Dekonstruktion eines imperialen Denkmals: Zu ukrainischen Versionen der intertextuellen Exegi monumentum-Tradition
Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung „Kulturelles Übersetzen“
Dr. Mariya Donska (Graz)
Die bekannte intertextuelle Reihe von „Monumentgedichten“, die die Unsterblichkeit eines Dichters durch das Fortleben seiner Werke in seiner Kultur beschreiben, geht auf Horaz' Gedicht Hor.carm.3,30 („Exegi monumentum...“) zurück. Zusammen mit einer weiteren Ode von Horaz (Hor.carm.2,20 mit einem Völkerverzeichnis) bildete es den Prätext für eine lange intertextuelle Reihe. Im Gegensatz zu den russischen und polnischen Gedichten dieser Reihe sind die ukrainischen Texte bislang kaum erforscht. Der Vortrag widmet sich insbesondere der Analyse des Gedichts „Pam’’jatnyk“ von Jurij Andruchovyč im Kontext der ukrainischen (post-)kolonialen Situation und untersucht verschiedene Strategien des antiimperialen Protests im Kontext der imperial geprägten Tradition. Andruchovyčs bewusste Einbettung seines Textes in eine andere – ukrainische und kosmopolitische – intertextuelle Tradition, ein antiimperialer Städtekatalog, die Komposition eines karnevalesken „auf den Kopf gestellten” Denkmals und die Verspottung sowjetischer Ideologien zeigen die vielfältigen antiimperialen Strategien in seinem Werk. Die hohe Dialogizität der intertextuellen Verweise wird durch eine subtile Arbeit mit Metren, einzelnen Lexemen oder sogar Morphemen sowie durch die Komposition und den Stil erreicht. Intertextualität, so zeigt sich, ist ein wirksames Mittel, um bisher unreflektierte imperiale und patriarchale Muster offenzulegen und zu dekonstruieren – ein erster Schritt, um sie auch zu verändern.
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