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Sammelband: Gott und die Krise – Islamische Theologie und ihre Bezugswissenschaften in Zeiten der Pandemie

Die Coronakrise fordert auch die islamische Theologie in besonderer Weise. Dabei bleibt keine ihrer Teildisziplinen unberührt. Vielmehr werden durch aktuelle Entwicklungen der Pandemie die Theologien in ihrer Gesamtheit herausgefordert, sowohl in Hinblick auf Ethik, schöpfungstheologische Fragen, Theodizee als auch in Bezug auf individuelle und kollektive Verantwortungen. Die Coronakrise stellt folglich eine grundsätzliche Herausforderung für theologisches Nachdenken dar. Während vergessene Diskurse neu aufleben, geraten andere Themen der Theologie in den Hintergrund. Selbstverständlich scheinende Strukturen der religiösen Praxis brechen vielfach ein, während in anderen Bereichen des religiösen Lebens Neues entsteht. So verhilft die bis vor kurzem noch unvorstellbare globale Krise bekannten theologischen Fragestellungen zu neuer Aktualität, teilweise lässt sie aber auch völlig neue Topoi entstehen: So ist beispielsweise die Frage nach Gott zu stellen: Wie lässt sich in der Krise zu Gott finden? Und wie kann man diesen überhaupt denken, lässt er doch diese Krise erst zu? Und wie lässt sich der Mensch als Geschöpf verstehen, der in seiner ontologischen Verfasstheit mit dem Anderen erst existieren kann, in der Krise jedoch gefordert ist, sich diesem Anderen zu entziehen und sich zu isolieren? Mehr noch: In der Isolation und Selbstzurücknahme entstehen neue Bedeutungen von Gemeinschaft, weil man im Rückzug den Schutz des Anderen gewährleisten möchte. Ferner: Welche Rolle kommt Religion in Zeiten verschlossener Gotteshäuser und der Aufforderung nach Isolation überhaupt noch zu? Welche Bewältigungsstrategien kann Religion hier bieten? Welche Ressource stellt Religion in derartigen Krisen dar und welche Rolle spielt zuweilen auch religiös begründeter Fatalismus? Wie lässt sich die Verantwortung des Menschen für den Rest der Schöpfung theologisch denken? Wie viel Verzicht auf eigene Bedürfnisse kann und darf auf individueller, gesamtgesellschaftlicher als auch auf globaler Ebene erwartet werden?

Diese und weitere Fragen sollen aus den Perspektiven der jeweiligen Disziplinen (ethisch, religionsphilosophisch, mystisch, exegetisch etc.) beleuchtet werden. Diese Fragen sollen unter anderem in historischer, phänomenologischer und erkenntnistheoretischer Hinsicht diskutiert werden. So erfordert die Thematik jedoch auch, die diesbezüglichen Diskussionen nicht auf eine islamische Perspektive zu beschränken, sondern vielmehr interreligiöse und interdisziplinäre Zugänge, die sich mit der Verstricktheit von Krise und Theologie beschäftigen. Beiträge zu diesem Thema sollen in einem Sammelband erscheinen, der in Kooperation zwischen dem Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster und dem Institut für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück herausgegeben wird. Dabei sind Beiträge aus unterschiedlichen Fachdisziplinen erwünscht, die sich mit der breiten Thematik von Pandemie in theologischen Kontexten auseinandersetzen.

Die Abstracts sollen einen (Arbeits-)Titel, die Skizze des Vorhabens mit Bezug zum Thema und einen kurzen Lebenslauf enthalten. Nur bisher unveröffentlichte Artikel werden berücksichtigt. Gespannt werden Abstracts (von maximal einer Seite) bis zum 13. Juni 2021 an Laura Pusch (l_pusc01@uni-muenster.de) erwartet. Die fertigen Texte sollen – im Falle der Zusage – 55.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Literatur) möglichst nicht überschreiten und bis zum 15. Oktober 2021 eingereicht werden. Geplanter Erscheinungszeitraum ist Frühjahr 2022. Veröffentlicht wird im Verlag Karl Alber in der Reihe falsafa. Horizonte islamischer Religionsphilosophie des Verlag Karl Alber.

Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an die Herausgeber:innen:

Dr. Asmaa El Maaroufi (asmaa.elmaaroufi@uni-muenster.de)

Dr. Martin Kellner (martin.kellner@uos.de)