Hans-Blumenberg-Gastprofessoren

Auf die „Hans-Blumenberg-Gastprofessur für Religion und Politik“ des Exzellenzclusters werden renommierte Forscherinnen und Forscher aus wechselnden Disziplinen berufen, etwa aus der Geschichtswissenschaft, Soziologie, Ethnologie und Rechtswissenschaft. Die Gastprofessur ist nach dem einflussreichen Münsteraner Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996) benannt und wird auf Vorschlag der Hauptantragstellerinnen und Hauptantragsteller des Exzellenzclusters für je ein Semester besetzt.

Prof. Dr. Mark Juergensmeyer (Sommersemester 2018)

Prof. Dr. Mark Juergensmeyer – Hans-Blumenberg-Gastprofessor
© privat

Der international anerkannte Soziologe Prof. Dr. Mark Juergensmeyer von der University of California, Santa Barbara, befasst sich im Sommersemester 2018 als „Hans-Blumenberg-Gastprofessor“ am Exzellenzcluster in öffentlichen Vorträgen mit Fragen von Religion und Gewalt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören religiöse Gewalt, Konfliktlösungen sowie südasiatische Religionen und Politik. Er untersucht, auf welche Weise Religion gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen stimulieren, eindämmen und modifizieren kann. Er fragt auch danach, worin ihre dynamische Potenz begründet liegt und durch welche externen Bedingungen Religion mobilisiert oder aber auch beschränkt werden kann.

Mark Juergensmeyer ist Professor für Soziologie, Internationale Studien und Religionswissenschaft sowie Gründer des Orfaela Center for Global and International Studies an der University of California, Santa Barbara. Der Wissenschaftler hat in den vergangenen Jahren wesentliche Studien über Religion und Gewalt vorgelegt, darunter das international beachtete Werk „Terror in the Mind of God: The Global Rise of Religious Violence“ aus dem Jahr 2000 („Terror im Namen Gottes: Ein Blick hinter die Kulissen des gewalttätigen Fundamentalismus“), das auf Interviews mit religiösen Aktivisten weltweit basiert, darunter Dschihadisten, ISIS-Kämpfer, Anführer der Hamas und christlich-militante Abtreibungsgegner in den USA. Zu seinen Publikationen gehören auch „Die Globalisierung religiöser Gewalt. Von christlichen Milizen bis al-Qaida” (2009), “Gandhi's Way: A Handbook of Conflict Resolution" (2005) und “The New Cold War? Religious Nationalism Confronts the Secular State” (1993).

Prof. Dr. Jóhann Páll Árnason (Sommersemester 2018)

Prof. Dr. Jóhann Páll Árnason – Hans-Blumenberg-Gastprofessor
© privat

Der renommierte Soziologe Prof. Dr. Jóhann Páll Árnason ist im Sommersemester 2018 „Hans-Blumenberg-Gastprofessor“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der WWU. In einer öffentlichen Vortragsreihe und in seinen Forschungen in Münster widmet sich der in Island geborene Forscher verschiedenen Zugängen zur „religiös-politischen Konstitution der Moderne“: Welche Rolle spielt die Religion im Prozess der Modernisierung? Wurde der Übergang von vormodernen zu modernen Gesellschaften dadurch möglich, dass die Bedeutung der Religion abnahm oder war gerade die Auseinandersetzung mit der Religion Voraussetzung für den Weg in die Moderne? Die Reihe nimmt verschiedene Theorien zur Entstehung der Moderne in den Blick, darunter Ansätze von Hans Blumenberg, dem Namensgeber der Gastprofessur, Max Weber, Shmuel Eisenstadt, Marcel Gauchet und Hans Joas.

Jóhann Páll Árnason, 1940 geboren in Dalvík, Island, ist emeritierter Professor für Soziologie an der La Trobe University in Melbourne, Australien. Nach der Promotion bei Jürgen Habermas in Frankfurt, der Habilitation an der Universität Bielefeld und der Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie der Frankfurter Schule, wendete Árnason sich makrosoziologischen Fragen zu und formulierte eine Theorie der Moderne. Er wurde zu einem führenden Vertreter der vergleichenden Zivilisationsanalyse. Nach dem Wechsel nach Australien 1975 blieb Árnason der europäischen Forschungslandschaft mit Aufenthalten an renommierten europäischen Forschungseinrichtungen verbunden. Er hat viel beachtete Publikationen vorgelegt, darunter „Civilizations in dispute“ (2003), und mit Shmuel N. Eisenstadt und Björn Wittrock „Axial civilizations and world history“ (2004). Mit einem Schwerpunkt auf Ostasien und Japan widmet er sich der Vergleichbarkeit von Zivilisationen und den je unterschiedlichen Wegen in die Moderne. Der Soziologe gehört zu den wichtigsten Vertretern des Theorems der „multiple modernities“.

Prof. Dr. Thomas Hauschild (Sommersemester 2017)

Prof. Dr. Thomas Hauschild - Hans-Blumenberg-Gastprofessor
Prof. Dr. Thomas Hauschild - Hans-Blumenberg-Gastprofessor
© Franziska Richter

Der renommierte Ethnologe Prof. Dr. Thomas Hauschild übernimmt im Sommersemester 2017 die „Hans-Blumenberg-Gastprofessur“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Der Wissenschaftler, der Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften ist, befasst sich in einer öffentlichen Vortragsreihe in Münster mit der „Unvermeidbarkeit von Religion“. Nach Jahrzehnten verstärkter Säkularisierung beeinflussen Religionen die Politik wieder so stark, so Hauschild, dass sich die Frage stelle, ob menschliche Kollektive letztlich ohne Religion leben können. Der Wissenschaftler plädiert für Religionsforschung, welche die subjektive Erfahrung religiöser Menschen ernst nimmt, ohne die Basis wissenschaftlicher Neutralität zu verlassen.

Thomas Hauschild, 1955 in Berlin geboren, war zuletzt Professor für Ethnologie und vergleichende Kultursoziologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Fellowships und Gastprofessuren führten ihn unter anderem an das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien, das Wissenschaftskolleg zu Berlin und das Internationale Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie in Weimar. Thomas Hauschild hat zahlreiche, viel beachtete Publikationen vorgelegt, darunter „Hexen“, „Der böse Blick“, „Magie und Macht in Italien“ (2002), „Ritual und Gewalt“ (2008), und „Weihnachtsmann – Die wahre Geschichte“ (2012). Der ehemalige Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung forschte zwischen 1982 und 2015 stationär zum Thema Religion und Politik in der süditalienischen Provinz Basilicata.

Der Sprecher des Exzellenzclusters, der Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack, unterstreicht, Thomas Hauschild sei „ein Ethnologe mit originellen Ideen“ und durch seine breit gestreuten Forschungsinteressen könne er „in besonderer Weise inspirierend für die interdisziplinären Forschungsarbeiten am Exzellenzcluster wirken.“ Die Ergebnisse seiner Feldforschungen und historischen Analysen seien für viele Fächer am Exzellenzcluster von hohem Interesse. „Das bietet Chancen für neue Wege des wissenschaftlichen Denkens über religiöse Sinnformen und Praktiken.“ Zu den Forschungsschwerpunkten des Blumenberg-Gastprofessors zählen die Unvermeidbarkeit von Religion, Geisterkulte, religiöse Reserven in imperialen Konsumgesellschaften und Religion bei IS- und Al-Qaida-Terroristen.

Für das Sommersemester 2017 hat der Exzellenzcluster erstmals zwei Hans-Blumenberg-Gastprofessoren berufen: den Ethnologen Prof. Dr. Thomas Hauschild und die britische Religionssoziologin Prof. Dr. Linda Woodhead von der Lancaster University.

Prof. Dr. Linda Woodhead (Sommersemester 2017)

Prof. Dr. Linda Woodhead - Hans-Blumenberg-Gastprofessorin
Prof. Dr. Linda Woodhead - Hans-Blumenberg-Gastprofessorin
© Christine Baker-Parrish

Die international renommierte Religionssoziologin Prof. Dr. Linda Woodhead von der Lancaster University übernimmt im Sommersemester 2017 die „Hans-Blumenberg-Gastprofessur“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster. Die britische Wissenschaftlerin befasst sich während ihres Aufenthaltes an der WWU mit der wachsenden Zahl der Religions- und Konfessionslosen weltweit. In einem öffentlichen Vortrag erörtert sie die Frage „Is ‘No Religion’ the New Religion?“ (Ist „keine Religion“ die neue Religion?).

Linda Woodhead, geboren 1964 in Somerset in England, ist Professorin für Religionssoziologie an der Lancaster University. Für ihre wissenschaftlichen Verdienste erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universitäten Uppsala, Zürich und Oslo. Die Wissenschaftlerin erhielt 2013 die Auszeichnung „Order of the British Empire“ für ihre Beiträge zur Hochschulbildung. Sie war zuletzt Delegierte beim Weltwirtschaftsforum in Davos und gehörte dessen Beirat für die Fragen des Glaubens (Global Agenda Council on the Role of Faith) an. Sie hat zahlreiche Publikationen über Religion in modernen Gesellschaften vorgelegt, darunter das international stark beachtete Buch „The Spiritual Revolution“ (Die spirituelle Revolution, mit Paul Heelas, 2005), dem Untersuchungen christlicher und alternativer Formen von Spiritualität in der englischen Stadt Kendal zugrunde liegen. Hinzu kommen Arbeiten wie „A Sociology of Religious Emotion“ (Eine Soziologie des religiösen Gefühls, mit Ole Riis, 2010) und „That Was The Church That Was: How the Church of England Lost the English People“ (Das war die Kirche, die war: Wie die Kirche von England das englische Volk verlor, 2016). Prof. Woodhead studierte Theologie und Religionswissenschaften an der University of Cambridge und spezialisierte sich auf empirische Kultur-, Religions- und Werteforschung.

„Linda Woodhead befasst sich in ihren Forschungen mit Säkularisierung, Religion und Gender sowie mit dem Zusammenhang zwischen Religion und Emotion“, sagt der Sprecher des Exzellenzclusters, Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack. „Diese Schwerpunkte bieten zahlreiche Schnittmengen mit den Themen des Exzellenzclusters.“ Besonders hervorgetreten sei die Wissenschaftlerin durch ihre These von der „spiritual revolution“ (spirituelle Revolution). „Sie beschreibt damit einen Formenwandel des Religiösen in modernen Gesellschaften, durch den neue individualistische und synkretistische Religionsformen an Bedeutung gewinnen und mehr und mehr an die Stelle rückläufiger kirchlicher Bindung treten“, erläutert Prof. Pollack.

„Mit ihrer langjährigen Erfahrung in der interdisziplinären Forschung über Religion und Gesellschaft ist Linda Woodhead eine große Bereicherung für den Exzellenzcluster“, hebt Prof. Pollack hervor. Von 2007 bis 2012 leitete die neue Blumenberg-Gastprofessorin den interdisziplinären Forschungsverbund „Religion and Society research programme” (Forschungsprogramm Religion und Gesellschaft), den das „Arts and Humanities Research Council und das „Economic and Social Research Council“ gefördert hat.

Für das Sommersemester 2017 hat der Exzellenzcluster erstmals zwei Hans-Blumenberg-Gastprofessoren berufen: die Religionssoziologin Prof. Dr. Linda Woodhead und den Ethnologen Prof. Dr. Thomas Hauschild.

Prof. Dr. Horst Dreier (Wintersemester 2016/2017)

Prof Dr Horst Dreier Privat
Prof. Dr. Horst Dreier - Hans-Blumenberg-Gastprofessor
© privat

Der international anerkannte Würzburger Rechtswissenschaftler und Rechtsphilosoph Horst Dreier übernimmt im Wintersemester 2016/17 die „Hans-Blumenberg-Gastprofessur“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. In öffentlichen Vorträgen und in seinen Forschungen in Münster befasst er sich mit „Herausforderungen des säkularen Verfassungsstaates“. Er erörtert dabei den „umkämpften Begriff“ der Säkularisierung und spricht über die Verfassungsgeschichte der Religionsfreiheit in Deutschland, die religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates und die Frage nach sakralen Elementen im säkularen Staat.

Horst Dreier, 1954 in Hannover geboren, ist Professor für Rechtsphilosophie, Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Würzburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Verfassungs- und Ideengeschichte sowie das Verhältnis von Recht und Religion. Von 2001 bis 2007 gehörte er dem Nationalen Ethikrat an. Der vielfach ausgezeichnete Forscher hat zahlreiche Publikationen in seinen Forschungsgebieten vorgelegt, darunter die Arbeiten „Säkularisierung und Sakralität. Zum Selbstverständnis des modernen Verfassungsstaates “ (2013), „Bioethik“ (2013), „Idee und Gestalt des freiheitlichen Verfassungsstaates“ (2014) und „Staatsrecht in Demokratie und Diktatur“ (2016), sowie einen dreibändigen, neu konzipierten Grundgesetz-Kommentar.

Die Forschungen von Horst Dreier sind für viele im Exzellenzcluster vertretene Fächer von hohem Interesse: Seine rechtsphilosophischen Arbeiten machen ihn zum Ansprechpartner für die Philosophen, die rechts- und verfassungsgeschichtlichen Publikationen für Historiker. Die Beschäftigung mit der Rechts- und Staatssoziologie eröffnet den Dialog mit den sozialwissenschaftlichen Fächern. Zudem ist seine Art, Verfassungsrecht zu betreiben, stark politikwissenschaftlich informiert, so dass auch hier Synergieeffekte zu erwarten sind.

Die Aufenthalte von Horst Dreier am Wissenschaftskolleg zu Berlin und am Max-Weber-Kolleg in Erfurt zeigen die Wertschätzung, die ihm die Wissenschaft entgegenbringt, seine Fähigkeit zum interdisziplinären Austausch sowie seine Hochschätzung dieser Wissenschaftsform.

Prof. Dr. Lucian Hölscher (Sommersemester 2016)

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Lucian Hölscher - Erster Hans-Blumenberg-Gastprofessor
© RUB, Nelle

Der international renommierte Bochumer Historiker Prof. Dr. Lucian Hölscher ist der erste Inhaber der „Hans-Blumenberg-Gastprofessur“ am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster. Er befasst sich im Sommersemester 2016 in öffentlichen Vorträgen und in seinen Forschungen mit dem Reformationsjubiläum 2017 und der protestantischen Frömmigkeitskultur in Deutschland.

Lucian Hölscher, geboren 1948, ist emeritierter Professor für Neuere Geschichte und Theorie der Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und Vorstandsmitglied des Käte-Hamburger-Kollegs „Dynamics of Religion Between Asia and Europe“ der RUB.

Der Historiker gehört zu den international führenden Vertretern der Sozial-, Kultur- und Religionsgeschichte der Neuzeit und hat wichtige Impulse für eine Theorie der Geschichte gegeben. Zu seinen bedeutsamsten Werken zählt die Studie „Geschichte der protestantischen Frömmigkeit“, die den Wandel der protestantischen Frömmigkeit von der Reformation bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts beschreibt. Während der Gastprofessur in Münster wird Prof. Hölscher an seinem zweiten Band zur „Geschichte der protestantischen Frömmigkeit“ arbeiten.

Die Forschungsergebnisse von Lucian Hölscher sind für die historischen und sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekte am Exzellenzcluster von hohem Interesse. Er verbindet die Untersuchung religiöser Semantiken, zum Beispiel von Vergangenheits-, Gegenwarts- und Zukunftsvorstellungen, mit der Analyse von sozialstrukturellen und politischen Veränderungen.

Für viele Mitglieder des Exzellenzclusters, die in der Neuzeit- und Moderne-Forschung arbeiten, sind seine Arbeiten einschlägig. Aber auch in methodologischer Hinsicht, etwa was die wissenschaftstheoretische Reflexion von in den Geschichtswissenschaften gebrauchten Methoden angeht, bestehen viele Berührungspunkte zu laufenden Forschungsarbeiten am Exzellenzcluster.