Politische Polarisierung wird zunehmend als drängende Herausforderung für demokratische Gesellschaften wahrgenommen. Wachsende Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen können nicht nur politische Institutionen, sondern auch den alltäglichen sozialen Umgang miteinander beeinträchtigen.
Eine zentrale Facette dieses umfassenderen Phänomens ist affektive Polarisierung: die Tendenz, politischen Gegner:innen mit negativen Gefühlen zu begegnen. Forschung zu affektiver Polarisierung konzentriert sich bislang vor allem auf Zwei-Parteien-Systeme und auf Erwachsene. Demgegenüber ist deutlich weniger ist darüber bekannt, wie sich affektive Polarisierung bei Jugendlichen entwickelt – in für politische Einstellungen und Verhaltensweisen prägenden Lebensphase. Ähnliches gilt für den Umgang mit affektiver Polarisierung in der Schule.
Im Projekt UAPA untersuchen wir die Ursachen affektiver Polarisierung unter Jugendlichen in zwei europäischen Bildungssystemen: Deutschland und Belgien (Flandern). Durch einen vergleichenden Ansatz wollen wir sowohl gemeinsame Muster als auch länderspezifische Dynamiken affektiver Polarisierung in einer entscheidenden Phase der politischen Sozialisation identifizieren.
Projektbeschreibung
UAPA vereint mehrere Bausteine:
- Zunächst werden in einer nicht-repräsentativen Befragung die emotionalen, sozialen und politischen Auslöser affektiver Polarisierung unter Jugendlichen untersucht. Ein Survey-Experiment testet mögliche, unter Jugendlichen noch kaum untersuchte Strategien zur Verringerung affektiver Polarisierung.
- Anschließend liefert eine repräsentative Befragung einen umfassenden Überblick über das Ausmaß und die Ursachen affektiver Polarisierung im Jugendalter und beleuchtet zugleich die Rolle von Schulen im Umgang mit politischen Spaltungen.
- Im letzten Schritt arbeiten wir gemeinsam mit Schulen an der Entwicklung konkreter, praxisnaher Strategien, um affektiver Polarisierung im schulischen Kontext zu begegnen.
Über alle Projektteile hinweg verbinden wir Perspektiven aus der Forschung zu affektiver Polarisierung, politischer Sozialisation sowie politischer Bildung und Demokratieförderung. Anstatt ausschließlich die Folgen von Polarisierung zu betrachten, richtet das Projekt den Blick gezielt darauf, wie Schulen auf affektive Polarisierung reagieren und einen konstruktiven Austausch über politische und gesellschaftliche Themen fördern können. Methodisch stützt sich das Projekt auf fortgeschrittene analytische Verfahren und einzigartige länderübergreifende Datensätze von Jugendlichen.
Dieses Projekt wird gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ellen Claes (KU Leuven) durchgeführt und über das Weave-Verfahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Fonds Wetenschappelijk Onderzoek (FWO) gefördert.