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Forschungsprojekt „Ressentiment als affektive Grundlage von Radikalisierung“

Prof. Mouhanad Khorchide, Prof. Detlef Pollack und Dr. Olaf Müller (Professur für Religionssoziologie) und Prof. Levent Tezcan (Professur für sozialwissenschaftliche Erforschung des Islam im Europa des 20. und 21. Jahrhunderts) haben im Rahmen der BMBF-Förderlinie „Gesellschaftliche Ursachen und Wirkungen des radikalen Islam in Deutschland und Europa“ erfolgreich das Forschungsvorhaben „Ressentiment als affektive Grundlage von Radikalisierung“ eingeworben. Die Fördersumme beträgt 1,46 Mil. €.

Das Forschungsvorhaben interessiert sich für den kulturellen Boden, auf dem islamische Radikalisierung gedeihen und Resonanz finden kann. Es geht der Frage nach, welchen Anteil die Ausbildung einer kulturrelevanten Affektlage der Unterlegenheit und des Ressentiments unter Musliminnen und Muslimen an Prozessen ihrer Radikalisierung hat. ‚Ressentiment‘ bezeichnet dabei die Verfestigung eines Gefühls der Kränkung, das negative soziale Erfahrungen hypostasiert und positive Ansätze einer Verbesserung der Lage entwertet. Es drückt sich in Polarisierungen zwischen den Bevölkerungsgruppen entlang ethnischer und religiöser Grenzziehungen aus. Diese beziehen sich auf negative Erfahrungen bzw. Wahrnehmungen der Diskriminierung im Alltag, die im Ressentiment von ihrem pragmatischen Sachzusammenhang abgekoppelt werden und eine Eigendynamik gewinnen, die schließlich gegenüber den möglichen positiven Erfahrungen mehr oder weniger resistent bleiben. Um die Spezifik ressentimentgeladener Affektlagen herauszuarbeiten, sind ressentimentfreie Selbst- und Fremdwahrnehmungen in der Mehrheits-/Minderheitsfiguration für unser Vorhaben ebenfalls von Interesse. Das Projekt ist quantitativ und qualitativ angelegt. Eine repräsentative Befragung soll Ausprägungen und Verbreitung von sozial, religiös und politisch aufgeladenen Ressentiments unter in Deutschland lebenden muslimischen Einwanderern erfassen. Zum anderen ist geplant, Ziele und Organisationsstruktur islamischer Vereine und Assoziationen und dabei insbesondere die in diesen Milieus gepflegten Wahrnehmungsmuster und Einstellungen etwa zur nichtmuslimischen Umwelt zu analysieren. Diese Wahrnehmungsmuster sollen zugleich mit den Wahrnehmungsmustern in anderen muslimischen Milieus, die keinen Bezug zu den ressentimentgeladenen Gruppen haben, kontrastiert werden, um unterschiedliche Formen der Diskriminierungswahrnehmung und Differenzen in ihrer Verarbeitung herauszustellen.

Research project “Resentment as the affective foundations of radicalization”

As part of its funding line “Social Causes and Effects of Radical Islam in Germany and Europe”, the Federal Ministry of Education and Research (BMBF) has awarded €1.46 million to Mouhanad Khorchide (Islamic Religious Education), Detlef Pollack and Olaf Müller (Sociology of Religion), and Levent Tezcan (Social Science Research on Islam in 20th- and 21st-century Europe) to pursue their research project “Resentment as the affective foundations of radicalization”.

The research project is concerned with the cultural soil that can nurture Islamic radicalization, and with the role that the formation of cultural affects of inferiority and resentment among Muslims plays in their radicalization. ‘Resentment’ means here the consolidation of a feeling of grievance that hypostatizes negative social experiences and devalues positive approaches to improving a particular situation. It expresses itself in polarization between population groups along ethnic and religious lines, the latter relating to negative experiences or perceptions of discrimination in everyday life. In resentment, such experiences and perceptions are detached from their actual context and gain a momentum of their own, ultimately remaining more or less resistant to possible positive experiences.

In order to work out the specifics of affective states that are charged with resentment, the project will also explore resentment-free perceptions of self and other in the minority/majority configuration. The project is both quantitative and qualitative. A representative survey will gauge the manifestations and prevalence of social, religious and political resentment among Muslim immigrants living in Germany, while an analysis will be made of the goals and organizational structure of Islamic associations, and in particular of the patterns of perception and attitudes (for example, towards the non-Muslim environment) that these milieus cultivate. In order to shed light on the different forms by which discrimination is perceived and differences in how this perception is processed, the project will also contrast these patterns of perception with such patterns in other Muslim milieus that have no relation to the groups displaying resentment.

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