Historische Übersichtskarte von Westfalen und angrenzenden Regionen mit rot markierten Städten, Burgen und Ereignisorten sowie blauen Flussverläufen; eingetragen sind unter anderem Münster, Dortmund, Paderborn, Minden, Herford und Corvey mit zugehörigen Zahlenangaben.
Die deutschen Königspfalzen
© IStG

Band 6: Nordrhein-Westfalen. Teilband 3: Westfalen

  • Über das Projekt

    Unter der Leitung des IStG wurden für das „Repertorium der deutschen Königspfalzen“ die 15 königlichen Aufenthaltsorte in Westfalen von ausgewiesenen Expert*innen nach einheitlichem Schema erarbeitet. Neben der Beschreibung der eigentlichen Herrscheraufenthalte bietet das Repertorium vielfältige Informationen hinsichtlich der Stadtgeschichte und Stadtarchäologie sowie der Ortsnamenkunde, visualisiert durch Karten sowie Orts- und Lagepläne. Der durch das IStG bearbeitete Teilband Westfalen erweitert dabei einerseits den stadtgeschichtlichen Fokus und die kartographische Komponente, andererseits wurden die einzelnen Artikel auch für eine Internet-Präsentation aufbereitet, um sie dem interessierten Publikum zugänglich machen zu können.

  • Projektlaufzeit

    2012–2014

  • Projektteam

    Projektleitung

    Prof. Dr. Manfred Balzer, Prof. Dr. Peter Johanek, Dr. Angelika Lampen

    Projektmitarbeitende

    Dr. Christian Helbich, Dr. Christof Spannhoff

Westfälische Königspfalzen digital

  • Interaktive Karte

    © IStG
  • Über die Karte

    Die das Handbuch ergänzende interaktive Karte kartiert alle Orte königlicher Aufenthalte in Westfalen, die nach Grundlage und Typus der königlichen Herrschaft vor Ort klassifiziert werden. Kurzinformationen zu jedem Ort erlauben einen ersten Überblick über die Häufigkeit und die jeweiligen Örtlichkeiten der einzelnen Herrscheraufenthalte. Die Karte bietet über zuschaltbare Layer die Topographie und die Verkehrswege zu Lande und zu Wasser, die wichtige Referenzpunkte für das Itinerar der Herrscher waren.

    Über die einzelnen Pfalzorte in Westfalen informieren ausführliche Texte, die neben weiteren Karten und Plänen zum Ort selber einen Überblick zu den archäologischen Ergebnissen wie zur historischen Bedeutung des Ortes für das mittelalterliche Königtum allgemein bieten. Eine besondere Servicefunktion ist die Verlinkung aller Belegstellen für den jeweiligen Aufenthalt zu den entsprechenden Quelleneditionen (Regesta Imperii digital und MGH digital), sodass die Grundlagen für weitere Forschungen gelegt werden.

    Eine kurze Einführung in die Pfalzenforschung mit einem Ausblick in die anderen Regionen im Deutschen Reich ergänzt das Angebot.

Publikation

Die deutschen Königspfalzen. Band 6: Nordrhein-Westfalen. Teilband 3: Westfalen, hg. von Manfred Balzer, Peter Johanek, Angelika Lampen, Göttingen 2022.

  • Übersicht Autoren – Artikel

    Corvey – Karl Heinrich Krüger
    Dortmund – Angelika Lampen
    Eresburg/Marsberg – Karl Heinrich Krüger
    Erwitte – Birgitt Studt
    Herford – Christof Spannhoff
    Herstelle – Christof Spannhoff
    Lippspringe – Christof Spannhoff
    Lügde – Peter Johanek
    Minden – Christof Spannhoff
    Münster – Christian Helbich
    Paderborn – Manfred Balzer
    Rösebeck – Christof Spannhoff
    Soest – Ulrich Löer
    Vreden – Volker Tschuschke
    Wiedenbrück – Karsten Igel

Über das Gesamtprojekt

Das Ende der 1950er Jahre am Max-Planck-Institut für Geschichte initiierte Grundlagenvorhaben „Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters“ verzeichnet nach Bundesländern gegliedert „alle Stätten königlicher Aufenthalte zum Zweck der Regierung, die vor 1198 als solche in Erscheinung getreten sind“. Walter Schlesinger legte in seinem 1963 veröffentlichten Aufsatz zu Merseburg die methodischen Grundlagen. Eng mit dem Gesamtprojekt sind ferner die Namen Josef Fleckenstein, Adolf Gauert, Thomas Zotz, Otto Gerhard Oexle, Lutz Fenske und Caspar Ehlers verknüpft. Ehemals durch das Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen koordiniert, wird das Gesamtprojekt seit dem 1. Januar 2007 am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte unter Leitung von Caspar Ehlers betreut.

  • Publikationen

    Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters, hg. v. Max-Planck-Institut für Geschichte, Redaktion: Caspar Ehlers, Lutz Fenske und Thomas Zotz.

    • Band 1:  Hessen, Berstedt bis Gelnhausen, 5 Lieferungen, Göttingen 1983–2001.
    • Band 2: Thüringen, Göttingen 2000.
    • Band 3: Baden-Württemberg,
      • Teilband 1 „Baden“, 6 Lieferungen, Göttingen 2004, 2012–2020.
    • Band 4: Niedersachsen, Göttingen 1999–2001.
    • Band 5: Bayern
      • Teilband 1 „Altbayern“, Göttingen 2018/2023.
      • Teilband 3 „Bayrisch-Schwaben“, Göttingen 2016.
    • Band 6: Nordrhein-Westfalen
      • Teilband 3: „Westfalen“, Göttingen 2023.

Hintergrund

Das Forschungsprojekt

Die deutschen Königspfalzen. Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters - Zum Gesamtprojekt „Deutsche Königspfalzen“

  • Was ist eine Pfalz?

    Im Mittelalter verfügten die Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches über keine feste Residenz, sondern übten ihre Herrschaft in verschiedenen Orten des Reiches aus. Die Forschung bezeichnet solche Orte, welche besonders oft aufgesucht wurden, Teil des Krongutes waren und sich durch eine repräsentative Architektur auszeichneten, als Pfalzen. Aufenthalte sind jedoch nicht nur in solchen Anlagen nachzuweisen; häufig machten die Könige und Kaiser auch in Bischofsstädten, Abteien und anderen kleineren Orten Station, um dort ihren Regierungsgeschäften nachzukommen oder Feste zu feiern.

  • Pfalzenforschung – Was ist das eigentlich?

    Im Mittelalter verfügten die Könige und Kaiser des ostfränkisch-deutschen bzw. des mittelalterlichen deutschen Reiches über keine feste Residenz, sondern übten ihre Herrschaft an verschiedenen Orten des Reiches aus. Diese Aufenthaltsorte waren dabei teilweise Bestandteil des Krongutes, unterlagen häufig aber auch der Kontrolle anderer Herrschaftsträger (insbesondere Bischöfen und Äbten). Wie der ausführliche Titel des Repertoriums zeigt (Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters), werden die Orte königlicher Herrschaftsausübung auch begrifflich unterschieden. Mit dem Terminus „Königspfalz“ bezeichnet die Forschung ausschließlich in königlichem Besitz befindliche Anlagen mit vergleichbarer baulicher Ausstattung. Im Unterschied zu den sogenannten Königshöfen (lat. curia), die ebenfalls zum Reichsgut gehörten, muss eine Königspfalz aber auch als solche in den Quellen gekennzeichnet, also als palatium regis bzw. aula oder domus regia benannt sein. Der Unterschied zwischen Königshof und Königspfalz dürfte vermutlich eine übergeordnete politische Funktion gewesen sein. Die genauen Unterscheidungskriterien sind allerdings bis heute nicht gänzlich geklärt. Diese Aufenthaltsorte werden im Repertorium nach Schema A bearbeitet. Aufenthalte bzw. Gastungen bei anderen Herrschaftsträgern, Bischöfen oder in Klöstern und Stiften, in deren Zuge ebenfalls Herrschaft ausgeübt wird (etwa durch die Ausstellung von Urkunden am Ort), werden unter den „übrigen Aufenthaltsorten“ subsummiert. Diese Orte werden nach Schema B bearbeitet.

    Dem Phänomen des „Reisekönigtums“, des steten Herrscherumzuges im „Reich ohne Hauptstadt“ (Wilhelm Berges), ist auch eine spezielle Form des wissenschaftlichen Zugriffs geschuldet, denn es stehen in diesem Fall nicht Personen oder Epochen im Zentrum des Interesses, sondern die Behandlung des einzelnen Ortes – eine vor allem der Landesgeschichte vertraute Thematik. Im „Repertorium der deutschen Königspfalzen“ werden also die Stätten behandelt, die der Monarch zum Zweck der Herrschaftsausübung besucht hat. Dadurch wird zum einen eine Vergleichbarkeit der Orte untereinander ermöglicht, zum zweiten lassen sich durch die Herauslösung aus dem geschichtlich-chronologischen Kontext und die Einordnung in einen räumlichen Zusammenhang neue Perspektiven eröffnen. So zeigen sich etwa spezielle Gewohnheiten einzelner Herrscher, aber auch durch die Jahreszeiten oder das Kirchenjahr beeinflusste Aufenthaltsmuster. Nicht immer waren politische Motive ausschlaggebend für die Gestaltung des königlichen Reiseweges, wenn sie auch überwiegend das Itinerar bestimmt zu haben scheinen. Im Repertorium werden jedoch nicht nur Königspfalzen im engeren Sinne bearbeitet – für Westfalen waren das eigentlich nur Dortmund und Paderborn –, sondern auch Königshöfe (wie z.B. Rösebeck bei Warburg) oder Klöster und Bischofspfalzen (etwa Corvey oder Minden), in denen sich der mittelalterliche Herrscher temporär aufgehalten hat. Der Begriff „Königspfalzen“ erklärt sich dadurch, dass die ostfränkisch/deutschen Herrscher stets als König, nicht immer aber als Kaiser tituliert werden können. Zudem rechtfertigen sie ihre Herrschaft im Bereich nördlich der Alpen über das Königtum, nicht über den Kaisertitel (Caspar Ehlers).

  • Die Erkenntnisse

    Im Verlauf des Mittelalters sind Wandlungen in der Itinerarplanung zu beobachten. Abgesehen davon, dass es Kernlande der Königsherrschaft gab, die sich von Herrscherfamilie zu Herrscherfamilie verschieben konnten, änderten sich auch die Schauplätze der großen Versammlungen und kirchlichen Feste. Waren die späten Karolinger zumeist im Westen unterwegs, so erhielt Sachsen – bedingt durch die Herkunft der Königsfamilie – unter den Ottonen den Status einer Kernlandschaft. Die Salier versuchten, neben ihren rheinfränkischen Stammlanden (dem Gebiet um Speyer und Worms), auch den sächsischen Raum in ihr Reisekönigtum zu integrieren. Den Staufern schließlich gelang es zunächst, auch den Norden einzubeziehen, doch sind die Konflikte zwischen Friedrich I. Barbarossa und Heinrich dem Löwen ein Indikator für weiterhin schwelende Differenzen innerhalb des Reiches. Heinrich VI. und Friedrich II. waren nur noch sporadisch nördlich ihrer schwäbischen Stammlande anzutreffen, eine politische Schwerpunktverschiebung nach Süden bis nach Italien hatte ihr Itinerar entscheidend geprägt. In die staufische Zeit fiel auch die Entwicklung hin zur Hausmachtpolitik, die unter Rudolf von Habsburg, mit dessen Wahl 1272 das Interregnum zu Ende ging, ein entscheidender Faktor königlicher Politik wurde. Dieses allgemeine Ergebnis lässt sich für Westfalen spezifizieren.

    Man wird auf Basis der Königsaufenthalte des 8. bis 12. Jahrhunderts in Westfalen für das königliche Itinerar festhalten müssen, dass der Raum zwischen Rhein und Weser kein ‚Kernraum‘ des Königtums war. Die westfälischen Aufenthaltsorte erreichen bei Weitem nicht die Aufenthaltszahlen anderer deutscher Pfalzorte.

    Wenn man jedoch auf die Qualität einzelner Stationen abhebt, wird deutlich, dass die bloße Statistik täuscht, weil sie die situativen und individuellen Aspekte bei der Gestaltung der Reisewege nicht erfasst. Wegen seiner Pfalz und der Ausstattung mit reichem Königsgut war z.B. Dortmund eben nicht nur Reisestation, sondern immer wieder auch Zielort. Bei den Bischofssitzen, der Reichsabtei Corvey und den Reichsstiften Herford und Vreden tritt die Stellung einzelner Bischöfe bzw. von Äbten oder Äbtissinnen im Reich und die persönliche Beziehung zum jeweiligen Herrscher deutlich hervor und bestimmte so die Aufenthalte des 11. und 12. Jahrhunderts.

    Westfalen war also – obwohl man aufgrund der intensiven Nutzung des Hellwegs zu einem anderen Schluss gelangen könnte – nicht nur Durchgangsgebiet; treffender erscheint schon der Begriff des „Integrationsraums“ (Eckhard Müller-Mertens). Denn die nachgewiesenen Aufenthaltsorte erlebten immer wieder mit z.T. erheblicher Qualität der Kirchenfeste und Regierungshandlungen Schwerpunkte der praesentia regis, von Königsherrschaft und ihrer repräsentativen Darstellung in der Öffentlichkeit; sie waren besondere Ziele im königlichen Itinerar, die sicherlich in der Regel längerfristig geplant angesteuert wurden.

  • Die Untersuchung der Orte

    Breiten Raum nimmt im Repertorium „Deutsche Königspfalzen“ natürlich die Untersuchung des Ortes und der einzelnen Herrscheraufenthalte ein: Topographie und Baugeschichte der Gebäude sowie deren Ausstattung stehen im Mittelpunkt des archäologisch sowie architektur- und kunsthistorisch orientierten Abschnittes. Für Westfalen ist auffällig, dass es, abgesehen von den Aufenthaltsorten im 8. und frühen 9. Jahrhundert und vielleicht von Erwitte im 10./ 11. Jahrhundert, keine 'ländlichen' Pfalzen, sondern nur ausgebaute Königshöfe gab. Hier wirkten Pfalzen und Königsaufenthalte stadtbildend bzw. umgekehrt hielt sich der Herrscher zumeist in den „urbanen“ Zentren der Zeit auf. Daher wurden in den entsprechenden Artikeln auch immer die Wechselbeziehungen zwischen Aufenthaltsort und Stadt untersucht. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die Einbeziehung der neuesten archäologischen und stadtgeschichtlichen Ergebnisse gelegt.

    Das Verhältnis zwischen Königtum und Pfalzort wird in jedem Artikel anhand der am Ort getätigten Ausstellung von Urkunden verdeutlicht. Die einzelnen Aufenthalte werden dokumentiert, indem Quellen über eine Anwesenheit des Königs oder Kaisers nicht nur angegeben, sondern zitiert werden. So verfügt der Benutzer des Repertoriums über nahezu alle auf den Ort bezogenen, erzählenden wie normativen Quellen. Die Ereignisse werden in knapper Form zusammengefasst und die in Berichten und Urkunden genannten Anwesenden aufgelistet. Letzteres erlaubt, den Personenkreis um den Regenten zu identifizieren und auszuwerten.
    Basis des Pfalzenprojektes ist die seit über einem Jahrhundert bearbeiteten „Regesta Imperii“, die die Handlungen und die (daraus resultierende) Reiseroute der Herrscher in chronologischer Folge seit der frühen Karolingerzeit abbilden.