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Hospiz- und Palliativtag Mecklenburg-Vorpommern 2017
Tod und Trauer in unterschiedlichen Kulturen
25. November 2017, Ribnitz-Damgarten

Auf Einladung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit sowie der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz- und Palliativmedizin nahmen Experten aus verschiedenen Disziplinen an einer Fachtagung zum Thema „Tod und Trauer in unterschiedlichen Kulturen“ teil. Die Tagung verfolgte das Ziel, Verständnisse über den Tod und den Umgang mit diesem aus Perspektive des Judentums (Dr. med. Stephan Probst), des Christentums (Prof. Dr. Roland Rosenstock) sowie des Islams (Daniel Roters, M.A.) ins Gespräch zu bringen. Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer berichtete über Aspekte der Friedhofs-, Trauer- und Gedenkkultur. Anne Kalkbrenner aus Rostock zeigte mit ihrem Poetry Slam, dass der Tod nicht automatisch mit Trauer gleichzusetzen ist.

In der Tagung, an der auch ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter aus dem Bereich des Hospizwesens und der Palliativmedizin teilnahmen, sprach Herr Roters unter dem Titel „Verständnis von Krankheit, Leid, Sterben und Tod im Islam“ über verschiedene Zugänge zum Verständnis von Tod und vom Leiden in der islamischen Tradition. Dabei wurde deutlich, dass der Tod, wie das gestaltete Leben, verständlicherweise auch Dreh- und Angelpunkte im Leben der Muslime sind. Den Tod als eine Station zu begreifen, ihn als Aufgabe zu meistern, mithilfe einer Gesellschaft, die ihn nicht tabuisiert, sei das vordringlichste Ziel, um das Individuum und ein gelebtes Leben ernst zu nehmen. Der Tod müsse als Thema in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden, gerade deshalb, um Leben zu gestalten. Der Ort der Barmherzigkeit Gottes sollte eine praktizierte uns zu praktizierende Nächstenliebe sein, die besonders im Vollzug mit reiner Absicht das Bekenntnis zu Gott ernst nehme. Gleichzeig müsse der Leidende und der Sterbende, der als Muslim bezeichnet wird, sich selbst als Muslim begreift, stärker noch als Individuum wahrgenommen werden, gerade hinsichtlich seines geführten Lebens und seiner Persönlichkeitswerdung. Insofern sei die Frage des Glaubens sowohl in der Krise als auch am Ende des Lebens eine schwierige wie herausfordernde, die nicht nur kulturübergreifend wirke, sondern über Grenzen einzelner Religionsgemeinschaften hinweg zur existentiellen Frage werde.

Tagungsflyer