Ein Dokument von 1797, das teils in gedruckter Frakturschrift, teils handschriftlich verfasst wurde. Es handelt sich um sich um einen ausgefüllten Eingangzettel mit einem ausgedruckten Wappen.
Westfälische Akzisestädte
© LAV NRW W

Des Königs neue Steuer

Praktiken preußischer Herrschaftsorganisation am Beispiel der westfälischen Akzisestädte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (ca. 1700–1756)
  • Über das Projekt

    Schon für die Zeitgenossen waren Steuern der „nervus rerum“ frühneuzeitlicher Staatlichkeit und auch die ältere Forschung zog eine Verbindungslinie zwischen den kameralistischen Ideen und dem Ausbau vormoderner Staatlichkeit. Während die älteren Studien jedoch die steuerbasierte Entstehung vormoderner Territorialstaaten als einen geradlinig verlaufenden Prozess beschrieben, betonen jüngere Studien, dass Herrschaft und somit auch das Wirken der Verwaltungen in Steuerfragen als sozialer und kommunikativer Prozess gefasst werden muss. An diesem hatten nicht nur die „Herrscher“, sondern auch die „Beherrschten“ Anteil.

    Der preußische Staat erhob unter König Friedrich Wilhelm I. (1688–1740, regierte ab 1713) in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts einige ehemalige Dörfer zu Städten, um dort die Akzise als eine Form der indirekten Steuer einzuführen. Das Ziel war die Steigerung staatlicher Einnahmen sowie ein gleichzeitiger Ausbau landesherrlicher Verwaltungsstrukturen. Die „Akzisestädte“ lassen sich daher als ein Versuch der preußischen Landesherren verstehen, kameralistische Ideen gebündelt umzusetzen; die zu Städten erhobenen Gewerbesiedlungen können gewissermaßen als Vorzeigeprojekte frühmoderner Staatlichkeit gelten.

    Forschungen zu den preußischen Stadt- und Akzisereformen und insbesondere zu den Akzisestädten [Link zum Artikel über den Stadttypus Akzisestadt im Portal Städtegeschichte.de] sind nach wie vor ein Desiderat nicht nur der westfälischen Landes- und Städte-, sondern auch der neueren Verwaltungsgeschichte des preußischen Staates. Studien, die die Steuerzahlung als soziale Praxis begreifen, fehlen vollständig. Dabei stellen gerade Akzisestädte ein lohnendes Forschungsfeld dar, um anhand der Steuerpraktiken Verfahren und Formen lokaler Herrschaft zu untersuchen, bei der Verwaltungen und die sog. „Beherrschten“ um Einfluss rangen.

  • Projektlaufzeit

    2020 – 2023

  • Projektteam

    Projektleitung

    Prof. Dr. Werner Freitag

    Projektmitarbeitende

    Sebastian Schröder M.A.

Interaktive Kartographie der Westfälischen Akzisestädte

  • Interaktive Karte

    © IStG
  • Über die Karte

    In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden im preußischen Westfalen zahlreiche neue Städte. Den ehemaligen Dörfern, Flecken und Wigbolden hatte der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. städtische Rechte verliehen. Damit war die Einführung der „Akzise“ verbunden, einer Verbrauchssteuer, die auf alle nur erdenklichen Güter des täglichen Bedarfs gezahlt werden musste. Aufgrund ihrer Erhebung an den Stadttoren und Mauerdurchlässen galt die Akzise lediglich in Städten. Da in den westfälischen Landesteilen Preußens aber bis dato kaum urbane Zentren existierten, hätte sich die Akzise für die Staatskasse kaum gelohnt. Also erklärte der Monarch mehrere Orte zu Städten, um dort diese Steuer einziehen zu können. Die derart privilegierten Ortschaften werden in der historischen Forschung als „Akzisestädte“ bezeichnet. In der interaktiven Karte zu den „Akziseorten in Westfalen“ werden wesentliche Daten zu den einzelnen Städten geboten, etwa zur Entwicklung der Einwohnerschaft oder der Steuerleistung.

Publikationen

  • Ernst Albrecht Friedrich Culemann, Die Rittergüter des Fürstentums Minden. Nachrichten von denen saembtlichen Ritter- und Adelichen Gütern, auch freyen Hoefen und Häußern in Städten und auf dem platten Lande des Fürstenthums Minden […] 1748, hg. v. Sebastian Schröder (Quellen zur Regionalgeschichte, Bd. 18), Bielefeld 2020.
  • Werner Freitag, Städtegründung einmal anders: 300 Jahre Akzisestädte in Ravensberg. Vortrag anlässlich der Feier „300 Jahre Stadtrechte“ in Halle am 17. April 2019, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 104 (2019), S. 37–50.
  • Ders., Vergessene Zeiten? Das brandenburgisch-preußische Minden-Ravensberg im 17. und 18. Jahrhundert, in: Johannes Altenberend/Burkhard Beyer (Hg.), Akzisestädte im preußischen Westfalen. Die Stadtrechtsverleihungen von 1719 und die Steuerpolitik König Friedrich Wilhelms I. Beiträge der Tagung am 23. März 2019 in Bielefeld, Bielefeld 2020, S. 29–48.
  • Ders., Westfalen. Geschichte eines Landes, seiner Städte und Regionen in Mittelalter und früher Neuzeit, Münster 2023.
  • Sebastian Schröder, 300 Jahre „Akzisestädte“ in Ravensberg. Ein Rückblick auf Erträge und Ergebnisse eines „sperrigen“ Jubiläums, in: Westfälische Forschungen 70 (2020), S. 311–320.
  • Ders., Neue Städte braucht das Land! Bünde, Enger und Vlotho erhalten 1719 Stadtrecht, in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 27 (2020), S. 222–235.
  • Ders., Die preußischen Akzise- und Städtereformen in der Grafschaft Ravensberg zu Beginn des 18. Jahrhunderts, in: Johannes Altenberend/Burkhard Beyer (Hg.), Akzisestädte im preußischen Westfalen. Die Stadtrechtsverleihungen von 1719 und die Steuerpolitik König Friedrich Wilhelms I. Beiträge der Tagung am 23. März 2019 in Bielefeld, Bielefeld 2020, S. 29–48.
  • Ders., Das „Stadterhebungsedikt“ vom 17. April 1719 und der Akzisetarif vom 9. Mai 1719, in: ebd., S. 49–102.