

Münster nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648–1655)
Über das Projekt
In der historischen Friedensforschung insbesondere zum Westfälischen Frieden wird bislang der Fokus auf die Frage gerichtet, wie es zu Friedensschlüssen kam und was diese ermöglichte. Dagegen sind diejenigen Vorgänge, die auf einen Friedensschluss folgten, weit weniger in den Blick geraten.
Das Projekt untersuchte aus einer stadtgeschichtlichen Perspektive die Zeit nach dem Abschluss des Westfälischen Friedens für den Münsteraner Fall und damit für eine Stadt, der durch ihre Funktion als Kongressort bis 1648/49 eine Sonderrolle innerhalb der Städtelandschaft des Reichs zukam. Das Augenmerk wurde dabei weniger auf das Verhältnis zum Fürstbischof, sondern vielmehr auf das städtische Binnenleben und damit auf Bereiche der Münsteraner Stadtgeschichte gerichtet, die für die Zeit nach 1648 bislang kaum untersucht worden sind.
Ausgangspunkt des Projekts, das in enger Kooperation mit dem Stadtarchiv Münster durchgeführt wurde, ist eine Auswertung der Ratsprotokolle als einem seriellen Seismographen städtischer Konfliktlagen. Hieraus sind einzelne thematische Schwerpunkte erwachsen. Diese umfassen die Aufwandsgesetzgebung des Stadtrats (v.a. zu Hochzeiten), rechtliche Auseinandersetzungen wegen straffällig gewordener Soldaten, die Auftritte der Stadt auf den Landtagen und die städtische Finanzpolitik (mit einem Fokus auf das Gruetamt).
Projektlaufzeit
2022 – 2023
Projektteam
Projektleitung
Prof. Dr. Ulrike Ludwig
Dr. Philip Hoffmann-Rehnitz
Projektmitarbeitende
Markus Breyer
Luca Bröckelmann
Ralf Bureck
Simon Müller
Tagung
Eng verbunden war das Projekt mit der im September 2023 stattgefundenen und vom IStG mitorganisierten Tagung „Den Frieden gewonnen? Städte nach 1648 im Vergleich“
Publikationen
Ulrike Ludwig/Philip Hoffmann-Rehnitz (Hg.), Münster nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648–1655) (Kleine Schriften aus dem Stadtarchiv Münster 21), Münster 2024.
Markus Breyer: Die Entwicklung der städtischen Finanzen in Münster zwischen 1645 und 1655 im Spiegel der Gruetamtsrechnungen und der Ratsprotokolle, in: ebd., S. 109ff.
Luca Bröckelmann: „dweil Gott lob, nun mehr der lang gewündschter lieber friede erschienen […]“. Hochzeitsfeierverbote in Münster zwischen Krieg und Frieden, in: ebd., S. 83ff.
Ralf Bureck, Marodierende Soldaten oder straffällige Zivilisten? Der Magistrat der Stadt Münster als Ordnungshüter in der Nachkongresszeit, in: ebd., S. 53ff.
Simon Müller, Der Krieg im Frieden. Wahrnehmung und Umgang mit äußeren Bedrohungen in Münster 1648–1655, in: ebd., S. 25ff.
Philip Hoffmann-Rehnitz: Geld und Macht. Hessische Satisfaktion, Vechtische Evakuation und das Verhältnis der Stadt Münster zu Landschaft und Landesherrn zwischen 1648 und 1654, in: ebd., S. 145ff.

