stiftungen zweckgebunden an Bau- oder Kunstwerke, die innerhalb des strikt abgesperrten Klausurbereichs der Mönche platziert wurden. Durch ihre Unzugänglichkeit folgen diese Stiftungen dezidiert nicht der öffentlichkeitswirksam-repräsentativen Logik des üblichen städtischen Stiftungsbetriebs. Am Beispiel von Wappendarstellungen ehrbarer Nürnberger Familien soll der Vortrag grundlegenden Fragen der Repräsentation im bürgerlichen Einflussbereich, impliziten Rangunterschieden innerhalb der Stadtgesellschaft und der religiösen Anbindung an Orte der memoria nachgehen. Im Zentrum steht dabei die Perspektive der Stifter und die Frage nach den Handlungsspielräumen, die ihnen die fehlende Sichtbarkeit ihrer Monumente für Formen sozialer Selbstverortung eröffnete.

    Alle Interessierten sind herzlich in den Seminarraum des IStG eingeladen. Die Workshops beginnen jeweils um 14 Uhr c.t.

     

    Freitag, 03. Juli 2026: Wann ist eine (Reichs)Stadt Reichsstadt? Probleme der Periodisierung des Reichsstadtbegriffs

    Angelika Lampen / Stefan Tönnessen (Münster)
    Wann ist eine (Reichs)Stadt Reichsstadt? Probleme der Kartierung des Reichsstadtbegriffs

    Sebastian Weil (Kassel)
    Der Weg zum Reichsstadtstatus: Die kleinen Reichstädte in der Ortenau und am Mittelrhein

    Helge Wittmann (Mühlhausen)
    Reichstädte in Mitteldeutschland im 13. Jahrhundert

    Jörg Rogge (Mainz)
    "Unsere und des Reiches Stadt" - eine Tautologie?

    Alle Interessierten sind herzlich in den Seminarraum des IStG eingeladen. Die Workshops beginnen um 14 Uhr c.t.